Taboo – Season 1 Review

Disclaimer: das nachfolgende Review beinhaltet einige inhaltliche Erklärungen, allerdings keine Spoiler hinsichtlich der Handlung nach der 1. Folge oder dem Schicksal der einzelnen Protagonisten.

Inzest.
Kannibalismus.
Okkult.
Kinderprostitution.
Sklavenhandel.
Homosexualität.

Die Aneinanderreihung dieser Schlagwörter bringt meinen Blog wohl auf diverse Watchlists, dabei stellt sie nur eine Zusammenfassung der Inhalte von Taboo dar. Und liefert gleichzeitig eine Erklärung, warum sich der Showtitel mit Tabu übersetzen lässt.

Tom Hardy (oscarnominiert für seine Rolle als Bösewicht in „The Revenant“, abgesehen davon als „Bane“ in „The Dark Knight Rises“ zum Weltruhm aufgestiegen) brilliert dabei als James Keziah Delaney, dem Sohn eines kürzlich verstorbenen englischen Geschäftsmannes, der von allen tot geglaubt zum Begräbnis seines Vaters in das London des Jahres 1814 zurückkehrt.

Tom Hardy als James Keziah Delaney in Taboo
Tom Hardy als James Keziah Delaney in Taboo – (c) esquire.com (all rights reserved)

Das London im Jahre 1814 ist ein hartes Pflaster. Irgendwo zwischen Nebel, Dreck, Armut und Cholera schwelgt ein Konflikt zwischen der britischen Krone und den Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser betrifft auch die (selbsterkannt-ehrenwerte) East India Company, welche ihrerseits mächtiger als der Prinzregent selbst scheint.

Unter dem väterlichen Erbe von Delaney befindet sich die rechtmäßige Besitzschaft über das ehemalige Indianergebiet von Nootka Sound – die Halbinsel von Vancouver. Als wichtige Passage zwischen den britisch-kanadischen Kolonialgebieten und dem Seeweg nach China ist Nootka Sound gleichermaßen für die britische Krone, die East India Company und die Vereinigten Staaten von immensem strategischen Interesse.

Delaney muss (als Spielverderber für zuvor geplante Länderaufteilungen angesehen) dementsprechend gleich an mehreren Fronten kämpfen – gegen die East India Company, die britische Krone, amerikanische Spione, den Ehemann seiner Halbschwester, die (wilden) Gerüchte über die Zeit seiner langen Verschollenheit in Afrika und die kolportierte Geisteskrankheit seiner Mutter und seines Vaters.

Taboo ist nichts für schwache Nerven (oder Mägen). Die behandelten Themen habe ich bereits in meiner Einleitung erwähnt. Das Level der Brutalität der BBC/FX-Serie (u.a. Fargo, Justified) ist jedoch für GoT-Seher nichts Ungewohntes. Die Story von Steven Knight (Eastern Promises, Peaky Blinders) ist intelligent aufbereitet und steigert sich von Folge zu Folge bis hin zu einem atemberaubenden Staffelfinale.

Neben Hardy umfasst das Ensemble von Taboo auch Jonathan Pryce (den meisten als High Sparrow in Game Of Thrones bekannt), Oona Chaplin (die Gattin von Rob Stark in GoT), Mark Gatiss (Mycroft Homes in Sherlock), Franka Potente, David Hayman und Michael Kelly (emmy-nominiert für seine Rolle als Doug Stamper in House Of Cards)

Die gesamte erste Staffel lief zwischen Jänner und März bei BBC sowie auf FX und ist seit 31. März bei Amazon Prime Video abrufbar. Sie umfasst acht Folgen mit einer Länge von 53-59 Minuten. Sie ist wahlweise im englischen Originalton oder in deutscher Synchronisierung verfügbar und hält (Stand: 7. April 2017) bei einem IMDb-Score von 8.8. Die Serie wurde bereits für eine 2. Staffel verlängert.

Die bitterste Niederlage seit 2003

Die samstägliche 1:2 Niederlage beim SV Mattersburg war ein tabellarischer (und auch moralischer) Genickschlag für die SV Ried. Nach dem überzeugenden 2-0 gegen Altach (dem ersten Sieg seit Anfang Dezember und dem ersten zu-null-Sieg seit dem 2. Spieltag) war die Stimmung unter der Mannschaft (und auch unter den Fans) eigentlich so positiv wie schon lange nicht mehr. Der 2-1 Testspielsieg gegen Dukla Prag in der Länderspielpause war laut Augenzeugen ein weiterer Schritt nach vorne. Dementsprechend motiviert traten wir am Samstag zu fünft den Ausflug nach Mattersburg an (von Graz aus eine ca. 90-minütige Fahrt). Bei herrlichem frühsommerlichen Wetter schmeckte nicht nur das Bier hervorragend, auch das Spielglück schien sich endlich auf unsere Seite zu schlagen.

Choreo der Riedfans vor dem Bundesligaspiel zwischen Mattersburg und Ried
Stimmung und Wetter vor der Partie sommerlich gut. Nachher war’s noch immer sommerlich, aber die Stimmung war nicht mehr gut. 

Nach einer einer Halbzeit, in der man Chancen en masse zugelassen hatte und sich mit einem 0-0 in die Pause zitterte, konnte Orhan Ademi in der 48. Minute sein erstes Tor seit 10. September (beim 3-2 Auswärtssieg in St. Pölten) bejubeln. Ein weiteres positives Zeichen, wie man zu diesem Zeitpunkt denken konnte. Doch nach zwei Aluminiumtreffern des im Abschluss glücklosen Stefan Nutz kam es am Ende so, wie es kommen musste. Dank Brachialgewalt (mit drei Mittelstürmern am Platz) knockte Patrick Bürger die panisch-ungeordnete Rieder Mannschaft mit einem Doppelschlag in der 84. und 86. Minute zurück auf den Boden der Realität.

Anstatt Platz 9 und einem kleinen aber immens wichtigen Schritt in Sachen Klassenerhalt musste man die Heimreise ins Innviertel mit der wohl bittersten Niederlage seit dem historischen 29. Mai 2003 im Gepäck antreten. Unter den über 30-jährigen Männern in unserem Auto herrschte bei der Heimreise zumeist betretenes Schweigen und auch der eine oder andere Schluchzer (auch von meiner Seite) war laut hörbar – zu bitter und brutal die Art der Niederlage und der tabellarische Status.

Vor Beginn des letzten Saisonviertels beträgt der Abstand auf den vorletzten Platz nämlich vier Punkte (aufgrund des schlechten Torverhältnisses effektiv sogar fünf Punkte). In den letzten 25 Jahren ist es keinem Schlusslicht zu diesem Zeitpunkt mehr gelungen, einen derartigen Rückstand noch aufzuholen und den Klassenerhalt zu sichern. Obwohl das Restprogramm den Umständen entsprechend akzeptabel ist, wird es ein kleines (vielzitiertes) Fußballwunder benötigen, um den zweiten Abstieg nach 2003 zu verhindern.

Die Anzeichen stehen freilich schlecht. Neben den Langzeitverletzten Clemens Walch und Matthias Honsak (der Standard-Flügelzange im Frühjahr) fällt auch der Kapitän Thomas Gebauer für weitere zwei bis drei Spiele aus. Sein Ersatz Reuf Durakovic hat am Samstag zwar eine ansprechende Leistung gezeigt, den Gegentreffer zum 1-2 muss er aufgrund seiner Parade nach vorne dennoch auf seine Kappe nehmen. Doch viel schwerer wiegt das Fehlen eines Routiniers und Ruhepols im Tor.

Wenn man davon ausgeht, dass bei den Auswärtsaufgaben in Graz (3.), Salzburg ( 1.), Favoriten (4.) und Altach (2.) nichts zu holen ist (nicht nur aufgrund der katastrophalen Auswärtsform mit neun (!) Niederlagen in Folge), dann müssen in den verbleibenden fünf Heimspielen wohl fünf Siege her, um eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Zunächst begrüßt man kommenden Samstag den Krisenklub aus Wien-Hütteldorf, gegen den man in den bisherigen 19 Bundesligasaisonen nur einmal (2008/2009) das Heimspieldouble bejubeln konnte. Die Wiener sind ihrerseits unter riesigem Siegzwang und können sich nach einem sieglosen Frühjahr keine weitere Niederlage beim Tabellenletzten erlauben, wenn man selber nicht doch noch in den (zumindest theoretischen) Abstiegskampf rutschen will.

Anschließend geht es gegen den Wolfsberger AC, der im Tabellenmittelfeld nicht mehr viel verlieren kann und deswegen entspannt in die Partie gehen kann. Wie schwierig ein Heimspiel gegen die Admira ist, hat nicht nur die Wiener Austria am Samstag miterleben müssen – auch im Herbst gelang nur ein höchst schmeichelhafter und eigentlich unverdienter 2-1 Sieg durch ein spätes Siegtor von Patrick Möschl. Die letzten beiden Heimspiele der Saison sind dann echte Abstiegsknaller – falls es zu diesem Zeitpunkt noch um etwas geht. Nacheinander begrüßt man am 34. Spieltag die Wölfe aus St. Pölten, bevor man am 36. Spieltag zum Abschluss die Mattersburger empfängt.

Aufgrund des zunehmend schwachen Punktezuwachses im Laufe der Saison (waren es im 1. Saisonviertel noch 11 Punkte, so waren es im 2. Viertel nur mehr 9 und im 3. Viertel gar nur 3 Punkte) kann man jedoch nicht erwarten, dass man im 4. Saisonviertel nun auf einmal 15 Punkte einheimst. Mit 38 Punkte wäre man ziemlich sicher gerettet, es sei denn man wird den eigenen Rekord des besten Absteigers aller Zeiten (38 Punkte in 02/03) einstellen.

Die Spielanlage hat sich unter Lassaad Chabbi zwar zum Positiven verbessert, die Schwächen in der Defensive (vor allem bei Standards und hohen Bällen) sind jedoch weiterhin frappant und kaum zu kaschieren. Aufgrund der Tatsache, dass man gegen Mattersburg kein probates Mittel gegen deren lange Bälle hatte, könnte am kommenden Samstag ein ähnliches Schicksal gegen Rapid drohen. Eine Niederlage in diesem Spiel würde die Chance auf den Klassenerhalt logischerweise noch weiter senken.

War der erste Abstieg der Bundesligageschichte wie ein unerwarteter Schuss ins Genick, so bekommt man als Rieder Fan nun zum ersten Mal die gnadenlose und vor allem deprimierende Negativ-Aura des Abstiegskampfes mit, in der man nach dem einen oder anderen Wackler im Laufe der letzten zwei Jahre nun zum ersten Mal glasklarer Favorit ist. Noch hat man neun Spieltage Zeit, um den Abstieg zu verhindern. Ist der Klassenerhalt noch möglich? Ja. Ist er noch realistisch? Eher nein.

Wie erklärt man einen Abstieg?

Ich versuche das Gefühl dieser niederschmetternden und wirklich schwer zu verdauenden Niederlage in St. Pölten (der ich nicht selbst beiwohnen konnte) durch einige niedergeschriebene Worte zu verarbeiten. Warnung: ich hab wohl noch nie einen Text mit so vielen Konjunktiven geschrieben. Und der Grundtenor ist ebenfalls ziemlich schwarz, obwohl noch (nur mehr?) 11 Spiele zu absolvieren sind.

Elsneg wird von Ambichl am Elfernachschuss gehindert
Der zu früh in den Strafraum laufende Ambichl hindert die tragische Figur Dieter Elsneg am Elfernachschuss. (c) GEPA via Laola1

Wie kann man jemandem das Gefühl eines Abstiegs beschreiben, der dies noch nie erlebt hat (beispielsweise Rapid- und Austria-Anhänger sowie die jüngeren Salzburger und Blackies)?  Ich versuche es mit einer Annäherung: Man nehme ein verlorenes Cupfinale (hab ich schon erlebt), multipliziere es mit einer Klatsche in einem Derby und addiere noch eine Niederlage in der Nachspielzeit dazu (hat beides wohl schon jeder erlebt). Und dieses ungute, deprimierende, unsichtbar schleichende Gefühl verfolgt dich ein Jahr lang (oder noch länger, wenn der Direktaufstieg nicht sofort glückt, wie in unserem Fall damals).

Als die SV Ried in der Saison 2003 abgestiegen ist, konnte man dies bis zum letzten Spiel nicht wirklich erahnen oder damit rechnen. Durch den Punktepolster aus dem Herbst schien selbst die Negativserie aus dem Frühjahr nicht viel auszumachen. Selbst bei einer Heimniederlage am letzten Spieltag gegen die Admira hätte es ausgereicht, wenn der Tabellenletzte aus Bregenz nicht beim Meister aus Favoriten gewonnen hätte. Wie man aber weiß, kam es am Ende dann doch ganz anders.

Unmittelbar nach diesem Abstieg war das prädominante Gefühl (zumindest bei mir) ein Gefühl der Leere. Ich konnte nicht weinen, ich konnte nicht schreien, ich konnte nicht reden. Niemand wusste so wirklich, was gerade passiert war. Ein kleines Beispiel dafür, wie lange ich diesen Abstieg nicht realisieren konnte: als einen Monat nach dem Abstieg der Rahmenterminplan für die Bundesligasaison 2003/2004 veröffentlicht wurde, hab ich nach unserem ersten Spiel gesucht. Bis ich es dann endlich realisiert habe.

Ich schaue am Freitagabend gerne die Spiele aus der #skyGoEL – aber beim Gedanken daran, dass wir kommende Saison ein Bestandteil dieser Liga sein könnten – und Rapid sowie Sturm gegen Floridsdorf und Kapfenberg (nichts für ungut) austauschen müssen, wird mir schlecht. Zu sehr habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Mannschaft ein Fixbestandteil der obersten österreichischen Spielklasse ist. Während 20 meiner 33 Lebensjahre (das sind 60%) agiert die SV Ried aus dem schönen Innviertel in der Bundesliga.

Ich habe viele andere Vereine kommen und gehen gesehen (Kärnten, nochmal Kärnten, Altach, Mattersburg, Kapfenberg, Wacker, LASK, Wiener Neustadt, Grödig, und und und) und daher schon vor Jahren gesagt, ich würde eine Garantie bzw. ein Dauerabo auf den 6. Platz sofort unterschreiben, auch wenn wir dafür nie wieder international vertreten sein würden. Damals wurde ich noch belächelt, derzeit sehe ich mich leider bestätigt.

Das pikante Detail an der heurigen Gesamtsituation ist, dass der Supergau eines Abstiegs diesmal mit dem fast sicheren Aufstieg des Erzrivalen unter dem Ex-Trainer potenziert werden könnte. Mir fällt akut kein anderes Beispiel ein, ob es sowas in der Art schon mal gegeben hat und bin daher gerne für jeden Hinweis dankbar. Die Häme die aus dem Linzer Raum kommen würden, sind so sicher wie das Amen im Gebet. Ich verbringe fast den gesamten Juni in den USA und bin (aus Selbstschutz) derzeit ziemlich froh darüber, dass ich (zumindest anfänglich) spürbar weniger von den Nachwehen dieser potentiell verheerenden Situation mitbekommen würde.

Und sollte (dies ist mein liebster Konjunktiv in diesem Text) es trotz aller derzeitigen Anzeichen dafür am Ende (wie auch immer) doch nicht zum Abstieg kommen, dann sollte diese Saison einen großen Denkzettel für alle Beteiligten aus der Vereinsführung darstellen. Eben weil die derzeitige Situation im Vergleich mit 2003 nicht aus dem Nichts gekommen ist, sondern das Produkt der letzten drei Jahre darstellt.

Aber: Natürlich würde ich mir Anfang Juli ein Abo für die zweite Liga kaufen und meinen Arbeitsfreitag in Graz spätestens um 15:00 beenden, damit ich rechtzeitig um 18:30 vor dem Parkplatz der Keine Sorgen Arena (der Name dann nicht mehr zutreffend) ankommen könnte. Egal ob es gegen Floridsdorf oder Kapfenberg, Hartberg oder Ritzing geht. Und auch auswärts trifft man endlich wieder auf andere Gegner. Auf die möglichen Spiele im Franz Fekete Stadion freue ich mich aus irgendeinem perfiden Grund sogar wieder. In guten Zeiten mag jeder zu seinem Verein halten. Aber nur in schlechten Zeiten kommt es wirklich darauf an. Ich werde (aus bekannten Gründen) zwar nie bei „You’ll never walk alone“ mitsingen, aber der Grundgedanke gilt natürlich.

 

And the Oscar goes to…

Heute Abend (Ortszeit) werden in Hollywood zum 89. Mal die Academy Awards vergeben. Aufgrund diverser morgiger Verpflichtungen kann ich zum ersten Mal seit 2005 nicht live dabei sein (insgesamt habe ich seit 1997 nur zwei Verleihungen verpasst).

9 goldene Oscartstatuetten aus einer schrägen Perspektive
Der begehrteste Filmpreis der Welt – (c) newyorker.com

Nichtsdestotrotz findet man in der nachfolgenden Tabelle meine persönlichen Favoriten sowie Siegertipps für die Hauptkategorien (Dokumentar- und Kurzfilme sowie Makeup, Kostümdesign und Szenenbild lasse ich aus). Mit Ausnahme von Hidden Figures und Lion habe ich heuer alle Filme gesehen, welche für den besten Film nominiert sind.

KATEGORIE PERSÖNLICHER FAVORIT SIEGERTIPP
Film Arrival oder La La Land La La Land
Regie Damien Chazelle (La La Land) Damien Chazelle (La La Land)
Schauspieler Casey Affleck (Manchester By The Sea) Denzel Washington (Fences)
Schauspielerin Emma Stone (La La Land) Isabelle Huppert (Elle)
Nebendarsteller Lucas Hedges (Manchester By The Sea) Mahershala Ali (Moonlight)
Nebendarstellerin Viola Davis (Fences) Viola Davis (Fences)
Originaldrehbuch Kenneth Lonergan (Manchester By The Sea) Damien Chazelle (La La Land)
Adaptiertes Drehbuch Barry Jenkins (Moonlight) Barry Jenkins (Moonlight)
Filmmusik La La Land La La Land
Song City of Stars (La La Land) City of Stars (La La Land)
Kamera Arrival La La Land
Schnitt Arrival La La Land
Ton Arrival La La Land
Tonschnitt Arrival Hacksaw Ridge
Visuelle Effekte The Jungle Book The Jungle Book
Animationsfilm Zootopia Kubo And The Two Strings
Auslandsfilm The Salesman (Iran) The Salesman (Iran)

Franz Schiemer: Konsequenz hat einen Namen

März 1986. Frühlingsbeginn. Binnen weniger Tage werden Manuel Neuer, Sergio Ramos, Mirna Jukic und Lady Gaga geboren. So unterschiedlich diese Persönlichkeiten und Karrieren auch sind, so sehr werden ihre Lebensläufe von gemeinsamen Eigenschaften maßgeblich geprägt: Konsequenz und unbedingter Wille. Und wie es der Zufall so will, kommt am 21. März in Haag am Hausruck auch Franz Schiemer auf die Welt, der heute als neuer Sportmanager der SV Ried vorgestellt wurde und damit der Nachfolger von Langzeitmanager Stefan Reiter ist.

franz-schiemer
Die Symbolik dieses Fotos kann man wie folgt deuten: a) Die Zeit des Franz Schiemer hat geschlagen. b) Licht am Ende des Tunnels. – (c) GEPA

Der Beginn einer erfolgreichen Karriere

Im Sommer 1996 wechselt er aus seinem Heimatort Taufkirchen an der Trattnach in den Rieder Nachwuchs, damals im ersten Jahr nach dem Bundesligaaufstieg noch ein weitestgehend unstrukturiertes Konstrukt. Als er im Sommer 2002 mit nur 16 Jahren bereits in die U19 des BNZ Ried aufrückt, wird er vielerorts bereits als das „beste Rieder Nachwuchstalent aller Zeiten“ bezeichnet. Bei einem Lokalgespräch mit einem Freund, der zum damaligen Zeitpunkt seine Fußballschuhe bei den Ried Amateuren zerriss und auf dessen Meinung ich daher vertraute, stelle ich ihm die Frage, „ob dieser Schiemer denn wirklich so gut sei, wie alle sagen“. Ohne viel Überlegung fiel seine Antwort in etwa folgendermaßen aus: „Schiemer ist der beste Spieler, den wir je im Nachwuchs hatten. Er wird der erste Spieler aus Ried sein, der im Nationalteam spielen wird“.

Am 5. August 2003 gibt er im Alter von 17 Jahren sein Debüt in der Red Zac Erste Liga. Bei einer 0-2 Niederlage bei der Austria aus Lustenau wechselt ihn Petar Segrt 29 Minuten vor Spielende für Johannes Lamprecht ein. Am 12. September erzielt er sein erstes Profitor bei einer 2-3 Heimniederlage gegen den Kapfenberger SV. An sein Kopftor zum frühen 1-0 (damals noch im alten Stadion) kann ich mich erstaunlicherweise noch genau erinnern. Er festigt seinen Stammplatz im Frühjahr unter Andrzej Lesiak, in der Nachfolgesaison kommt er unter Heinz Hochhauser standardmäßig als rechter Verteidiger zum Einsatz.

Von Favoriten nach Salzburg

Unmittelbar nach dem Aufstieg in die Bundesliga wechselt er nach Favoriten – zu groß sein Talent für einen Bundesligaaufsteiger, zu nachhaltig die Argumente von Frank Stronach (der mit seinem Investment im Innviertler Tigerteam in weiterer Folge nicht nur die Dienste von Schiemer, sondern auch von Andreas Lasnik und Emin Sulimani sichern konnte). Am 13. Oktober 2007 debütiert er unter Josef Hickersberger bei einem 1-3 gegen die Schweiz im ÖFB-Team, er kommt nach 40 Minuten für den verletzten Sebastian Prödl aufs Feld. Und macht damit im Alter von 21 Jahren die Prophezeiung wahr, dass er der erste Rieder Nationalspieler werden würde.

Nach vier Jahren (und einem Double) bei der Austria wechselt er im Sommer 2009 zu Red Bull Salzburg, wo er vier weitere Meistertitel und Cupsiege einfahren kann. Seinen Weg von Ried über Favoriten nach Salzburg geht er konsequent. Jeder Vereinswechsel hat eine klare sportliche Verbesserung zur Folge und über kurz oder lang etabliert er sich in jeder Mannschaft. Im Nationalteam absolviert er 25 Spiele und hält sich dabei unter Marcel Koller oft als einziger Nicht-Legionär in der Stammformation.

Ein atypischer Charakter

Seine kompromisslose und sehr oft schmerzvolle (Kopfball-)Zweikampfbereitschaft verhilft ihm zum Spitznamen „Turban-Fränky“ und hat unzählige Verletzungen zur Folge. Dennoch gibt es in seinem Spiel nach jedem Comeback sofort wieder nur hundertprozentigen Einsatz, was ihn bei Fans zum Publikumsliebling macht.

Im Alter von nur 28 Jahren beendet er im Dezember 2014 für viele dennoch überraschend seine aktive Karriere. Mit seiner Aussage in einem Interview, dass sein schönster Meistertitel nicht etwa einer seiner fünf Bundesligatitel, sondern jener Zweitligatitel mit der SV Ried sei, trifft er vielen Riedfans mitten ins (Fußball-)Herz.

So unkonventionell wie diese Aussage ist auch seine akademische Laufbahn. Anders als ein Großteil der Spieler der österreichischen Bundesliga hat Franz Schiemer eine AHS-Matura am BG/BRG Ried im Innkreis vorzuweisen. Dort lernt er auch seine heutige Ehefrau kennen. Durch eine gemeinsame Freundin wurde mir oftmals versichert, dass Schiemer zu keinem Zeitpunkt seiner erfolgreichen Karriere in der großen Welt von Red Bull seine Wurzeln vergessen hat. Schon während seiner aktiven Karriere beginnt er mit einem berufsbegleitenden Studium für Sport- und Projektmanagement auf der KMU Akademie, welches er mit einem Mastertitel abschließt.

Während Schiemers aktiver Karriere gibt es zu keinem Zeitpunkt negativen Schlagzeilen. Bis auf einen (eher selten gewarteten) Facebook-Auftritt hält er sein Privatleben weitestgehend privat. Instagram-Storys würden auch nicht zum Image des Vaters eines 3-jährigen Sohns passen. Das Leben nach der aktiven Karriere beginnt er nach einer Auszeit im Jahre 2016 als Co-Trainer bei Liefering, wo er tagtäglich mit hochtalentierten Nachwuchsakteuren arbeiten und die Prozessabläufe einer Profimannschaft näher kennen lernen kann. Bereits am Tag der Trennung von Stefan Reiter geistert der Name Schiemer durch die Rieder Fußball-Insiderkreise. Nur einen Tag später wird er vom Präsidium bestätigt und mit einem 3-Jahresvertrag ausgestattet.

Unerfahrenheit und andere Bedenken

Stefan Reiter hat die SV Ried in den 90er-Jahren im Alter von 32 Jahren übernommen. Dennoch ist dieser alterstechnische Vergleich nur teilweise zulässig. Reiter konnte nämlich zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine langjährige Karriere als Vereinsfunktionär bei der TSV Utzenaich zurückgreifen und wusste daher schon gut, welche mannigfaltigen Aufgabenbewältigung diese Position erfordert.

Und hier setzt auch der Hauptkritikpunkt der meisten Fans an: Schiemer wisse nicht, worauf er sich einlasse. Die Kampfmannschaft, die Amateure, der Nachwuchs, die Sponsoren, die Medien, das Präsidium, die Journalisten. Ja-Sager auf der einen Seite, Einflüsterer auf der anderen Seite. Er hat überhaupt keine Zeit zur Eingewöhnung, er wird ins februarkalte Wasser geworfen und muss sofort wissen, auf wen er wirklich vertrauen kann.

Schiemer wurde nahezu während seiner gesamten aktiven Karriere von Stars & Friends betreut, welche ihm in Person von Jürgen Werner auch (beim Wechsel zu Salzburg) den besten Vertrag seiner Karriere bescheren konnten. Dieser Jürgen Werner ist gleichzeitig auch einflussreicher LASK-Präsident. Es gibt mancherorts Befürchtungen, dass Werner mit der Bestellung von Schiemer zum Sportdirektor in Ried nun beträchtlich hohen Einfluss bei beiden oberösterreichischen Topclubs erlangen könnte.

Eine andere Befürchtung ist die Fortsetzung einer unrühmlichen Legendenzerstörung im Verein. Nach der Trainerposse rund um Michael Angerschmid und dem unrühmlichen Abgang von Oliver G. zum Erzrivalen nach Linz könnte Schiemer bei einem Totalflop der nächste Rieder sein, der mit seiner Funktionärskarriere einen Schatten über seine Spielerkarriere legen könnte.

Bereits unmittelbar nach seiner Bestellung hat Schiemer auch eine verbale Breitseite vom Fußballjournalisten der oberösterreichischen Krone kassiert (der seinen Zugang zur Mannschaft aufgrund seiner vielen Freiheiten unter dem Vorgänger wohl stark gefährdet sieht – zum großen Gefallen der Fans). Hier muss er mit Sicherheit mit weiteren untergriffigen Kommentaren umgehen lernen und der völlig jenseitige Vergleich mit Melania Trump war wohl erst der Anfang. Je besser es jedoch im Frühjahr bei der SV Ried laufen sollte, desto substanzloser würden diese ausfallen.

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„Sieht attraktiv aus, kann aber nix.“ – nur 50% davon treffen auf den Autor dieses Kommentars zu. (c) Printausgabe Krone

Ein kalkuliertes Risiko

Bedenken hin oder her. Die Bestellung eines gänzlich unerfahrenen Mannes auf dieser Position bezeichne ich als kalkuliertes Risiko. Schiemer hat sich meinen Informationen zufolge bereits in jungen Jahren ein eigenes Netzwerk aufgebaut. Dieses ist zwar mit großer Wahrscheinlich nicht annähernd so groß wie jenes von Reiter, aber mit etwas Glück kann man das Paretoprinzip auch hier anwenden. Und eine unbeeinflusste Herangehensweise an den Job (welche bei einer dreimonatigen Einschulung durch Stefan Reiter nicht garantiert gewesen wäre) kann manchmal viel frischen Wind in ein Aufgabengebiet bringen (Anm.: hier spreche ich auch aus eigener wenn auch nicht vergleichbarer Berufserfahrung).

Seine Person genießt in sämtlichen Teilen des Vereins (und auch bei den Fans) großen Kredit. In der aktuellen Lage wäre die Bestellung eines innviertelfremden Mannes (wie beispielsweise Peter Schöttel) kritisch aufgenommen wurden – egal ob dieser grundsätzlich kompetent gewesen wäre oder nicht. Diesbezüglich gelten im Innviertel einfach andere Gesetze. Die Vorgehensweise kann mit der Bestellung von Paul Gludovatz nach der Ära Kolvidsson verglichen werden, als nur ein Mann mit absolutem Vertrauen bei den Fans auch bei initialen Misserfolgen hätte ruhig arbeiten können. Und selbst wenn es im Mai zum Abstieg kommen sollte, würde die Hauptschuld wohl Daxl, Wagner und Konsorten zugesprochen werden. Zudem Schiemer auch durch keine Transferperiode auf die Mannschaft hätte Einfluss ausüben können.

Lasst ihn arbeiten!

Die Aussicht auf brutalen Abstiegskampf mit einer maximal durchschnittlichen Rieder Bundesligamannschaft haben Franz Schiemer nicht daran gehindert, dieses Jobangebot abzulehnen. Er hätte genau so gerne seinen gemütlichen Job als Co-Trainer in Liefering behalten können, der quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Er weiß mit Sicherheit genau, welche Größe die Fußstapfen von Stefan Reiter haben.

Er weiß jedoch auch, dass die Fanclubs der SVR wie bereits erwähnt zu 100% hinter ihm stehen, wie das nachfolgende Statement von West Stand Ried im Innkreis besagt.

weststand-statement
Quelle = https://www.facebook.com/weststandried/posts/1840196869583549

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es alles andere als einfach wird. Aber aufgrund seiner Arbeitsmoral, seiner Persönlichkeit und seiner eingangs erwähnten Konsequenz bin ich davon überzeugt, dass er einen guten Job machen wird. Es wäre doch schön, wenn man in knapp 20 Jahren von den Managerlegenden Reiter und Schiemer sprechen könnte.

Danke, Mr. SVR

Seit kurzer Zeit ist es nun Gewissheit: SV Ried Manager Stefan Reiter wurde im Zuge einer Präsidiumssitzung am 6. Februar 2017 dienstfrei gestellt und wird per 31. Mai 2017 aus seinem Dienstverhältnis ausscheiden.

In den letzten Jahren geriet Reiter zunehmend in Kritik. An dieser Stelle seien der mitternächtliche Abgang von Oliver G. zum LASK oder die unglückliche Bestellung von Helgi Kolvidsson zum Chefcoach erwähnt. Aber auch vermehrte (sowie ungewohnte) Transferfehlgriffe zehrten stark an seiner Aura. Auch von meiner Seite gab es regelmäßig Kritik, wie etwa in meinen früheren Artikeln Quo Vadis SV Ried? oder im quasi-Manifest SV Ried: 7 Gründe für den sportlichen Rückfall seit 2011. Doch in meiner Stadionrunde gab es seit Jahren ein Sprichwort, welches trotz dieses stetig wachsenden Gegenwinds auch bis zuletzt noch allgegenwärtig war: „In Reiter we trust„.

In der knapp 25-jährigen Profigeschichte der SV Ried gibt es nämlich viele verdiente Personen aber nur eine Handvoll echter Legenden: auf dem Trainerposten sind dies „Jahrhunderttrainer“ Klaus Roitinger sowie „Sir“ Paul Gludovatz. Unter den Spielern freilich „Jahrhundertspieler“ Herwig Drechsel, der 98er-Cupheld Goran Stanisavljevic, der 05er-Aufstiegsheld Sanel Kuljic oder der langjährige Kapitän Thomas Gebauer.

Es gibt jedoch nur eine Person, welche all diese zuvor genannten Persönlichkeiten verbindet – und diese trägt den Namen Stefan Reiter. Mit seiner proaktiven Art, seinem oft zitierten Fußball-Netzwerk und seinem out-of-the-box Denken und Handeln hat er es im Laufe von drei verschiedenen Jahrzehnten (90er, 00er, 10er) geschafft, aus einem kleinen Dorfverein aus dem 12.000-Einwohnerstädtchen Ried im Innkreis einen langjährigen Bundesligisten zu formen, der heuer seine 20. Saison in der Bundesliga spielt, bundesweit anerkannt ist und die Blaupause für Vereine wie Altach oder Wolfsberg geliefert hat.

Stefan Reiter SVR Logo
Stefan Reiter und das Vereinswappen – im Herzen und im Geist untrennbar miteinander verbunden. (c) meinbezirk.at

Die Verpflichtung von vielversprechenden Nachwuchstalenten aus der zweiten Liga und Regionalliga, die Förderung von jungen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs, die Initiierung der „spanischen Welle“ in Österreich, das systematische Investment in die Infrastruktur des Vereins (u.a. Stadion, Nachwuchszentrum, VIP-Club, Trainingszentrum) – dies alles hat man (mal weniger, aber meistens eher mehr) Stefan Reiter zu verdanken. Nebenbei sei auch seine langjährige Arbeit als Obmann bei der PRO SV Ried (welche der Förderung des Nachwuchses dient) erwähnt.

Als die SVR zuletzt im Mai 2003 den bitteren Gang in die zweite Spielklasse antreten musste, war Stefan Reiter nicht mit beteiligt. Stattdessen war er zeitgleich als erfolgreicher Manager in Pasching unterwegs. Erst seine Rückholung (verbunden mit der Verpflichtung von Heinz Hochhauser) ermöglichten den zweiten (und sogar erfolgreicheren) Teil der Bundesliga-Erfolgsgeschichte made im Innviertel.

Der Ausblick in eine ungewohnt ungewisse Zukunft gepaart mit dem Abstiegskampf in der Bundesliga nagt an den Gemütern vieler treuer SVR-Anhänger. Der Vorstand hat sich mit der Beurlaubung unmittelbar vor dem Frühjahresauftakt eine zentnerschwere Hypothek auferlegt. Denn sollte es zum nicht ganz unrealistischen Abstieg im Mai kommen, dann wird man sich diesen an das eigene Revers heften lassen müssen. Auf Worte und Taten müssen nun rasch ein kluges Konzept und ein geeigneter Nachfolger folgen.

Ein persönlicher Seitenhieb sei an dieser Stelle noch angebracht: wenn behauptet wird, dass die Trennung „freundschaftlich“ erfolgt ist, dann ist dies für ein Gros der SVR-Familie nur schwer glaubwürdig. Denn immer wieder wurden im Laufe der letzten Monate und Jahre durch SVR-Insider von schweren Spannungen zwischen Präsidiumsmitglied Roland Daxl und Stefan Reiter berichtet.

Das am Samstag in Oberösterreich Heute ausgestrahlte Interview mit ersterem lässt vor allem eines vermissen: Klasse. Denn ich will an dieser Stelle stark bezweifeln, dass ein privates Detail wie ein Kuraufenthalt im Sommer etwas darstellt, was man in einer landesweiten Nachrichtensendung zur Primetime ausposaunen sollte. Auch die öffentlichen Aussagen, dass Reiter „die Vitalität und Kraft fehle“ und „Ablöseerscheinungen erkennbar seien“, sind unangebracht und sogar stillos für den Verantwortlichen eines Vereins, der sich selber immer wieder als „familiär“ und „bodenständig“ bezeichnet.

Was man seit Freitag u.a. auf Facebook, im Austrian Soccer Board oder in diversen WhatsApp-Gruppen mitbekommt, sind die Fronten unter den treuen SVR-Fans der Westtribüne klar abgesteckt. Roland Daxl wird aufgrund seiner Kommentare und seiner aktiven Handschrift im Ablöseprozess von Reiter im Frühjahr genauer denn je beobachtet werden. Denn selbst wenn er noch 20 Jahre im Verein aktiv ist, wird es für ihn äußerst schwierig werden, an die Erfolge von Stefan Reiter bei der SVR auch nur ansatzweise anzuknüpfen.

Eigentlich hätte sich Stefan Reiter zu seinem Abschied nicht 789 sondern 1912 Wörter von meiner Seite verdient. Denn eine in Österreich nahezu unvergleichliche Ära ist zu Ende. Mit meinen 33 Jahren weiß ich, woher wir als Verein gekommen sind und wo wir jetzt stehen – und niemand in der Vereinshistorie hat einen größeren Anteil daran. Wenn man an die SVR denkt, denkt man an Stefan Reiter. Wenn man an Stefan Reiter denkt, denkt man an die SVR. Das Dankeschön, welches ich daher an dieser Stelle in seine Richtung schicken will, könnte nicht größer und herzlicher sein.

Mach’s gut, lieber Stefan. Danke für alles.

reiter-abgang
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. (c) nachrichten.at

 

Die wundersame Transferwelt von Red Bull

Es handelt sich um den Coup des Jahres. Assange und Snowden werden neidvoll nach Österreich blicken. Mir wurden nämlich von einem Strohmann die Telefonprotokolle der Transfers von Mergim Berisha (von Liefering zu Salzburg) und Dayot Upamecano (von Salzburg zu Leipzig) zugespielt. Wie sich diese konzerninternen Transfers also wirklich abgespielt haben, kann man in den nachfolgenden Zeilen lesen.


28. Dezember 2016 (CF – Christoph Freund, Sportdirektor von RB Salzburg; TL – Thomas Letsch, Trainer vom FC Liefering)

CF: „Hallo Thomas. Christoph hier. Mergim Berisha wird im Frühjahr in Salzburg spielen.“
TL: „Aber das tut er doch sowieso schon?“
CF: „Nein, ich meine bei RB Salzburg. Und zwar fix.“
TL: „Schade, aber er hat sich in der Ersten Liga sowieso schon gelangweilt.“
CF: „Eben. Wir werden ihn auch als Neuzugang präsentieren, weil die Fans aufgrund fehlender Neuverpflichtungen schon etwas nervös sind.“
TL: „Wie meinst du? Weiß doch sowieso jeder, dass Liefering die Zweitmannschaft von Salzburg ist, wir gegenüber Rapid und Austria dadurch einen Wettbewerbsvorteil haben und die Spieler beliebig hin- und hergeschoben werden können.“
CF: „Das sowieso. Aber wir müssen auch an die Marketingkomponente denken: wenn wir Mergim als Neuzugang präsentieren, erzeugt das Klicks auf der Website und den Social Media Accounts.“
TL: „Verstehe. Sonst noch was? Oder soll ich Mergim einfach direkt zu euch rüberschicken.“
CF: „Bevor du das machst, drücken wir ihm noch ein Trikot von Red Bull Salzburg in die Hand, zwecks Foto.“
TL: „Aber die beiden Trikots unterscheidet doch nur das Wappen von RB Salzburg, ansonsten sind die komplett gleich?“
CF: „Das weiß doch keiner. Die Spiele von Liefering finden weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und die 51 Menschen die regelmäßig bei sky zusehen, haben das sowieso schon lange durchschaut.“
TL: „Da hast du recht. Dann schicke ich Mergim gleich zum Fototermin.“

berisha-salzburg


13. Jänner 2017 (RR – Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig; CF – Christoph Freund, Sportdirektor RB Salzburg)

RR: „Hallo Christoph? Hier ist der Ralf. Dayot Upamecano wird im Frühjahr bei Red Bull Leipzig spielen.“
CF: „Ralf, du meinst RasenBallsport Leipzig. Schade. Oscar hat mir erst letztens gesagt, dass er im Titelkampf der österreichischen Bundesliga auf die Dienste von Dayot baut.“
RR: „Der war gut. Wir wissen beide, wir irrelevant die österreichische Liga für die langfristigen Konzernziele sind.“
CF: „Da hast du natürlich recht. Aber wie sollen wir’s unseren Fans sagen? Die sind nach den … ähm … Transfers von Naby Keita, Peter Gulasci, Bernardo, Omer Damari, Benno Schmitz, Marcel Sabitzer, Stefan Ilsanker, Massimo Bruno, Nils Quaschner, Terrence Boyd, Stefan Hierländer und Georg Teigl schon etwas missmutig. Der Abgang eines weiteren Schlüsselspielers zum Schwesterverein wird ihnen nicht wirklich schmecken.“
RR: „Als ob mich das etwas interessieren würde. Wir sagen einfach, Salzburg bekommt 10 oder 12 Millionen für den Transfer von Dayot. Das ist eine schöne zweistellige Millionensumme und klingt nach einem Riesending für Salzburg.“
CF: „Aber das Geld bleibt doch sowieso innerhalb des RB Konzerns?“
RR: „Stimmt. Aber du hast sicher von den Berichten der internationalen Klatschpresse wie etwa Sun oder Marca etwas mitbekommen. Wir behaupten einfach, dass wir den FC Barcelona, Manchester United und wie sie alle heißen, einfach ausbieten konnten und sich Dayot für das beste Gesamtpaket entschieden aht. Und am Ende sag ich noch, dass wir nicht in der Sowjetunion leben, wo es Zwangsdelegationen gibt.“
CF: „Haha Ralf, du hast immer so gute Ideen.“
RR: „Aber eine Idee hab ich noch. Bei der Pressekonferenz zum äh .. Transfer von Dayot setze ich mich vor die Mikros der versammelten Presse und behaupte mit ganz ernster Miene, dass es der schwierigste Transfer meiner Laufbahn war. Ich muss halt nur aufpassen, dass ich keinen Lachanfall bekomme.“
CF: „Das kannst du nicht bringen. Das glaubt dir doch keiner.“
RR: „Das wirst du schon sehen. Sag Dayot einfach, er soll in den nächsten Flieger nach Leipzig/Halle einsteigen, den Rest mache ich.“
CF: „Ok, wir hören uns.“

rangnick
https://rblive.de/2017/01/13/dayot-upamecano-topclubs-fuer-rb-leipzig-glasgow-ralf-rangnick-ralph-hasenhuettl/

 


Wer nicht verstanden hat, dass es sich bei diesem Blogartikel um Satire handelt, der sollte besser sein Internet löschen. Denn in Wahrheit sind diese Transfers wohl noch unkomplizierter abgelaufen.