SV Ried: Zwischenfazit in der Länderspielpause

Im Laufe der letzten Woche (also nach den Spielen gegen BW Linz, Wacker Innsbruck und Hartberg) wurde ich mehrmals angesprochen (ja, wirklich) wann ich denn wieder etwas schreiben würde. Die Antwort dazu lautet: in der Länderspielpause, also am Wochenende nach dem kommenden Heimspiel gegen die WSG Wattens. Dabei wird es sich um ein Zwischenfazit der bisherigen neun Saisonspiele (acht in der Liga und eins im Cup), eine erste Bewertung aller Kaderspieler (und des Trainerteams) und einen Ausblick auf die restliche Herbstsaison handeln. Unabhängig vom freitäglichen Resultat wird diese Bilanz maximal durchschnittlich ausfallen. Die anfängliche Euphorie ist auf alle Fälle (nicht nur bei mir) bereits verflogen, was auch die Zuschauerentwicklung (3.320 gegen Wiener Neustadt, 3.100 gegen den FAC und zuletzt nur 2.964 gegen Wacker) der letzten Heimspiele untermauert. Doch mehr dazu wie gesagt in circa 10 Tagen.

Das Debakel von Liefering

Ich hatte vorher knapp 70 Minuten lange Zeit um mir zu überlegen, was ich zu diesem niederschmetternden 0:4 gegen Liefering schreiben würde. Angesichts des heute Erlebten hatte bei der Autofahrt von Grödig nach Ried niemand in unserem Auto große Lust auf Smalltalk. Kollektive Fassungslosigkeit und betretenes Schweigen waren nach einer Götterdämmerung in Sachen zweitklassigem österreichischen Fußball vorherrschend. Einige emotionale Passagen habe ich durch den Abstand von nunmehr zweieinhalb Stunden seit Spielende noch zusätzlich entschärfen oder weglassen können.

Zerknülltes Eintrittsticket von Liefering gegen Ried aus dem August 2017
Das Corpus Delicti, ein Zeitzeugengegenstand direkt aus der Fußballhölle.

Gestern abends habe ich bei einer Twitter-Diskussion noch die bisherigen Leistungen verteidigt und erneut behauptet, dass man aufgrund von Kaderzusammenstellung und Infrastruktur der Favorit auf den Aufstieg bzw. den Meistertitel sei. Diese Meinung revidiere ich nun, viel mehr drehe ich mich um 180° und glaube nun, dass diese Mannschaft nur recht wenig mit den vorderen Plätzen zu tun haben wird.

Das heutige Spiel hat nämlich alle bisherigen Leistungen völlig neu eingeordnet. Die Leistung im Saisonauftakt gegen eine biedere Mannschaft aus Wiener Neustadt war schlecht. Die Leistung in der ersten Halbzeit gegen den FAC, die vermeintlich noch immer schwächte Mannschaft der Liga, war peinlich. Die Leistung bei der heutigen 0:4 Niederlage gegen Liefering war jedoch geradewegs unfassbar. Eine 0:3 Niederlage gegen ein ersatzgeschwächtes Grödig im Dezember 2013 (bei der sogar der Platzwart Pfeilstöcker eingewechselt wurde) hatte ich bis heute für absolut ununterbietbar gehalten. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Die erste Halbzeit war nicht gut, aber das war man heuer bereits gewohnt. Wie kann man jedoch nach der Halbzeitpause aus der Kabine kommen, den eigenen Anstoß fatal zum Gegner spielen, eine große Torchance zulassen, kollektiv weiterschlafen und wenige Sekunden später dann doch noch das Gegentor erhalten? Wie kann man als gestandender Bundesligakicker mit CL-Erfahrung einen Ball nicht einfach wegdreschen, wenn der eigene Tormann nicht im eigenen Tor steht? Wie ist so etwas im Profifußball möglich? In keinster Weise war man dem Gegner RB3 heute ebenbürtig. Weder spielerisch, noch läuferisch, noch kämpferisch und sowieso nicht taktisch.

Denn so langsam ist es an der Zeit sich die Frage zu stellen, ob der größte Feind hinsichtlich der eigenen Aufstiegsambitionen nicht auf der eigenen Trainerbank sitzt. Sein Name ist Lassaad Chabbi und er wurde am Freitag von einem Kollegen relativ treffend als die österreichisch-tunesische Variante von Frenkie Schinkels bezeichnet. Absolut nichtssagenden Interviews vor und nach den Spielen („wenn man gewinnt ist man Favorit, wir haben verloren also sind wir nicht mehr Favorit„) und großen Töne (u.a. „kein Heimspiel mehr verlieren„, „den Code des Gegners geknackt„) steht ein verpatzter Saisonauftakt zu Buche, bei der eine Vielzahl an Spielern völlig ahnungslos über das Feld trabt (u.a. Wießmeier, Chabbi Jun., Kerhe, Marcos) und augenscheinlich keine Ahnung hat, welche Rolle man im Spiel einnehmen soll und wie das allgemeine taktische Konzept aussieht. Daher will ich an diesem Punkt folgende konkreten Fragen aufwerfen:

  • Warum wird gegen die schnellste/dynamischste Truppe der Liga mit einer völlig rigiden (hölzernen) Dreierkette agiert, welche weder im Testspiel gegen Academia Puskas noch in der zweiten Halbzeit gegen Wiener Neustadt auch nur ansatzweise funktioniert hat und dementsprechend heute nach Belieben überlaufen und -spielt wurde?
  • Warum wurde bei der Kaderplanung auf einen natürlichen linken Innenverteidiger  „vergessen“? Haring hat heute als linker Innenverteidiger in der Dreierkette agiert, ein natürlicher Rechtsfuß der nahezu überhaupt keinen präzisen Ball mit seinem linken Fuß hinausspielen kann (oder will) und dem Gegner daher mehr als nur einmal den Ballbesitz zurückgeschenkt hat, die Quittung mit der schnellen Auswechslung nach dem 0:2 kassiert hat.
  • Warum werden Eckbälle gewöhnlich halbhoch, halbscharf an den ersten Pfosten getreten um dort vom ersten Defensivspieler des Gegners aus der Gefahrenzone geköpft oder geschossen zu werden? Generell waren viele eigene Ecken heute der Ausgangspunkt für gefährliche Konterchancen für Liefering. Im Allgemeinen ist die völlig ideenlose Ausführung von Standardaktionen – egal ob jetzt Freistöße oder Ecken – schon länger ein markanter Schwachpunkt im Spiel der Mannschaft. In einer Mannschaft, in der früher klingende Namen wie Lasnik, Drechsel, Lexa, Brenner, R.Zulj, Kragl oder Thomalla an Standards herangelassen wurde, liegt das letzte Tor aus einem direkten Freistoß mittlerweile schon lange zurück, genau gesagt sprechen wir vom Herbst 2015 (Anmerkung 8.8.: Fehler meinerseits, konnte Stankovic doch gegen den FAC einen Freistoß direkt verwandeln, was aber nur wenig am generellen Sachverhalt ändert). Wie viel man mit einstudierten und überraschenden Standardsituationen erreichen kann, sieht man derzeit ausgerechnet beim Aufsteiger in der Bundesliga.

Wir sind der Absteiger aus der Bundesliga und auch wenn es bei einem der schlechtesten Spiele der SVR-Geschichte komisch klingt, so muss ich die Einzelleistung von Seifedin Chabbi heute trotzdem noch gesondert herausheben. Fremdkörper ist nämlich eine Übertreibung für dessen heutige Leistung während der zweiten 45 Minuten. Ein Spieler, der derart verunsichert (?) ist, dass er sich keinen Ball stoppen kann, keinen Pass auf eine Distanz von zwei Metern spielen kann, pausenlos schwarz-grüne Trikots mit rot-weißen Trikots verwechselt und eine Körpersprache und Laufbereitschaft wie auf einer Beerdigung vorzeigt, gehört zumindest temporär aus dem Mannschaftskader genommen. Leider hat man sich mit den beiden Chabbis in der gleichen Mannschaft selbst ein Problem geschaffen, welches mit jedem torlosen Spiel des Filius (derzeit sind es sechs) größer werden wird.

Taktiktafel Seifedin Chabbi beim Spiel Liefering gegen Ried
Die Taktiktafel der Bundesliga (via bundesliga.at) beweist das Gefühlte rot auf grün, dass bei Seifedin Chabbi quasi alles in Tornähe schiefgegangen ist.

Pech für ihn natürlich auch, dass er in der zweiten Halbzeit primär vor den eigenen Fans agieren musste. Der Großteil des mitreisenden Supports ist bei Niederlagen der SVR im Normalfall gnädig. Heute bekam die Truppe jedoch nicht einmal von den Dauerjublern vom FCSG tröstenden Applaus gespendet. Die wenigen Mitreisenden welche noch auf den Rängen waren, schickten die Mannschaft beim Ansatz des Gangs nach Canossa verbal und wild gestikulierend sofort wieder in Richtung Kabine.

Bei einer Niederlage am Freitag im Derby gegen Blau Weiß Linz ist die eine oder andere Eskalation zu befürchten. Der harte Kern hat sich im Laufe der letzten Monate nämlich vieles gefallen lassen und ist bis zum Abstieg und darüber hinaus trotzdem voll mitgegangen. Aber eine zweite Klatsche, noch dazu in einem Derby, würde wohl auch alte Wunden aufreißen. Und dann sehe ich hinsichtlich Stimmungslage schwarz für das Projekt Wiederaufstieg.

Auswärtssektor in Grödig beim Spiel Liefering gegen Ried
Das Highlight an diesem Spiel war das laue Sommerwetter vor Spielbeginn in Grödig, am Fuße des Untersbergs im schönen Salzburgerland.

Die paradoxe Euphorie rund um die SV Ried

Die Generalprobe für die heute um 20:30 gegen Wiener Neustadt beginnende skyGo Erste Liga Saison wurde erfolgreich absolviert. Mit einem ungefährdeten 4:0 gegen den Wiener Sport-Club zog man souverän in die zweite Runde des ÖFB-Cups ein. Der Pausenstand von 0:0 schmeichelte den Dornbachern ziemlich, der Endstand hätte mit mehr Präzision im Abschluss bereits zur Pause hergestellt sein können (Artikel am 20. Juli upgedated). Doch werfen wir einen Blick zurück auf die Woche nach dem schicksalhaften 28. Mai 2017.

Die erste Woche nach diesem Abstieg härter als erwartet, obwohl man sich aufgrund der Tabellenposition eigentlich monatelang darauf vorbereiten konnte. Jedoch war die Art und Weise dank der sang- und klanglosen Heimniederlage gegen Mattersburg ein entscheidender Faktor für dieses ungute Gefühl. Retrospektiv gesehen hätte nämlich ein Heimsieg gegen St. Pölten in Runde 34 zum Klassenerhalt gereicht. Abgesehen davon kann man aus der Rückserie mindestens zehn Spiele genauer analysieren, in denen man diese zwei Punkte verspielt oder liegen gelassen hat.

Doch lassen wir die Vergangenheit endgültig Vergangenheit sein, die nahe Zukunft heißt Zweitklassigkeit in der skyGo Erste Liga. Geht man durch Ried und spricht man mit fußballaffinen Menschen, so ist der allgemeine Tenor, dass man sich auf die kommende Saison wie schon lange nicht mehr freut. Was auf den ersten Blick paradox klingen mag, hat jedoch einige nachvollziehbare Gründe.

Beginnen wir beim Kader. Alle drei Urgesteine (Gebauer, Reifeltshammer, Ziegl) haben ihrem Verein die Treue gehalten. Mit Julian Wießmeier aus Lustenau hat man (fast schon sensationellerweise) den Spieler der Saison 15/16 sowie den drittbestens Spieler der Saison 16/17 verpflichten können. Mit Marko Stankovic kommt ein Spieler mit Champions-League-Erfahrung ins Innviertel. Die eher unbekannten Kennedy Boateng (vom LASK) sowie Pius Grabher (aus Lustenau) haben in den Testspielen ihr Potential erkennen lassen. Mit Chabbi und Fröschl ist man in der zweiten Liga um nichts schlechter aufgestellt als letztes Jahr in der Bundesliga. Und auch die Vertragsverlängerung von Clemens Walch wurde von den meisten positiv aufgenommen, da er verletzungsfrei einer der besten Spieler dieser Liga sein sollte.

Abgesehen davon ist die Nostalgie des letzten Wiederaufstiegs in der Saison 2004/2005 noch allgegenwärtig. Viele der Helden von damals (u.a. Kuljic, Drechsel, Lasnik oder Trainer Hochhauser) genießen nach wie vor Heldenstatus im Innviertel. Zwei Ausnahmen bestätigen die Regel. An diese Zeit erinnert man sich gerne zurück, weil hier das Fundament für die (größtenteils) erfolgreichen Jahre in der zweiten Bundesliga-Ära geschaffen wurde. Höhepunkte dieser Ära u.a. der Vizemeistertitel 2007, der zweite ÖFB-Cupsieg 2011 und die Herbstmeistertitel in den Jahren 2011 und 2012.

Zum anderen, weil man nach 12 Jahren, welche auswärts in (jedoch nicht nur) Hütteldorf, Graz oder Favoriten von Chancenlosigkeit geprägt war, nun wieder einmal selber den Gejagten bzw. Ligakrösus mimen darf. Auch die Abnutzungseffekte der letzten Jahre (es wird mit der Zeit wirklich langweilig, wenn man jahrelange viermal pro Saison [oder mit Cup sogar fünfmal] gegen die gleichen Teams antreten muss) haben ihre Spuren hinterlassen. Deswegen freuen sich viele Fans auf die Reisen zum OÖ-Derby nach Linz, zum FAC (endlich auswärts Favorit in Wien!), nach Innsbruck/Watttens oder auch ins nostalgische Kapfenberg, wo man 2005 den Wiederaufstieg mit einem 3-2 Sieg gegen den Sportverein fixieren konnte.

Auch die Rieder Fanszene wuchs mit dem letzten Aufstieg, die „zweite Generation“ (die erste Generation für mich jene nach dem ersten Aufstieg 1995, wo sich in Folge u.a. die Supras gegründet haben) sorgte jahrelang für ein volles Heimstadion und gut besuchte Auswärtssektoren. Nun wartet man jedoch bereits seit über einem Jahrzehnt auf die nächste Generation an Fans. Wenn man immer nur im hinteren Tabellendrittel mitspielt, ist es in Zeiten von sky, DAZN und global agierenden Fußballvereinen dementsprechend schwierig, junge Menschen für einen (kleinen/lokalen) Verein zu begeistern.

Das Tabellendrittel sollte sich jedoch in der kommenden Saison grundlegend ändern. Die Buchmacher (u.a. bet-at-home und Tiplix, Stand 14. Juli 2017) geben der SV Ried eine Quote von 1.70 auf den Meistertitel in der skyGo Erste Liga, was umgerechnet bedeutet dass man dem Verein eine 58%ige Meisterchance einberäumt. Bei einer Umfrage im Austrian Soccer Board (n= >25) belegt die SVR im Zwischenwertung einen Durchschnittsplatz von 1.5. Und auch viele anerkannte Journalisten (wie etwa Alexander Huber vom Kurier im aktuellen Ballesterer, S. 12-15) stufen die SVR als Topfavoriten ein.

 

SVR Spieler in Grieskirchen nach dem 2-1 Sieg gegen Akademia Puskas
Nachbesprechung nach dem 2-1 Testspielsieg gegen Akademia Puskas (1. Liga Ungarn) in Grieskirchen

Grund genug, diese Favoriten-These etwas genauer zu beleuchten. Dabei betrachte ich speziell die Erfahrung bzw. die Zusammensetzung des Kaders, die historische Bilanzen von Absteigern der letzten zehn Jahre sowie die Rahmenbedingungen rund um die Aufstiegsplätze, welche in diesem Jahr enorm konträr zu den vergangenen Jahren sind.

Mit einem Durchschnittsalter von 25.1 Jahren verfügt die SV Ried über den ältesten Kader der Ersten Liga. Mit Thomas Gebauer (35), Marko Stankovic (31), Manuel Kerhe (30) und Clemens Walch (kürzlich 30 geworden) verfügt man über vier Ü30-Spieler mit einer Bundesligaerfahrung von 725 Bundesligaspielen. Rechnet man noch die 198 Bundesligaspiele des 29-jährigen Thomas Reifeltshammer dazu, dann kommt man auf respektable 923 Bundesligaspiele welche über fünf Spieler verteilt sind.

Verein, Kader, Alter und Legionäre der Erste Liga 2017/2018
Die Mannschaft der SVR weist den höchsten Marktwert auf, dafür aber auch das höchste Durchschnittsalter – Quelle transfermarkt.de

Insgesamt stehen im 22-Mann-Kader der SV Ried aktuell 1313 Bundesligaspiele zu Buche, wie die folgende Übersicht im Detail darstellt:

Spieler Bundesliga Andere Erstligen
Gebauer Thomas 305
Reifeltshammer Thomas 198
Stankovic Marko (NEU) 192
Ziegl Marcel 175
Walch Clemens 127 19 (DFL)
Fröschl Thomas 121
Kerhe Manuel (NEU) 101
Schilling Christian (NEU) 58
Marcos Ronny 19 9 (DFL)
Chabbi Seifedin (NEU) 7
Durakovic Reuf 6
Lüchinger Gabriel (NEU) 4
Wießmeier Julian (NEU) 9 (DFL)
Durmus Ilkay (NEU) 1 (Süper Lig)
Takougnadi Balakiyem (NEU)
Ammerer Arne (NEU)
Surdanovic Stefano (NEU)
Mayer Thomas (NEU)
Jetzinger Tobias (NEU)
Grabher Pius (NEU)
Haring Peter (NEU)
Boateng Kennedy (NEU)
1313 38

Lediglich 8/22 Spieler verfügen somit über keine Erstligaerfahrung, wobei zwei von diesen acht (Boateng, Mayer) wiederum wissen, wie man aufsteigt, standen sie doch vergangene Saison alle im Kader des LASK. Bleiben nur die Nachwuchskicker Jetzinger, Ammerer und Surdanovic sowie die Lustenauer Haring und Grabher und der ehemalige Fast-Champions-League-Spieler Takougnadi aus Horn.

Jedoch war Erfahrung während der letzten Jahre kaum ein Faktor für einen Aufstieg in die Bundesliga. Der Kader des LASK war im Vorjahr im Schnitt um 2.2 Jahre jünger, jener von St. Pölten im Jahr davor um 1.3 Jahre und jener von Mattersburg wiederum ein Jahr zuvor um 1.8 Jahre. In der Ersten Liga sind die physischen Ansprüche andere als in der Bundesliga, deswegen hat es auch schon seit langer Zeit kein Absteiger geschafft, den direkten Wiederaufstieg zu realisieren. Die nachfolgende Tabelle zeigt, welche Platzierung der jeweilige Bundesligaabsteiger in der kommenden Saison in der Ersten Liga belegen konnte:

 Saison Absteiger Platzierung Erste Liga
2017/18 SV Ried ?
2016/17 Grödig N/A
2015/16 Wiener Neustadt 7.
2014/15 Wacker Innsbruck 6.
2013/14 Mattersburg 6.
2012/13 Kapfenberg 5.
2011/12 LASK 3.
2010/11 Austria Kärnten N/A
2009/10 Altach 3.
2008/09 Wacker Innsbruck 2.
2007/08 GAK N/A

Gemäß Reglement der kommenden Saison gibt es zwei Direktaufsteiger sowie einen Relegationsplatz. Von den vergangenen zehn Absteigern hätte dennoch nur Wacker Innsbruck in der Saison 2008/2009 reüssieren können. Der LASK und Altach hätten es in die Relegation geschafft, die sieben anderen Vereine wären zweitklassig (oder schlechter) geblieben. Übrigens: auch die SV Ried konnte in der ersten Saison nach dem ersten Abstieg 2003/2004 nur Platz 5 belegen, wies dabei am Saisonende einen Respektabstand von 16 Punkten gegenüber dem Meister aus Innsbruck auf.

Warum also schätzen dann viele Experten, Wettbüros und Fans die SVR dennoch so hoch ein, obwohl die historischen Werte klar dagegen sprechen? Dies mag zum einen daran liegen, dass man in die neue Saison – anders als alle Absteiger der letzten Jahre – ohne Unklarheiten im Bezug auf das Trainerteam starten konnte. Lassaad Chabbi und sein Co-Trainer Dieter Alge haben weiterhin das (lautstarke) Kommando über die Mannschaft und ihr neuer Kader besteht vereinfacht gesagt aus zwei großen Blöcken: dem Ried-Block (mit Kapitän Gebauer, Vize-Kapitän Reifeltshammer, dem rekonvaleszenten Ziegl, Marcos, Walch, Fröschl und Durakovic) und dem Lustenau-Block (bestehend aus Haring, Durmus, Grabher, Wießmeier und im engeren Sinn auch S.Chabbi). Acht dieser Spieler werden auch, wenn man die Vorbereitung als Indiz verwendet, zu Saisonbeginn in der Startelf stehen. Ein bestimmtes Grundverständnis sollte demnach gegeben sein.

Dennoch besteht der 22-Mann-Kader aus 15 Neuzugängen. Eingespieltheit ist ein großer Faktor und dank der geringen Anzahl an Testspielen befürchten manche, dass die Mannschaft anfangs wie ein Fremdkörper wirken könnte. Jedoch ist man in Sachen Eingespieltheit nicht alleine: auch bei Austria Lustenau und Wacker Innsbruck gab es viele Kaderveränderungen sodass kein Favorit einen großen Startvorteil haben sollte.

Mit Tamasz Tiefenbach hat man den Wünschen des Trainers entsprochen und einen weiteren Co-Trainer engagiert, der sich akribisch und fachmännisch um Kondition und Menüpläne kümmert (Anm.: Schweinefleisch und Zucker sind passé) und dessen Arbeit bereits jetzt in höchsten Tönen gelobt wird. Ein Spieler hat letztens zu mir gemeint, dass er noch nie zuvor ein derartiges Konditionstraining erlebt hatte. Ich konnte mir gestern beim Nachmittagstraining im alten Rieder Stadion auch selber ein Bild davon machen. Es ist zwar schon ein knappes Jahrzehnt her, dass ich mir zuletzt ein Training angeschaut hatte, aber die Professionalität hat hier eindeutig ein neues Jahrtausend erreicht, egal ob im Bezug auf die GPS-Westen mit Sofortauswertung der Lauf- und Spielerwerte, die Intensität der Übungen oder auch die ausgezeichneten Trainingsbedingungen.

SVR Spieler tragen das Tor zum Training
Teamwork wird unter Chabbi groß geschrieben. Auch wenn es die kleinen Dinge betrifft. (Nachmittagstraining, Stadion der Stadt Ried, 13. Juli 2017)

Denn mit dem kürzlich neu eröffneten Trainingszentrum, dem vollüberdachten Stadion (inkl. Rasenheizung) im Eigenbesitz und den Strukturen im Verein ist man auch besser aufgestellt als jeder einzelne Ligakonkurrent (und auch viele Bundesligisten). Überhaupt sprechen die infrastrukturellen Rahmenbedingen eine eigene Sprache. Neben Ried erfüllt derzeit nur Wacker Innsbruck alle Kriterien (und will ebenfalls aufsteigen). Liefering darf nicht aufsteigen, BW Linz will meines Wissens nach gemäß Jahresplan nicht aufsteigen und bei allen anderen Vereinen, egal ob jetzt Austria Lustenau, Wattens, Wiener Neustadt oder Kapfenberg müssten grobe Investitionen in die Infrastruktur getätigt werden um die Lizenz für die Bundesliga zu erhalten. Damit kann im kuriosesten Fall auch eine 4. oder 5. Endplatzierung dazu reichen, um in die Bundesliga aufzusteigen.

In den vier Testspielen musste man übrigens zu Beginn ein 0:1 gegen Ujpest hinnehmen, schlug anschließend Akademia Puskas mit 2:1 und trennte sich in weiterer Folge von Schalding (Regionalliga Bayern) und Jahn Regensburg (2. Bundesliga) jeweils mit 1:1. Gerade die zweite Halbzeit in Regensburg soll gemäß anwesenden Personen sehr vielversprechend verlaufen sein.

ÖFB-Cup: Wiener Sport-Club (A) – 4:0 (Fila ET, Mayer, Boateng, Surdanovic)
1. Runde: Wiener Neustadt (H)
2. Runde: Austria Lustenau (A)
3. Runde: Floridsdorfer AC (H)
4. Runde: FC Liefering (A)
5. Runde: BW Linz (A)
6. Runde: FC Wacker Innsbruck (H)
7. Runde: TSV Hartberg (A)
8. Runde: WSG Wattens (H)
——- Transferfenster schließt bzw. Länderspielpause —-
9. Runde: Kapfenberger SV (A)

Wenn der Start in die neue Saison positiv ausfällt (mit mindestens sieben von neun Punkten aus den ersten drei Meisterschaftsspielen und einem Weiterkommen im ÖFB-Cup) dann traue ich der SVR durchaus zu, die gesamte Saison über auf einem Aufstiegsplatz zu stehen. Misslingt der Saisonstart jedoch, dann hat man auf Evidenz von maximal neun Pflichtspielen (siehe nachfolgender Spielplan) bis Ende August auch im noch die finanziellen Mittel, um am Kader nachzujustieren – ganz im Gegensatz zur Konkurrenz. Man hört übrigens immer wieder Gerüchte, dass man noch einen Stürmer sowie einen rechten Verteidiger verpflichten will.

Die Stimmung würde wohl grundsätzlich erst dann kippen, wenn man Anfang September fernab der Tabellenspitze anzufinden ist. Der Wiederaufstieg wurde von allen Entscheidungsträgern schriftlich und verbal als klares Saisonziel definiert, dementsprechend wird es auch die Zukunft und das Vermächtnis von Sportdirektor Schiemer und Trainer Chabbi definieren. Man kann also hoffen, dass alle Spieler und Betreuer dem Druck standhalten und sich darüber im Klaren sind, wie die Erwartungshaltung in der Region aussieht. Um dies bildlich aus der Fansicht zu verdeutlichen: der Abstieg war ein teurer Parkschaden. Ein Nichtaufstieg in der kommenden Saison wäre jedoch ein Frontalcrash mit 100 km/h.

Zweitklassig

Am 11. März habe ich darüber geschrieben, wie sich ein Abstieg anfühlt. Die bittere Realität nach dem gestrigen Tag ist allerdings noch viel schlimmer. Das Gefühl der absoluten Leere ist demoralisierend und niederschmetternd. Beim letzten Abstieg war ich 19 Jahre als. Damals gab’s kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram und auch kein WhatsApp – genau über diese Kanäle wird man seit gestern 18:25 ständig daran erinnert, dass die SV Ried nach knapp 12 Jahren nicht mehr Bestandteil der tipico Bundesliga ist.

Ich wurde während der letzten 19 Stunden unzählige Male gefragt, wie es mir geht. Es geht mir scheiße. Wie Bill Shankly einst sagte: „Some people think football is a matter of life and death. I assure you, it’s much more serious than that“. Fußball und mein Verein sind viel mehr als nur ein Hobby, sie sind ein Teil meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und somit meiner Persönlichkeit.

Ein sichtlich niedergeschlagener Thomas Reifeltshammer
Ein sichtlich niedergeschlagener Thomas Reifeltshammer – (c) skysportaustria.at

Eigentlich war gestern alles für das vielzitierte Wunder von Ried angerichtet. Ein ausverkauftes Haus, prächtiges Sommerwetter und sogar die spielerische Unterstützung von Rapid. Nur die eigene Mannschaft konnte dem Druck und den gesteckten Erwartungen in keiner Weise standhalten. Gerade in der ersten Halbzeit wirkte die Partie wie auf schiefer Ebene. Die Rieder agierten zögerlich und überhastet zugleich und hatten keine Ideen um die Mattersburger Defensive zu gefährden.

Mattersburg wiederum hatte nichts mehr zu verlieren und spielte eigentlich unösterreichisch motiviert voll auf Sieg. Weil im Frühjahr sowieso alles schief gegangen ist was schief gehen konnte, ermöglichte die frühe Verletzung von Florian Hart das Gegentor durch Perlak, der auf der zwischenzeitlich vakanten Seite viel zu viel Platz hatte. Das 0:2 muss man Thomas Gebauer anhängen, der in dieser Saison gerade im Herbst mit einigen Patzern nicht sein bestes Jahr hatte.

Nach dem 1:2 kehrte die Hoffnung wieder zurück, welche nach dem 1:3 durch Seidl bei manchen Individuen schlagartig in Aggression umgewandelt wurde. Persönliche Anmerkung: bei einem Spieler wie Stefan Maierhofer ist es nie geschickt, diesen während einer Partie auch noch mit Schmähgesängen heißer zu machen als er ohnehin schon ist. Die Spielunterbrechung durch die hirnverbrannten Bengalenwürfe nahm den letzten Wind aus dem Spiel der Rieder Mannschaft, nach der Wiederaufnahme ergab man sich dem eigenen Schicksal.

Nach Spielende trugen sich dann beschämende Szenen zu. Hooligans mit Sturmhauben (… bei denen aufgrund Körperbau und/oder Tattoos sowieso jeder aus der Fanszene und dem Vereinsumfeld weiß, wer sie sind) attackierten eigene Fans auf der West welche es wagten, der Mannschaft nach Spielende zu applaudieren. Vielen Frauen und Kindern konnte man die Angst in den Augen ansehen. Viele traten auch schlagartig die Flucht aus dem Zentrum der West an. Als Elternteil müsste ich nach dem gestrigen Tage stark überlegen, ob ich mein Kind nochmal auf die Fantribüne lassen würde.

Unterbrechung durch den Wurf von pyrotechnischen Gerät
Szenen einer Eskalation – (c) krone.at

Ich hoffe inständig, dass der Verein hier hart durchgreift und langfristige Stadionverbote erteilt. Der Ruf des Vereins wird durch diese Radaubrüder geschädigt, für die Spielunterbrechung und die mehrfachen Würfe von pyrotechnischem Gerät wird der Verein harte Strafen aufgebrummt bekommen. Ich hoffe ebenfalls stark, dass man sich hier an den Verantwortlichen schadlos halten kann. Einzelne Personen kommen und gehen und sind ersetzbar, aber der Verein bleibt bestehen. „No individual is bigger than the club“ ist hier ein weiteres Zitat, welches ich an dieser Stelle einwerfe.

Um einen Bogen zurück zum sportlichen Aspekt zu spannen: der Abstieg an sich ist hochverdient. Man hat die meisten Niederlagen am Konto, war die längste Zeit Tabellenschlusslicht, hat die wenigsten Tore erzielt, die wenigsten Auswärtspunkte geholt und in entscheidenden Momenten (0-1 in St. Pölten, 1-2 in Mattersburg, 1-1 gegen Wolfsberg, 1-1 gegen St. Pölten, 2-3 gegen Mattersburg) IMMER versagt.

Die Schuld dafür kann man vielen Personen in die Schuhe schieben: Stefan Reiter für seine Kaderplanung ohne einen bundesligatauglichen Stürmer, Christian Benbennek für die konditionellen Versäumnisse und seinen passiv-langweiligen Spielstil, Roland Daxl für seine Imperatorgebärden in der Winterpause, Franz Schiemer für sein aktives Einwirken auf den/die Trainer (welche meinen Quellen nach definitiv und massiv stattgefunden hat), Lassaad Chabbi für einige taktische Fehlgriffe (u.a. Durakovic gegen den WAC, die Einwechslung von Brandner gegen St. Pölten) und schlussendlich der Mannschaft selber.

Wenn man nur einen (oder vereinzelte) Fehler macht, steigt man nicht ab. Dieser Abstieg ist das Produkt einer Verkettung grober Fehler, Nachlässigkeiten und persönlicher Eitelkeiten. Ried hat immer davon gelebt, dass man diese Nebengeräusche den Großclubs und Lokalrivalen überlassen hat. Daher sollte man die Zweitklassigkeit nun dazu nutzen, um eine selbstreinigende Wirkung zu erzielen. Der Kader kann überholt bzw. neu aufgebaut werden, einzelne Vorstandsmitglieder können sich selbst hinterfragen und einige erlebnisorientierte Menschen können ihren Drang zum Radau zukünftig außerhalb der Keine Sorgen Arena (oder wie auch immer dieser aktuell zynische Stadionname kommende Saison lauten mag) ausleben.

Fakt ist: kommende Saison ist man kein Bestandteil der österreichischen Fußballelite. Man muss sich auf den Spieltermin am Freitagabend umgewöhnen. Es gibt keine HD-Spiele oder Einzellivespiele (abgesehen von der wöchentlichen 20:30-Partie) mehr. Man wird die besten Spieler verlieren (wie etwa Möschl an Dynamo Dresden). Die Zuschauerzahlen im Stadion werden wieder nach unten gehen. Es wird finanzielle Einbußen geben – egal ob im Bezug auf Fernsehgelder, Sponsorengelder oder Eintrittsgelder. Der LASK (mitsamt ehemaliger Rieder Vereinslegenden im Trainerstab) ist zum ersten Mal seit 1994 (!) eine Spielklasse über der SV Ried angesiedelt. Auch das wurmt (auch wenn es nicht jeder zugeben wird).

2003 ist das lähmende Gefühl der Ohnmacht erst vergangen, als die neue Saison mit einem 2:1 gegen den FC Lustenau eröffnet wurde. Heuer wird es wohl ebenso lange dauern, bis wieder eine gewisse Normalität einkehrt. Wenn ich mir unsere künftigen Gegner ansehe, dann sind die Auswärtsspiele in Kapfenberg, Hartberg und Wiener Neustadt für mich als Grazer äußerst anreisefreundlich gelegen. Wenn man beim FAC antreten muss, ist man wohl zum ersten Mal überhaupt Favorit bei einem Auswärtsspiel in Wien. Mit BW Linz bekommt man ein Derby in der Landeshauptstadt. Bei den Matches gegen Wacker und Wattens kann ich meine Schwester in Tirol besuchen. Und auch nach Grödig kann man nach einjähriger Pause wieder fahren um gegen die Wettbewerbsverzerrer aus Liefering zu spielen.

Abgesehen davon werde ich mir selbstverständlich auch wieder eine Abokarte sichern. Nächste Saison steigen dank der Ligaaufstockung zwei oder gar drei Vereine in die Bundesliga auf. Es gibt zwar aktuell noch keine Quoten, aber im Normalfall sollten Wacker Innsbruck und die SVR die beiden Topfavoriten auf den Aufstieg sein. Und wenn es wirklich so kommen sollte, dann kann ich in naher Zukunft nach Monaten von Depression und Abstiegsangst auch endlich einmal wieder über positive Dinge schreiben. In der Zwischenzeit trifft man hoffentlich die richtigen Schlüsse und auch wenn man es derzeit noch nicht so recht begreifen kann, beende ich meinen finalen Blogeintrag in dieser Saison mit einem letzten Zitat:

4378 Tage

So lange ist es her, dass am 27. Mai 2005 mit einem 3-2 Auswärtssieg in Kapfenberg der Wiederaufstieg in die Österreichische Bundesliga besiegelt wurde. Der Abstieg zwei Jahre zuvor (am letzten Spieltag, durch ein 0-3 gegen die Admira bei einem gleichzeitigen 2-0 von Bregenz in Favoriten) kam wie ein Schock und es dauerte auch ein mittelmäßiges Jahr in der zweithöchsten Spielklasse, um diesen zu verdauen.

Am kommenden Donnerstag wird die SV Ried nach 14 Jahren aller Voraussicht nach erneut als Absteiger aus der obersten Spielklasse feststehen, sollte man die Auswärtspartie in Altach nicht gewinnen. Selbst mit einem Sieg (welcher aufgrund der inferioren Auswärtsbilanz selbst wie ein kleines Wunder wäre) hätte man daraufhin am letzten Spieltag noch immer die mit Abstand schlechtesten Karten.

Gernot Trauner und Dieter Elsneg am Boden nach dem 1-1 gegen St. Pölten
Gernot Trauner und Dieter Elsneg nach dem 1-1 gegen St. Pölten – (c) nachrichten.at

Diesmal kommt der Abstieg allerdings nicht als Schock, sondern als Quittung für eine Saison mit zu vielen Versäumnissen und Eigenfehlern. Das Theater rund um Stefan Reiter und wenige Wochen später um Christian Benbennek. Die bereits angesprochene Auswärtsbilanz mit nur fünf Punkten aus 17 Spielen. Und auch die Freakshow an verlorenen Punkten im Frühjahr:

  • Die 0-1 Niederlage gegen die Admira durch einen Tausendguldenschuss in der Nachspielzeit (wobei dieser Gefallen später durch Fröschl retourniert wurde)
  • Der verschossene Elsneg-Elfer beim Stand von 0-0 in St. Pölten (Endstand 0-1)
  • Die 1-2 Niederlage nach 1-0 Führung in Mattersburg in der Schlussphase
  • Die 0-1 Niederlage in Graz in der 88. Minute (als bessere Mannschaft)
  • Der verschossene Elfer beim Stand von 1-0 und das anschließende Eigentor von Özdemir gegen den WAC zum 1-1 Endstand.
  • Das 1-1 am vergangenen Wochenende gegen einen eigentlich hilflosen Gegner aus St. Pölten mitsamt 100%iger Torchance von Elsneg beim Stand von 1-0.

Wir sprechen hier von mindestens 10, eher sogar 12 fahrlässig verschenkten Punkten, welche auch gestern bei Talk & Tore in einem grauenhaften Zusammenschnitt präsentiert wurden. Selbst wenn man „nur“ die beiden Spiele gegen Wolfsberg und St. Pölten hernimmt, wären diese vier Punkte mehr zum aktuellen Zeitpunkt ein großer Rettungsanker. Wie Alfred Tatar gestern sagte – wenn sowas einmal oder zweimal passiert, ist es Pech. Wenn es allerdings laufend passiert, mangelt es an Qualität.

Und wenn man von Qualität spricht, dann fehlte es an dieser heuer vor allem im Sturmzentrum an allen Ecken und Enden. Der Mittelfeldakteur Peter Zulj ist mit fünf Toren Toptorschütze, anschließend folgt Innenverteidiger Thomas Reifeltshammer mit vier Toren. Die vier nominellen Stürmer Orhan Ademi, Thomas Fröschl, Dieter Elsneg und Marvin Egho haben heuer zusammen in kumuliert 89 Spielen exakt sieben (7) Tore erzielt. Mit 29 Toren in 34 Spielen hat man die mit Abstand wenigsten Tore der Bundesliga erzielt. In der 20-jährigen Bundesligageschichte hat man nur in der Saison 1998/1998 weniger (25) erzielt. Damals reichten 32 Punkte (wie aktuell) jedoch für den 8. Tabellenplatz vor Austria Lustenau und Vorwärts Steyr.

Abgesehen davon hat man die meisten Spiele verloren, hält beim schlechtesten Torverhältnis, hat am öftesten zu-null verloren und auch ganz einfach gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf zu wenig gepunktet. In den vergangenen Jahre konnte man gegen die Gegner aus der hinteren Tabellenhälfte (wie etwa Wiener Neustadt, Altach, Grödig oder die Admira) immer gut anschreiben. Heuer ist dies ausgeblieben:

  • Salzburg: NNNU – 1 Punkt
  • Austria Wien: UNNN – 1 Punkt
  • Sturm Graz: SNNN – 3 Punkte
  • SCR Altach: SNS? – 6 Punkte
  • Admira Wacker: NSNS – 6 Punkte
  • Rapid Wien: NSNS – 6 Punkte
  • Mattersburg: SUN? – 4 Punkte
  • Wolfsberg: NNNU – 1 Punkt
  • SKN St. Pölten: SNNU – 4 Punkte

Man könnte sagen, man hat nur gegen das Tabellenmittelfeld ausreichend gepunktet. Neun Punkte (von möglichen 33) gegen die unmittelbaren Tabellennachbarn sind einfach zu wenig. Nur einer von zwölf möglichen Punkte gegen den WAC ist vermutlich sogar ein Hauptgrund für die aktuelle Tristesse.

All diese Statistiken sprechen gegen die SV Ried. Daher muss man festhalten, dass der Abstieg verdient und vielleicht auch überfällig wäre. Denn bereits im Laufe der beiden vergangenen Saisonen war man immer wieder (zumindest teilweise) in den Abstiegskampf verstrickt und konnte zu keinem Zeitpunkt Kontinuität in den Verein bringen (man denke alleine an die Trainerwechsel Angerschmid -> O.G. -> Kolvidsson -> Gludovatz -> Benbennek -> Chabbi).

Ein Abstieg wäre zwar eine Tragödie, jedoch keine Katastrophe. Wie bereits in meinem letzten Artikel angemerkt, hat man die allerbesten Grundvoraussetzungen für den direkten Wiederaufstieg. Trainer und Manager stehen fest, mit Marcel Ziegl wurde eine Identifikationsfigur langfristig an den Verein gebunden, mit Julian Wießmeier wurde einer der stärksten Spieler der skyGoEL verpflichtet und damit ein Statement gesetzt. Die Infrastruktur mit dem neuen Trainingszentrum, das Stadion im Eigenbesitz und vor allem die sensationellen Fans (6.600 am Samstag und damit mehr als etwa beim Meister in Salzburg) werden alles Faktoren sein, dass der Wiederaufstieg diesmal gleich im ersten Anlauf (und nicht wie damals erst im zweiten Anlauf) geschafft werden kann.

Jedes Ende kann daher als Chance für einen Neubeginn gesehen werden. Das stetig sinkende Zuschauerinteresse und die zuletzt ständige Chancenlosigkeit in Hinblick auf eine Europacupteilnahme haben die Rieder Fans zunehmend fußballmüde gemacht. Erst jetzt in der Krise konnte wieder ein Feuer entfacht werden und das berühmte Innviertler Zusammengehörigkeitsgefühl (abgewandelt vom bayrischen mia san mia) neu für sich entdeckt werden. Zuletzt haben Heimspiele auf einer gut gefüllten Westtribüne wieder Spaß gemacht – das war vorher jahrelang nicht mehr der Fall.

Kapfenberg statt Graz, Floridsdorf statt Hütteldorf und Linz statt Pasching – die Umstellung in der nächsten Saison wird definitiv nicht leicht fallen. Aber man lernt nach über einem Jahrzehnt wieder neue Fußballplätze kennen, fährt als Favorit zu Auswärtsspielen und kann um einen Titel kämpfen. Vor 14 Jahren hat die Aura des Wiederaufstiegs jahrelang nachgewirkt und im Endeffekt zu einem Vizemeistertitel, einem Cupsieg und zwei Herbstmeisterschaften geführt. Auf eine ähnliche Reset-Hoffnung kann man in der kommenden Saison hoffen. „Ob erste oder zweite Liga – wir sind alle treue Rieder“ heißt es in einem regelmäßig gesungenen Fangesang. Jahrelang schien die Botschaft dieses Lieds irrelevant und geradezu wie eine Erinnerung an längst vergessene Zeiten. Kommende Saison kann man jedoch beweisen, dass man auf Worte auch Taten folgen lässt. Auf den Rängen und auch am Platz.

Das Rieder Abstiegsszenario

Seit Anfang März wurde im Innviertel öfters von Endspielen gesprochen. Das erste definitive Endspiel findet allerdings erst kommenden Samstag in der Keine Sorgen Arena statt. Verliert die SV Ried das Heimspiel gegen St. Pölten und der WAC gewinnt zwei Stunden später das Heimspiel gegen Austria Wien, stünde man zwei Spieltage vor Saisonende bereits als Absteiger in die skyGo Erste Liga fest. Man würde ausgerechnet im 20. Jahr der Bundesligazugehörigkeit (1995-2003; 2005-2017) zum zweiten Mal den Gang in die zweithöchste Spielklasse antreten müssen.

Patrick Möschl am Boden nach der 0:3 Niederlage gegen Austria Wien
Patrick Möschl als Sinnbild für die aktuelle Lage (c) skysportaustria bzw. GEPA

Zweigleisige Kaderplanung und Transfers

Aufgrund der Tatsache, dass der Abstieg allerdings auch erst im letzten Moment (konkret gesagt am letzten Mai-Wochenende) entschieden werden könnte, gestaltet sich die Kaderplanung für Franz Schiemer derzeit wohl äußerst schwierig. Er muss zweigleisig planen, einzelne Spielerverträge gelten wohl nur für die Bundesliga. Zwei Spieler haben ihren Abschied bereits bekannt gegeben: Stefan Nutz wechselt nach Altach, Gernot Trauner muss/wird den Verein verlassen. Er wechselt aber nicht zu Sturm Graz, daher erscheint der LASK nun als wahrscheinlichste Variante.

Zudem läuft eine Vielzahl an Verträgen aus – mit Dieter Elsneg, Clemens Walch, Florian Hart, Alberto Prada, Nico Antonitsch, Thomas Bergmann, Orhan Ademi und Patrick Möschl ist die Zukunft von acht weiteren Spielern derzeit (zumindest nach außen hin) noch komplett offen. Allerdings sind hier nicht nur die Spieler am Zug. Schiemer selber muss sich folgende Fragen stellen: Wollen diese Spieler auch in der zweiten Liga spielen? Kann man sich diese Spieler in der zweiten Liga überhaupt leisten? Will der Verein diese Spieler überhaupt im Verein halten?

Die dritte Frage ganz sicher mit „ja“ kann man im Fall von Patrick Möschl beantworten. Er spielt im Frühjahr seine beste Saisonhälfte überhaupt im Dress der SVR und ist daher angeblich konkretes Thema bei der Austria aus Wien. Özgür Özdemir, Dieter Elsneg und Peter Zulj sind drei weitere Spieler, welche von der Qualität und vom Gehalt her in der zweiten Spielklasse wohl kaum zu halten sind.

Vieles spricht also für einen drastischen Kaderumbruch. Ein solcher wirkt sich erfahrungsgemäß gerade während der ersten zwei bis drei Monate einer neuen Saison negativ auf die Homogenität der Mannschaft und eine fluide Spielweise aus. Die Absteiger der letzten Jahre hatten im ersten Jahr in der Erste Liga sogar teilweise mit (erneuten) Abstiegssorgen zu kämpfen weil die Spielweise dort eine andere ist und viele Mechanismen aus der Bundesliga nicht greifen. Zudem sind die Plätze (teilweise viel) schlechter und Zweikämpfe sind ein viel größerer Faktor.

Daher müsste Schiemer bei der Kaderplanung neben Klasse/Ligatauglichkeit auch auf die Komponenten Routine/Erfahrung achten. Ein Joachim Standfest (dessen Vertrag in Wolfsberg nicht verlängert werden soll) wäre für mich ein absolut denkbarer Leithammel für eine Mission Wiederaufstieg. Grandios aber wohl nicht umsetzbar wäre eine Rückkehr von Anel Hadzic aus Ungarn zu seinem Stammverein. Dagegen sprechen aber sein relativ junges Alter von 27 sowie Gehalt – und eben auch die Liga.

Spieler gehen, Spieler kommen – in Sachen Neuverpflichtungen wurde zuletzt über den Namen Thomas Mayer gemunkelt. Der LASK-Spieler, welcher sich beim Spiel gegen die Admira im Rieder VIP-Club befand, ist bei Goodwin Sportmanagement unter Vertrag, jener Agentur welche u.a. auch Marcel Ziegl betreut. Schiemer kennt ihn aus seiner Zeit in Liefering und ist wohl von der Mischung aus Schnelligkeit und Giftigkeit überzeugt.

Laut Vorarlberger Nachrichten ist aber auch Pius Grabher ein heißer Kandidat für eine Reunion mit seinem ehemaligen Trainer. Heute wurde verlautbart, dass er den Verein zu Saisonende auf alle Fälle verlassen wird. Dagegen spricht, dass man ihm auch Interesse von fixen Bundesligamannschaften (u.a. Admira) nachsagt. Der Schweizer Gabriel Lüchinger, welcher derzeit als Spielmacher der Altach Amateure in der Regionalliga West (heuer 15 Tore und 6 Assists in 25 Spielen) agiert, soll ebenfalls ein Thema sein.

Grabher ist übrigens 170 cm, Mayer 171 cm und Lüchinger 172 cm „groß“ – ein Indiz dafür auf welche Art von Fußball Schiemer und Chabbi in der kommende Saison setzen wollen, unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Wiederaufstiegsfaktoren Stürmer, Vereinstreue & Trainer

Das wichtigste Kriterium in einem skyGoEL-Meisterkader ist allerdings ein Topstürmer. Ried hatte vor 12 Jahren den überragenden Sanel Kuljic, welcher mit 34 Toren in 34 Spielen bis heute den Zweitligatorrekord hält. Der LASK konnte heuer auf die Tore von René Gartler bauen, St. Pölten wurde im Vorjahr von Daniel Segovia getragen. Ein Jahr zuvor wurde Markus Pink Torschützenkönig bei Mattersburg und wiederum ein Jahr davor Hannes Aigner in Altach.

Das Toreschießen war heuer auch das Hauptproblem der SV Ried. Orhan Ademi konnte den in ihn gesteckten Erwartungen in keinem Aspekt gerecht werden, Thomas Fröschl erzielte sein erstes Saisontor im Mai und auch Dieter Elsneg (in den letzten beiden Jahren der Topscorer in Ried) erwischte heuer eine Seuchensaison. Hier müsste Schiemer also auf alle Fälle nachlegen um diese Schlüsselposition mit einem geeigneten Mann zu besetzen. Man würde wohl keinen Sanel Kuljic mehr finden, aber ein Überraschungsmann wie heuer Rafael Dwamena in Lustenau erscheint im Bereich des Möglichen.

Ein wichtiges und aus Fansicht sogar beeindruckendes Zeichen war die gestrige Vertragsverlängerung von Marcel Ziegl bis 2020. Dieser Vertrag ist sowohl in der Bundesliga als auch in der Ersten Liga gültig. Kapitän Thomas Gebauer sowie Vize-Kapitän Thomas Reifeltshammer haben beide ebenfalls bereits angedeutet, auch bei einem Abstieg die Treue halten zu wollen. Daher könnte man im Falle des schlimmsten Szenarios auf die wohl drei größten Identifikationsfiguren bauen. Sie stammen nicht nur aus der Region (bzw. gehören schon lange dort hin), sondern sind auch die drei längst dienenden Spieler im Rieder Kader. Thomas Gebauer ist seit 2006 in Ried, Thomas Reifeltshammer und Marcel Ziegl haben ihr Bundesligadebüt für Ried beide im Jahr 2009 gefeiert.

Mit Lassaad Chabbi hat man im Frühjahr einen Trainer verpflichtet, der die Erste Liga bestens kennt und mit Austria Lustenau lange im Aufstiegskampf war, bis der bereits genannte Topstürmer Rafael Dwamena in der Winterpause in die Schweiz verkauft wurde. Seine Akribie und unbändige Leidenschaft für den Fußball (welche man Augenzeugen zufolge in jedem einzelnen Training sieht) sind ein Hauptgrund dafür, dass sich die SV Ried Mitte Mai überhaupt noch im Abstiegskampf befindet. Die aktive, zweikampforientierte Spielweise scheint nicht nur den meisten Spielern besser zu liegen, sie ist auch deutlich attraktiver für die Fans. Kein Vergleich zur langweilig-passiven Spielweise unter Christian Benbennek, bei der die Stärken einiger Spieler (Paradebeispiel: Patrick Möschl) überhaupt nicht zur Geltung kamen.

Infrastruktur und Ticketpreise

In Sachen Infrastruktur wäre die SV Ried in der ersten Liga allen anderen Vereinen haushoch überlegen. Ein Stadion mit 7600 überdachten Plätzen im Eigenbesitz, eine innovative Rasenheizung, ein kürzlich eröffnetes state-of-the-art Trainingszentrum inkl. Kunstrasenplatz und ein für HD-Spiele ausreichendes Flutlicht kann in Kombination keine andere Mannschaft bieten, nicht einmal Wacker Innsbruck.

Aufgrund der Infrastrukturgegebenheiten kommen die meisten Teams, welche kommende Saison in der skyGoEL spielen werden, auch gar nicht für den Aufstieg in Frage. Im Endeffekt würde sich der Aufstiegskampf auf Wacker, Austria Lustenau sowie eventuell BW Linz und Wattens beschränken. Alle anderen Vereine haben finanzielle Probleme oder grobe infrastrukturelle Einschränkungen. Und Liefering darf sowieso seit Jahren nur den großen Wettbewerbsverzerrer mimen.

Hauptsponsor Guntamatic hat laut diverser Insider bereits signalisiert, auch in der 2. Liga auf alle Fälle an Bord bleiben zu wollen. Dennoch müsste die SVR gemäß einem Interview mit Finanzvorstand Daxl das Budget im Falle des Abstiegs um rund 30% reduzieren, was aber noch immer für eines der absoluten Topbudgets in der skyGoEL ausreichen würde. Hauptfaktor hier wohl die markant niedrigeren Bezüge aus den TV-Geldern. Als Rieder Fan müsste man sich zudem daran gewöhnen, nicht jedes Spiel live über 90 Minuten sehen zu können. Aber aufgrund der (zumindest derzeit) abgeschlossenen Infrastrukturoffensive könnte wohl ein Großteil der finanziellen Ressourcen in die dringend nötige Kaderplanung investiert werden.

Die Eintrittspreise müssten zwangsweise nach unten angepasst werden. Derzeit bezahlt man 18€ (17€ im VVK) für einen Stehplatz. Bei Gegnern wie Rapid oder Sturm Graz ist das noch absolut okay, gegen Hartberg oder Wattens wäre es dies jedoch nicht mehr. Daher sollte man alles daran setzen, so viele Abos wie möglich zu verkaufen. Je mehr Abos an den Mann (und die Frau) gebracht werden, desto größere Planungssicherheit würde der SVR beim Kampf um den Wiederaufstieg ermöglicht werden.

Der 12. Mann

Weil ich gerade die Abos angesprochen habe – last but not least könnte die SV Ried auch in der skyGoEL auf einen Fansupport bauen, welcher derzeit in der Bundesliga für den subjektiven fünften Platz hinter den „big4“ reicht. Szenen wie nach dem erkämpften 1-0 Heimsieg gegen die Admira sind mehr als nur bundesligareif. Die absolute Mehrheit der Fans würde auch in der Zweitklassigkeit zu ihrer Mannschaft stehen – gemäß dem Motto „Wir für euch – ihr für uns – wir gegen alle“.

Die Rieder Mannschaft beim Abklatschen mit den Fans nach dem 1:0 Sieg gegen die Admira.
Abklatschen nach dem 1-0 gegen die Admira (c) 90minuten.at via GEPA

Aufgrund der Spieltermine von Unterhauskickern (größtenteils Samstag und Sonntag) könnte sogar der Fall eintreten, dass man am Freitag um 18:30 (oder 20:30) wieder Zuschauer im Stadion begrüßen darf, welche aktuell während der Unterhausligasaison kaum Zeit für den Besuch von Bundesligaspielen haben. Im Gegensatz dazu ist der Freitagstermin natürlich weniger kinder- und familienfreundlich. Und auch für Menschen mit längerer Anreisezeit (Anm.: darunter befinde mich auch ich) wäre der Ankicktermin jedoch ein klarer Nachteil.

Ausblick in eine (un)sichere Zukunft

Zusammenfassend kann man konstatieren: ein Abstieg würde vieles ändern, schwieriger machen und natürlich sehr weh tun. Auch viele Fans anderer Teams sehen die SV Ried als Bereicherung für die Bundesliga und würden den Verein daher (zumindest ein bisschen) vermissen. Der gleichzeitige Aufstieg des LASK (inkl. seinem wirtschaftlichem Potential) würde den Abstiegsschmerz unter den Ried-Fans außerdem potenzieren.

Allerdings müsste man um die SV Ried sicher keine Angst und Sorge haben. Trainer und Manager stehen bereits fest und dienen der Planungssicherheit. Man hat beste infrastrukturelle Ausgangsbedingungen um talentierte Spieler auch in die 2. Liga zu locken. Außerdem würde der Zwischenstopp in der zweiten Spielklasse aufgrund der zuvor genannten Fakten hoffentlich auch nur eine Saison lang andauern, da nächste Saison durch die Aufstockung auf die 12er-Bundesliga zwei (oder aufgrund der Relegation gar drei) Teams in die Bundesliga aufsteigen werden.

Und wenn über alle Teile des Vereins (inkl. Fans) der gleiche selbstreinigende Effekt wie 2003 eintreten würde (die Langzeitfans wissen wovon ich spreche), dann wäre der Abstieg ein lehrreiches Kapitel gewesen, dass man als Dorfverein (im Sinne des Begriffes) im österreichischen Spitzenfußball nichts für gegeben oder dauerhaft beständig erachten darf. Denn auch Prototypen verlieren irgendwann einmal ihren Wettbewerbsvorteil und ihre Magie.

 


Disclaimer: ich bin kein Journalist sondern primär langjähriger Anhänger der SV Ried, der bereits einen schmerzvollen Abstieg miterlebt hat. Sollte mir also jemand Subjektivität vorwerfen wollen, dann wohl weil ich einige Dinge ziemlich subjektiv sehe ;- )