Halt And Catch Fire: Die beste TV-Serie, die (fast) keiner von euch kennt

Viele von euch haben einen Amazon Prime und damit auch einen Amazon Video Account. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Serie im Laufe der letzten drei Jahre immer wieder unter euren Empfehlungen aufgetaucht ist und bisher stets ignoriert wurde. Meine eingehende These will ich gleich mit dieser kleinen Zahlenspielerei untermauern: 193.016 Fans insgesamt und nur zwei meiner 397 Facebook-Bekannten gefällt die offizielle Seite dieser TV-Serie bei Facebook.

Halt-And-Catch-Fire-AMC
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Dies kann ich auch nachvollziehen und hat drei subjektive Hauptgründe:

  1. Die Bedeutung des Titels „Halt And Catch Fire ist nichtssagend.
  2. Keine(r) der SchauspielerInnen ist wirklich bekannt.
  3. Die Inhaltsangabe (in diesem Fall bei Wikipedia) klingt langweilig:
    „Halt and Catch Fire spielt in den frühen 1980er Jahren und handelt vom Computer-Boom durch die beginnende Verbreitung des Personal Computer.“

Nach vier Staffeln und insgesamt 40 Folgen mit einer Länge von jeweils 42 Minuten lief vergangenen Samstag das Serienfinale bei AMC. Die ganze Serie (inkl. Serienfinale) ist seit Montag (16.10.2017) bereits bei Amazon Video abrufbar. Warum HCF (so die korrekte Abkürzung und nicht etwa HACF) es unter die Top5 meiner Lieblingsserien aller Zeiten geschafft hat, will ich euch mit den 1000 nachfolgenden Wörtern zumindest etwas näher bringen.

Die Bedeutung von HCF

Der Serientitel „Halt And Catch Fire“ hat folgende ursprüngliche Bedeutung:

An dieser Stelle sei ganz spoilerfrei gesagt: je mehr man von der Serie gesehen hat, desto passender wird man den Titel auch finden. Einen deutschen Serientitel gibt es übrigens keinen. Dankenswerterweise wurde auch auf peinliche Bei- oder Untertitel verzichtet.

Die Schauspieler von HCF

Weder Lee Pace (u.a. Thranduil im Hobbit und Ned in Pushing Daisies), noch Scoot McNairy (spielte dank Argo und 12 Years A Slave zwei Jahre hintereinander beim Oscargewinner des Jahres mit – und er heißt wirklich Scoot und nicht Scott), noch Kerry Bishé (spielte in Argo witzigerweise die Ehefrau von Scoot McNairy wie auch bei HCF) oder Toby Huss (King Of The Hill, Carnivale) sind einem breiteren Publikum geläufig.

Lediglich Mackenzie Davis konnte zuletzt durch ihre Rollen als Mindy Park in The Martian, Yorkie in der Emmy-gekrönten Black Mirror Folge San Junipero und zuletzt Mariette in Blade Runner 2049 eine gewisse Bekanntheit (zumindest unter Film- und TV-Nerds) erlangen. Heimlicher Star der vierten Staffel ist auch der Einwahlsound eines 28.8 kbit/s-Modems von ZyXEL – wer noch zu Modemzeiten aufgewachsen ist, weiß wovon ich schreibe.

AMC's New Series
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Die Handlung von HCF

Wer sich überhaupt nicht für Technologie und die historische Entwicklung von PCs, Netzwerken und dem Internet interessiert, wird ein gewisses Problem mit der Serie haben. Wer bei kleineren faktischen Unsicherheiten der Executive Producer (wie etwa im Bezug auf Code) panisch wird, wird das eine oder andere Mal ebenfalls die Nase rümpfen. Doch nun zur Handlung:

Texas, 1983. Das PC-Zeitalter steht in den Startlöchern. Ein Abteilungsleiter des fiktiven texanischen IBM-Konkurrenten Cardiff Electric stellt einen visionärer Sales Executive (von IBM) ein, weil er zusammen mit einem außergewöhnlichen Hardware-Engineer (mit niedrigem Selbstwertgefühl) den Branchengiganten (…IBM) vom Thron stoßen soll. Unterstützt werden sie in weiterer Folge von einer unkonventionellen aber brillianten Programmiererin und der Ehefrau des Hardware-Engineers (mit selbiger Profession).

Mit dem Satz „Our goal is a machine that is twice as fast for half the price“ stößt Joe McMillan (Lee Pace) die Türe zur Handlung der ersten Staffel ganz weit auf und stellt das Team reihenweise vor nahezu unlösbare Aufgaben. In der zweiten und dritten Staffel (1984 bis 1986) dreht sich alles um ein Online Gaming/Service Unternehmen namens Mutiny und in der letzten Staffel nach einem kleinen Zeitsprung (1993 – 1995) um den Beginn des Suchmaschinenzeitalters.

Die große Stärke(n) von HCF

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht über den Inhalt verraten, da der Fokus von HCF sowieso klar auf den Charakteren liegt. Die Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den fünf Hauptcharakteren über eine Zeitspanne von zwölf Jahren ist gleichzeitig der Nukleus und die große Stärke dieser TV-Serie.

Loyalität und Verrat, Erfolgsdruck und Kompromisslosigkeit, Eifersucht und Freundschaft ändern sich auf Basis der gegebenen und labilen Rahmenbedingungen. Dies aber niemals in einem lächerlichen oder gar soap-opera-haften Rahmen, sondern genau so unvorhersehbar und öfters auch irrational wie im wahren Leben. Es gibt bei HCF keine schwammigen Charaktere, deswegen hat man auch zu fast jedem Zeitpunkt eine klare Ab- oder Zuneigung zu jedem Hauptakteur, welche man aber stets nachvollziehen kann. Außerdem hat die Serie auch keine Scheu davor, „kontroversielle“ Themen wie Anderssein, Homosexualität oder Selbstmord zu thematisieren.

HCF schafft es darüber hinaus auf eine magische Art und Weise, den Zeitgeist der 80er und frühen 90er-Jahre widerzuspiegeln. Musikalisch untermalt wird dies durch den Soundtrack von Paul Haslinger und den Songs u.a. von Bryan Ferry, David Bowie, The Smiths, Joy Division, Gary Numan, den Pixies oder Peter Gabriel.

Kritiker lieben HCF

Hierzu muss ich nicht viel schreiben. Ein kleiner Auszug der Review-Titel zum Serienfinale am vergangenen Samstag sollte reichen:

The Ringer: ‘Halt and Catch Fire’ Was Moving to the End – On the finale of the superb, underwatched AMC drama

GC: Halt and Catch Fire Should Be the Next TV Show You Binge

The Guardian: Farewell to Halt and Catch Fire, the best show that nobody watched

Vanity Fair: Halt and Catch Fire’s Stunning Finale Proves It Was Brilliant from the Start

Autostraddle: “Halt and Catch Fire” Is The Best TV Show You’re Not Watching (Yet)

Solche euphorische bzw. geradezu hymnische Reviews habe ich zuletzt nach dem Serienfinale von Breaking Bad gelesen. Eine Serie, welche mehr mit HCF gemeinsam hat, als man denken möchte – wozu ich nun überleiten möchte.

The Golden Age Of Television

Immer wieder wird über das „goldene Zeitalter des Fernsehens“ gesprochen. Dies manifestiert sich in verschiedensten Auswüchsen. Dank Pay-TV-Anbietern wie HBO, SHOWTIME oder eben AMC sowie Online-Streaming-Services wie Netflix, Amazon oder Hulu konnte die Qualität von TV-Serien im Laufe der letzten 15 Jahre ständig gesteigert werden. Vorbei die Zeiten, in denen Inhalt (z.B. Gewalt, Sex, Schimpfwörter), die Länge einer Serienfolge (eine Stunde minus Werbung ergibt 41 bis 43 Minuten) oder gar die Anzahl der Staffeln einer Serie von den großen US-Networks (CBS, NBC, ABC, FOX) diktiert wurde.

HCF hat es im Gegensatz zu seinen AMC Geschwistern Breaking Bad, Mad Men und The Walking Dead nie über den Status eines Kritikerlieblings hinaus geschafft. Die TV Ratings (Einschaltquoten) lagen bereits während der ersten Staffel etwas hinter den Erwartungen zurück. Bei einem der großen Networks wäre HCF de facto nach einigen wenigen Folgen unwiderruflich abgesetzt worden.

AMC hingegen hat HCF nicht fallen gelassen. Denn auch der große Siegeszug von Breaking Bad begann erst irgendwann zwischen der dritten und vierten Staffel, obwohl die Serie zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach Emmy-preisgekrönt war. Dieses Credo veranlasste AMC nach der zweiten Staffel von HCF, eine dritte Staffel in Auftrag zu geben. Und weil die Einschaltquoten sich weiterhin nur marginal verbesserten, gewährte man HCF dennoch eine vierte und letzte Staffel, in welcher die Executive Producers Christopher Cantwell und Christopher C. Rogers die Geschichte ihres Serien-Babys zu Ende erzählen konnten und durften.

Auf diese Art und Weise kann dieses Kleinod einer Serie weiterleben und auch lange nach ihrer Absetzung neue Fans finden. Das Ende ist auf alle Fälle zufriedenstellend, ermutigend, melancholisch und lehrreich zugleich. HCF hat es sich verdient, weit über den obskuren Status Quo hinauszuwachsen. Sowohl Zugehörige der Generation X als auch der Generation Y werden mehr als nur einmal nostalgisch werden.

In meinem Fall fühlte ich mich an die Zeiten meinen ersten PCs (ein 486er DX2/66 mit 8 MB RAM und einer 840 MB-Festplatte), unser erstes Modem (ein 28.8 kbit/s von U.S. Robotics) und an die Internet-Zeit vor dem Beginn des Suchmaschinenzeitalters zurückversetzt. Also im weiteren Sinne an meine frühe Jugend, an die ich mich sehr gerne zurückerinnere. Wie dies auch mit Halt And Catch Fire der Fall sein wird.

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Google Zertifizierungstag

Angesichts des heutigen Dreckswetters im Innviertel (8C° und Regen) habe ich den Nachmittag genutzt, um die Zertifizierungsprüfungen für Google Analytics sowie Google AdWords zu erneuern. What can I say? Success! 😉

Einsehen könnt ihr meinen Zertifizierungsstatus und meine Zugehörigkeit zur N!N pro GmbH übrigens auch direkt bei Google. Falls jemand der Meinung wäre, ich hätte lediglich ein Talent für Photoshop 😉

SV Ried: Zwischenfazit nach einem Saisondrittel

Ein Drittel der Saison 2017/18 ist seit vergangenem Freitag bereits wieder absolviert. Die SV Ried liegt mit 23 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz. Vor der Saison von Gegnern, Experten und auch sich selber als Aufstiegsfavorit #1 gehandelt, waren vor allem die ersten beiden Monate ziemlich unzufriedenstellend.

Franz Fekete Stadion in Kapfenberg
Rückschläge wie etwa in Kapfenberg kennzeichneten das erste Saisondrittel // Foto: Gerald Emprechtinger

Zuletzt konnte man allerdings durch drei Siege in Folge bei einem Torverhältnis von 10:2 Toren (3-0 bei Wiener Neustadt, 3-1 gegen Austria Lustenau und 4-1 beim FAC) und dem Weiterkommen im ÖFB Cup (durch das 1-0 in Neusiedl/See) eine Trainerdiskussion rund um Lassaad Chabbi verhindern und auch die permanente Kritik eines oberösterreichischen Boulevardblattes (zumindest vorübergehend) verstummen lassen.

16 neue Spieler mussten zu Saisonbeginn in die Mannschaft integriert werden. Eigentlich kann man hier schon gar nicht mehr von Integration sprechen, da aufgrund der langen Verletzungspause von Marcel Ziegl (nach Kreuzbandriss) und der Verletzungsprobleme von Thomas Reifeltshammer zumeist nur zwei bis drei Spieler auf dem Feld standen, welche auch bereits in der Saison 2016/17 dem Abstiegskader aus der Bundesliga angehörten.

Wiederkehrer im Team

Thomas Gebauer ist als Kapitän geblieben und hat zuletzt u.a. mit einem gehaltenen Elfer in Wiener Neustadt bei der Trendwende im September mitgeholfen. Ronny Marcos, im Sommer fix von Greuther Fürth verpflichtet, kam zuletzt gerade offensiv immer besser in Schuss und war beim 4-1 in Floridsdorf einer der Aktivposten in der Mannschaft. Thomas Fröschl konnte bereits fünf Saisontore erzielen (um vier mehr als in der gesamten Saison 16/17) und entschied das Duell der Topkandidaten auf den Aufstieg gegen Wacker Innsbruck mit einem Hattrick quasi im Alleingang.

Clemens Walch ist leider auch heuer wieder Clemens Walch. In Form und frei von Verletzungspech (also quasi nie) einer der besten Spieler der Liga (bzw. eigentlich zu gut für diese Liga), konnte er zuletzt das wichtige 1-0 in Wiener Neustadt sowie das letztendlich entscheidende 2-1 gegen Austria Lustenau erzielen, verletzte sich allerdings postwendend im ÖFB Cup bei der Regenschlacht in Neusiedl am See.

Die Lustenauer Fraktion

Von den Neuzugängen waren die Erwartungen an Julian Wießmeier extrem hoch. Als Spieler des Jahres 2015/16 und Drittplatziertem bei selbiger Wahl in der Vorsaison wurde seine Verpflichtung im Mai als Königstransfer gehandelt. Sein Saisonstart verlief jedoch äußerst schleppend. Bis zum 9. Spieltag war er erstaunlicherweise sogar an keinem einzigen Tor direkt beteiligt. Der Treffer zum letztendlich nicht entscheidenden 1-0 in Kapfenberg war jedoch so etwas wie ein Knackpunkt für den Deutschen. In den letzten vier Runden überzeugte er nämlich mit drei Toren und drei Assists und scheint damit spät aber doch im Innviertel angekommen zu sein.

Bisher die Überraschung der Saison und wohl der überzeugendste Spieler im Rieder Kader ist jedoch Ilkay Durmus. Aufgrund eines Vertragskonflikts mit Lustenau-Präsident Hubert Nagel im Frühjahr nie zum Einsatz gekommen, stellte sich der Deutschtürke ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein in der zweiten Runde mit einem Weitschuss-Traumtor bei den Fans seiner neuen Mannschaft vor. Durmus ist extrem dribbelstark und mit einer überragenden Flankentechnik ausgestattet. Derzeit führt er mit vier Toren und fünf Assists sogar die Scorerwertung der sky Go Erste Liga an.

Scorerliste SV Ried nach 12 Runden

Auf Platz 3 der Scorerliste liegt aktuell im Grunde für viele überraschend Seifedin Chabbi. Ich kann mich an keinen Spieler erinnern, der in Ried einen schwereren Start hatte. Sowohl auf dem Feld als auch bei den Fans. Weil der Trainersohn zu Saisonbeginn nicht traf, wie ein Fremdkörper auftrat aber trotzdem regelmäßig spielte bzw. eingewechselt wurde, hagelte es (zum Teil berechtigte) harsche Kritik von allen Seiten – auch von meiner Person im Spielbericht des inferioren 0:4 gegen Liefering. In den letzten 7 Spielen konnte er jedoch 6x anschreiben und außerdem zwei Assists liefern. Auch wenn er keine statistisch spielentscheidenden Tore beitragen konnte, so verhalfen seine Treffer gegen Wacker,  Wattens, Wiener Neustadt, Lustenau und Floridsdorf dennoch jeweils dazu, die angeführten Spiele auf Eis zu legen.

Die Defensivzentrale

Aufgrund der bereits angeführten Verletzungsprobleme von Vizekapitän Thomas Reifeltshammer bilden Peter Haring und Kennedy Boateng seit vielen Runden die Stamminnenverteidigung. Letzterer ist neben Thomas Gebauer sogar der einzige Spieler, der bisher alle Ligaminuten absolvieren durfte. Zu Saisonbeginn durch die offensive Spielweise mit einer extrem hohen Linie noch regelmäßig von schnellen Gegenspielern überrascht und bestraft, agiert man nun bereits seit mehreren Runden größtenteils souverän. Dafür verantwortlich ist nicht nur die leichte Adaption des Spielsystems von 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, sondern auch die last-minute-Leihe von Lukas Grgic. Der vom LASK ausgeliehene Welser hatte keinerlei Anpassungsprobleme und ist als Abräumer vor der Innenverteidiger ein Hauptgrund für den aktuellen Erfolgslauf der Mannschaft. Man kann nachvollziehen, wieso viele Linzer Fans hoffen, dass man der SVR keine Kaufoption für ihn gegeben hat.

Lukas Grgic und Lassaad Chabbi Spielerpräsentation
Räumt alles ab: der späte Neuzugang Lukas Grgic // Foto via skysportaustria.at

Neben Grgic hat zuletzt in zwei von drei Spielen Pius Grabher agiert. Der Vorarlberger schien – ähnlich wie Wießmeier – nach einigen Runden bei Lassaad Chabbi in Ungnade gefallen zu sein. Aufgrund seiner Spielweise (kein Sechser oder Zehner, sondern eher ein Achter) passte er auch nicht optimal in das Zwischendurch praktizierte flache 4-4-2 System. Diese zwischenzeitlichen Probleme scheinen jedoch aus der Welt geschafft zu sein, denn auch er profitiert von Grgic und agierte zuletzt schräg nach vorne versetzt als Bindeglied zu den vier offensivsten Spielern.

Erfahrung aus der Champions League

Zuletzt war Grabher auch Profiteur der Wadenverletzung von Marko Stankovic. Der steirische Routinier hält bei zwei Toren und einem Assist (darunter zwei direkt verwandelte Freistöße). Besonders wichtig auch sein Eckball zum 1-1 gegen Lustenau kurz vor der Halbzeitpause. Der ehemalige Spieler von Sturm Graz ist vor allem dann wertvoll, wenn sich der Gegner tief in die eigene Hälfte zurückzieht und kein Gegenpressing betreibt. Seine schlechtesten Leistungen hat er im Gegensatz dazu gegen aggressive und offensivstarke Gegner gezeigt, da seine Spielweise weniger dynamisch ist als jene der anderen zentralen Mittelfeldspieler im Kader. Allerdings musste er zu seiner Verteidigung auch oft einen defensiven Part geben, obwohl er in seiner Karriere stets im Sturmzentrum oder hinter den Spitzen aktiv war. Mit seiner Erfahrung und Einstellung ist er im jungen Kader allerdings trotzdem wichtig für die Entwicklung der Mannschaft.

Nachwuchskicker aus der eigenen Akademie

Stefano Surdanovic hält bei 415 Einsatzminuten sowie einem Tor und einem Assist. Das hätten dem jungen Welser vor der Saison wohl nur wenige Insider zugetraut. Primär profitierte der Serbe zu Saisonbeginn von der schlechten Form einiger Offensivkräfte. Beim 1:1 im Derby durfte er sogar die Solospitze mimen, man hatte das Gefühl dass seine Sturmkonkurrenten für die Blamage in Grödig gegen Liefering bestraft wurden. Dabei blieb er jedoch sehr blass, zuletzt wurde er durch die ansteigende Form von Chabbi, Wießmeier und Fröschl auch nur mehr selten eingesetzt. Dennoch ist er ein Versprechen für die Zukunft und ein Kaderspieler, der auch bei Kurzeinsätzen für Offensivgefahr sorgen kann. Arne Ammerer kam zwar erst 71 Minuten zum Einsatz, profitiert jedoch von der Systemumstellung und wurde zuletzt regelmäßig als Absicherung in der Schlussphase eingewechselt. Mit einer guten Physis ausgestattet, kann man sich auch vom 21-jährigen Nachwuchskicker gute Momente im Laufe der Saison erwarten.

Surdanovic und Schiemer bei Vertragsunterzeichnung
Erster Profivertrag bei der SVR: Stefano Surdanovic // Foto via svried.at

Die rechte Mannschaftsseite

Wie Ilkay Durmus hält auch Thomas Mayer bereits bei fünf Saisonassists. Aufgrund der Verletzungsprobleme von Clemens Walch regelmäßig in der Startelf, überzeugte der bissige und dribbelstarke Leihspieler aus Liefering im Grunde bei jedem Saisoneinsatz. Sein einziges Saisontor aus dem Cupspiel gegen den WSC ist wohl auch das zweitschönste Tor, das die SV Ried in dieser Saison erzielen konnte. Und derer gibt es immerhin schon 32. Ebenfalls auf der rechten Seite im Dauereinsatz ist Manuel Kerhe. Ähnlich wie vor einem Jahrzehnt bei Ewald Brenner, wurde der ehemalige Offensivspieler teilweise aus der Not gedrungen zum rechten Außenverteidiger umgeschult und fällt dabei in letzter Zeit kaum auf, was für mich bei einem Defensivakteur ein positives Zeichen ist.

Die Ergänzungsspieler

Einen nicht ganz leichten Stand hat Christian Schilling. Der Defensivallrounder musste in dieser Saison bisher zumeist irgendwelche Lücken füllen. Nämlich als Rechtsverteidiger, rechter Innenverteidiger, Linksverteidiger und linker Mittelfeldspieler. In der Liga kam er in den letzten fünf Spielen jedoch nicht zum Einsatz, was sich gegen Liefering aufgrund der Gelbsperre von Peter Haring jedoch ändern dürfte. Balakiyem Takougnadi, eigentlich als Rechtsverteidiger eingeplant, wirkte beim 3-2 Heimsieg gegen den FAC völlig überfordert, war bei beiden Gegentoren der Hauptbeteiligte und wurde in der Halbzeit ausgewechselt. Seither durfte er nur mehr drei Minuten gegen Hartberg spielen, war dadurch auch beim späten Ausgleich der Oststeirer am Feld und war zuletzt auch sechs Spiele nacheinander nicht im Matchkader. Gabriel Lüchinger konnte in der Vorbereitung durchaus überzeugen, schaffte es während der Meisterschaft jedoch nur selten in den Kader. Seine zuletzt erhaltene Chance in Floridsdorf konnte er jedoch nicht nützen, er wurde in der Halbzeit (für uns Tribünengäste erwartungsgemäß) ausgewechselt.

Fazit und Ausblick

Ich verzichte zum aktuellen Zeitpunkt auf Schulnoten für einzelne Spieler. Vorzugsschüler sind aber auf alle Fälle Ilkay Durmus und Lukas Grgic. Von Marko Stankovic, Clemens Walch und Thomas Reifeltshammer erwarte ich mir aufgrund ihrer individuellen Klasse mehr.

Man liegt trotz des verpatzten Saisonstarts nur einen Punkt hinter Wiener Neustadt, jedoch vier Punkte vor Wacker Innsbruck und sogar elf vor Austria Lustenau. Diese Mannschaften galten vor der Saison als härteste Konkurrenten um den Aufstieg. Liefering spielt außer Konkurrenz und Hartberg traue ich es noch immer nicht zu, die gesamte Saison über im vorderen Tabellendrittel mitzuspielen.

Man konnte aber schon eindrucksvoll feststellen, dass die sky Go Erste Liga kein Selbstläufer ist und an einem guten Tag auch jeder jeden schlagen kann. Wenn man vor der Saison angeboten bekommen hätte, dass man nach einem Saisondrittel auf einem Aufstiegsplatz liegt, hätten dies wohl die meisten wohlwollend unterschrieben. Jedoch darf man keine Minute vom Gas steigen oder mit nur 90% in die Zweikämpfe gehen, da man ansonsten (auch) in dieser Liga umgehend bestraft wird.

Gegen Blau-Weiß Linz, Hartberg und Kapfenberg hat man in den Schlussminuten gleich fünf Punkte verschenkt, welche noch immer weh tun. Dieses mentale Problem hat man zuletzt jedoch scheinbar in den Griff bekommen. Wendepunkt dabei der 3-0 Erfolg bei Wiener Neustadt. Seither hat man es nämlich auch geschafft, Spiele souverän heimzuspielen bzw. bei einem Rückstand (gegen Lustenau) nicht die Nerven zu verlieren.

Fröschl Wießmeier Ried FAC
Immer für Tore gut: Thomas Fröschl und Julian Wießmeier // Foto: GEPA pictures/ Christian Ort

Wenn man den aktuellen Weg konsequent weitergeht, wird man die Favoritenstellung im Endeffekt auch bestätigen können, denn die Offensive ist jederzeit für ein Tor gut und der Ligabestwert von 27 Toren ist über mehrere Schultern (Chabbi, Fröschl, Durmus, Wießmeier) verteilt, was ein Zeichen für eine gute Breite im Offensivkader ist. Zuschauermäßig hat man den mit Abstand höchsten Schnitt der Liga, dieser wird bei regelmäßigen Erfolgen auch weiter nach oben gehen und ein wichtiger Faktor im Aufstiegskampf sein.

Zum Abschluss noch eine Statistik, welche der SV Ried weiteren Mut machen sollte. Betrachtet man die letzten zehn Absteiger aus der Bundesliga, so konnte nach einem Meisterschaftsdrittel nur Altach im Herbst 2009 mehr Punkte aufweisen als die Rieder heuer.

Absteiger Punkte nach 12 Spielen Zwischenrang
2017/18 SV Ried 23 2.
2016/17 SV Grödig n/a n/a
2015/16 SC Wiener Neustadt 11 8.
2014/15 FC Wacker Innsbruck 18 4.
2013/14 SV Mattersburg 16 6.
2012/13 Kapfenberger SV 10 9.
2011/12 LASK Linz 20 3.
2010/11 SK Austria Kärnten n/a n/a
2009/10 SCR Altach 26 2.
2008/09 FC Wacker Innsbruck 23 3.

Heuer reicht im Gegensatz zum damals, als die Admira den Vorarlberger den Aufstieg wegschnappte, auch schon der 2. Tabellenplatz für den Aufstieg. Das klare Ziel ist jedoch der Meistertitel, welcher zum aktuellen Zeitpunkt so realistisch wie überhaupt noch nie in dieser Saison ist.

Denn um die aktuellen 23 Punkte nach zwölf Runden besser einordnen zu können, vielleicht noch ein abschließender Vergleich mit dem letztjährigen Aufsteiger: die im Endeffekt konkurrenzlosen Linzer hatten nach 12 Runden lediglich einen Punkt mehr auf dem Konto und dabei sogar drei Tore weniger erzielt.

Dahoam is dahoam

Dahoam is dahoam,
Wannst net fort muaßt, so bleib;
Denn d’Hoamat is ehnter
Der zweit Muaderleib

So die letzte Strophe der oberösterreichischen Landeshymne von Franz Stelzhamer. Der Dichter und Novellist wuchs in Großpiesenham auf, knapp 8 km südwestlich von Ried im Innkreis gelegen. Auf einem der größeren Plätze im Stadtzentrum – dem Stelzhamerplatz – ist ihm auch ein Denkmal gewidmet – nomen est omen.

Um an diese Einleitung anzuknüpfen: nach dem Abschluss meines Studiums an der FH Salzburg mit der Spezialisierung in Marketing und Medienmanagement musste ich eben aus meinem Heimatland weg. Denn zum damaligen Zeitpunkt, vor über zehn Jahren, gab es außerhalb der Landeshauptstädte kaum attraktive Marketingjobs in der Internetbranche. Deswegen fokussierte ich mich bei meiner Jobsuche auf Salzburg, Innsbruck und Graz. Diese drei Städte waren mir nicht zu groß (Wien), nicht zu nah (Linz), nicht zu weit (Klagenfurt) oder zu klein (alles andere in Österreich).

Von Ried nach Graz

Im Endeffekt landete ich dann bei sms.at in Graz, mitten im Herzen der Murmetropole im Palais Saurau (besser bekannt als das Gebäude mit dem „Türken“). Sechs Jahre lang arbeitete ich nicht nur in der Sporgasse, sondern bewohnte auch eine 40m²-Wohnung im Gebäude mit der Hausnummer 7.  Ich nannte das Flann O’Brien in der Murgasse mein Wohnzimmer und den Schloßberg meinen Garten.

Aufgrund der Zentralität der Lage benötigte ich nicht einmal ein Auto oder Fahrrad, 95% der Wege konnte ich zu Fuß oder mit der Straßenbahn zurücklegen. 2013 zog ich dann aus der Inneren Stadt (Graz I) ins nördlich anknüpfende Geidorf (Graz III) um – keine 15 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt aber dennoch bedeutend ruhiger und grüner. Man wird ja älter.

Knapp ein Jahrzehnt (mathematisch gesehen 28% meines Lebens) habe ich als Einwohner mit Hauptsitz in der Stadt Graz verbracht. Von Dezember 2007 bis August 2017. Denn Anfang Juli dieses Jahres habe ich die Zusage für eine äußerst interessante Stelle bei der N!N pro GmbH in Ried bekommen. Dort beschäftige ich mich primär mit Suchmaschinenoptimierung und dem Projekt- bzw. Produktmanagement einer äußerst spannenden und innovativen SaaS-Lösung namens SyncSpider.

Mein Leben in der Murmetropole

Immer wieder werde ich (nach nur einem Monat) von Freunden und Bekannten jedoch gefragt, ob mir Graz fehlt. Natürlich fehlt mir Graz. In unbestimmter Reihenfolge fehlen mir die lauen Sommernächte im Parkhouse, die wunderbare Kombüse (mit den Stammgästen Stermann & Grissemann), die Nähe zur südsteirischen Weinstraße, die mögliche Auswahl aus unzähligen Pizzerien und Steakhäusern, das internationale Flair der irisch/englischen Pubs wie etwa O’Carolan’s, Flann O’Brien oder Bar28 und das Pubquiz im Office Pub.

Mir fehlen die Konzerte und Konzertmöglichkeiten in Orpheum, p.p.c., Postgarage, Kasematten, Messe und Stadthalle. Mir fehlen meine Laufstrecken entlang der Mur und durch den Hilmteich/Leechwald. In Graz habe ich für den ersten Marathon meines Lebens trainiert und diesen im Oktober 2015 auch erfolgreich absolviert. Ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Auch mehrere Länderspiele habe ich in der UPC Arena (nunmehr Merkur Arena) mitverfolgt, u.a. gegen Lettland und Schweden sowie ein U21 Länderspiel zwischen Österreich und Spanien (mit Morata, Carvajal, Saúl und Jesé).

Österreich Lettland UPC Arena
Österreich gegen Lettland. 3-1 und drei Ausschlüsse in einem Freundschaftsspiel in der UPC Arena.

Außerdem fehlt mir das politische Klima (ins Besondere) meines Heimatbezirkes Geidorf, in dem die FPÖ im Februar 2017 nur knapp 10% aller Stimmen erhalten hat. Im Jahr zuvor hat Norbert Hofer auch nur 21.7% der möglichen Stimmen erhalten, Bundespräsident Alexander Van der Bellen die restlichen 78.3%.

Ergebnis Gemeinderatswahl Graz-Geidorf 2016

Und zu guter Letzt fehlen mir natürlich viele langjährige Freunde – und Bekannte bzw. Kollegen, die über die Jahre hinweg ebenfalls zu Freunden geworden sind. Wenn ich darüber sinniere, was mir alles fehlt, dann werde ich sogar kurzzeitig eiwändi, wie man in Oberösterreich sagt und was wohl am besten mit „melancholisch“ zu übersetzen ist.

Von Graz nach Ried

Doch ich habe mich entschieden. Nun bin ich zurück in meiner Heimatstadt, der Stadt in der ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, der Stadt in der ich meine (bis heute) besten Freunde kennen gelernt habe. Im Gegensatz zu einigen anderen Freunden habe ich Ried bis heute auch nie wirklich vollständig verlassen, war aufgrund meiner akut masochistischen Liebe zur SV Ried an jedem Heimspielwochenende daheim anzutreffen und plante sogar meine Urlaube nach dem Rahmenterminplan. Überschlagsmäßig bin ich die 245km lange Strecke Graz-Ried-Graz 250x gefahren. Das ist keine dieser bewussten Übertreibungen, sondern mit 123.000 Gesamtkilometern eine ziemlich realistische Zahl.

In der ersten Woche zurück wurde dann aber dennoch (scherzhaft) als Steirer bzw. Grazer bezeichnet, was mich sogleich an Robert Heinleins Roman „Stranger in a Strange Land“ erinnert hat. Denn in Graz wurde ich auch nach einem knappen Jahrzehnt teilweise noch immer als Innviertler oder Rieder bezeichnet. In Graz hörte der Steirer den oberösterreichischen Dialekt heraus, in Ried wurde ich vom lebenslangen Innviertler für unbewusst reingerutschte steirische Phrasen belächelt.

Größtenteils fühle ich mich aber trotzdem bereits, als ob ich niemals weg gewesen wäre. Ried mag zwar nur knapp 12.000 Einwohner haben, ist aber das Zentrum des Innviertels und eine der wichtigsten Städte in Oberösterreich. Ried ist eine Sportstadt. Die SV Ried wird kommende Saison wieder in der Bundesliga spielen (daran glaube ich ganz fest), die UVC Ried spielt nun das zweite Jahr in der Volleyball-Bundesliga, die Herren des UTC Fischer Ried waren jahrelang in der Tennis-Staatsliga aktiv, die Damen sind heuer in die Bundesliga aufgestiegen (Anm. Danke, Herr Reiter ;)) und beim Leichtathletik-Meeting im alten Stadion kann man jedes Jahr den besten Leichtathleten Österreichs auf Beine und Hände schauen. Ried ist eine Schulstadt. Bundesgymnasium, BORG, HAK, Handelsschule, HBLA, HTL und viele andere Schulen sind von September bis Juli das unliebsame Zentrum von Tausenden von Schülern aus dem Inn- und Hausruckviertel.

Ried ist eine Innovationsstadt. International bekannte und renommierte Unternehmen wie Fischer, Löffler, FACC, Wintersteiger oder TEAM7 haben von Ried aus ihren Siegeszug in ihrer jeweiligen Branche angetreten. Ried ist eine Messestadt. Übermorgen beginnt die Landwirtschaftsmesse am Rieder Messegelände und feiert dabei heuer obendrauf ihr 150. Jubiläum. Ried ist eine Kulturstadt. Die damals europaweit bekannte Bildhauerfamilie Schwanthaler ist auch sogar eine Antwort in der Trivial Pursuit Genius Edition aus den 90ern, welche zu Weihnachten immer aus dem Kasten hervorgekramt wird.

Ried Schwanthaler Altar Stadtpfarrkirche
Der Schwanthaler-Hochaltar in der Rieder Stadtpfarrkirche – (c) Thomas Ledl via Wikipedia, alle Rechte vorbehalten

Und Ried ist auch ein politisches Zentrum. Sebastian Kurz hat letzte Woche am Hauptplatz in Ried (und nicht etwa in Linz, Wels oder Steyr) seinen Wahlkampfauftakt abgehalten. Die Jahnturnhalle ist jeden Aschermittwoch dank der politischen Auftritte von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache (und zuvor Jörg Haider) in aller Munde. Die bereits erwähnte Rieder Messe wird von Bundeskanzler Christian Kern eröffnet werden, abgesehen davon werden sich Politiker aus allen Lagern ein Stelldichein bei Bier und Würstel mit den (potentiellen) Wählern geben. Zu guter Letzt kommen auch einige sehr kluge Köpfe aus der Gegend: der Quantenphysiker Anton Zeilinger und der Genetiker Josef Penninger haben beide das Bundesgymnasium in Ried besucht bevor sie später in ihren jeweiligen Fachgebieten weltbekannt wurden.

Hoamatland

Mit seinen bereits erwähnten 12.000 Einwohnern (der Ballungsraum umfasst etwa 80.000 Menschen) ist Ried natürlich eine Stadt der kurzen Wege. Mit dem Auto bin ich je nach Fahraufkommen in maximal 5-7 Minuten im Büro, zu Fuß sind es je nach Gehgeschwindigkeit 15-20 Minuten. Wenn man dadurch im Vergleich zu meinem letzten Job in Graz täglich 20-30 Minuten an Freizeit gewinnt, dann summiert sich dies nicht nur monatlich, sondern bereits wöchentlich. Ried ist ebenfalls so zentral gelegen, dass man mit dem Auto 40 Minuten nach Passau, 45 Minuten nach Linz, 65 Minuten nach Salzburg und 110 Minuten zum Flughafen nach München benötigt. Via ÖBB ist man zudem auch innerhalb von 150 Minuten am Wiener Hauptbahnhof.

Das Salzkammergut kann an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Attersee, Traunsee, Irrsee, Mondsee und Wolfgangssee sind von Ried aus in knapp einer Autostunde erreichbar. Mit der Schönheit dieser Seen und Landschaften kann es bei aller Liebe kein einziger steirischer See aufnehmen. Kulinarisch gesehen bin ich froh, dass ich wieder ein Mohnflesserl mit Salz bestellen kann. Nicht zu viel Mohn und eben mit Salz. Und bitte nicht aus einem süßlichen Teig. Am besten noch aufgeschnitten und mit einem Stück Leberkäse in der Mitte ergänzt.

Mohnflesserl mit Salz
Kaum zu glauben, aber dieses göttliche Stück Bäckereikunst ist in Graz bzw. der Steiermark fast nicht erhältlich. (c) gutekueche.at, alle Rechte vorbehalten

Das Ried, welches ich vor 15 Jahren für Salzburg verlassen habe, kann man nur mehr bedingt mit dem Ried von heute vergleichen. Denn auch hier hat der technologische Fortschritt schon längst Einzug gehalten. Ried war sogar einer der ersten österreichischen Orte mit einem nahezu flächendeckenden Glasfasernetz. Auch hier gibt es mittlerweile das lange von der Öffentlichkeit herbeigesehnte Einkaufszentrum mit Elektronik- und Textilgroßhändler. Die so genannte Weberzeile wurde im Sommer 2015 mitten in der Innenstadt eröffnet und schmiegt sich angenehm in das Stadtbild.

Und in der Zwischenzeit haben auch viele meiner Freunde und Bekannte von damals – nach ihren Studien in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck oder sonstwo – ebenfalls wieder ihren Weg in die Heimat zurückgefunden. Deswegen fühle ich mich dann eben noch weniger wie ein stranger in a strange land.

Immer, wenn ich im Laufe der letzten Jahre gefragt worden bin, wo ich mich denn heimisch fühlte, war meine lapidare Antwort folgende: ich bin in Graz zuhause, aber in Ried dahoam. Deswegen soll dieser Eintrag nicht als Vergleich zwischen beiden Städten gesehen werden, sondern vielmehr als Liebenserklärung für jene beiden Städte, in denen ich gelebt habe, aktuell lebe und in der Zukunft leben möchte.

SV Ried: Zwischenfazit in der Länderspielpause

Im Laufe der letzten Woche (also nach den Spielen gegen BW Linz, Wacker Innsbruck und Hartberg) wurde ich mehrmals angesprochen (ja, wirklich) wann ich denn wieder etwas schreiben würde. Die Antwort dazu lautet: in der Länderspielpause, also am Wochenende nach dem kommenden Heimspiel gegen die WSG Wattens. Dabei wird es sich um ein Zwischenfazit der bisherigen neun Saisonspiele (acht in der Liga und eins im Cup), eine erste Bewertung aller Kaderspieler (und des Trainerteams) und einen Ausblick auf die restliche Herbstsaison handeln. Unabhängig vom freitäglichen Resultat wird diese Bilanz maximal durchschnittlich ausfallen. Die anfängliche Euphorie ist auf alle Fälle (nicht nur bei mir) bereits verflogen, was auch die Zuschauerentwicklung (3.320 gegen Wiener Neustadt, 3.100 gegen den FAC und zuletzt nur 2.964 gegen Wacker) der letzten Heimspiele untermauert. Doch mehr dazu wie gesagt in circa 10 Tagen.

Das Debakel von Liefering

Ich hatte vorher knapp 70 Minuten lange Zeit um mir zu überlegen, was ich zu diesem niederschmetternden 0:4 gegen Liefering schreiben würde. Angesichts des heute Erlebten hatte bei der Autofahrt von Grödig nach Ried niemand in unserem Auto große Lust auf Smalltalk. Kollektive Fassungslosigkeit und betretenes Schweigen waren nach einer Götterdämmerung in Sachen zweitklassigem österreichischen Fußball vorherrschend. Einige emotionale Passagen habe ich durch den Abstand von nunmehr zweieinhalb Stunden seit Spielende noch zusätzlich entschärfen oder weglassen können.

Zerknülltes Eintrittsticket von Liefering gegen Ried aus dem August 2017
Das Corpus Delicti, ein Zeitzeugengegenstand direkt aus der Fußballhölle.

Gestern abends habe ich bei einer Twitter-Diskussion noch die bisherigen Leistungen verteidigt und erneut behauptet, dass man aufgrund von Kaderzusammenstellung und Infrastruktur der Favorit auf den Aufstieg bzw. den Meistertitel sei. Diese Meinung revidiere ich nun, viel mehr drehe ich mich um 180° und glaube nun, dass diese Mannschaft nur recht wenig mit den vorderen Plätzen zu tun haben wird.

Das heutige Spiel hat nämlich alle bisherigen Leistungen völlig neu eingeordnet. Die Leistung im Saisonauftakt gegen eine biedere Mannschaft aus Wiener Neustadt war schlecht. Die Leistung in der ersten Halbzeit gegen den FAC, die vermeintlich noch immer schwächte Mannschaft der Liga, war peinlich. Die Leistung bei der heutigen 0:4 Niederlage gegen Liefering war jedoch geradewegs unfassbar. Eine 0:3 Niederlage gegen ein ersatzgeschwächtes Grödig im Dezember 2013 (bei der sogar der Platzwart Pfeilstöcker eingewechselt wurde) hatte ich bis heute für absolut ununterbietbar gehalten. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Die erste Halbzeit war nicht gut, aber das war man heuer bereits gewohnt. Wie kann man jedoch nach der Halbzeitpause aus der Kabine kommen, den eigenen Anstoß fatal zum Gegner spielen, eine große Torchance zulassen, kollektiv weiterschlafen und wenige Sekunden später dann doch noch das Gegentor erhalten? Wie kann man als gestandender Bundesligakicker mit CL-Erfahrung einen Ball nicht einfach wegdreschen, wenn der eigene Tormann nicht im eigenen Tor steht? Wie ist so etwas im Profifußball möglich? In keinster Weise war man dem Gegner RB3 heute ebenbürtig. Weder spielerisch, noch läuferisch, noch kämpferisch und sowieso nicht taktisch.

Denn so langsam ist es an der Zeit sich die Frage zu stellen, ob der größte Feind hinsichtlich der eigenen Aufstiegsambitionen nicht auf der eigenen Trainerbank sitzt. Sein Name ist Lassaad Chabbi und er wurde am Freitag von einem Kollegen relativ treffend als die österreichisch-tunesische Variante von Frenkie Schinkels bezeichnet. Absolut nichtssagenden Interviews vor und nach den Spielen („wenn man gewinnt ist man Favorit, wir haben verloren also sind wir nicht mehr Favorit„) und großen Töne (u.a. „kein Heimspiel mehr verlieren„, „den Code des Gegners geknackt„) steht ein verpatzter Saisonauftakt zu Buche, bei der eine Vielzahl an Spielern völlig ahnungslos über das Feld trabt (u.a. Wießmeier, Chabbi Jun., Kerhe, Marcos) und augenscheinlich keine Ahnung hat, welche Rolle man im Spiel einnehmen soll und wie das allgemeine taktische Konzept aussieht. Daher will ich an diesem Punkt folgende konkreten Fragen aufwerfen:

  • Warum wird gegen die schnellste/dynamischste Truppe der Liga mit einer völlig rigiden (hölzernen) Dreierkette agiert, welche weder im Testspiel gegen Academia Puskas noch in der zweiten Halbzeit gegen Wiener Neustadt auch nur ansatzweise funktioniert hat und dementsprechend heute nach Belieben überlaufen und -spielt wurde?
  • Warum wurde bei der Kaderplanung auf einen natürlichen linken Innenverteidiger  „vergessen“? Haring hat heute als linker Innenverteidiger in der Dreierkette agiert, ein natürlicher Rechtsfuß der nahezu überhaupt keinen präzisen Ball mit seinem linken Fuß hinausspielen kann (oder will) und dem Gegner daher mehr als nur einmal den Ballbesitz zurückgeschenkt hat, die Quittung mit der schnellen Auswechslung nach dem 0:2 kassiert hat.
  • Warum werden Eckbälle gewöhnlich halbhoch, halbscharf an den ersten Pfosten getreten um dort vom ersten Defensivspieler des Gegners aus der Gefahrenzone geköpft oder geschossen zu werden? Generell waren viele eigene Ecken heute der Ausgangspunkt für gefährliche Konterchancen für Liefering. Im Allgemeinen ist die völlig ideenlose Ausführung von Standardaktionen – egal ob jetzt Freistöße oder Ecken – schon länger ein markanter Schwachpunkt im Spiel der Mannschaft. In einer Mannschaft, in der früher klingende Namen wie Lasnik, Drechsel, Lexa, Brenner, R.Zulj, Kragl oder Thomalla an Standards herangelassen wurde, liegt das letzte Tor aus einem direkten Freistoß mittlerweile schon lange zurück, genau gesagt sprechen wir vom Herbst 2015 (Anmerkung 8.8.: Fehler meinerseits, konnte Stankovic doch gegen den FAC einen Freistoß direkt verwandeln, was aber nur wenig am generellen Sachverhalt ändert). Wie viel man mit einstudierten und überraschenden Standardsituationen erreichen kann, sieht man derzeit ausgerechnet beim Aufsteiger in der Bundesliga.

Wir sind der Absteiger aus der Bundesliga und auch wenn es bei einem der schlechtesten Spiele der SVR-Geschichte komisch klingt, so muss ich die Einzelleistung von Seifedin Chabbi heute trotzdem noch gesondert herausheben. Fremdkörper ist nämlich eine Übertreibung für dessen heutige Leistung während der zweiten 45 Minuten. Ein Spieler, der derart verunsichert (?) ist, dass er sich keinen Ball stoppen kann, keinen Pass auf eine Distanz von zwei Metern spielen kann, pausenlos schwarz-grüne Trikots mit rot-weißen Trikots verwechselt und eine Körpersprache und Laufbereitschaft wie auf einer Beerdigung vorzeigt, gehört zumindest temporär aus dem Mannschaftskader genommen. Leider hat man sich mit den beiden Chabbis in der gleichen Mannschaft selbst ein Problem geschaffen, welches mit jedem torlosen Spiel des Filius (derzeit sind es sechs) größer werden wird.

Taktiktafel Seifedin Chabbi beim Spiel Liefering gegen Ried
Die Taktiktafel der Bundesliga (via bundesliga.at) beweist das Gefühlte rot auf grün, dass bei Seifedin Chabbi quasi alles in Tornähe schiefgegangen ist.

Pech für ihn natürlich auch, dass er in der zweiten Halbzeit primär vor den eigenen Fans agieren musste. Der Großteil des mitreisenden Supports ist bei Niederlagen der SVR im Normalfall gnädig. Heute bekam die Truppe jedoch nicht einmal von den Dauerjublern vom FCSG tröstenden Applaus gespendet. Die wenigen Mitreisenden welche noch auf den Rängen waren, schickten die Mannschaft beim Ansatz des Gangs nach Canossa verbal und wild gestikulierend sofort wieder in Richtung Kabine.

Bei einer Niederlage am Freitag im Derby gegen Blau Weiß Linz ist die eine oder andere Eskalation zu befürchten. Der harte Kern hat sich im Laufe der letzten Monate nämlich vieles gefallen lassen und ist bis zum Abstieg und darüber hinaus trotzdem voll mitgegangen. Aber eine zweite Klatsche, noch dazu in einem Derby, würde wohl auch alte Wunden aufreißen. Und dann sehe ich hinsichtlich Stimmungslage schwarz für das Projekt Wiederaufstieg.

Auswärtssektor in Grödig beim Spiel Liefering gegen Ried
Das Highlight an diesem Spiel war das laue Sommerwetter vor Spielbeginn in Grödig, am Fuße des Untersbergs im schönen Salzburgerland.