Golden Globes 2018 – Analyse & Ausblick

Die gestrigen 75. Golden Globe Awards in Hollywood standen ganz unter dem Zeichen von #MeToo und #TimesUp. Wer die wirklich beeindruckende Rede von Oprah Winfrey (der heurigen Cecil B. De Mille Preisträgerin) noch nicht gesehen oder gehört hat, lebt womöglich unter einem digitalen Stein und kann dies hier nachholen:

Oprah als nächster POTUS? Wieso nicht. Aktuell wird auf alle Fälle fleißig spekuliert. Mit ihrem kommerziellen Imperium hat sie ein Vermögen von geschätzten 2.8 Milliarden USD aufgebaut (Quelle: Forbes) und abgesehen davon ist sie sowieso ein national treasure. Trump gegen Winfrey in 2020 wäre das wohl ungleichste politische Duell aller Zeiten, zumindest in den Vereinigten Staaten. Aber: sogar das stable genius ist (war) ein Fan der langjährigen Talkshow-Queen, wie der nachfolgende Tweet aus 2012 beweist. Im Falle von Trump kommt einmal mehr die Regel zur Anwendung: there’s a tweet for everything.

Golden Globes: Verlierer des Abends

Doch nun in medias res. Beginnen will ich beim großen Verlierer des Abends und dieser lautet ganz eindeutig Dunkirk. Dreimal nominiert, galt das Kriegsepos von Christopher Nolan bis zuletzt zumindest als Favorit in zwei dieser drei Kategorien. Doch sowohl Hans Zimmer für seine Filmmusik (gegen Alexandre Desplat) als auch Nolan selber (gegen Guillermo del Toro) zogen jeweils den kürzeren gegenüber The Shape Of Water (bei uns ab 16. Februar in den Kinos). Auch der Film an sich war dadurch im Endeffekt in der Kategorie Bestes Drama chancenlos. Einmal mehr bestätigt sich die Annahme, dass ein Film mit einem Start im Sommer fast chancenlos in der Awards Season ist. Wer Oscars abräumen will, bringt einen Film schon seit Jahren irgendwann zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember in die Kinos, so erzielt man den besten Querschnitt aus Kurzzeitgedächtnis und Langzeiterinnerung.

Für Dunkirk dürfte nach gestern auch das Oscarrennen gelaufen sein. Neben der Bauchlandung bei den Globes gab es nämlich vorletzte Woche auch keine Nominierung für das Beste Ensemble bei den SAG-Awards (Screen Actors Guild). Der letzte Film, der den wichtigsten aller Oscars ohne diese Nominierung holen konnte? Braveheart vor über 20 Jahren. Als letztes Strohfeuer könnten sich nur mehr die BAFTAs anbieten, denn die Geschichte von Dunkirk ist ein großes Stück britische Geschichte – und wenn der Film auch im Heimatland keine Preise holt, wird der Oscarreigen im Endeffekt auf die technischen Kategorien beschränkt bleiben. Für Schnitt, Tonschnitt und Toneffekte ist der Film nahezu konkurrenzlos, im Falle der besten Kameraführung ist Hoyte Van Hoytesma auch nur durch eine Ausnahmeleistung von Altmeister Roger Deakins (13 Nominierungen, 0 Siege) bei Blade Runner 2049 ins Hintertreffen geraten.

Ebenfalls ein Verlierer des Abends ist das coming-of-age Drama Call Me By Your Name, das wie Dunkirk ebenfalls gänzlich leer ausging. Dem Newcomer Timothy Chalamet (nebenbei auch mit Lady Bird im Rennen um einen SAG-Award) wurden leichte Außerseiterchancen gegen Gary Oldman nachgesagt, im Endeffekt konnte der britische Charakterdarsteller aber dann für seine Rolle als Winston Churchill in The Darkest Hour doch noch den Sieg über die Ziellinie retten. Auch Armie Hammer (The Social Network; The Lone Ranger) und der Film an sich gingen leer aus.

Das schlechte Abschneiden von The Post (bei uns klarerweise mit Die Verlegerin übersetzt) ist wenig überraschend. Der Film hatte nur kurzzeitig Oscar-Buzz, obwohl das Drama eigentlich ALLE Zutaten für einen Abräumer in der Awards Season aufweist: Steven Spielberg + Meryl Streep + Tom Hanks + Filmmusik von John Williams + Film über die Integrität der Presse. Woran es liegt? Ich weiß es nicht.

Zurück zu The Shape Of Water – auch das Fantasydrama des mexikanischen Fantasyspezialisten Guillermo del Toro (einem breiten Publikum bekannt geworden durch Pan’s Labyrinth) muss man nicht unbedingt zu den großen Gewinnern des Abends zählen. Trotz der beiden Statuetten für Regie und Filmmusik ging man als meist nominierter Film des Abends in allen anderen Kategorien leer aus. Sowohl in der Hauptkategorie (Bestes Drama) als auch bei den Schauspielerpreisen (Sally Hawkins als Beste Hauptdarstellerin in einem Drama und Richard Jenkins als Bester Nebendarsteller) musste man sich der starken Konkurrenz beugen.

Golden Globes: Gewinner des Abends

Three Billbourds Outside Ebbing, Missouri startete nicht als Topfavorit in die Awards Season, ist jedoch seit gestern jener Film, der ab jetzt geschlagen werden muss. Dies zeigen auch die aktuellen Buchmacher-Quoten, welche etwas später in diesem Blogposting angetroffen werden können (ich will den Spannungsbogen nicht brechen).

Neben dem wichtigsten Preis (Best Drama) konnte das Drama von Martin McDonagh (In Bruges, 7 Psychopaths) auch erwartungsgemäß den Preis für die beste Hauptdarstellerin in einem Drama (Frances McDormand) abräumen. Die Charakterdarstellerin (und nebenbei Ehefrau von Joel Coen) dürfte damit aller Voraussicht nach heuer ihren zweiten Oscar nach Fargo im Jahr 1997 gewinnen – und dies nach einstimmiger Meinung aller Experten auch völlig verdient.

Frances McDormand – (c) deadline.com, all rights reserved

Etwas überraschend war der Sieg von Sam Rockwell (Moon) als Bester Nebendarsteller gegen den favorisierten Willem Defoe, der jedoch einen großen Nachteil hatte, weil sein Film The Florida Project von der HFPA (Hollywood Foreign Press Association) ansonsten gänzlich außen vor gelassen wurde. Hier würde ich das Rennen zwischen Rockwell und Defoe jedoch noch nicht als erledigt sehen. Bloß Richard Jenkins (wie erwähnt für The Shape Of Water), der dritte potentielle Kandidat, dürfte nun bereits aus dem Rennen sein.

Größter Gegner von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri könnte ab jetzt Lady Bird sein. Das Regiedebüt von Indie-Queen Greta Gerwig (Frances Ha, Mistress America) über einen rebellischen Teenager, dem die kalifornische Heimatstadt zu klein wird, wurde nämlich in der Kategorie Beste Komödie/Musical seiner Favoritenrolle gerecht.

Auch Saoirse Ronan (die man wie im nachfolgenden Clip aus der Late Show With James Corden ausspricht) wurde als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet und wird heuer im zarten Alter von 23 bereits zum dritten Mal für den Oscar nominiert werden (Atonement, Brooklyn) und damit einen neuen Altersrekord für diese Marke aufstellen. Die bezaubernde Irin (die in New York City geboren wurde) wird über kurz oder lang sowieso die Nachfolge von Meryl Streep und Kate Winslet als mehrheitlich gefühlt beste Schauspielerin ihrer Generation antreten.

Laurie Metcalf (bekannt durch ihre Rollen als Schwester von Roseanne sowie als Mutter von Sheldon in The Big Bang Theory) verlor etwas überraschend das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den HFPA-Darling Allison Janney. Diese wurde für ihr Porträt als Tonya Hardings ultrastrenge Mutter im Biopic über das Leben der skandalbehafteten Eiskunstläuferin in I, Tonya ausgezeichnet. Doch auch hier ist das Rennen noch lange nicht gelaufen.

Was habe ich bis dato noch nicht erwähnt? Das Terror-Drama Aus dem Nichts (In The Fade) von Fatih Akin mit Diane Kruger (Inglourious Basterds) in der besten Rolle ihres bisherigen Schauspielerlebens konnte doch etwas überraschend den Preis für den besten Auslandsfilm gewinnen. Damit geht Deutschland auch als leichter Favorit in das Oscarrennen. Doch gerade bei den Auslandspreisen sind sich HFPA und Academy oft sehr uneinig.

James Franco galt als leichter bis mittlerer Favorit für seine Darstellung in The Disaster Artist (bei dem er sich nebenbei auch für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete) und konnte sich im Endeffekt auch gegen Daniel Kaluuya (Get Out) durchsetzen. Mehr als eine leichte Erhöhung seiner Chancen auf eine Nominierung für den Besten Schauspieler bei den Oscars stellt dies jedoch nicht dar. Hier sind die Herren aus der Dramakategorie erfahrungsgemäß deutlich bevorzugt.

Coco, das neueste Pixar-Meisterwerk, war und ist heuer im Bezug auf den Besten Animationsfilm sowieso gänzlich konkurrenzlos und wird heuer auch den Oscar gewinnen. Der Sieg von This Is Me war eine große Überraschung beim Besten Song, hier ist Remember Me aus Coco aus der Feder von Kristen Anderson Lopez und Robert Lopez (Oscar für Let It Go aus Frozen) weiterhin der große Oscarfavorit. Auch in dieser Kategorie liegen nämlich die Geschmäcker von HFPA und Academy weit auseinander.

Hochrechnung: Academy Awards 2018

Nachfolgend die bereits angekündigten aktuellen Quoten von oddschecker.com (Stand: 8. Jänner 2018) für den Besten Film bei den Oscars, bei denen Dunkirk vom ersten auf den sechsten Platz zurückgerutscht ist.

Oscar Quoten Bester Film
https://www.oddschecker.com/awards/oscars/best-picture

Es ist noch immer sehr früh – es gibt noch keine BAFTA- & Oscar-Nominierungen und die PGA Awards und SAGs wurden auch noch nicht vergeben, aber dennoch wage ich mich an meine erste ernsthafte Hochrechnung für die heurigen Oscars.

Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Actress Frances McDormand (Three Billboards)
Actor Gary Oldman (The Darkest Hour)
Actress in a Supporting Role Laurie Metcalf (Lady Bird)
Actor in a Supporting Role Sam Rockwell (Three Billboards)
Directing Guillermo del Toro (The Shape Of Water)
Original Screenplay Lady Bird
Adapted Screenplay Call Me By Your Name
Cinematography Roger Deakins (Blade Runner 2049)
Costume Design The Beauty And The Beast
Production Design The Shape Of Water
Film Editing Dunkirk
Sound Editing Dunkirk
Sound Mixing Dunkirk
Visual Effects War For The Planet Of The Apes
Makeup & Hair The Darkest Hour
Score Alexandre Desplat (The Shape Of Water)
Song Remember Me (Coco)
Animated Feature Coco
Foreign Film Aus dem Nichts (Deutschland)

Die Kategorien Documentary, Documentary Short, Animated Short und Live Action Short lasse ich wie üblich aus, hier hat man als Laie eigentlich nur wenig Chancen auf den richtigen Tipp.

Zusammenfassend würde diese Verteilung folgendes Bild ergeben:

3 – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
3 – The Shape Of Water
3 – Dunkirk
2 – Lady Bird
2 – Coco
2 – The Darkest Hour
1 – Call Me By Your Name
1 – Blade Runner 2049
1 – The Beauty And The Beast
1 – War For The Planet Of The Apes
1 – Aus dem Nichts

Der Trend der letzten Jahre würde sich demnach also weiter fortsetzen. Die Zerklüftung der goldenen Statuetten auf viele verschiedene Filme ist nämlich mittlerweile schon Standard und nicht mehr die Ausnahme. Die Zeiten der großen Abräumer wie Titanic oder Lord Of The Rings: The Return Of The King (jeweils 12 Oscars) sind vorbei, weil die Academy in ihrer Zusammenstellung auch immer heterogener geworden ist. Indie-Filme wie heuer Lady Bird, Call Me By Your Name die vor 10-15 Jahren noch mehrheitlich chancenlos gewesen wären, haben mittlerweile die gleichen (oder teilweise sogar besseren) Chancen wie ein 100-Millionen-Epos im Stile von Dunkirk.

Das nächste (und letzte) Update meiner Oscar-Tipps gibt es dann in der Woche vor der Verleihung der Oscars, welche heuer am ersten Sonntag im März stattfindet.

 

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Best of 2017: Serien

Wir leben in einem Zeitalter, in dem es aufgrund des hohen Niveaus und der großen Vielfalt an (Bezahl-)Plattformen einfach nicht mehr möglich ist, alle vielversprechenden Serien anzusehen. Ich persönlich habe (um nur einige Beispiele zu nennen) The Handmaid’s Tale, This Is Us, GLOW, Outlander oder The Crown noch nie gesehen. Von Big Little Lies und The Deuce war ich nicht so überzeugt wie viele Kritiker.

Ich hätte heuer genau so gut eine Liste mit meinen Top20-Serien erstellen können, denn es gibt auch einige prominente Opfer, welche heuer aus verschiedensten Gründen ihren Platz in meiner Top10-Liste verloren haben: Game Of Thrones, Orphan Black, Black Mirror, The Americans, Sherlock, Master Of None BoJack Horseman, Bloodline, The Affair, Homeland sowie Ray Donovan.

Insgesamt gibt es in meiner heurigen Liste fünf Neueinstiege, den höchsten auf Platz 1. Neben der Platzierung in Klammer jeweils die Information über die Staffel, die Anzahl der Episoden in der Staffel sowie die amerikanische & österreichische Plattform, auf welche man die Serie ansehen kann. Hier noch die Links zu meiner Liste aus 2016 sowie zur Liste aus 2015.


10 – Ozark (Staffel 1 / 10 Episoden // Netflix)

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Alles ist in Ordnung, Sheriff – (c) indiewire.com, all rights reserved

Einer der Überraschungshits des Jahres. Eine scheinbar normale Familie rund um Jason Bateman und Laura fucking Linney (regelmäßige Seher von Last Week Tonight werden diese Referenz verstehen) muss schlagartig von der großen Stadt in die Ozarks (Missouri) flüchten bzw. untertauchen, weil die geheimen Machenschaften des Ehemanns (Geldwäsche für ein Drogenkartell) ans Licht kommen. Seine Frau und Kinder können sich mit der Situation nur wenig anfreunden, denn vom technologischem Fortschritt hat man im Sumpfgebiet noch eher wenig erfahren und auch die Menschen sind größtenteils seltsam (bzw. kriminell).

Ozark ist eine Serie mit (überraschend) schwarzem Humor und einigen unerwarteten Wendungen. Ich persönlich konnte mir Jason Bateman (Arrested Development, Horrible Bosses) nur schwer in einer dramatischen Rolle vorstellen, er überzeugt jedoch vollends und wurde auch für einen Golden Globe nominiert. Eine zweite Staffel ist bereits in Planung, es gibt allerdings noch keinen Termin dafür.

09 – Better Call Saul (S3 / 10E // AMC / Netflix)

Kollegin & Crush zugleich – (c) collider.com, all rights reserved

Das Niveau, welches Better Call Saul als Spinoff von Breaking Bad halten kann, wird immer beeindruckender. Die Mischung aus Anwaltsserie, Krimi, Komödie und Drama ist einfach abgerundet. Seit der dritten Staffel gehört auch Giancarlo Esposito in seiner Rolle als Drogenbaron Gus Fring wieder dem Ensemble an. Doch vor allem Michael McKean konnte heuer in seiner Rolle als Bruder von Jimmy McGill (Bob Odenkirk) seinen schauspielerischen Stempel auf die Serie aufdrücken. Im Gegensatz zu BB erfährt BCS jedoch insgesamt weniger Kritikerliebe, anders ist es nicht zu erklären, dass Bob Odenkirk bisher noch keinen Emmy oder Globe für seine Paraderolle erhalten hat. Am Sonntag hat er die nächste (kleine) Chance dazu. Doch Kritikerpreise hin oder her, BCS ist eines der besten Spinoffs aller Zeiten (ich mochte dich nie, Frasier), hat durch seine Existenz im BB-Universum eine automatische Fanbasis und wird auch für mich weiterhin ein Fixpunkt in meinem Netflix-Katalog bleiben.

08 – Fargo (S3 / 10E // FX / Netflix)

„Sie arbeiten jetzt für mich, ob Sie wollen oder nicht“ – (c) digitaltrends.com, all rights reserved

Fargo ist eine Anthologieserie. Das bedeutet, dass mehrere Staffeln unter dem gleichen Titel laufen, jedoch nichts (oder wenig) miteinander zu tun haben. Im Bezug auf das Serien-Universum bin ich der Meinung, dass sowohl S1 als auch S2 besser als S3 sind. Fargo ist allerdings schon grundsätzlich so gut, dass selbst die drittbeste Staffel (von dreien) noch immer für den achten Platz in meinem Jahresranking reicht. Dies liegt (wie bei Fargo gewohnt) einmal mehr am ausgezeichneten Schauspielerensemble. Angeführt wird dieses von Carrie Coon, sie wurde in ihrem Durchbruchsjahr für ihre Rolle auch für einen Emmy nominiert (und von den Globes übergangen). Dafür rittern Ewan McGregor (der ein ungleiches Zwilligsbrüderpaar spielt) und David Thewlis am kommenden Sonntag jeweils um diesen Preis. Letzterer spielt den unappetitlichsten Bösewicht seit Jabba The Hutt und ist damit der legitime Nachfolger des von Billy Bob Thornton in Staffel 1 gespielten Charakters Lorne Malvo.

07 – Stranger Things (S2 – 10E // Netflix)

Stealing the show – (c) nerdist.com, all rights reserved

Im Juli 2016 habe ich eine spoilerfreie Review zur ersten Staffel verfasst. Die Erwartungen nach der Brillianz von S1 waren immens und konnten eigentlich nur enttäuscht werden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn nach dem Platz an der Sonne im letzten Jahr konnte heuer auch die zweite Staffel einen Top10-Platz in meinem persönlichen Ranking belegen. Okay, die Story ist relativ ähnlich und stellenweise banal. Doch Stranger Things lebt erneut vom hervorragenden Schauspielerensemble und dem 80er-Jahre-Flair. Neben David Harbour als Chief Hopper (völlig zurecht für einen Golden Globe nominiert) war diesmal auch das Mitwirken von Sean Astin (The Goonies) eine liebevolle Hommage an das Abenteuerkino der 80er-Jahre. Doch im Zentrum des Geschehens sind eindeutig wieder die Kids, deren Ensemble diesmal etwas vergrößert worden ist. Stranger Things wurde aufgrund des kommerziellen Erfolgs mittlerweile auf vier Staffeln verlängert und ist (neben House of Cards) das zentrale Mosaikstein im Katalog der Eigenproduktionen von Netflix.

06 – Taboo (S1 – 8E // BBC & FX / Amazon)

Tom Hardy als James Keziah Delaney in Taboo
Henlo, i bims der James Keziah Delaney – (c) esquire.com (all rights reserved)

Diese Serie hat im April des heurigen Jahres bereits ein Einzelreview meinerseits erhalten. „Tom Hardy“ sollte für viele bereits reichen, um Interesse zu erwecken. Die im frühen 19. Jahrhundert angesetzte Serie dreht sich um Homosexualität, Inzest, Sklavenhandel, Kannibalismus, Okkult und Kinderprostitution, es ist also für jede(n) etwas dabei. Aufgrund des Erfolgs bei Kritikern und Publikum wurde Taboo bereits um eine zweite Staffel verlängert, welche für 2018 angekündigt ist und einen Schauplatzwechsel (also weg aus dem stinkenden und versifften London) mit sich bringen könnte. Für mehr Details zum Inhalt oder den Schauspielern bitte einfach einen kurzen Blick in mein Review werfen.

05 – The Marvelous Mrs. Maisel (S1 – 10E // Amazon)

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Was mache ich eigentlich hier? – (c) mic.com, all rights reserved

Diese Serie, welche seit Ende November 2017 bei Amazon Video abrufbar ist, hat aus meiner Sicht zwei Grundprobleme. Zum einen klingt der Serientitel nicht besonders verlockend (ist aber wenigstens diesmal nicht der deutschen Übersetzung geschuldet) und zum anderen war die Promotion eher bescheiden bis gar nicht vorhanden. Daher muss ich an dieser Stelle word-of-mouth-Marketing betreiben und die Serie als eine der besten Comedies des Jahres betiteln. Zum Inhalt – wir schreiben das Jahr 1958. Miriam Maisel (gespielt von Rachel Brosnahan, am besten bekannt als Rachel Posner in House of Cards) ist die perfekte Mutter und Hausfrau in der Upper West Side. Dann beginnt ihr Ehemann jedoch ein Techtelmechtel mit der naiven Sekretärin und trennt sich infolgedessen von seiner Ehefrau. Aus Zufall stolpert sie angetrunken in einen Comedy Club und findet heraus, dass ihr großes Talent nicht als Hausfrau sondern auf der Stand-Up-Showbühne liegt.

Wer auf Brachialhumor steht, wird bei TMMM enttäuscht werden. Denn diese Serie lebt von ihrem warmherzigen und intelligenten Humor, ist in den Nebenrollen ausgezeichnet besetzt (u.a. Alex Borstein, Tony Shalhoub, Kevin Pollak) und wurde heuer auch für zwei Golden Globes (Best Comedy, Best Actress in a Comedy Series) nominiert.

04 – Mindhunter (S1 – 10E // Netflix)

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Wieso hast du das gemacht? – (c) Den of Geek, all rights reserved

Wenn David Fincher (u.a. Sieben, Fight Club, The Social Network) etwas schreibt oder produziert, dann hat dieses Machwerk automatisch meine höchste Aufmerksamkeit. Mindhunter versetzt den Zuseher in die USA der 1970er Jahre, in denen forensische Psychologie bei der Aufklärung von Straftaten noch nicht erfunden bzw. in Verwendung war. Jonathan Groff spielt einen rebellischen FBI-Agenten, der aufgrund von Gesprächen mit seiner Freundin (die Psychologie studiert) und einer anerkannten Psychologin jedoch neue Wege bei der Aufklärung und Verhinderung von Straftaten beschreiten will. Zu diesem Zweck bereist er gemeinsam mit seinem zurückhaltenden Kollegen diverse Hochsicherheitsgefängnisse um bekannte Mörder nach ihren Motiven zu befragen. Die Serie beruht auf den Büchern des realen FBI-Fallanalytikers John E. Douglas und lebt von der düsteren Grundstimmung und den grausamen Bildern, die sich aufgrund der Beschreibungen der Straftaten durch die Killer im Kopf des Zusehers manifestieren. Aufgrund des kritischen Erfolges wurde die zweite Staffel bereits abgesegnet.

03 – Mr. Robot (S3 – 10E // USA / Amazon)

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Irgendetwas ist schief gegangen .. (c) GC.com, all rights reserved

War die erste Staffel noch meine Lieblingsserie des Jahres 2015, so verlor das Hacker-Drama aus der Feder von Sam Esmail letztes Jahr sechs Plätze. Heuer findet sich die dritte (und anders als erwartet nicht letzte) Staffel auf dem 3. Platz wieder. Dies liegt vor allem daran, dass die Storyline wieder nachvollziehbarer und realistischer wurde und nicht übertrieben auf einer Metaebene dahinschwimmt wie die vorherige Staffel. Einige filmschaffende Experimente (z.B. eine Folge ohne jeglichen Schnitt) wirkten nicht gekünstelt, sondern fügten sich nahtlos in den Spannungsbogen rund um den von Rami Malek (der kommendes Jahr als Freddy Mercury im Queen-Biopic Bohemian Rhapsody agieren wird) gespielten schizophrenen Hauptchrakter ein. Die Fronten sind abgesteckt, die Motive der Antagonisten sind bekannt, daher wird die vierte (und aller Voraussicht nach wirklich letzte) Staffel wohl dazu verwendet werden, die Story (zumindest für die meisten) zufriedenstellend beenden zu können.

02 – The Leftovers (S3 – 8E // HBO / sky)

Kevin und Nora – (c) esquire.com, all rights reserved

Die dritte und letzte Staffel von The Leftovers bildete einen würdigen Abschluss für eine Serie, welche mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Nach der ersten Staffel bereits von vielen Zusehern und Kritikern (und auch mir) abgeschrieben, schaffte das Mystery-Drama aus der Feder von Damon Lindelof (Lost) nach dem Buch von Tom Perrotta erst mit der zweiten Staffel den Turnaround. Die dritte Staffel konnte dies jedoch nochmal toppen. The Leftovers hat seine Zuseher ständig ratlos, unaufgeklärt und verunsichert zurückgelassen, beging aber nicht den Kardinalfehler von Lost – denn am Ende wurden die wichtigsten Mysterien aufgeklärt und es kommt zu einem ultimativen Moment zwischen den von Carrie Coon und Justin Theroux gespielten Hauptcharakteren, welche über die gesamte letzte Staffel hinweg absolut brillierten.

01 – Halt And Catch Fire (S4 – 10E // AMC / Amazon)

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How will it end? (c) amcnetworks.com, all rights reserved

Wie bereits Mitte Oktober 2017 angekündigt, ist die vierte und letzte Staffel von Halt And Catch Fire meine Serie des Jahres. Daran hat sich auch während der letzten zweieinhalb Monate nichts geändert. Dieses, dem breiten Publikum leider nahezu unbekannte Kleinod der Serienlandschaft hat es in vielen US-amerikanischen Reviews ebenfalls auf die #1 der Jahresbestenlisten geschafft. Wer mehr über den Inhalt erfahren will, kann dies in meinem Blog nachholen. Hier will ich nur mehr anmerken, dass keine Serie die ich 2017 gesehen habe, auch nur annähernd so emotional wie die letzten vier Folgen dieser Serie war. HCF hat sich im Laufe der vier Staffeln nie primär um den technologischen Fortschritt zwischen 1983 und 1995 gedreht, sondern wie die menschlichen Beziehungen der Protagonisten durch diesen Fortschritt beeinflusst und (dauerhaft) verändert werden. Auch das Ende dieser Serie war absolut perfekt und lässt keine Fragen offen.

Best of 2017: Filme

Ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Jahre: nach Arrival (2016), Inside Out (2015), Whiplash (2014) und Drive (2013) küre ich zum bereits fünften Mal in meinem Blog meine persönlichen zehn Lieblingsfilme des Jahres. Dabei inkludiere ich wie immer alle Filme, welche ich zwischen 1.1. und 27.12. gesehen habe, egal ob diese schon 2016 in den Kinos angelaufen sind. Vier der zehn nachfolgenden Filme stammen aus der Awards Season 2016, die restlichen sechs Filme kämpfen in der heurigen Awards Season (mal mehr, mal weniger) um die begehrten Globes, SAGs und Oscars.

Noch eine kurze Erklärung bevor ich in medias res gehe: ein Klick auf den Filmtitel führt zur jeweiligen IMDb-Seite, der Name in Klammer ist der Regisseur des Films, der erste Zahlenwert die aktuelle IMDb-Bewertung (von 0.0 bis 10.0) und der zweite Zahlenwert der aktuelle Metascore (Kritikerwert der sich von 0-100 erstreckt).

10. Wind River (Taylor Sheridan | 7.8 – 73)

Wie schon „Sicario“ und „Hell Or High Water“ lebt auch Wind River vom starken Drehbuch von Taylor Sheridan, der diesmal auch selber Regie führte. Jeremy Renner spielt einen orts- und vor allem schneekundigen Angestellten des Amts für Jagd & Fischerei im tiefwinterlichen Wyoming,  der zusammen mit einer jungen FBI-Agentin (Elizabeth Olsen, die jüngere Schwester der Olsen-Zwillinge) einen mysteriösen Mord an einer jungen Frau aufklären soll. Die Kälte die sich durch den gesamten Film zieht, wird durch viele atmosphärische Einstellungen quasi spürbar und wirkt unangenehm. Wind River ist ein geradliniger, harter Thriller im Stile von Sam Peckinpah. Der Film läuft in unseren Kinos erst im Februar 2018 (über ein Jahr nach dem US-Debüt) an und war im deutschsprachigen Raum bisher nur in Previews zu sehen, ist aber für mich ein absoluter Geheimtipp für einen kurzweiligen Kinoabend im heurigen Winter.

Elizabeth Olsen und Jeremy Renner – kalt is‘. (c) youtube.com, all rights reserved

9. Nocturnal Animals (Tom Ford | 7.5 – 67)

Nocturnal Animals ist Film der von seiner düsteren Atmosphäre lebt. Ein Film mit einem fiktiven und einem realen Handlungsstrang, welche scheinbar immer stärker ineinander verfließen. Ein Film der uns lehrt, dass Amy Adams und Isla Fisher nicht die gleiche Person sind, obwohl sie die hier gleiche Person spielen. Ein Film der wieder einmal beweist, dass Jake Gyllenhaal einer der besten Schauspieler unserer Generation ist. Die Schau wird ihm jedoch diesmal von den Nebendarstellern gestohlen, zum einen von Aaron Taylor Johnson, der für seine Rolle also psychopathischer Bösewicht auch den Golden Globe gewinnen konnte, und zum anderen von Michael Shannon, der sowieso in jedem Film großartig ist. Die Anfangsszene ist verstörend und daher gibt es von meiner Seite auch einen Hinweis: die gehört wirklich zum Film, obwohl man es kaum glauben kann. Nach seinem Debüt „A Single Man“ ist auch der zweite Film von Modeikone Tom Ford absolut sehenswert und lässt auf viele weitere Nachfolgefilme hoffen.

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Amy Adams und Isla Fisher (oder umgekehrt?) – (c) vulture.com, all rights reserved

8. Logan (James Mangold | 8.2 – 77)

Vermutlich der mit Abstand brutalste und gleichzeitig nachhaltigste Film aus dem X-Men-Universum. Der Soundtrack von Cliff Martinez (u.a. „Drive“) ist düster und untermalt die endnahe Stimmung des Filmes, der sich auch leichte Chancen auf die Awards-Season ausrechnen durfte, jedoch durch den frühen Kinostart und eines No-Shows bei SAGs und Globes nun chancenlos ist. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sowohl Patrick Stewart als auch Hugh Jackman in ihren jeweiligen Abschiedsvorstellungen aus der X-Men-Reihe ihre jeweils besten schauspielerischen Leistungen abliefern, welche von James Mangold (u.a. Walk The Line, Identity) atmosphärisch und choreographisch beeindruckend auf die Leinwand gebracht wurde.

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Du hast schon mal besser ausgesehen, Wolverine – (c) vulture.com, all rights reserved

7. The Big Sick (Michael Showalter | 7.7 – 86)

Der Film, der sich als letzter in meine heurige Top10 einreihen konnte. Ein weiterer Überraschungshit, basierend auf der (wahren) Lebensgeschichte des pakistanisch-amerkanischen Schauspielers und Stand-Up-Comedians Kumail Nanjiani, der den meisten aus seiner Rolle in der HBO-Serie Silicon Valley bekannt sein wird. The Big Sick ist mit Holly Hunter und Ray Romano sowie Bollywood-Superstar Anupam Kher in den Nebenrollen schauspielerisch exzellent besetzt, Zoe Kazan (die Enkelin von Hollywood-Regie-Legende Elia Kazan) mimt die heutige Ehefrau von Nanjiani namens Emily Gordon, welche auch das Drehbuch zusammen mit ihrem Mann schrieb. Ein zeitgenössischer Film über Culture Clashes (North Carolina vs. Pakistan am Schauplatz Chicago) und die sonderbaren Wege der Liebe. The Big Sick trifft immer den richtigen Ton, ist niemals schmalzig oder übertrieben und überzeugt durch das bereits erwähnte homogene Schauspielerensemble.

Wenn man die Quasi-Ex-Schwiegereltern im Krankenhaus kennen lernt. – (c) thr.com, all rights reserved

6. Hidden Figures (Theodore Melfi | 7.8 – 74)

Diesen Film sah ich zum ersten Mal im Flugzeug von Amsterdam nach San Francisco und es waren die wohl kurzweiligsten zwei Stunden des elfstündigen Flugs. Der Film nach einer wahren Begebenheit erzählt die Geschichte von dunkelhäutigen Mathematikerinnen bei der NASA in den 60er-Jahren. Also in einer Zeit in der es noch rassengetrennte Toiletten gab und die professionelle Meinung von Frauen größtenteils ignoriert wurde. Die Schauspielerriege (angeführt von Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Kevin Costner in seiner besten Rolle seit Jahren) in Hidden Figures agiert überragend und erzeugt dadurch einen hoch emotionalen und motivierenden Film im Bezug auf Gleichberechtigung, der bis in die Nebenrollen prominent besetzt ist (u.a. Jim Parsons oder Mahershala Ali). Bei den SAG-Awards 2017 konnte er sogar überraschenderweise den Actor für das beste Ensemble gewinnen und sich gegen die favorisierten Moonlight und La La Land durchsetzen.

Wer ist hier deplatziert? – (c) thr.com, all rights reserved

5. La La Land (Damien Chazelle | 8.1 – 93)

Ich bin kein Freund von Musicals. Um nur einige Beispiele zu nennen – ich habe Chicago nie gesehen, ich habe Nine nie gesehen, ich habe Dreamgirls nie gesehen. Doch La La Land hat es mir heuer absolut angetan. Dies mag am meisterhaften Soundtrack liegen (Oscars für beste Filmmusik & besten Filmsong) aber auch an der (Leinwand-)Chemie zwischen Emma Stone (ebenfalls mit dem Oscar ausgezeichnet) und Ryan Gosling. Oder dem Fakt, dass ich viele der Originalschauplätze im Zuge meiner Kalifornien-Reise im Juni auch selber besuchen konnte, wie etwa das Griffith-Observatorium, welches seit La La Land Rekordbesuche verzeichnen kann. In die Geschichte wird der Film dennoch wegen des Fauxpas von Warren Beatty und Faye Dunaway bei den Oscars eingehen, als der Film für wenige Minuten (fälschlicherweise) als bester Film verkündet wurde. Für mich die bemerkenswerteste Szene ist übrigens das Kennenlernen der beiden in den Hollywood Hills, welches ganz ohne Schnitt auskommt und daher eine perfekte vierminütige Choreographie beider Schauspieler (inkl. Gesang und Tanz) verlangte.

4. Baby Driver (Edgar Wright | 7.7 – 86)

Was wohl vor einem Jahr noch niemand geahnt hätte – Baby Driver könnte als letzter Film mit Kevin Spacey in den Credits in die Filmgeschichte eingehen. Aus marketingtechnischer Sicht kam der Film jedoch glücklicherweise bereits vor den diversen Anschuldigungen gegen den zweifachen Oscarpreisträger in unsere Kinos. Aber zurück zum Film: dank eines exzellenten Soundtracks (von Regisseur Edgar Wright mit ausgewählt) und der Nonstop-Action konnte sich Baby Driver im heurigen Sommer als einer der großen Hits des Jahres positionieren, der gleichermaßen gut bei Publikum und Kritikern ankam. Anders als in vergleichbaren Heist-Filmen wie „Gone in 60 Seconds“ oder im Remake von „The Italian Job“ sind nämlich auch die Charaktere klar gezeichnet und müssen daher nicht dem Auto (bzw. den Autos) die Show überlassen. Unnützes Wissen: den Subaru WXR aus dem Film besitzt mittlerweile Ansel Elgort, der die Produzenten monatelang anbettelte, bis sie ihm das Auto letztendlich zum Geburtstag überließen.

3. Get Out (Jordan Peele | 7.7 – 84)

Get Out ist DER Überraschungshit des heurigen Jahres. Und dies völlig zurecht. Jordan Peeles Debüt als Regisseur konnte bei einem für Hollywoodverhältnisse wirklich winzigen Budget von 5 Millionen bis dato mehr als 250 Millionen weltweit einspielen und ist damit gemessen an diesem Verhältnis der kommerziell erfolgreichste Film des Jahres. Ein Horrorthriller mit absolut irren Wendungen und mit Spannung bis zum Schluss, der in Österreich leider brutal schlecht vermarktet wurde und daher kaum Zuschauer in die Kinos locken konnte. Daniel Kaluuya wurde ebenso wie der Film für einen Golden Globe nominiert. Bei den Oscars bestehen die besten Chancen allerdings für das beste Originaldrehbuch (ebenfalls von Jordan Peele, den man bei uns wenig bis gar nicht kennt, in den USA als Teil von Key & Peele jedoch breite Bekanntheit genießt).

Schön, endlich die neue Familie zu treffen. Oder doch nicht? (c) collider.com, all rights reserved

2. Dunkirk (Christopher Nolan | 8.2 – 94)

Zum ersten Mal seit Insomnia im Jahre 2002 wandte sich Christopher Nolan wieder von Sci-Fi-Epen ab und brachte im Sommer mit Dunkirk den wohl besten Kriegsfilm seit Saving Private Ryan in die Kinos. Obwohl die Schauspielerriege sehr homogen ausgewählt wurde (und im Vergleich zu Nolans letzten Filmen mit quasi keinen Weltstars besetzt wurde), erhielt der Film dennoch keine Nominierung für das Beste Ensemble bei den SAG-Awards. Daher dürften die Chancen auf den besten Film den Oscars nahezu Geschichte sein, der letzte Film der diese spezielle Nominierung nicht erhielt aber dennoch den Oscar abräumen konnte, war Braveheart vor über 20 Jahren. Bei Dunkirk ist vor allem die Kameraführung von Hoyte Van Hoytesma explizit zu erwähnen, die allerdings durch Roger Deakins‘ Arbeit bei Blade Runner 2049 leer ausgehen dürfte. Ich behaupte, dass Dunkirk in jedem anderen Jahr diesen Oscar für die Beste Kamera mühelos abgeräumt hätte. Abgesehen davon wird der Film in den technischen Kategorien wie Schnitt, Tonschnitt oder Toneffekte punkten und auch der Score von Hans Zimmer hat gute Chancen, wenn man den Experten von Gold Derby bzw. den Wettbüros vertraut.

Attacke von oben – (c) imdb.com

1. Manchester By The Sea (Kenneth Lonergan | 7.9 – 96)

Bei der heurigen Oscarverleihung mit zwei Statuetten ausgezeichnet (für das beste Drehbuch von Kenneth Lonergan und die Performance von Casey Affleck als bester Schauspieler), ist Manchester By The Sea wohl einer der deprimierendsten Filme aller Zeiten. Ein Film, der dir unbarmherzig in den Magen tritt wenn du gefühlsmäßig ohnehin schon am Boden liegst. Neben der preisgekrönten Darstellung von Casey Affleck ist auch die schauspielerische Leistung von Lucas Hedges hervorzuheben, der heuer gleich mit zwei Filmen (Lady Bird bzw. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) im Rennen um den Oscar für den besten Film beteiligt ist. Mich hat dieser Film vor allem aufgrund des Drehbuchs und der Story beeindruckt, dennoch habe ich es bis heute nicht über das Herz gebracht, ihn mir ein zweites Mal anzusehen (ähnlich die Situation auch wie bei Pan’s Labyrinth).

Nein, in diesem Film wird nicht gelacht. – (c) nybooks.com, all rights reserved

 

 

Freizeitbad Ried: Das teuerste Bad Oberösterreichs

Nach knapp viereinhalb Jahren hallenbadloser Zeit wird am 8. Februar 2018 (voraussichtlich) das langerwartete neue Freizeitbad in der Volksfeststraße in Ried im Innkreis öffnen. In der Gemeinderatssitzung vom 17. Oktober 2017 wurden einstimmig die Öffnungszeiten und die Tarifstaffel beschlossen.

Eine Studie des Freizeitbads Ried – (c) freizeit-ried.at via nachrichten.at

Dabei heißt es im offiziellen Protokoll dieser Sitzung:

Herr Eichhorn erläutert in der Sitzung des Stadtrates vom 5. Oktober 2017 die Tarife für das Freizeitbad. Nach eingehender Diskussion wurden nachstehend angeführte Tarife für das Freizeitbad dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgeschlagen. Eine Beschlussfassung ist bereits jetzt erforderlich, da der Vorverkauf der Geldwertkarten und Gutscheine noch vor Weihnachten anlaufen soll. Die Eröffnung ist im Februar geplant.

Viele lokale Medien wie etwa das TIPS (im Artikel von Walter Horn vom 24. Oktober 2017) wurden ob dieses Beschlusses stutzig. Grund dafür: das Freizeitbad Ried bietet keine gewöhnlichen 10er-Blöcke für Bad und Sauna an. Noch seltsamer: es gibt zudem keinerlei Monats-, Saison- oder Jahreskarten.

Das Preisniveau für Kurzzeitkarten (60-120 Minuten) und Tageskarten für Bad / oder Sauna / oder Bad und Sauna ist oberösterreichweit unangefochten an der Spitze. Allerdings im negativen Sinne. Egal ob städtischer Raum (u.a. Linz, Wels, Steyr) oder ländlicher Raum (u.a. Freistadt, Haibach, Spital am Pyhrn) – kein anderes Hallen- bzw. Freizeitbad verlangt derartig exorbitant hohe Tarife von seinen Kunden.

Eine Tabelle mit den gesammelten Preisen für Kurztarif Bad, Tageskarte Bad, Jahreskarte Bad, Tageskarte Sauna sowie Jahreskarte Sauna kann hier heruntergeladen werden. Die Preise wurden den jeweiligen Webseiten entnommen, sind auf dem Stand des 22. November 2017 und natürlich ohne Gewähr. Ich erhebe zudem keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Mit dem Tageskartenpreis von € 9,- für das Rieder Freizeitbad kann man beispielsweise zwei volle Tage in irgendein Bad in Linz oder Traun oder Vöcklamarkt oder Kirchdorf an der Krems gehen. Wenn man 60-90 Minuten schwimmen gehen will, zahlt man in Ried € 6,-. Dafür kann man in Traun, Pregarten oder Kirchdorf an zwei Tagen für diese Dauer seine Bahnen ziehen.

Richtig interessant wird es jedoch erst bei konkreten Rechenbeispielen (welche ich stets auf Erwachsene beziehe):

  • Wer einmal pro Woche für eine Stunde schwimmen gehen will, zahlt in Ried € 312,- (bei Verwendung von Bonuskarten reduziert sich der Betrag auf € 259.50,-). Mit Ausnahme von Linz (€ 392,- – dafür kann man dort allerdings in jedes Bad der Linz AG gehen) bekommt man für diese Summe in JEDEM oberösterreichischen Hallenbad eine Jahreskarte.
  • Wer 100x pro Jahr schwimmen geht, zahlt in Ried schon € 600.00,- (bzw. wiederum nach Abzug der Bonuswerte € 490,-). Dafür bekommt man in den meisten oberösterreichischen Hallenbädern bereits eine Jahreskarte für sich und seine/n PartnerIn.
  • Wer einmal pro Woche in die Sauna geht, muss in Ried für den Abendtarif stolze € 15,- berappen. Auf das Jahr hochgerechnet sind dies € 780,-. Man ziehe wieder die Bonuswerte ab: € 647.50,- .. in jedem anderen oberösterreichischen Hallenbad mit Sauna bekommt man dafür eine Jahreskarte für die Sauna. In vielen Gemeinden (wie etwa Vöcklamarkt, Losenstein oder Spital an der Pyhrn) bekommt man dafür sogar wiederum eine Jahreskarte für PartnerIn und sich selber.
  • Wer 100x pro Jahr in die Sauna will – für dieses Rechenbeispiel wird der Dreistundentarif von € 18.50,- verwendet – kommt bereits auf exorbitante € 1850,-.. Die € 1490,- abzüglich der Bonuswerte sind im Vergleich dazu schon fast ein Schnäppchen. In Linz bekommt man dafür Jahreskarten für drei Personen, in Steyr kann man sogar vier Personen mit einer Jahreskarte ausstatten.

Die Mathematik ist hier relativ klar. So lange keine Jahres- oder Saisonkarten angeboten werden, steigen die anfallenden Kosten linear, je öfter man das Angebot des Hallenbads oder der Sauna in Ried in Anspruch nehmen will. Mit Ausnahme von Braunau, Ebensee und Spital am Pyhrn bieten alle anderen betrachteten oberösterreichischen Bäder jedoch Saisonkarten an. Diese haben aus Betreibersicht eigentlich auch einen finanziellen Anreiz: sie bringen Planungssicherheit und akzeptable Preise führen auch dazu, dass sich viele Menschen eine Jahreskarte leisten obwohl sie das Angebot vielleicht gar nicht regelmäßig in Anspruch nehmen wollen. Analog zu Fitnesscentern.

Meine logische Schlussfolgerung: man setzt ganz stark auf Gelegenheitsbesucher, die sich weder mit Preisen beschäftigen noch regelmäßig in Bad oder Sauna gehen wollen. Erstaunlicherweise erwartet man sich im dritten Betriebsjahr (und nicht wie vorher fälschlicherweise behauptet im ersten Betriebsjahr) aber 115.000 Besucher (315 pro Tag). Im letzten Jahr im alten Hallenbad waren es nur knapp 43.000 Gäste (118 pro Tag). Quelle dafür ist der Artikel von Thomas Streif in den OON am 16. November 2017.

Die Hauptklientel des alten Hallenbads in Ried waren hingegen Hobby- sowie Sportschwimmer und regelmäßige Saunagänger. Es wird sich daher herausstellen, ob diese gewillt sein werden die geforderten Preise zu zahlen oder sich um Alternativen umsehen. Ich bin früher (primär im Winter) ebenfalls regelmäßig 60 bis 90 Minuten schwimmen gegangen, daher interessiert mich diese Thematik (durch meine Heimkehr nach Ried) auch persönlich. Doch bevor ich meinen Artikel abschließe, will ich noch einige Fragen in Richtung der Stadtgemeinde Ried aufwerfen:

Wer hat die Tarife entworfen und warum hat der Gemeinderat (offensichtlich ohne jeglichen landesweiten Vergleich) diesem Entwurf einstimmig (!) zugestimmt?

Wieso bietet man keinerlei Monats-, Saison- oder Jahreskarten sowie 10er-Blöcke für Bad und/oder Sauna an? 

Wen genau will man mit diesen Preisen in das Freizeitbad locken? Die Therme Geinberg (€ 35.20,- für eine Tageskarte Bad/Sauna) und das Aquapulco in Bad Schallerbach (€ 35.50,- für die Kombikarte) sind jeweils innerhalb einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar. Dort wird allerdings um einiges mehr angeboten. 

Was erhofft man sich davon, dass man sich den Ruf als das teuerste Freizeitbad Oberösterreichs (und vermutlich auch Österreichs) einhandeln wird?

Wieso wird das Bad von einem Unternehmen aus der Nähe von München (GMF) betrieben? Ist es wirklich notwendig gewesen, Know-How aus dem Ausland zu Rate zu ziehen oder hätte man hier auch eine österreichische Lösung treffen können? 

Wieso wird diese skandalöse Tarifgestaltung von den regionalen Medien nicht in aller Deutlichkeit an den Pranger gestellt? 

Die Welt des Andreas Herzog

Für mich als Kind der 80er-Jahre war Andreas Herzog (Jahrgang 1968) in den 90ern ein Fußballgott. Seine Meisterschaft mit Werder Bremen, sein Transfer zum FC Bayern (bzw. damals eher FC Hollywood) in die bayrische Landeshauptstadt. Es gab kein Internet, es gab kein PayTV und so musste man jedes Mal auf ran (oder ranissimo) warten um ihn bei Bremen und Bayern in Aktion zu sehen. Was sich auch meistens rentierte.

Aber vor allem sein Tor gegen die Schweden. DIESES Tor gegen die Schweden (die Schweeeden). Eines der wichtigsten und spektakulärsten Tore der österreichischen Länderspielgeschichte. Herzog ist mit 103 Länderspielen österreichischer Rekordnationalspieler und neben Sindelar, Prohaska und Krankl et al. mit Sicherheit auch einer der besten österreichischen Fußballer aller Zeiten.

So aufregend und bemerkenswert seine aktive Karriere verlief, so seltsam verläuft seine Trainerkarriere. Nach einem Co-Trainerjob unter seinem alten Mentor Josef Hickersberger (27 Spiele) und seinem Nachfolger Karel Brückner (7 Spiele) übernahm er im März 2009 die österreichische U21-Nationalmannschaft. 13 Siege stehen 6 Unentschieden und 9 Niederlagen gegenüber. Dabei qualifizierte man sich für kein größeres Turnier.

Im Jänner 2012 kam er dank seines Bayern- bzw. LA Galaxy-Spezis Jürgen Klinsmann als Co-Trainer und U23-Trainer bei der US-amerikanischen Nationalmannschaft unter. Als Verantwortlicher der U23 setzte es insgesamt mehr Niederlagen (6) als Siege (5). Seit er im Jänner 2005 seine aktive Karriere beendet hat (was immerhin bereits mehr als 12 Jahre zurückliegt), hat man das Gefühl, dass er quasi im Monatstakt auf einen Trainerjob bei Rapid, der österreichischen Nationalmannschaft (und wohl auch bei Werder Bremen) hofft und wartet.

Herzog als Co-Trainer der USA vor dem Testspiel zwischen Österreich und den USA im Jahre 2013. (c) weltfussball.at

Vorgestern wurde Franco Foda als neuer Teamchef bestätigt. Herzog gab sich als schlechter Verlierer. Die APA zitierte ihn wie folgt:

Herzog ärgere sich, wenn er liest, er habe als Trainer nicht genügend Erfahrung. „Diese Trottelaussagen kann ich ehrlich gesagt nicht mehr hören. Ich habe über hundert internationale Spiele als Cheftrainer gemacht. So viele Spiele haben viele Trainer nicht mal in der Bundesliga hinter sich. Ich habe so viel erlebt, ich könnte sofort eine Mannschaft übernehmen“

Quick fact: er hat keine 100 internationale Spiele als Cheftrainer gemacht. 28 Spiele mit der österreichischen U21, 11 Spiele mit der U23 der USA und 1 Spiel als interimistischer Trainer der USA ergeben 40 Spiele als Cheftrainer, davon 39 im Nachwuchsbereich. Als Quelle hierfür dient transfermarkt.at. Dies ist von 100 so weit entfernt wie Österreich heuer von einer WM-Qualifikation war.

Gegenüber sky gab er heute auch noch folgendes Interview:

„Der Herr Windtner braucht sich bei mir nicht mehr melden, wenn irgendwas ist“, erteilte Herzog bei Sky einem zukünftigen Engagement eine Absage. „Verarschen kann ich mich selbst. Immer nur in der Verlosung dabei zu sein, aber nie wirklich ein ernsthafter Kandidat – das wird schön langsam fad.“ Herzog stößt sich vor allem daran, dass ihm ohne wirkliche Begründung abgesagt wurde.

Folgender Denkanstoß: die aktuell erfolgreichsten österreichischen Trainer sind wohl Ralph Hasenhüttl, Peter Stöger und Adi Hütter. Das Trainerranking von Laola1 sieht dies genau so.

Ralph Hasenhüttl (Jahrgang 1967) hat nach dem Ende seiner aktiven Karriere als Co-Trainer unter Werner Lorant bei Unterhaching begonnen und wurde anschließend bei selbigem Verein Cheftrainer in der Regionalliga Bayern. Mit Aalen stieg er in die 2. Bundesliga auf und konnte dort entgegen sämtlicher Expertenmeinungen die Klasse halten. Anschließend führte er Ingolstadt in die Bundesliga und hielt dort ebenfalls (souverän) die Klasse, bevor er zu RB Leipzig wechselte und sich seit heuer Champions League Trainer nennen darf.

Peter Stöger (Jahrgang 1966) mühte sich nach seiner Anstellung als Sportdirektor bei der Wiener Austria mit der Vienna und dem GAK in diversen Regionalliga umher, bevor er über den Umweg Wiener Neustadt zur Austria zurückkehren konnte. Dort wurde er Meister, wechselte aber trotz der Chance in der Champions League spielen zu können trotzdem zum FC Köln in die zweite deutsche Bundesliga, weil er dem Effzeh ein großes (größeres) Potential attestierte. Nach einem souveränen Aufstieg darf sich der kölsche Wenger heuer auch Europa League Trainer nennen. Die dramatischen Misserfolge der aktuellen Saison lassen wir an dieser Stelle mal außen vor, nachdem es die letzten Jahre eigentlich nur steil bergauf ging.

Ösis unter sich beim Spiel zwischen Köln und RB Leipzig – (c) krone.at

Adi Hütter (Jahrgang 1970) startete nach dem Ende seiner aktiven Karriere als Co-Trainer von Michael Streiter bzw. Lars Söndergaard bei den RB Juniors, bevor er ebendiese als Cheftrainer übernehmen konnte. Nach einer Zwischenstation in Altach stieg er mit Grödig in die Bundesliga auf und spielte anschließend eine überragende Saison in der höchsten Spielklasse, aufgrund derer er von RB Salzburg als neuer Cheftrainer auserkoren wurde. Nach einem ungefährdeten Meistertitel trennte er sich aufgrund seiner Prinzipien jedoch von den Salzburger Bullen und wechselte zu YB Bern, mit denen er derzeit die Schweizer Liga anführt und auch in der Europa League aktiv ist, zu Saisonbeginn nur knapp an der Qualifikation zur Champions League scheiterte.

Alle drei Trainer haben in der Regionalliga angefangen, sind konsequent ihren Weg gegangen, haben manchmal auch einen Schritt zurück gemacht um dann später zwei Schritte nach vorne machen zu können. Die drei genannten Beispiele und Herzog wurden innerhalb von vier Jahren geboren und dennoch klafft eine massive Erfahrungslücke zwischen Herzog und dem Rest.

Ich habe selber nie eine (Fußball-)Mannschaft trainiert, wage trotzdem zu behaupten: als Co-Trainer hat man nicht annähernd die gleiche Verantwortung wie ein Cheftrainer. Den Erfolg im Gold Cup kann er sich im Grunde nur in seine Vita schreiben, weil Jürgen Klinsmann für dieses Spiel gesperrt war. Es ist aus meiner Sicht auch stark zu bezweifeln, dass Herzog die Mannschaft für das Finale gegen die Fußballmacht aus Panama (1:0) auf- oder eingestellt hat. Als Cheftrainer der U23-Nationalmannschaft hat Herzog die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro verpasst.

Wieso um alles in der Welt hat Herzog nun also die Chuzpe, beleidigt zu sein dass er den Job des Nationaltrainers (wieder!) nicht bekommen hat? Wohl nur weil er nach der Bestellung seines langjährigen Vereins- und Nationalteamkollegen Peter Schöttel zum Sportdirektor des ÖFB wohl ziemlich sicher mit der finalen Krönung als Teamchef gerechnet hatte. Der enorme mediale Backlash nach der Trennung von Ruttensteiner hat in den Gremien des ÖFB wohl jedoch dafür gesorgt, dass man sich in weiterer Folge um Schadensbegrenzung gegenüber sämtlichen Gerüchten der Verhaberung bemüht hat und deswegen die Kompromisslösung Franco Foda präsentiert hat.

Foda-ÖFB
Teamchef Franco Foda – (c) vienna.at

Eben dieser Franco Foda (Jahrgang 1966) mühte sich viele Jahre als Co-Trainer und Cheftrainer der Sturm Amateure herum, bevor er 2006 den Cheftrainerposten in sehr schwierigen Zeiten übernehmen durfte und die Mannschaft fünf Jahre später zur österreichischen Meisterschaft führte. Nach einem knapp einjährigen Gastspiel in Kaiserslautern (er scheiterte in der Relegation an Hoffenheim) wechselte Foda nach Graz zurück und führt derzeit mit seiner Mannschaft verdient die tipico Bundesliga an. Verglichen mit seinen drei vorher genannten Kollegen verfügt er objektiv gesehen über die wenigste internationale Erfahrung, dennoch kennt er unsere Bundesliga in- und auswendig und war nun seit 2006 (mit einer Pause von wenigen Monaten) quasi durchgehend als Cheftrainer im Erwachsenenfußball aktiv.

Auch wenn die unglückliche Pressekonferenz des ÖFB deutlich verraten hat, dass Foda nicht die erste (oder zweite, oder dritte) Wahl war (das waren wohl Stöger, Hütter, Kovac und Weinzierl), so ist der Deutsche aus dem Pool der drei „Endkandidaten“ (nebst Fink und Herzog) allerdings doch ein verdienter „Sieger“.

Für Andreas Herzog wäre die beste Vorgehensweise, wenn er jetzt nicht weiter durch kindisch-beleidigte Interviews auffallen würde sondern sich selber bei der Nase nimmt und einen bodenständigen Trainerjob in der skyGo Erste Liga oder tipico Bundesliga antritt. Dort kann er seinen Kritikern durch Erfolge beweisen, dass er auch den Cheftrainer bei einer Nicht-Nachwuchsauswahl kann. Wenn er dazu fähig ist, sollte nach wenigen Jahren auch ein Posten als Cheftrainer bei Rapid im Bereich des Möglichen liegen. Und in nicht allzu ferner Zukunft ist Leo Windtner auch nicht mehr ÖFB-Präsident. Und dann werden auch die Karten um den österreichischen Nationaltrainer wieder neu gemischt.

Halt And Catch Fire: Die beste TV-Serie, die (fast) keiner von euch kennt

Viele von euch haben einen Amazon Prime und damit auch einen Amazon Video Account. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Serie im Laufe der letzten drei Jahre immer wieder unter euren Empfehlungen aufgetaucht ist und bisher stets ignoriert wurde. Meine eingehende These will ich gleich mit dieser kleinen Zahlenspielerei untermauern: 193.016 Fans insgesamt und nur zwei meiner 397 Facebook-Bekannten gefällt die offizielle Seite dieser TV-Serie bei Facebook.

Halt-And-Catch-Fire-AMC
(c) amcnetworks.com – all rights reserved

Dies kann ich auch nachvollziehen und hat drei subjektive Hauptgründe:

  1. Die Bedeutung des Titels „Halt And Catch Fire ist nichtssagend.
  2. Keine(r) der SchauspielerInnen ist wirklich bekannt.
  3. Die Inhaltsangabe (in diesem Fall bei Wikipedia) klingt langweilig:
    „Halt and Catch Fire spielt in den frühen 1980er Jahren und handelt vom Computer-Boom durch die beginnende Verbreitung des Personal Computer.“

Nach vier Staffeln und insgesamt 40 Folgen mit einer Länge von jeweils 42 Minuten lief vergangenen Samstag das Serienfinale bei AMC. Die ganze Serie (inkl. Serienfinale) ist seit Montag (16.10.2017) bereits bei Amazon Video abrufbar. Warum HCF (so die korrekte Abkürzung und nicht etwa HACF) es unter die Top5 meiner Lieblingsserien aller Zeiten geschafft hat, will ich euch mit den 1000 nachfolgenden Wörtern zumindest etwas näher bringen.

Die Bedeutung von HCF

Der Serientitel „Halt And Catch Fire“ hat folgende ursprüngliche Bedeutung:

An dieser Stelle sei ganz spoilerfrei gesagt: je mehr man von der Serie gesehen hat, desto passender wird man den Titel auch finden. Einen deutschen Serientitel gibt es übrigens keinen. Dankenswerterweise wurde auch auf peinliche Bei- oder Untertitel verzichtet.

Die Schauspieler von HCF

Weder Lee Pace (u.a. Thranduil im Hobbit und Ned in Pushing Daisies), noch Scoot McNairy (spielte dank Argo und 12 Years A Slave zwei Jahre hintereinander beim Oscargewinner des Jahres mit – und er heißt wirklich Scoot und nicht Scott), noch Kerry Bishé (spielte in Argo witzigerweise die Ehefrau von Scoot McNairy wie auch bei HCF) oder Toby Huss (King Of The Hill, Carnivale) sind einem breiteren Publikum geläufig.

Lediglich Mackenzie Davis konnte zuletzt durch ihre Rollen als Mindy Park in The Martian, Yorkie in der Emmy-gekrönten Black Mirror Folge San Junipero und zuletzt Mariette in Blade Runner 2049 eine gewisse Bekanntheit (zumindest unter Film- und TV-Nerds) erlangen. Heimlicher Star der vierten Staffel ist auch der Einwahlsound eines 28.8 kbit/s-Modems von ZyXEL – wer noch zu Modemzeiten aufgewachsen ist, weiß wovon ich schreibe.

AMC's New Series
(c) parentherald.com – all rights reserved

Die Handlung von HCF

Wer sich überhaupt nicht für Technologie und die historische Entwicklung von PCs, Netzwerken und dem Internet interessiert, wird ein gewisses Problem mit der Serie haben. Wer bei kleineren faktischen Unsicherheiten der Executive Producer (wie etwa im Bezug auf Code) panisch wird, wird das eine oder andere Mal ebenfalls die Nase rümpfen. Doch nun zur Handlung:

Texas, 1983. Das PC-Zeitalter steht in den Startlöchern. Ein Abteilungsleiter des fiktiven texanischen IBM-Konkurrenten Cardiff Electric stellt einen visionärer Sales Executive (von IBM) ein, weil er zusammen mit einem außergewöhnlichen Hardware-Engineer (mit niedrigem Selbstwertgefühl) den Branchengiganten (…IBM) vom Thron stoßen soll. Unterstützt werden sie in weiterer Folge von einer unkonventionellen aber brillianten Programmiererin und der Ehefrau des Hardware-Engineers (mit selbiger Profession).

Mit dem Satz „Our goal is a machine that is twice as fast for half the price“ stößt Joe McMillan (Lee Pace) die Türe zur Handlung der ersten Staffel ganz weit auf und stellt das Team reihenweise vor nahezu unlösbare Aufgaben. In der zweiten und dritten Staffel (1984 bis 1986) dreht sich alles um ein Online Gaming/Service Unternehmen namens Mutiny und in der letzten Staffel nach einem kleinen Zeitsprung (1993 – 1995) um den Beginn des Suchmaschinenzeitalters.

Die große Stärke(n) von HCF

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht über den Inhalt verraten, da der Fokus von HCF sowieso klar auf den Charakteren liegt. Die Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den fünf Hauptcharakteren über eine Zeitspanne von zwölf Jahren ist gleichzeitig der Nukleus und die große Stärke dieser TV-Serie.

Loyalität und Verrat, Erfolgsdruck und Kompromisslosigkeit, Eifersucht und Freundschaft ändern sich auf Basis der gegebenen und labilen Rahmenbedingungen. Dies aber niemals in einem lächerlichen oder gar soap-opera-haften Rahmen, sondern genau so unvorhersehbar und öfters auch irrational wie im wahren Leben. Es gibt bei HCF keine schwammigen Charaktere, deswegen hat man auch zu fast jedem Zeitpunkt eine klare Ab- oder Zuneigung zu jedem Hauptakteur, welche man aber stets nachvollziehen kann. Außerdem hat die Serie auch keine Scheu davor, „kontroversielle“ Themen wie Anderssein, Homosexualität oder Selbstmord zu thematisieren.

HCF schafft es darüber hinaus auf eine magische Art und Weise, den Zeitgeist der 80er und frühen 90er-Jahre widerzuspiegeln. Musikalisch untermalt wird dies durch den Soundtrack von Paul Haslinger und den Songs u.a. von Bryan Ferry, David Bowie, The Smiths, Joy Division, Gary Numan, den Pixies oder Peter Gabriel.

Kritiker lieben HCF

Hierzu muss ich nicht viel schreiben. Ein kleiner Auszug der Review-Titel zum Serienfinale am vergangenen Samstag sollte reichen:

The Ringer: ‘Halt and Catch Fire’ Was Moving to the End – On the finale of the superb, underwatched AMC drama

GC: Halt and Catch Fire Should Be the Next TV Show You Binge

The Guardian: Farewell to Halt and Catch Fire, the best show that nobody watched

Vanity Fair: Halt and Catch Fire’s Stunning Finale Proves It Was Brilliant from the Start

Autostraddle: “Halt and Catch Fire” Is The Best TV Show You’re Not Watching (Yet)

Solche euphorische bzw. geradezu hymnische Reviews habe ich zuletzt nach dem Serienfinale von Breaking Bad gelesen. Eine Serie, welche mehr mit HCF gemeinsam hat, als man denken möchte – wozu ich nun überleiten möchte.

The Golden Age Of Television

Immer wieder wird über das „goldene Zeitalter des Fernsehens“ gesprochen. Dies manifestiert sich in verschiedensten Auswüchsen. Dank Pay-TV-Anbietern wie HBO, SHOWTIME oder eben AMC sowie Online-Streaming-Services wie Netflix, Amazon oder Hulu konnte die Qualität von TV-Serien im Laufe der letzten 15 Jahre ständig gesteigert werden. Vorbei die Zeiten, in denen Inhalt (z.B. Gewalt, Sex, Schimpfwörter), die Länge einer Serienfolge (eine Stunde minus Werbung ergibt 41 bis 43 Minuten) oder gar die Anzahl der Staffeln einer Serie von den großen US-Networks (CBS, NBC, ABC, FOX) diktiert wurde.

HCF hat es im Gegensatz zu seinen AMC Geschwistern Breaking Bad, Mad Men und The Walking Dead nie über den Status eines Kritikerlieblings hinaus geschafft. Die TV Ratings (Einschaltquoten) lagen bereits während der ersten Staffel etwas hinter den Erwartungen zurück. Bei einem der großen Networks wäre HCF de facto nach einigen wenigen Folgen unwiderruflich abgesetzt worden.

AMC hingegen hat HCF nicht fallen gelassen. Denn auch der große Siegeszug von Breaking Bad begann erst irgendwann zwischen der dritten und vierten Staffel, obwohl die Serie zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach Emmy-preisgekrönt war. Dieses Credo veranlasste AMC nach der zweiten Staffel von HCF, eine dritte Staffel in Auftrag zu geben. Und weil die Einschaltquoten sich weiterhin nur marginal verbesserten, gewährte man HCF dennoch eine vierte und letzte Staffel, in welcher die Executive Producers Christopher Cantwell und Christopher C. Rogers die Geschichte ihres Serien-Babys zu Ende erzählen konnten und durften.

Auf diese Art und Weise kann dieses Kleinod einer Serie weiterleben und auch lange nach ihrer Absetzung neue Fans finden. Das Ende ist auf alle Fälle zufriedenstellend, ermutigend, melancholisch und lehrreich zugleich. HCF hat es sich verdient, weit über den obskuren Status Quo hinauszuwachsen. Sowohl Zugehörige der Generation X als auch der Generation Y werden mehr als nur einmal nostalgisch werden.

In meinem Fall fühlte ich mich an die Zeiten meinen ersten PCs (ein 486er DX2/66 mit 8 MB RAM und einer 840 MB-Festplatte), unser erstes Modem (ein 28.8 kbit/s von U.S. Robotics) und an die Internet-Zeit vor dem Beginn des Suchmaschinenzeitalters zurückversetzt. Also im weiteren Sinne an meine frühe Jugend, an die ich mich sehr gerne zurückerinnere. Wie dies auch mit Halt And Catch Fire der Fall sein wird.

Google Zertifizierungstag

Angesichts des heutigen Dreckswetters im Innviertel (8C° und Regen) habe ich den Nachmittag genutzt, um die Zertifizierungsprüfungen für Google Analytics sowie Google AdWords zu erneuern. What can I say? Success! 😉

Einsehen könnt ihr meinen Zertifizierungsstatus und meine Zugehörigkeit zur N!N pro GmbH übrigens auch direkt bei Google. Falls jemand der Meinung wäre, ich hätte lediglich ein Talent für Photoshop 😉