Interessiert keinen mehr.


Als Anhänger der SV Ried 1912 ist man leidgeprüft. Ich war (verhältnismäßig) zarte 19 Jahre alt, als man damals völlig unerwartet am letzten Spieltag der Saison 2002/2003 den Gang in die Unterklassigkeit antreten musste. Durch eine 0-3 Heimniederlage gegen Admira Wacker bei einem gleichzeitigen 2-0 Sieg von SW Bregenz beim Meister aus Favoriten war das Unerwartete tatsächlich wahr geworden. Den Mattersburgern sollte ein ähnliches, vermutlich noch unerwartetes Schicksal in der Saison 2012/2013 drohen, also genau zehn Jahre später. Aufsteiger damals, als die SVR in die Erste Liga musste? Richtig, der SV Mattersburg.

Dies war mit Sicherheit die dunkelste Phase der ansonsten märchenhaften Geschichte des Dorfes aus dem Innviertel, und wäre damals nicht Onkel Frank mit seinem Tigerteam-Geldkoffer gekommen (dafür verloren wir in Folge halt Schiemer, Lasnik und Sulimani an dessen Stammverein), ich bin mir nicht sicher ob der Wiederaufstieg in der Zwischenzeit geglückt wäre. Warnende Beispiele für Vereine mit Daueraufenthalt in der zweithöchsten Spielklasse gibt es ja (I am looking at you, Austria Lustenau).

Das Frühjahr 2007/2008 war eine andere sinistre Periode. Heli Kraft war dem Ruf aus seiner Heimat erlegen (er wurde Sportdirektor bei Wacker) und das undynamische Duo Weissenböck/Schimpl schaffte es in einer halbjährigen Amtszeit beinahe, den Verein wieder in die Zweitklassigkeit zu führen. In den letzten vier Saisonspielen musste dann Ex-Kapitän Michael Angerschmid (damals Coach bei den Ried Amateuren) als gallionsfigurenartiger Interimstrainer herhalten, man beendete die Saison im Endeffekt auf einem unzufriedenstellenden 7. Endrang mit nur 38 Punkten. Im letzten Saisonviertel wurde kein einziger Sieg eingefahren und es wurden auch nur drei Unentschieden geholt. Damals noch schwächer? Altach, die Austria aus Kärnten sowie Wacker Innsbruck (autsch, Heli Kraft).

Einem gewissen Georg Zellhofer war dieser fast abgestiegene Kader am Beginn der kommenden Saison zu schwach. Dies wusste er allerdings erst nach vier Wochen im Traineramt. Wie es das Schicksal so wollte, war dem Paul Gludovatz der selbe Kader nicht zu schwach. Er führte sein mystisches 3-3-3-1 (zumindest in den Augen von Peter Pacult) ein und stülpte einer nicht-so-tollen Mannschaft ein funktionierendes Korsett über. Man bekam nicht viele Gegentore und konnte in der Offensive mit gezielten Nadelstichen immer wieder anschreiben. Mit Drechsel und Lexa hatte man damals für Rieder Verhältnisse natürlich auch Spitzenkicker im Team. Höhepunkt dann sicher der Cupsieg im Jahre 2011, auf dem Weg dorthin wurden der LASK, Sturm Graz und Rapid ausgeschaltet, im Finale im Prater ging es dann gegen die Austria aus Lustenau, über 12.000 SVR-Fans pilgerten mit und erlebten bei ungetrübtem Sonnenschein eine weitere Sternstunde der SV Ried aus 1912.

Nun aber der Bezug zum Hier und Heute. Führungsspieler wie Drechsel, Lexa, Brenner, Glasner oder Stocklasa sind weg. Das damals so erfolgreiche System wurde abgeschafft, weil man sich „weiterentwickeln wollte“. Die Mannschaft wurde von Jahr zu Jahr jünger, in der aktuellen Saison lag das Durchschnittsalter einige Male bei unter 23 Jahren. Der älteste Feldspieler (Gartler) ist 27 Jahre alt. Man hat sich den wohl verletzungsanfälligsten Kader der Bundesligageschichte zusammengestellt (Reiter, Wieser und Riegler sind seit November out, Walch und Ziegl sind dauerverletzt, Trauner hat sich zweimal das Gesicht gebrochen, Reifeltshammer hat ewig lange fitgespritzt gespielt, Janeczek fiel mit einem Nasenbeinbruch aus, Gartler ist jetzt an der Schulter verletzt) und bekommt dadurch keine Automatismen in die Mannschaft.

Dennoch haben sich beim gestrigen Cup-Out gegen St. Pölten elf (Profi-)Spieler blamiert. Es gibt keine jungen oder alten Spieler, nur gute oder schlechte Spieler. Wenn man es in 30+ Minuten nicht schafft, gegen einen unterklassigen Verein klare Torchancen herauszuspielen, dann stimmt etwas nicht. Wenn dann der letzte Stürmer erst nach 85:56 eingewechselt wird (totale Offensive also für die letzten 4 Minuten), dann fragt man sich ob auch beim Trainerteam etwas nicht stimmt. Baumgartner (der Gerald aus St. Pölten) hat vor der Partie von einem Matchplan gesprochen. Bei der SVR bin ich mir nicht sicher, ob dieses Wort so wirklich geläufig ist. Vieles basiert auf Zufall, am besten hohe, weite Bälle nach vorne, der Gartler wird schon irgendwas draus machen. Achja, der Gartler spielt ja heute nicht. Na dann. Man könnte auch einmal hinterfragen, wieso man schon wieder im Frühjahr zurückfällt. Wieso man in nahezu jeder zweiten Halbzeit einbricht. Ist das Training zu intensiv aber wird gleichzeitig zu wenig Augenmerk auf die Kondition gelegt?

Worauf ich hinaus will? Im Frühjahr gingen vier der sieben Heimspiele verloren:

1-3 gegen Salzburg,
1-4 gegen Grödig (Pausenstand 0-0),
1-2 gegen Wacker (Pausenstand 0-0),
1-2 gegen St. Pölten (Pausenstand 1-1).

Dazu kamen:

eine gefühlte Niederlage (das 2-2 gegen die Austria, bei dem man das Kunststück vollbrachte, mit einem Mann mehr in der 94. Minute bei eigenem Ballbesitz den Ausgleich zu kassieren),
ein glückliches Unentschieden (ein 2-2 gegen Sturm mit Hilfestellung von Pliquett)
sowie ein mickriger Sieg, ein zittriges 2-1 gegen Wiener Neustadt (durch ein spätes Siegtor von Oliva).

Ich erwarte mir definitiv nicht, dass man jedes Heimspiel gewinnt. Aber wenn man dann innerhalb von vier Tagen gegen einen gefühlten Zweitligisten (Wacker) und einen echten Zweitligisten (St. Pölten) verliert, dann reißt auch mir der Geduldsfaden. Umso mehr, wenn man dann vernehmen muss, dass vier Spieler am Abend vorher noch ein bisserl die Wasserpfeife konsultiert haben. Profihaftes Verhalten? Fehlanzeige. Ich verlange von unseren Profis nicht, dass sie jeden Abend um 22:00 ins Bett gehen und vorher nicht mehr außer Haus gehen, aber wenn man sich dann am Vorabend eines Matches (des wohl wichtigsten der Saison) zu einigermaßen später Stunde in ein öffentliches Lokal begibt, dann ist das einfach nur dämlich. Gestern gab es 90 Minuten lange positiven Support für die Mannschaft, logischerweise brachen im Anschluss aber die Dämme, eine fataler Mix aus Enttäuschung, Unzufriedenheit und Wut entlud sich in Richtung der Mannschaft, inklusive Trainer. Löblich hervorheben möchte ich hier nur Thomas Gebauer und Thomas Reifeltshammer (der nicht mal gespielt hat!), welche versucht haben mit den Fans zu reden bzw. dies auch getan haben.

Ich selber werde sogar von meinem Vater ab und zu verarscht, weil ich mir jedes noch so unbedeutende Spiel der Rieder im Stadion anschaue, 16-18x pro Saison für Heimspiele die 244km aus Graz rauffahre (und nach dem Wochenende dann wieder runterfahre) .. aber das macht es halt aus, wenn man Anhänger (s)einer Mannschaft ist. Aber nach dem gestrigen Unspiel ist für mich der Punkt erreicht, an dem sogar ich sage: in den letzten zwei Heimspielen der Saison muss ohne mich gespielt werden. Mein Geld (in Form der Dauerkarte) hat die SVR bereits, aber physisch werde ich mir dies heuer nicht mehr antun. Um einen großen italienischen Philosophen zu zitieren: ich habe fertig mit dieser Saison (und Teilen dieser Mannschaft).

Bild

Autor: themanwho83

Zwischen Graz und Ried

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