The Jinx


„jinx – a person afflicted with a similar curse, who, while not directly subject to a series of misfortunes, seems to attract them to anyone in his vicinity.“ (via Wikipedia)

Robert „Bob“ Durst (71) ist der älteste Sohn eines Immobiliengiganten in New York City, mit Bürogebäuden am Times Square, in der Avenue of the Americas und in anderen Locations in Midtown. Robert Durst ist auch gleichzeitig ein – ab jetzt besteht massiver Spoileralarm – (mindestens) dreifacher Mörder.

Robert Durst
Robert Durst (c) Huffington Post, all rights reserved

Die Dokumentation „The Jinx – The Life and Deaths of Robert Durst“ (Trailer bei YouTube) wurde während der letzten sechs Wochen in sechs Teilen (mit einer Länge zwischen 37 und 50 Minuten) auf HBO ausgestrahlt und sorgte (unabsichtlich) Gewissheit in einer skurrilen Serie von nie aufgeklärten Verbrechen. Zunächst verschwand die Ehefrau von Robert Durst im Jahre 1982 spurlos und wurde auch nie gefunden. Für Familienmitglieder der verschwundenen Frau namens Kathie bestand zu keinem Zeitpunkt ein Zweifel, dass der Täter eine andere Person sein könnte als der Ehemann, mit welchem sie über die Jahre hinweg immer ärgere und wildere Streitigkeiten hatte. Jedoch gab es keine Zeugen und auch keine Beweise für ein gewaltsames Verschwinden, deswegen wurde Durst in dieser Sache auch nie vor Gericht gebracht oder gar angeklagt.

Im Jahre 2003 gestand Durst in einem Mordprozess, einen Mann namens Morris Black in einem Handgemenge umgebracht zu haben. Aus Angst vor einer Medienkampagne gegen seine Person zersägte er die Leiche und versuchte die Körperteil im Golf von Mexico in der texanischen Stadt Galveston zu versenken, was ihm jedoch aufgrund der Ströung misslang. Dieser Morris Black war sein Nachbar, als er als Frau verkleidet tausende Kilometer von Manhattan entfernt in einem 300$ Apartment untergetaucht war, um dem erneuten Aufrollen des spurlosen Verschwindens seiner Ehefrau zu entkommen. Für die Anklage war klar, dass er Black in cold blood erschossen hatte. Doch seine Verteidiger schafften die Jury davon zu überzeugen, dass es in einem Handgemenge passierte, keine Absicht dahintersteckte und so wurde er letztendlich freigesprochen. Dies hängte natürlich auch mit dem Umstand zusammen, dass er sich durch sein Milliardenerbe zwei der besten Staranwälte aus Texas leisten konnte, welche durch ihre sentimentale Darstellung der Geschehnisse rund um den Angeklagten ein fragiles Bild der Person Robert Durst zeichnen konnten.

Im Jahre 2000 wurde bereits die beste Freundin von Robert Durst erschossen in ihrem Apartment in 90210 Beverly Hills aufgefunden. Am nächsten Tag traf bei der Polizei ein Brief ein, welcher anonym über einen „cadaver“ in besagter Adresse informierte. Susan Berman wäre kurze Zeit später von der Polizei über das Verschwinden von Kathie Durst befragt worden, weil sie als enge Freundin und Spokesperson von Robert Durst eventuell Informationen ans Tageslicht hätte bringen können, welche bis dato unbekannt waren. Auffällig war dabei die falsche Schreibweise von Beverley Hills in der Adresszeile, welche dem Milliardenerben im Endeffekt zum Verhängnis wurde.

Denn im Zuge der Recherchen für die Dokumentation über Durst fand das Produktionsteam beim Sohn von Berman einen Brief mit dem Briefkopf von Robert Durst, welcher in der Adresszeile den genau gleichen Fehler bei der Schreibweise von Beverley aufwies. Auch die einzelnen Blockbuchstaben waren sich ähnlich bzw. gleich, was auch von einem Schriftforensiker mithilfe weiterer Schriftbeispiele von Durst bestätigt werden konnte. Bei einem Interview befragte Andrew Jarecki (der Regisseur der Dokureihe) Durst nach der enormen Ähnlichkeit beider Handschriften, worauf Durst ihm antwortete, dass er den Brief mit dem cadaver nie geschrieben hatte, den anderen jedoch schon, aber sich nicht erklären könne, wieso die Handschrift so ähnlich ist.

Susan Berman
Susan Berman, (c) TheJinxHBO.com, all rights reserved

Drei Tage später, beim Schnitt des Interviews, der große Knalleffekt. Durst hatte sein Mikrofon bei einem WC-Gang nach Ende des Interviews nicht heruntergenommen und gestand in wirrer Manier sich selber (oder dem Klospiegel?) folgendes: „… What have I done? … I killed them all.“ Bereits am Tag vor der Ausstrahlung der letzten Folge der Dokumentation wurde Durst von der Polizei festgenommen und die Story schaffte es aufgrund ihrer Skurrilität bzw. Brisanz auch auf die andere Seite des Atlantiks (z.B. hier auf ORF.at).

The Jinx ist eine hochspannende investigative Dokumentationsreihe, welche durch eine beklemmende Atmosphäre überzeugt. Interviews mit Zeitzeugen, Beteiligten an den Ermittlungen und mit Durst selber versetzen den Zuseher in die wirre Welt des Immobilienerben. Mit Fresh Blood von Eels wurde auch für das Intro ein perfektes Lied gewählt („I’m so tired of the same old crud. Sweet baby, I need fresh blood„). Zu manchem Zeitpunkt empfindet man sogar Mitleid mit Durst, welches jedoch am Ende gänzlich ausgeräumt wird, als er wie ein menschlicher Gollum das entscheidende Selbstgespräch führt und daher nach über 30 Jahren wohl endgültig überführt werden kann. Im Endeffekt bleibt zu hoffen, dass Durst im Zuge des wohl folgenden Prozesses davon überzeug werden kann, den Ort der Leiche seiner Ehefrau preiszugeben, um der Familie die verdiente Ruhe und Gewissheit geben zu können.

Autor: themanwho83

Zwischen Graz und Ried

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