Unerwartete Serienmomente

Ich möchte diesen Eintrag sofort mit einer massiven [SPOILER] Warnung beginnen. Es geht nämlich um die unerwartetsten, schockierendsten Wendungen, Überraschungen und Ereignisse meiner Lieblings-TV-Serien der letzten 15 Jahre.

Uns passiert schon nix. (c) goldderby.com, all rights reserved
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Game of Thrones – The Rains of Castamere (S03E09)
Diese Folge von GoT ist allgemein besser als „Red Wedding“ bekannt. George RR Martin ist für seine wenig zimperliche Art bekannt, Hauptcharaktere ohne mit der Wimper zu zucken umzubringen. In der neunten Folge der dritten Staffel wird dieses Konzept jedoch auf die Spitze getrieben. Zwei integrale Hauptcharaktere werden auf einer Hochzeit in einen Hinterhalt gelockt und auf brutale Art und Weise aus der Serie geworfen. Ich kann mich noch erinnern, als ich diese Folge geschaut habe, habe ich mir unmittelbar danach gedacht: wie bitte? Ein Freund hatte mir Monate davor über eine Szene aus „Song of Ice and Fire“ erzählt, bei der er zurückblättern musste, weil er nicht glauben konnte, was er da gerade lesen musste. Ladies and Gentleman: die Bluthochzeit. Tipp am Rande: auf Youtube danach suchen, es gibt hunderte von Videos von schockierten GoT-Sehern, die von ihren Buch-lesenden Freunden gefilmt wurden.

Wiesoooo? (c) personofinterestdiscussion.com, all rights reserved
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Person of Interest – The Crossing (S03E09)
Ein bloßer Zufall, dass diese Folge die gleiche Episodenfolge wie meine #1 in diesem Ranking trägt? Absolut. Nichtsdestotrotz kam der Tod einer der Hauptfiguren in dieser Serie fast noch überraschender. POI ist eine von Jonathan Nolan (der Bruder von Chris, der auch für viele der Drehbücher seiner Filme verantwortlich ist) konzipierte Serie, welche im deutschsprachigen Raum leider völlig unter dem Radar fliegt. Einzelne Folge haben ausgeklügeltere Drehbücher und Wendungen als manche Hollywoodfilme, dazu kommen exzellente Schauspieler (stellvertretend sei hier Emmy-Gewinner Michael Emerson erwähnt, bekannt als Benjamin Linus aus Lost) und ein roter Faden, der sich nicht nur durch die Staffeln zieht, sondern auch für so manche „Aha-Effekte“ sorgt. In besagter Folge wird Joss Carter (gespielt von der brillianten Oscar-nominierten Taraji P. Henson) kurz vor Ende einer Episode wie aus heiterem Himmel auf offener Straße erschossen. Auch hier hab ich kurz pausieren müssen, weil ich nicht glauben konnte, was da gerade passierte.

Wieso will er mich in der U-Bahn treffen? (c) popsugar.com, all rights reserved
Wieso will er mich in der U-Bahn treffen? (c) popsugar.com, all rights reserved

House of Cards – Chapter 14 (S02E01)
Die Redewendung „da fährt der Zug drüber“ kennt jeder. Genau dies passiert in Chapter 14 von HoC. Zoe Barnes, einer der drei Hauptcharaktere (von der bezaubernden Kate Mara verkörpert), wird von Frank Underwood gleich am Ende der ersten Folge der zweiten Staffel vor einen einfahrenden U-Bahn-Zug gestoßen. Die Investigativjournalistin musste mit ihrem Leben dafür bezahlen, dass sie den Whip immer mehr unter Druck setzen wollte. Der Tod an sich kam wenig überraschend, der Moment dafür umso mehr. Im Nachhinein konnte man sich allerdings leicht erklären, wieso Underwood in einem toten Winkel, mit Trenchcoat und Hut bekleidet, auf Barnes gewartet hatte.

Er weiß noch nicht, was gleich folgt. (c) Breaking Bad Wikia, all rights reserved
Er weiß noch nicht, was gleich folgt. (c) Breaking Bad Wikia, all rights reserved

Breaking Bad – Face Off (S04E13)
BB war bei der Betitelung seiner Folgen immer herrlich subtil. Denn hier passiert genau dies, was der Episodentitel aussagt. Literally. Gus Fring, der nette Herr von Los Pollos Hermanos turned Drogen-Kingpin von New Mexico, verliert nämlich sein Gesicht. Figuratively. Ausgetrickst von Tio Salamanca und Walter White, wird er in eine Falle im Altersheim gelockt und von einer im Rollstuhl von Tio versteckten Rohrbombe weggeblasen. Scheinbar unverletzt geht er aus dem Raum (übrigens: wieso verwechseln derartig viele Menschen die Wörter „anscheinend“ und „scheinbar“?), nur um durch die Kameraführung darauf hingewiesen zu werden, dass ihm das halbe Gesicht und andere Körperteile fehlen. Man hatte schon länger im Gefühl, dass entweder WW oder Gus das Zeitliche segnen würden. Weil aber eine Serie eher schlecht ohne den Hauptcharakter funktioniert, war das Geschehene im Endeffekt eigentlich logisch.

Jack will zurück auf die Insel. (c) lost-media.com, all rights reserved
Jack war damals schon ein Hipster. (c) lost-media.com, all rights reserved

Lost – Through The Looking Glass Part II (S03E22)
Lost war die erste Serie, nach der ich wirklich süchtig wurde. Die Mischung aus Thriller, Fantasy und Verschwörungstheorien traf damals genau den Zeitgeist und bediente sich verschiedenster Elemente erfolgreicher Serienunterhaltung. Aus dieser Episode, dem Staffelfinale der 3. Staffel, wird mir auf Ewigkeit folgender Satz in Erinnerung bleiben „We have to go back, Kate, we have to go back!„. In diesem Moment hatten Abrams, Lindelof und Co. gerade den so genannten Flash Forward „erfunden“. Bisher hatte die Serie den Handlungsstrang der Gegenwart erfolgreich mit Flashbacks verwirrt, ab diesem Moment wusste man im Grunde gar nicht mehr, ob eine Szene nun in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft stattfinden würde. In dieser Folge ging man zunächst davon aus, dass Kate (gespielt von Evangeline Lilly, meinem damaligen celeb-crush) und Jack (gespielt von Matthew Fox, u.a. bekannt aus Party of Five) sich schon vor dem Flugzeugabsturz gekannt hatten, was allerdings schlagartig für null und nichtig befunden wurde. Lost wird für mich immer eine what-if Serie bleiben. Zunächst eigentlich für drei Staffeln konzipiert, wurden im Endeffekt erfolgsbedingt sieben Staffeln gedreht, die irgendwann leider nicht mehr viel Sinn ergaben. Viel zu viele Dinge wurden aufgeworfen und konnten dann aber nicht mehr aufgeklärt werden. Und zum Serienfinale werde ich bis in alle Ewigkeiten schweigen. Einer der enttäuschendsten Serienmomente der TV-Geschichte.

Manchester is red. Again.

Mit noisy neighbour wird im englischen Fußball im Normalfall die Truppe von Manchester City bezeichnet, die über Jahrzehnte hinweg im Schatten des erfolgreichen Stadtnachbarn Manchester United stand. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als Anfang dieses Jahrzehnts Mansour Bin Zayed Al Nahyan, seines Zeichens Scheich von Abu Dhabi, die Citizens übernahm. Sein Privatvermögen wird auf 23 Milliarden USD geschätzt. Eine Summe, mit der man also den einen oder anderen Fußballspieler .. oder sogar Fußballverein auf die Sprünge helfen kann.

Scheich Mansour
Scheich Mansour, (c) fussballtransfers.com, all rights reserved

Die alte Weisheit, dass Geld keine Tore schießt, wurde alsbald außer Kraft gesetzt und Manchester City konnte sich nach Neuzugängen im Wert von über 700 Millionen € in den vergangenen Jahren zwei Meistertitel und die bragging rights in Greater Manchester sichern. Vier der letzten vier Derbys konnte man gewinnen, darunter auch zwei ungefährdete Kantersiege unter der deprimierenden Regentschaft von David Moyes bei Man United.

Noch nie zuvor hatte Manchester United in der Geschichte der Premier League (die seit 1992 andauert, also knappe 23 Jahre) gegen einen Gegner fünf Mal nacheinander verloren. Die Vorzeichen, dass dies nun zum ersten Mal passieren könnte, standen aber auch diesmal schlecht. Denn United konnte in den letzten Spielen (3-0 gegen Tottenham, 2-1 in Liverpool, 3-1 gegen Aston Villa) ziemlich überzeugen, während hingegen Man City vier der letzten vier Auswärtsspiele verloren hatte, darunter ein ziemlich peinliches 0-1 im Turf Moor von Burnley.

Doch es sollte zunächst anders laufen als gedacht. Mitten in einen nervösen Start hinein konnte Sergio Agüero, der Starstürmer von Man City (und Vater des gemeinsamen Kindes mit der Tochter von Diego Armando Maradona) nach einem schnellen Spielzug bereits in der 7. Minuten zum 0-1 einnetzen. Würde Man United, wie in den letzten Derbys zuvor, wieder mental einbrechen und sich die Citizens ausgerechnet im Derby aus der Krise schießen können?

Die Antwort lautet nein. Nach dem schnellen Ausgleich durch Ashley Young konnte in weiterer Folge Marouane Fellaini mit einem wuchtigen Kopfball (nach Flanke von Young) das Spiel bereits während der ersten Halbzeit drehen. Im Mittelpunkt dabei zwei Spieler, welche unter David Moyes gerne als Sinnbild des Versagens porträtiert wurden (der eine, weil seine Qualität als „zu schwach“ eingestuft wurde; der andere, weil er als Transferflop galt), aber unter Louis Van Gaal wie zwei Phönixe aus der Asche hervorsteigen konnten.

Ashley Young und Marouane Fellaini, (c) standard.co.uk, all rights reserved
Ashley Young und Marouane Fellaini, (c) standard.co.uk, all rights reserved

In der zweiten Halbzeit übernahm Man United die totale Kontrolle über das Spiel. Nach knapp 20 Minuten konnte Juan Mata (ein weiterer Flop unter Moyes) aus Abseitsposition (welche jedoch in Realgeschwindigkeit kaum erkennbar war) auf 3-1 erhöhen, knapp darauf köpfte Chris Smalling nach einem Freistoß (von Young) zum 4-1 ein. In der Endphase des Spiels konnte Man City nur mehr Ergebniskosmetik betreiben und ein zweites Ehrentor erzielen, welches jedoch den Spielverlauf keineswegs widerspiegelt. Zu hungrig und aggressiv war Man United in diesem Spiel aufgetreten um die fünfte Derbyniederlage in Folge zu verhindern.

Mit diesem Sieg konnte United den Vorsprung auf City auf vier Punkte ausbauen, was ins Besondere hinsichtlich der CL-Qualifikation (Platz 3 ist ein Fixplatz) von besonderem Interesse ist. Viel wichtiger sind allerdings die bereits erwähnten bragging rights, welche nun nach Jahren des Leidens endgültig wieder in roter Hand liegen. Und so konnte man noch Stunden nach Spielende Gesänge wie „The City is yours? The City is yours? Are you f* sure?“ in den Straßen von Manchester hören. Der laute Nachbar hingegen verschwand ganz leise in die nasskühle Nacht.