All Time Lieblingsserien: Platz 5-1

Wie bereits erwähnt beinhält die Top10-Verteilung zwei Serien aus den 1980ern, zwei Serien aus den 1990ern, gleich fünf aus den 2000ern und eine aus den 2010ern.

Ein kurzer Rückblick auf die Plätze 10-1:

10. Parks and Recreation
09. The A-Team
08. Mr. Bean
07. Arrested Development
06. House M.D.

Einige Beispiele für Serien, welche den Cut der Top10 knapp nicht geschafft haben: Knight Rider, Riptide, Married .. With Children, Sherlock, ALF, Doogie Howser M.D., 24, The Mentalist. Nun aber zu meinen fünf Lieblingsserien der letzten 25 Jahre. Die Wahl fiel mir alles andere als leicht.

5. The X Files (1993-2002; 2016-)
Das aktuelle Revival (Reboot?) der Serie ruft Kindheitserinnerungen (oder besser gesagt, Jugenderinnerungen) hervor. „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ lief in den 90ern immer an einem Montagabend auf PRO7 (und damals noch nicht ProSieben). Wenn man die neue Folge nicht sehen konnte (was auch technische Gründe haben konnte, nicht jeder hatte eine SAT-Anlage im Elternhaus), war man bei der Pausendiskussion am folgenden Schultag ein Außenseiter. Die Mischung aus einem zeitlosen Opening Theme und den ebenfalls zeitlosen Charakteren Fox Mulder (mir fiel die Rück-Umstellung von Mulder auf Moody auf Mulder komischerweise ziemlich leicht) und Dana Scully (bisher bester Satz der neuen Staffel: „I’m old school. Pre-Google“), gepaart mit der Wahrheit, die irgendwo da draußen ist, machte die Serie zu einer, wenn nicht DER Kultserie der 1990er. Die Einschaltquote der ersten beiden neuen Folgen (bis zu 21 Millionen inkl. zeitversetzten Viewings) in den USA beweist, dass nicht nur ich schon sehr gespannt auf die neuen Folgen war – und lässt auf zusätzliche Folgen hoffen.

4. Suits (2011-)
Zum ersten Mal kam ich irgendwann 2012 in Kontakt mit Suits. Die Serie war nämlich als Antwort in der Connection Round im Office Pub Quiz gesucht und keiner von uns hatte jemals von der Serie gehört (damals nach ca. eineinhalb Staffeln). Aufgrund der Empfehlung eines Freundes (natürlich Rechtsanwalt – WWHD) begann ich wenig später, die Serie zu bingen. Und halte sie seither für die mit Abstand coolste derzeit laufende Serie im TV. Und Harvey Specter für den coolsten Charakter im TV. Ein tolles Ensemble (Gabriel Macht, Patrick J. Adams, Rick Hoffman, Gina Torres, Meghan Markle, Sarah Rafferty), ein Top-Soundtrack (aus dem schon mehrere Songs in meiner Deezer-Playlist gelandet sind) und locker-flockig-witzige Dialoge. Dazu viele Pop Culture Referenzen, zudem Intrigen und Betrug an der Tagesordnung. Dies alles macht die Serie zur wohl meist unterschätztesten Serie im amerikanischen TV. Und das uSa-Network zu einem der unterschätztesten Networks, nicht zuletzt auch durch Mr. Robot und eventuell auch Colony. Bei dieser Serie zähle ich seit 2-3 Jahren die Tage, bis endlich eine neue Staffel (oder Midseason) anläuft. Und nicht nur ich, sondern auch ein relativ bekannter österreichischer Newsanchor.

3. MacGyver (1985-1992)
Angus MacGyver war das Fernseh-Idol meiner Kindheit (zusammen mit Michael J. Fox). Die Seriendrehbücher und die kreativ-unkonventionellen Methoden des Hauptcharakters werden heutzutage meistens belächelt („er macht aus dem Kaugummi eine Atombombe hahaha hihihi“), boten damals allerdings spannendes, jugendfreies (Sendetermin wochentags um 15:00 auf SAT1) und mitunter auch lehrreiches Fernsehen. Ich weiß zwar heute noch immer nicht, was die Phoenix Foundation für Recht und Verfassung (ein weiterer Name, den ich um 03:00 in der Früh problemlos aufsagen könnte) wirklich gemacht hat, aber MacGyver hat auf alle Fälle für sie gearbeitet. Auch hier wurde das Gesamtpaket der Serie durch ein zeitloses Opening Theme abgerundet. Und dann gab es natürlich den Erzschurken, den Oberbösewicht schlechthin: Murdoc. Normale Folgen von MacGyver waren spannend, aber Folgen mit Murdoc (insgesamt neunmal gespielt von Michael Des Barres) als Widersacher waren genau das, worauf man immer wartete und hoffte. Ich habe keine Ahnung, was aus Richard Dean Anderson wurde (der auch mal mit Kathi Witt liiert war), aber durch MacGyver werde ich seinen Namen sicherlich nie vergessen.

2. Breaking Bad (2008-2013)
Ich war kein Fan der ersten Stunde und behauptete dies auch nie. Ich konnte mir den Hal aus Malcolm Mittendrin einfach nicht als ernsten Charakter vorstellen. Die Handlung (Chemieprofessor wird mit Krebs diagnostiziert und beginnt Meth zu kochen) war für mich auch nicht besonders verlockend. Nach der 2. Staffel begann ich jedoch auch hier mit dem bingen der bisherigen Folgen, was danach folge, war purer Fanwahn. Dieser gipfelte in drei genommenen Urlaubstagen an Montagen im Jahre 2013, nur damit ich die letzten drei Folgen der Serie bereits am Montagvormittag spoilerfrei sehen konnte. Ozymandias (die drittletzte Folge) ist für mich die beste einzelne TV-Serienfolge aller Zeiten. Der perfekte IMDb-Score von 10.0 aus knapp 71.000 Votes untermauert dies. Ich habe mir diese Folge ca. 8-10 Mal angeschaut und bin noch immer jedes Mal begeistert, verängstigt und mitgenommen. Bryan Cranston hat sich hier seine vierte Emmy sowie seinen ersten Golden Globe abgeholt. Die Serie hat damals wohl ihren zweiten Emmy und ersten Golden Globe klar gemacht. Regie damals übrigens Rian Johnson, welcher selbige bei Star Wars VIII übernehmen wird. Zurück zu Breaking Bad: Walter White. Jesse Pinkman. Yo, bitch. Ich komme alleine schon bei den Namen der Hauptcharaktere ins Schwärmen. Vielen Dank an Vince Gilligan (der vorher auch Author für The X Files war) für die Erfindung dieser Serie. Vielen Dank an AMC für den life support für diese Serie, gerade am Anfang als die Einschaltquoten alles andere als berauschend waren. Die erste meiner Lieblingsszenen ist der wohl grandioseste Monolog überhaupt. Die zweite Szene stammt aus der bereits erwähnten Folge Ozymandias.

1. Lost (2004-2010)
Hier war ich ab der allerersten Folge mit dabei. Was die X Files in den 90ern waren, war Lost in den 00ern. Schon früh zeichnete sich das Sucht- und Kultpotential dieser Serie ab. Eine der ersten Serien mit einem eigenen Wikipedia (Lostpedia). Eine Serie, bei der ich mitunter über 50 Episode Titles auswendig kannte (wieso auch immer). Eine Serie, bei der mehr Geheimnisse aufgeworfen als gelöst wurden: die unauffindbare Insel, Eisbären, das Smokemonster, Unsterbliche, Zeitreisende. Flashbacks, Flash Forwards. Alternative Zeitlinien. Charaktere mit den Namen von Philosophen (wie etwa John Locke). Ich habe keine Ahnung, wie man auf solche Dinge kommen kann, ich bin nur froh, dass Carlton Cuse und Damon Lindelof (zusammen mit JJ Abrams) so verrückt waren. Auch hier war die Ausgeglichenheit der Cast ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Serie, denn jeder hatte seinen eigenen Lieblingscharakter aus dem riesengroßen Ensemble (bei mir waren dies Desmond und Daniel). Die Serie war ursprünglich nur für zwei bis drei Staffeln konzipiert, daher war irgendwann nach fünf Staffeln klar, dass sich alles irgendwie nicht mehr so richtig lösen lassen würde oder alles aufgeklärt werden kann. Dies tat der Spannung und meiner Begeisterung allerdings sehr lange keinen Abbruch. Nur eines möchte ich an dieser Stelle anmerken: das Serienfinale hat für mich nie stattgefunden, weil es irgendwie auch der easiest way out aus dem selbst-kredenzten Chaos war. Dennoch werde ich für immer ein Lostie bleiben. Meine absolute Lieblingsszene wird die erste bleiben, welche völlig unerwartet und unvermittelt die Flash Forwards einführte.

All Time Lieblingsserien: Platz 10-6

Ich verfüge mittlerweile über ein knappes Vierteljahrhundert an TV-Erfahrung.
Grund genug um in mich zu gehen und mir zu überlegen, wie das persönliche Ranking meiner Top 10 TV-Lieblingsserien aller Zeiten aussehen könnte. Grundbedingung dafür ist (logischerweise) jede Folge einer Serie (teilweise mehrmals) gesehen zu haben, Stunden damit verbracht zu haben, die besten Szenen auf YouTube und Konsorten immer wieder anzusehen und selbstverständlich auch diverse Passagen in- und auswendig zu kennen.

Die Verteilung meiner Liste beinhält zwei Serien aus den 1980ern, zwei Serien aus den 1990ern, gleich fünf aus den 2000ern und eine aus den 2010ern. Aber nun will ich euch nicht mehr auf die Folter spannen. Los geht’s mit dem ersten Teil dieses eigentlich unmöglichen Versuchs:

10. Parks & Recreation (2009-2015)
Eine von drei Comedy Serien auf dieser Liste hatte ich lange nicht im Blickfeld, erst aus Langeweile begann ich im Sommer vor drei Jahren die erste Staffel nachzuholen. Parks & Rec stammt aus der Feder von Michael Schur und Greg Daniels, die auch schon für The Office US sowie SNL zusammengearbeitet haben. Zudem ist Schur auch der Creator von Brooklyn Nine-Nine, einer meiner absoluten Lieblingsserien der letzten drei Jahre. Chris Pratt, Aubrey Plaza, Amy Poehler, Adam Scott, Rashida Jones, Nick Offerman, Rob Lowe und Aziz Ansari. In wenigen Jahren wird man sich fragen, wie man eine derartige All-Star-Cast über 125 Folgen bzw. sieben Staffeln hinweg zusammen halten konnte. Meine beiden Lieblingsszenen sind stellvertretend für hunderte komisch-abstruse Momente, welche man dieser Serie zu verdanken hat. Go Pawnee!

9. The A-Team (1983-1987)
Hannibal, B.A., Murdock und Faceman. Die Namen der Mitglieder des A-Teams würde ich auswendig kennen, wenn man mich um 03:00 in der Früh aufweckte. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass die Serie Ende der 80er bzw. Anfang der 90er immer am Samstagabend im ARD lief. Durch die Nähe zu Bayern waren wir in Ried damit gesegnet, nicht nur FS1 und FS2, sondern auch ARD, ZDF und Bayern 3 über Antenne empfangen zu können (später auch RTL Television und SAT1 – von der Qualität her je nach Wetterlage). Wie die letzten Zeilen schon deutlich machen, erinnert mich das A-Team stark an meine Kindheit. Unendliche Schusswechsel, Explosionen und Schlägereien ohne Verletzte oder Tote – durch diesen Umstand erlaubte es mir meine Mama auch schlussendlich, diese Serie im Volksschulalter anzuschauen. Lieblingscharakter? Faceman. Erklärung dafür? Nicht wirklich. Lieblingsszene? Jedes mal, wenn das A-Team in ein Flugzeug musste…

8. Mr. Bean (1990-1995)
Jedes Mal (wohl bis an mein Lebensende) werde ich an diese eine Mr. Bean Folge denken, wenn ich Beef Tartare auf einer Speisekarte lese oder serviert bekomme. Jedes Mal, wenn ich Austern an einem Buffet sehe, werde ich an diese eine Mr. Bean Folge denken. Jedes Mal, wenn jemand einen Truthahn auf dem Kopf hat .. na gut, das passiert nicht wirklich. Aber Thanksgiving ist trotzdem untrennbar mit dieser einen Mr. Bean Folge verknüpft. Durch die ständige Wiederholung der Serie als Lückenfüller zwischen Schifahren und Schispringen oder als Ersatzprogramm für abgesagte Sportevents für einen Zeitrahmen von nahezu einem Jahrzehnt (oder länger) kennt jeder zumindest eine handvoll bestimmter Szenarien dieser Serie, welche in Großbritannien damals kein großer Erfolg war. Die Serie schaffte es durch die Erzählstruktur auch ständig, dass man Mitleid mit einem Ungustl hatte – beispielsweise bei der Zerstörung seines geliebten Autos. Und dann gab’s auch noch Teddy, den tollsten Teddybären der 90er Jahre. Zwei meiner Lieblingsszenen habe ich bereits erwähnt. Es geht jeweils ums Essen.

7. Arrested Development (2003-2014)
Für AD gilt ähnliches wie für Parks & Rec: Jason Bateman, Will Arnett, Jeffrey Tambor, Tony Hale, David Cross, Michael Cera, Portia de Rossi, Jessica Walter und Alia Shawkat. Hier waren viele Schauspieler vereint, die sich mittlerweile zurecht Emmy- und Golden Globe-Sieger nennen dürfen. AD hatte in der ersten Hälfte der 2000er Skurrilität und Absurdität fast neu erfunden. Die Serie war von Beginn an ein Darling aller Kritiker, konnte sich jedoch beim normalen Fernsehpublikum nicht durchsetzen und wurde nach nur drei Staffeln von FOX abgesetzt. Auch bei mir dauerte es einige Jahre, bis ich die Serie per Nonstop-Binge aufgeholt hatte. Die 2014 von Netflix ausgestrahlte vierte Staffel konnte durch die Erzählstruktur leider nicht wirklich an die Genialität von früher anknüpfen. Staffel 5 ist jedoch in Planung und laut Creator Mitch Hurwitz soll diese wieder enger an die Ursprünge anknüpfen. Meine zwei Lieblingsszenen sind zwei perfekte Beispiele für das Potpourri an Gags: einmal total absurd, einmal per Wortspiel.

6. House M.D. (2004-2012)
Es gibt/gab Arztserien und es gab House. Obwohl alle Folgen nach Schema F (keiner hat einen Plan, dann hat House eine Idee, liegt aber daneben, der Patient stirbt fast und am Ende hat House dann doch noch eine Idee und kann den/die PatientIn retten) aufgebaut waren, war es einfach erfüllend die Geschichte dieses stets schlecht gelaunten und fiesen aber genialen Charakter über Jahre hinweg verfolgen zu können. Die exzellente Supporting Cast (Robert Sean Leonard, Lisa Edelstein, Omar Epps, Jesse Spencer, Jen Morrison, Olivia Wilde uvm.) fügte sich ebenfalls perfekt in die Welt des Princeton Plainsboro Hospitals ein. Dennoch: Hugh Laurie ist House und wird es auch immer bleiben. In meiner ersten Lieblingsszene teile ich House’s Meinung („I love this part“) und auf das Ende der zweiten Szene wartete ich (okay, vermutlich nicht nur ich) jahrelang, bis es endlich Wirklichkeit wurde.

Am Wochenende folgen dann meine Plätze 5-1. Es fehlt noch eine Serie aus den 80ern, eine Serie aus den 90ern, zwei Serien aus den 00ern und eine Serie aus den 10ern.

Enemies Of My State

Manchester United hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Dieser lässt sich am besten mit drei statistischen Werten untermauern:

  • 0-0, 0-0, 0-0, 0-0, 0-0, 0-0, 0-1, 0-0, 0-0, 0-0, 0-0.
    Was wie ein seltsamer Binärcode aussieht, sind in Wirklichkeit die letzten elf Halbzeitstände bei Heimspielen im Old Trafford.
  • Von allen 91 Teams der Football League (diese umfasst Premier League, Championship, League 1 und League 2) hat MUFC insgesamt die wenigsten Torschüsse in Heimspielen abgegeben.
  • 37 Punkte nach 23 Spielen stellen den schlechtesten Wert der eigenen Premier League Historie (= seit 1992/1993) dar, welche immerhin bereits 24 Jahre umfasst. Selbst der glücklose David Moyes hatte zum gleichen Zeitpunkt der Saison drei Punkte mehr am Konto.

Das Theater der Träume ist zu einem Theater der Albträume verkommen. MUFC-Supporter gehen mit einem mulmigen Gefühl zu Heimspielen gegen Norwich, Sheffield United, Southampton und Konsorten. Gegner haben keine Angst mehr vor Auswärtsspielen im Old Trafford, weil eine disziplinierte Defensivleistung für mindestens einen Punkt reicht. Gegnerische Torhüter, welche früher ein career game hinlegen mussten um ihrem Team überhaupt eine Chance zu geben, sind im Normalfall unterbeschäftigt.

Wer hat dies zu verantworten? Louis Van Gaal. Mit seiner defensivorientierten, rigiden und tempolosen Spielweise untergräbt er das (Offensiv-)Vermächtnis von Busby und Ferguson und nennt dieses ironischerweise dann auch noch philosophy. Grundlos werden irgendwelche obskuren Systeme gespielt (wie etwa völlig überraschend ein 3-5-2 gestern gegen die Saints), welche augenscheinlich nicht zur Kaderzusammenstellung passen und die eigene Spielweise verunsichern bzw. hemmen. Alles, was Geschwindigkeit hat, darf sowieso nur auf Bank und Tribüne Platz nehmen (u.a. Pereira, Memphis, Januzaj). Auch wenn aktuell einige Spieler verletzt sind (Shaw, Valencia, Rojo, Jones, Young, Schweinsteiger, Carrick), so befanden sich im gestrigen Matchdaykader dennoch 16 Teamspieler und zwei Nachwuchsteamspieler.

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The Wrong One – (c) thesun.co.uk

Der erste Beinschuss wurde schon im Sommer fabriziert. Mit Di Maria (am Weg zum Ligue 1 Spieler des Jahres), Van Persie, Nani und Hernandez (vorgestern zum CONCACAF-Spieler des Jahres gewählt) wurden vier Offensivspieler und potentielle Matchwinner mehr oder weniger grundlos verkauf. Auch der Leihvertrag mit Falcao wurde [Anm.: zurecht] nicht verlängert, dafür mit Martial und Memphis nur zwei neue Offensivspieler geholt. Weil Rooney sich im Spätherbst seiner Karriere befindet und seinen Speed verloren hat (vgl. Entwicklungen von Shevchenko und Fernando Torres) und Martial sowie Memphis noch jung sind und in ihren Leistungen noch ziemlich schwanken, ist die Offensive alles andere als ausgewogen oder ausreichend besetzt. Während der letzten 20 Jahre hatte man immer verschiedene und komplementäre (Weltklasse-)Stürmertypen (z.B. Cole, Yorke, Sheringham und Solskjaer in den 90ern/00ern und dann Rooney, Ronaldo, Tevez, Berbatov in den 00ern/10ern) im Kader, davon ist man aktuell meilenweit entfernt.

Van Gaal bekam im Laufe der letzten drei Transferperioden über 300 Millionen Euro um seinen Kader zu verbessern. Dabei herausgekommen ist ein extrem unbalancierter Kader mit langsamen/trägen Mittelfeldspielern (Carrick, Schweinsteiger, Schneiderlin) und der bereits erwähnten unterbesetzten Offensive. Spieler in Topform werden von Van Gaal nach einem schwachen Spiel grundlos öffentlich kritisiert (z.B. Darmian), deren kreativer Spielstil eingeschränkt (z.B. Martial), dürfen Sonntagsspaziergänge am Platz hinlegen und trotzdem immer von Beginn an auflaufen (Rooney) oder haben mittlerweile verlernt, wie man einen Vorwärtspass spielt (Schweinsteiger).

Doch wieder zurück zum eigentlichen Punkt. Wieso wurde Van Gaal nach Wochen bzw. Monaten des Misserfolgs noch immer nicht entlassen? Dieser Grund hat einen Namen: Ed Woodward. Ein gelernter Investmentbanker, der die Übernahme von MUFC durch die Glazers abgewickelt hat, danach als CFO (Chief Financial Officer) im Verein angestellt war. Nach dem Abgang von David Gill (der noch im Vorstand ist, jedoch auch als FA- und FIFA-Vizepräsident aktiv ist) übernahm Woodward dessen Posten als CEO. Randnotiz: in einem Interview mit BBC Radio Five Live merkte Gill heute an, dass er gestern abends freiwillig auf Match Of The Day verzichtete und stattdessen einen Kinobesuch vorzog.

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Clueless Woody – (c) ITV.com

Durch den gleichzeitigen Abgang von Ferguson musste der Verein also auf den beiden wichtigsten Positionen neu besetzt werden. Louis Van Gaal (der sich damals in Verhandlungen mit den Tottenham Hotspur befand) war die Entscheidung von Woodward, mit welcher er sich damals dem Vernehmen nach im Vorstand gegen Alternativkandidaten durchgesetzt hat. Demnach ist mit der Besetzung des Holländers seither auch zum Teil sein eigenes Schicksal verknüpft. Aktuell spricht und schimpft jeder nur über Van Gaal, würde dieser aber vor Saisonende entlassen werden, käme Woodward unerfreulicherweise ins Tagesgespräch.Hauptproblem: Woodward versteht viel von Finanzen, jedoch sehr wenig von Fußball.

Aufgrund der Tatsache, dass EBITDA und Börsenkurs stimmen, haben die Glazers derzeit keinen akuten Grund, einen Trainerwechsel anzuordnen. Sollte die Champions League Qualifikation jedoch (nach 2014/2015 erneut) verpasst werden, wirkt sich dies direkt auf Börsenkurs, Sponsorenverträge und generell die Erträge (Fernsehgelder, Zuschauereinnahmen) aus und würde definitiv Konsequenzen erfordern. Auch David Moyes wurde 2014 erst entlassen, als die Qualifikation für die Champions League mathematisch unmöglich war. Heuer sehen Experten jedoch eine andere Möglichkeit: bei einem Verpassen der CL-Qualifikation wird Van Gaal am Ende der Saison nahegelegt, seine Karriere aufgrund seines Alters bzw. des Stressfaktors ein Jahr früher zu beenden (sein Vertrag wäre noch bis Juni 2017 gültig). Auf diese Art und Weise könnte Van Gaal seine Trainerkarriere ohne blauen Brief beenden und auch der kurzfristige Fokus würde sich nicht auf Woodward richten.

Die Probleme bei MUFC sind jedoch noch viel tiefer verankert. Seit des Rücktritts des Akademiechefs Derek Langley mit Saisonende aus Gründen der Desillusion ist die ehemals be- und gerühmte Nachwuchsabteilung (Stichwort Busby Babes und Ferguson Fledglings), führungslos. Die U18 musste am Freitag eine 1-5 Heimklatsche gegen Chelsea hinnehmen, welche auch schlimmer hätte ausfallen können und hat generell elf Spiele nacheinander verloren. Das Scoutingsystem (früher u.a. auch mit Verwandten von Ferguson besetzt) ist hoffnungslos überaltert und funktioniert seit Jahren nicht mehr mit der erforderten Präzision und Qualität, verzichtet größtenteils auf Statistik und mathematische Modelle und vertraut noch immer zum Großteil dem eigenen Gefühl.

Diese Probleme bestanden alle auch schon bereits unter der Ägide von Ferguson. Dieser konnte mit seinem 20. und letzten Meistertitel für United jedoch noch erfolgreich davon ablenken. Seit seinem Abgang (und dem Abgang von David Gill) wirkt MUFC wie ein baufälliges Denkmal, welches Stück für Stück abbröckelt und bei dem es nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis es völlig in sich zusammensackt. Zwischen 1967 und 1993 blieb MUFC durch eine verpasste Nachfolgeregelung nach dem Abgang von Sir Matt Busby 26 Jahre lang ohne Meisterschaft, musste zwischendurch sogar den kurzfristigen Gang in die zweite Liga antreten. Werden in den kommenden Monaten nicht die richtigen Entscheidungen getroffen, dann könnte sich diese Geschichte tragischerweise wiederholen.

 

Unnötiges Klugscheißwissen

Buffalo im US-Bundesstaat New York bezieht seinen Namen nicht wie man meinen könnte vom Büffel (der u.a. auch im Logo der Buffalo Bills untergebracht ist), sondern höchstwahrscheinlich von der französischen Bezeichnung der Native Americas für den Ort: beau fleuve (was auf Deutsch „schöner Fluss“ heißt).

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Ich bin kein schöner Fluss sondern ein Büffel.

Es gibt einen inhaltlichen Unterschied zwischen anscheinend und scheinbar. Ersteres drückt die Vermutung aus, dass etwas so ist, wie es zu sein scheint. Zweiteres hingegen erweckt nur den äußerlichen Eindruck, ist tatsächlich allerdings meistens nicht so. Man kann bei der Verwendung auch von der beliebten 80/20 Regel ausgehen.

2016 findet in Rio de Janeiro vieles, aber sicher keine Olympiade statt. Eine Olympiade ist lediglich der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen, also vier Jahre.

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Für diese Maskottchen wurden Millionen mal wieder gut investiert.

auserkoren ist das 2. Partizip des unregelmäßigen Verbs auserkiesen. Ich erkiese also z.B. meinen Nachfolger aus. Wenn du zu den gefühlten 0.02% der Bevölkerung gehörst, welche dies gewusst hat – Respekt.

Die SV Ried steigt (nicht) ab, weil…

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(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt ab, weil

… der Frühjahresspielplan einigermaßen ungünstig beginnt. Nach einem Auswärtsspiel beim Angstgegner in Mattersburg muss man im eigenen Stadion gegen RBS antreten. Bei einer Doppelnull zu Beginn könnte man schneller als erhofft/befürchtet wieder die rote Laterne übernehmen. Auch die breite Brust der letzten erfolgreichen Spiele im Herbst würde damit gleich wieder verloren gehen.

… mit Marcel Ziegl der wohl objektiv beste Spieler der Herbstsaison (bis zu seiner schweren Verletzung) durch seinen Kreuzbandriss noch die gesamte restliche Saison ausfällt und bisher als Schaltzentrale im 3-3-3-1 in keiner Weise ersetzt werden konnte.

… mit Oliver Kragl nicht nur der offensivstärkste, schussgewaltigste und freistoßbeste Linksspieler der Bundesliga in die Serie A verkauft wurde, sondern auch ein echter Typ, Arbeiter und Leader verloren gegangen ist, wie man ihn seit den Zeiten von Drechsel und Lexa nicht mehr in der Mannschaft hatte.

… man im Vergleich mit den Konkurrenten wie etwa Grödig, Altach oder Wolfsburg diesen Abstiegskampf nicht wirklich kann. Zuletzt stand man nach dem Abgang des Trainerduos Weissenböck/Schimpl etwas unter Zugzwang, jedoch nie so knöcheltief wie in der heurigen Saison. Auch für den erfolgsverwöhnten Paul Gludovatz ist diese Erfahrung eine neue.

… weiterhin dieser Stürmer fehlt, der 10-15 Tore pro Saison macht. Durch die leichte Systemumstellung der letzten Runden konnte dies zwar kompensiert werden, jedoch werden sich die Gegner darauf einstellen können und man kann nicht immer darauf hoffen, dass die Innenverteidiger (Filipovic, Reifeltshammer) in der Not offensiv einspringen.

Gerhard Schweitzer doch wichtiger war, als die Allgemeinheit dies beziffern konnte. Nach seinem Abgang per 31.1. muss Gludovatz zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne seinen kongenialen Partner auskommen – und in seinem Alter fällt die Umstellung auf einen anderen Partner normalerweise schwer – ganz unabhängig von den Qualitäten des Mario Posch.

… die Leihspieler aus Liefering zwar über enormes Talent verfügen (ich schaue die skyGo Erste Liga regelmäßig), sich jedoch innerhalb dieser kurzen Zeit nicht mit dem Abstiegskampf akklimatisieren oder dem Verein identifizieren können. Falls es eine Klasse nach unten geht, spielt man dann eben wieder im Heimatstall weiter.

… es weiterhin Unstimmigkeiten und Machtspiele im Verein gibt, welche die Leistungsfähigkeit der Spieler zumindest beeinflusst. Außerdem gibt es immer wieder Meldungen, mit denen man vor 4-5 Jahren nicht gerechnet hätte. Als Beispiel sei hier der vor wenigen Tagen bekannt gegebene Verlust von 1,151 Millionen in der letzten Bilanz genannt, auch wenn die Situation von Finanzvorstand Daxl zuletzt bereits (verbal) entschärft wurde.

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(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt nicht ab, weil

… man sich nach der Ära Kolvidsson enorm stabilisieren konnte, seit Gludovatz/Schweitzer auf einem fiktiven 5. Tabellenplatz steht und ein positives Torverhältnis (20:19) aufweisen kann. Diese Konstanz ist im weiteren Abstiegskampf unschlagbar.

… man bisher alle „big points“ holen konnte. Beim 1-0 im ersten Spiel unter Gludovatz gegen Sturm, beim 1-0 in der 16. Runde gegen Grödig, beim 3-1 in der 18. Runde gegen Altach und natürlich auch beim 1-0 in der letzten Runde vor der Winterpause gegen den WAC. Wenn man weiterhin jedes „do or die“ Spiel verliert, steigt man auch nicht ab.

… Spieler wie Elsneg oder Murg endlich die erwartete Leistung abrufen können, zu welcher sie der Ex-Trainer mangels fehlender Kompetenz nicht führten konnte. Mit 12 Scorerpunkten distanziert Didi Elsneg den zweitbesten Spieler seiner Mannschaft sogar um 6 Punkte. Thomas Murg wirkt nach der Geburt seines ersten Kindes wie befreit und konnte etwa die Austria Wien beim 4-2 nahezu im Alleingang zerlegen.

… man mit Thomas Gebauer auf einen der (wieder) besten Torhüter der Liga als sicheren Rückhalt zählen kann, der die eine oder andere unhaltbare Chance zunichte machen kann. Seit des Tormanntrainerwechsels zu Hubert Auer ist der Bayer bis auf wenige Aufnahmen wieder jener Keeper, der es in den späten 00er-Jahren auch einmal zum österreichischen Torhüter des Jahres schaffte.

… einige Spieler wie Walch, Möschl oder Gavilan aufgrund von Verletzungen (und der Ära Kolvidsson) noch nicht zeigen konnten, wozu sie wirklich fähig sind. Zudem kommen mit Honsak und Brandner (als Widerspruch zum Grund pro-Abstieg) zwei talentierte und variable Spieler in die Mannschaft, welche sich ohne viel Vorlaufzeit in die Mannschaft einfügen können und den Konkurrenzkampf steigern werden.

… es auch bei den anderen Mannschaften viele Unstimmigkeiten und Störfeuer gibt, stellvertretend sei hier der gerichtliche Abgang von Karim Onisiwo bei Mattersburg genannt, der spielerisch nur schwer zu ersetzen sein wird. Grödig spielt als einzige Mannschaft auswärts und daheim quasi ohne Fans und beim WAC ist die Insolvenz von Hauptsponsor RZ noch im Hinterkopf.

… man im Falle des Falles trotzdem wieder auf Stefan Reiter vertrauen kann. Trotz aller berechtigter/öffentlicher Kritik (auch von meiner Seite) blieb er immer ruhig und optimierte nach innen, anstatt täglich mit den Medien zu diskutieren oder in Panik zu verfallen. Dass einige verpflichtete Spieler im richtigen System doch stärker sind als geglaubt (z.B. Polverino, Filipovic), konnte man während der letzten Herbstrunden beobachten.

… man im letzten Meisterschaftsviertel auf Heimspiele gegen Mattersburg, die Admira und Grödig bauen kann. Und falls es wirklich brenzlig wird, kann die SVR (subjektiv und objektiv) viel mehr Fans und Zuschauer zu Heim- und Auswärtsspielen mobilisieren als alle Konkurrenten im Abstiegskampf. Unter anderem auch weil die (Auswärts-)Wege im Vergleich mit Wolfsberg, Mattersburg oder Altach insgesamt gesehen kürzer sind. Und weil Innviertler – trotz aller Konflikte und Unstimmigkeiten – am Ende trotzdem zusammenhalten.