Taboo – Season 1 Review

Disclaimer: das nachfolgende Review beinhaltet einige inhaltliche Erklärungen, allerdings keine Spoiler hinsichtlich der Handlung nach der 1. Folge oder dem Schicksal der einzelnen Protagonisten.

Inzest.
Kannibalismus.
Okkult.
Kinderprostitution.
Sklavenhandel.
Homosexualität.

Die Aneinanderreihung dieser Schlagwörter bringt meinen Blog wohl auf diverse Watchlists, dabei stellt sie nur eine Zusammenfassung der Inhalte von Taboo dar. Und liefert gleichzeitig eine Erklärung, warum sich der Showtitel mit Tabu übersetzen lässt.

Tom Hardy (oscarnominiert für seine Rolle als Bösewicht in „The Revenant“, abgesehen davon als „Bane“ in „The Dark Knight Rises“ zum Weltruhm aufgestiegen) brilliert dabei als James Keziah Delaney, dem Sohn eines kürzlich verstorbenen englischen Geschäftsmannes, der von allen tot geglaubt zum Begräbnis seines Vaters in das London des Jahres 1814 zurückkehrt.

Tom Hardy als James Keziah Delaney in Taboo
Tom Hardy als James Keziah Delaney in Taboo – (c) esquire.com (all rights reserved)

Das London im Jahre 1814 ist ein hartes Pflaster. Irgendwo zwischen Nebel, Dreck, Armut und Cholera schwelgt ein Konflikt zwischen der britischen Krone und den Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser betrifft auch die (selbsterkannt-ehrenwerte) East India Company, welche ihrerseits mächtiger als der Prinzregent selbst scheint.

Unter dem väterlichen Erbe von Delaney befindet sich die rechtmäßige Besitzschaft über das ehemalige Indianergebiet von Nootka Sound – die Halbinsel von Vancouver. Als wichtige Passage zwischen den britisch-kanadischen Kolonialgebieten und dem Seeweg nach China ist Nootka Sound gleichermaßen für die britische Krone, die East India Company und die Vereinigten Staaten von immensem strategischen Interesse.

Delaney muss (als Spielverderber für zuvor geplante Länderaufteilungen angesehen) dementsprechend gleich an mehreren Fronten kämpfen – gegen die East India Company, die britische Krone, amerikanische Spione, den Ehemann seiner Halbschwester, die (wilden) Gerüchte über die Zeit seiner langen Verschollenheit in Afrika und die kolportierte Geisteskrankheit seiner Mutter und seines Vaters.

Taboo ist nichts für schwache Nerven (oder Mägen). Die behandelten Themen habe ich bereits in meiner Einleitung erwähnt. Das Level der Brutalität der BBC/FX-Serie (u.a. Fargo, Justified) ist jedoch für GoT-Seher nichts Ungewohntes. Die Story von Steven Knight (Eastern Promises, Peaky Blinders) ist intelligent aufbereitet und steigert sich von Folge zu Folge bis hin zu einem atemberaubenden Staffelfinale.

Neben Hardy umfasst das Ensemble von Taboo auch Jonathan Pryce (den meisten als High Sparrow in Game Of Thrones bekannt), Oona Chaplin (die Gattin von Rob Stark in GoT), Mark Gatiss (Mycroft Homes in Sherlock), Franka Potente, David Hayman und Michael Kelly (emmy-nominiert für seine Rolle als Doug Stamper in House Of Cards)

Die gesamte erste Staffel lief zwischen Jänner und März bei BBC sowie auf FX und ist seit 31. März bei Amazon Prime Video abrufbar. Sie umfasst acht Folgen mit einer Länge von 53-59 Minuten. Sie ist wahlweise im englischen Originalton oder in deutscher Synchronisierung verfügbar und hält (Stand: 7. April 2017) bei einem IMDb-Score von 8.8. Die Serie wurde bereits für eine 2. Staffel verlängert.

Die bitterste Niederlage seit 2003

Die samstägliche 1:2 Niederlage beim SV Mattersburg war ein tabellarischer (und auch moralischer) Genickschlag für die SV Ried. Nach dem überzeugenden 2-0 gegen Altach (dem ersten Sieg seit Anfang Dezember und dem ersten zu-null-Sieg seit dem 2. Spieltag) war die Stimmung unter der Mannschaft (und auch unter den Fans) eigentlich so positiv wie schon lange nicht mehr. Der 2-1 Testspielsieg gegen Dukla Prag in der Länderspielpause war laut Augenzeugen ein weiterer Schritt nach vorne. Dementsprechend motiviert traten wir am Samstag zu fünft den Ausflug nach Mattersburg an (von Graz aus eine ca. 90-minütige Fahrt). Bei herrlichem frühsommerlichen Wetter schmeckte nicht nur das Bier hervorragend, auch das Spielglück schien sich endlich auf unsere Seite zu schlagen.

Choreo der Riedfans vor dem Bundesligaspiel zwischen Mattersburg und Ried
Stimmung und Wetter vor der Partie sommerlich gut. Nachher war’s noch immer sommerlich, aber die Stimmung war nicht mehr gut. 

Nach einer einer Halbzeit, in der man Chancen en masse zugelassen hatte und sich mit einem 0-0 in die Pause zitterte, konnte Orhan Ademi in der 48. Minute sein erstes Tor seit 10. September (beim 3-2 Auswärtssieg in St. Pölten) bejubeln. Ein weiteres positives Zeichen, wie man zu diesem Zeitpunkt denken konnte. Doch nach zwei Aluminiumtreffern des im Abschluss glücklosen Stefan Nutz kam es am Ende so, wie es kommen musste. Dank Brachialgewalt (mit drei Mittelstürmern am Platz) knockte Patrick Bürger die panisch-ungeordnete Rieder Mannschaft mit einem Doppelschlag in der 84. und 86. Minute zurück auf den Boden der Realität.

Anstatt Platz 9 und einem kleinen aber immens wichtigen Schritt in Sachen Klassenerhalt musste man die Heimreise ins Innviertel mit der wohl bittersten Niederlage seit dem historischen 29. Mai 2003 im Gepäck antreten. Unter den über 30-jährigen Männern in unserem Auto herrschte bei der Heimreise zumeist betretenes Schweigen und auch der eine oder andere Schluchzer (auch von meiner Seite) war laut hörbar – zu bitter und brutal die Art der Niederlage und der tabellarische Status.

Vor Beginn des letzten Saisonviertels beträgt der Abstand auf den vorletzten Platz nämlich vier Punkte (aufgrund des schlechten Torverhältnisses effektiv sogar fünf Punkte). In den letzten 25 Jahren ist es keinem Schlusslicht zu diesem Zeitpunkt mehr gelungen, einen derartigen Rückstand noch aufzuholen und den Klassenerhalt zu sichern. Obwohl das Restprogramm den Umständen entsprechend akzeptabel ist, wird es ein kleines (vielzitiertes) Fußballwunder benötigen, um den zweiten Abstieg nach 2003 zu verhindern.

Die Anzeichen stehen freilich schlecht. Neben den Langzeitverletzten Clemens Walch und Matthias Honsak (der Standard-Flügelzange im Frühjahr) fällt auch der Kapitän Thomas Gebauer für weitere zwei bis drei Spiele aus. Sein Ersatz Reuf Durakovic hat am Samstag zwar eine ansprechende Leistung gezeigt, den Gegentreffer zum 1-2 muss er aufgrund seiner Parade nach vorne dennoch auf seine Kappe nehmen. Doch viel schwerer wiegt das Fehlen eines Routiniers und Ruhepols im Tor.

Wenn man davon ausgeht, dass bei den Auswärtsaufgaben in Graz (3.), Salzburg ( 1.), Favoriten (4.) und Altach (2.) nichts zu holen ist (nicht nur aufgrund der katastrophalen Auswärtsform mit neun (!) Niederlagen in Folge), dann müssen in den verbleibenden fünf Heimspielen wohl fünf Siege her, um eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Zunächst begrüßt man kommenden Samstag den Krisenklub aus Wien-Hütteldorf, gegen den man in den bisherigen 19 Bundesligasaisonen nur einmal (2008/2009) das Heimspieldouble bejubeln konnte. Die Wiener sind ihrerseits unter riesigem Siegzwang und können sich nach einem sieglosen Frühjahr keine weitere Niederlage beim Tabellenletzten erlauben, wenn man selber nicht doch noch in den (zumindest theoretischen) Abstiegskampf rutschen will.

Anschließend geht es gegen den Wolfsberger AC, der im Tabellenmittelfeld nicht mehr viel verlieren kann und deswegen entspannt in die Partie gehen kann. Wie schwierig ein Heimspiel gegen die Admira ist, hat nicht nur die Wiener Austria am Samstag miterleben müssen – auch im Herbst gelang nur ein höchst schmeichelhafter und eigentlich unverdienter 2-1 Sieg durch ein spätes Siegtor von Patrick Möschl. Die letzten beiden Heimspiele der Saison sind dann echte Abstiegsknaller – falls es zu diesem Zeitpunkt noch um etwas geht. Nacheinander begrüßt man am 34. Spieltag die Wölfe aus St. Pölten, bevor man am 36. Spieltag zum Abschluss die Mattersburger empfängt.

Aufgrund des zunehmend schwachen Punktezuwachses im Laufe der Saison (waren es im 1. Saisonviertel noch 11 Punkte, so waren es im 2. Viertel nur mehr 9 und im 3. Viertel gar nur 3 Punkte) kann man jedoch nicht erwarten, dass man im 4. Saisonviertel nun auf einmal 15 Punkte einheimst. Mit 38 Punkte wäre man ziemlich sicher gerettet, es sei denn man wird den eigenen Rekord des besten Absteigers aller Zeiten (38 Punkte in 02/03) einstellen.

Die Spielanlage hat sich unter Lassaad Chabbi zwar zum Positiven verbessert, die Schwächen in der Defensive (vor allem bei Standards und hohen Bällen) sind jedoch weiterhin frappant und kaum zu kaschieren. Aufgrund der Tatsache, dass man gegen Mattersburg kein probates Mittel gegen deren lange Bälle hatte, könnte am kommenden Samstag ein ähnliches Schicksal gegen Rapid drohen. Eine Niederlage in diesem Spiel würde die Chance auf den Klassenerhalt logischerweise noch weiter senken.

War der erste Abstieg der Bundesligageschichte wie ein unerwarteter Schuss ins Genick, so bekommt man als Rieder Fan nun zum ersten Mal die gnadenlose und vor allem deprimierende Negativ-Aura des Abstiegskampfes mit, in der man nach dem einen oder anderen Wackler im Laufe der letzten zwei Jahre nun zum ersten Mal glasklarer Favorit ist. Noch hat man neun Spieltage Zeit, um den Abstieg zu verhindern. Ist der Klassenerhalt noch möglich? Ja. Ist er noch realistisch? Eher nein.