Golden Globes 2018 – Analyse & Ausblick

Die gestrigen 75. Golden Globe Awards in Hollywood standen ganz unter dem Zeichen von #MeToo und #TimesUp. Wer die wirklich beeindruckende Rede von Oprah Winfrey (der heurigen Cecil B. De Mille Preisträgerin) noch nicht gesehen oder gehört hat, lebt womöglich unter einem digitalen Stein und kann dies hier nachholen:

Oprah als nächster POTUS? Wieso nicht. Aktuell wird auf alle Fälle fleißig spekuliert. Mit ihrem kommerziellen Imperium hat sie ein Vermögen von geschätzten 2.8 Milliarden USD aufgebaut (Quelle: Forbes) und abgesehen davon ist sie sowieso ein national treasure. Trump gegen Winfrey in 2020 wäre das wohl ungleichste politische Duell aller Zeiten, zumindest in den Vereinigten Staaten. Aber: sogar das stable genius ist (war) ein Fan der langjährigen Talkshow-Queen, wie der nachfolgende Tweet aus 2012 beweist. Im Falle von Trump kommt einmal mehr die Regel zur Anwendung: there’s a tweet for everything.

Golden Globes: Verlierer des Abends

Doch nun in medias res. Beginnen will ich beim großen Verlierer des Abends und dieser lautet ganz eindeutig Dunkirk. Dreimal nominiert, galt das Kriegsepos von Christopher Nolan bis zuletzt zumindest als Favorit in zwei dieser drei Kategorien. Doch sowohl Hans Zimmer für seine Filmmusik (gegen Alexandre Desplat) als auch Nolan selber (gegen Guillermo del Toro) zogen jeweils den kürzeren gegenüber The Shape Of Water (bei uns ab 16. Februar in den Kinos). Auch der Film an sich war dadurch im Endeffekt in der Kategorie Bestes Drama chancenlos. Einmal mehr bestätigt sich die Annahme, dass ein Film mit einem Start im Sommer fast chancenlos in der Awards Season ist. Wer Oscars abräumen will, bringt einen Film schon seit Jahren irgendwann zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember in die Kinos, so erzielt man den besten Querschnitt aus Kurzzeitgedächtnis und Langzeiterinnerung.

Für Dunkirk dürfte nach gestern auch das Oscarrennen gelaufen sein. Neben der Bauchlandung bei den Globes gab es nämlich vorletzte Woche auch keine Nominierung für das Beste Ensemble bei den SAG-Awards (Screen Actors Guild). Der letzte Film, der den wichtigsten aller Oscars ohne diese Nominierung holen konnte? Braveheart vor über 20 Jahren. Als letztes Strohfeuer könnten sich nur mehr die BAFTAs anbieten, denn die Geschichte von Dunkirk ist ein großes Stück britische Geschichte – und wenn der Film auch im Heimatland keine Preise holt, wird der Oscarreigen im Endeffekt auf die technischen Kategorien beschränkt bleiben. Für Schnitt, Tonschnitt und Toneffekte ist der Film nahezu konkurrenzlos, im Falle der besten Kameraführung ist Hoyte Van Hoytesma auch nur durch eine Ausnahmeleistung von Altmeister Roger Deakins (13 Nominierungen, 0 Siege) bei Blade Runner 2049 ins Hintertreffen geraten.

Ebenfalls ein Verlierer des Abends ist das coming-of-age Drama Call Me By Your Name, das wie Dunkirk ebenfalls gänzlich leer ausging. Dem Newcomer Timothy Chalamet (nebenbei auch mit Lady Bird im Rennen um einen SAG-Award) wurden leichte Außerseiterchancen gegen Gary Oldman nachgesagt, im Endeffekt konnte der britische Charakterdarsteller aber dann für seine Rolle als Winston Churchill in The Darkest Hour doch noch den Sieg über die Ziellinie retten. Auch Armie Hammer (The Social Network; The Lone Ranger) und der Film an sich gingen leer aus.

Das schlechte Abschneiden von The Post (bei uns klarerweise mit Die Verlegerin übersetzt) ist wenig überraschend. Der Film hatte nur kurzzeitig Oscar-Buzz, obwohl das Drama eigentlich ALLE Zutaten für einen Abräumer in der Awards Season aufweist: Steven Spielberg + Meryl Streep + Tom Hanks + Filmmusik von John Williams + Film über die Integrität der Presse. Woran es liegt? Ich weiß es nicht.

Zurück zu The Shape Of Water – auch das Fantasydrama des mexikanischen Fantasyspezialisten Guillermo del Toro (einem breiten Publikum bekannt geworden durch Pan’s Labyrinth) muss man nicht unbedingt zu den großen Gewinnern des Abends zählen. Trotz der beiden Statuetten für Regie und Filmmusik ging man als meist nominierter Film des Abends in allen anderen Kategorien leer aus. Sowohl in der Hauptkategorie (Bestes Drama) als auch bei den Schauspielerpreisen (Sally Hawkins als Beste Hauptdarstellerin in einem Drama und Richard Jenkins als Bester Nebendarsteller) musste man sich der starken Konkurrenz beugen.

Golden Globes: Gewinner des Abends

Three Billbourds Outside Ebbing, Missouri startete nicht als Topfavorit in die Awards Season, ist jedoch seit gestern jener Film, der ab jetzt geschlagen werden muss. Dies zeigen auch die aktuellen Buchmacher-Quoten, welche etwas später in diesem Blogposting angetroffen werden können (ich will den Spannungsbogen nicht brechen).

Neben dem wichtigsten Preis (Best Drama) konnte das Drama von Martin McDonagh (In Bruges, 7 Psychopaths) auch erwartungsgemäß den Preis für die beste Hauptdarstellerin in einem Drama (Frances McDormand) abräumen. Die Charakterdarstellerin (und nebenbei Ehefrau von Joel Coen) dürfte damit aller Voraussicht nach heuer ihren zweiten Oscar nach Fargo im Jahr 1997 gewinnen – und dies nach einstimmiger Meinung aller Experten auch völlig verdient.

Frances McDormand – (c) deadline.com, all rights reserved

Etwas überraschend war der Sieg von Sam Rockwell (Moon) als Bester Nebendarsteller gegen den favorisierten Willem Defoe, der jedoch einen großen Nachteil hatte, weil sein Film The Florida Project von der HFPA (Hollywood Foreign Press Association) ansonsten gänzlich außen vor gelassen wurde. Hier würde ich das Rennen zwischen Rockwell und Defoe jedoch noch nicht als erledigt sehen. Bloß Richard Jenkins (wie erwähnt für The Shape Of Water), der dritte potentielle Kandidat, dürfte nun bereits aus dem Rennen sein.

Größter Gegner von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri könnte ab jetzt Lady Bird sein. Das Regiedebüt von Indie-Queen Greta Gerwig (Frances Ha, Mistress America) über einen rebellischen Teenager, dem die kalifornische Heimatstadt zu klein wird, wurde nämlich in der Kategorie Beste Komödie/Musical seiner Favoritenrolle gerecht.

Auch Saoirse Ronan (die man wie im nachfolgenden Clip aus der Late Show With James Corden ausspricht) wurde als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet und wird heuer im zarten Alter von 23 bereits zum dritten Mal für den Oscar nominiert werden (Atonement, Brooklyn) und damit einen neuen Altersrekord für diese Marke aufstellen. Die bezaubernde Irin (die in New York City geboren wurde) wird über kurz oder lang sowieso die Nachfolge von Meryl Streep und Kate Winslet als mehrheitlich gefühlt beste Schauspielerin ihrer Generation antreten.

Laurie Metcalf (bekannt durch ihre Rollen als Schwester von Roseanne sowie als Mutter von Sheldon in The Big Bang Theory) verlor etwas überraschend das Kopf-an-Kopf-Rennen gegen den HFPA-Darling Allison Janney. Diese wurde für ihr Porträt als Tonya Hardings ultrastrenge Mutter im Biopic über das Leben der skandalbehafteten Eiskunstläuferin in I, Tonya ausgezeichnet. Doch auch hier ist das Rennen noch lange nicht gelaufen.

Was habe ich bis dato noch nicht erwähnt? Das Terror-Drama Aus dem Nichts (In The Fade) von Fatih Akin mit Diane Kruger (Inglourious Basterds) in der besten Rolle ihres bisherigen Schauspielerlebens konnte doch etwas überraschend den Preis für den besten Auslandsfilm gewinnen. Damit geht Deutschland auch als leichter Favorit in das Oscarrennen. Doch gerade bei den Auslandspreisen sind sich HFPA und Academy oft sehr uneinig.

James Franco galt als leichter bis mittlerer Favorit für seine Darstellung in The Disaster Artist (bei dem er sich nebenbei auch für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete) und konnte sich im Endeffekt auch gegen Daniel Kaluuya (Get Out) durchsetzen. Mehr als eine leichte Erhöhung seiner Chancen auf eine Nominierung für den Besten Schauspieler bei den Oscars stellt dies jedoch nicht dar. Hier sind die Herren aus der Dramakategorie erfahrungsgemäß deutlich bevorzugt.

Coco, das neueste Pixar-Meisterwerk, war und ist heuer im Bezug auf den Besten Animationsfilm sowieso gänzlich konkurrenzlos und wird heuer auch den Oscar gewinnen. Der Sieg von This Is Me war eine große Überraschung beim Besten Song, hier ist Remember Me aus Coco aus der Feder von Kristen Anderson Lopez und Robert Lopez (Oscar für Let It Go aus Frozen) weiterhin der große Oscarfavorit. Auch in dieser Kategorie liegen nämlich die Geschmäcker von HFPA und Academy weit auseinander.

Hochrechnung: Academy Awards 2018

Nachfolgend die bereits angekündigten aktuellen Quoten von oddschecker.com (Stand: 8. Jänner 2018) für den Besten Film bei den Oscars, bei denen Dunkirk vom ersten auf den sechsten Platz zurückgerutscht ist.

Oscar Quoten Bester Film
https://www.oddschecker.com/awards/oscars/best-picture

Es ist noch immer sehr früh – es gibt noch keine BAFTA- & Oscar-Nominierungen und die PGA Awards und SAGs wurden auch noch nicht vergeben, aber dennoch wage ich mich an meine erste ernsthafte Hochrechnung für die heurigen Oscars.

Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Actress Frances McDormand (Three Billboards)
Actor Gary Oldman (The Darkest Hour)
Actress in a Supporting Role Laurie Metcalf (Lady Bird)
Actor in a Supporting Role Sam Rockwell (Three Billboards)
Directing Guillermo del Toro (The Shape Of Water)
Original Screenplay Lady Bird
Adapted Screenplay Call Me By Your Name
Cinematography Roger Deakins (Blade Runner 2049)
Costume Design The Beauty And The Beast
Production Design The Shape Of Water
Film Editing Dunkirk
Sound Editing Dunkirk
Sound Mixing Dunkirk
Visual Effects War For The Planet Of The Apes
Makeup & Hair The Darkest Hour
Score Alexandre Desplat (The Shape Of Water)
Song Remember Me (Coco)
Animated Feature Coco
Foreign Film Aus dem Nichts (Deutschland)

Die Kategorien Documentary, Documentary Short, Animated Short und Live Action Short lasse ich wie üblich aus, hier hat man als Laie eigentlich nur wenig Chancen auf den richtigen Tipp.

Zusammenfassend würde diese Verteilung folgendes Bild ergeben:

3 – Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
3 – The Shape Of Water
3 – Dunkirk
2 – Lady Bird
2 – Coco
2 – The Darkest Hour
1 – Call Me By Your Name
1 – Blade Runner 2049
1 – The Beauty And The Beast
1 – War For The Planet Of The Apes
1 – Aus dem Nichts

Der Trend der letzten Jahre würde sich demnach also weiter fortsetzen. Die Zerklüftung der goldenen Statuetten auf viele verschiedene Filme ist nämlich mittlerweile schon Standard und nicht mehr die Ausnahme. Die Zeiten der großen Abräumer wie Titanic oder Lord Of The Rings: The Return Of The King (jeweils 12 Oscars) sind vorbei, weil die Academy in ihrer Zusammenstellung auch immer heterogener geworden ist. Indie-Filme wie heuer Lady Bird, Call Me By Your Name die vor 10-15 Jahren noch mehrheitlich chancenlos gewesen wären, haben mittlerweile die gleichen (oder teilweise sogar besseren) Chancen wie ein 100-Millionen-Epos im Stile von Dunkirk.

Das nächste (und letzte) Update meiner Oscar-Tipps gibt es dann in der Woche vor der Verleihung der Oscars, welche heuer am ersten Sonntag im März stattfindet.

 

Best of 2017: Serien

Wir leben in einem Zeitalter, in dem es aufgrund des hohen Niveaus und der großen Vielfalt an (Bezahl-)Plattformen einfach nicht mehr möglich ist, alle vielversprechenden Serien anzusehen. Ich persönlich habe (um nur einige Beispiele zu nennen) The Handmaid’s Tale, This Is Us, GLOW, Outlander oder The Crown noch nie gesehen. Von Big Little Lies und The Deuce war ich nicht so überzeugt wie viele Kritiker.

Ich hätte heuer genau so gut eine Liste mit meinen Top20-Serien erstellen können, denn es gibt auch einige prominente Opfer, welche heuer aus verschiedensten Gründen ihren Platz in meiner Top10-Liste verloren haben: Game Of Thrones, Orphan Black, Black Mirror, The Americans, Sherlock, Master Of None BoJack Horseman, Bloodline, The Affair, Homeland sowie Ray Donovan.

Insgesamt gibt es in meiner heurigen Liste fünf Neueinstiege, den höchsten auf Platz 1. Neben der Platzierung in Klammer jeweils die Information über die Staffel, die Anzahl der Episoden in der Staffel sowie die amerikanische & österreichische Plattform, auf welche man die Serie ansehen kann. Hier noch die Links zu meiner Liste aus 2016 sowie zur Liste aus 2015.


10 – Ozark (Staffel 1 / 10 Episoden // Netflix)

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Alles ist in Ordnung, Sheriff – (c) indiewire.com, all rights reserved

Einer der Überraschungshits des Jahres. Eine scheinbar normale Familie rund um Jason Bateman und Laura fucking Linney (regelmäßige Seher von Last Week Tonight werden diese Referenz verstehen) muss schlagartig von der großen Stadt in die Ozarks (Missouri) flüchten bzw. untertauchen, weil die geheimen Machenschaften des Ehemanns (Geldwäsche für ein Drogenkartell) ans Licht kommen. Seine Frau und Kinder können sich mit der Situation nur wenig anfreunden, denn vom technologischem Fortschritt hat man im Sumpfgebiet noch eher wenig erfahren und auch die Menschen sind größtenteils seltsam (bzw. kriminell).

Ozark ist eine Serie mit (überraschend) schwarzem Humor und einigen unerwarteten Wendungen. Ich persönlich konnte mir Jason Bateman (Arrested Development, Horrible Bosses) nur schwer in einer dramatischen Rolle vorstellen, er überzeugt jedoch vollends und wurde auch für einen Golden Globe nominiert. Eine zweite Staffel ist bereits in Planung, es gibt allerdings noch keinen Termin dafür.

09 – Better Call Saul (S3 / 10E // AMC / Netflix)

Kollegin & Crush zugleich – (c) collider.com, all rights reserved

Das Niveau, welches Better Call Saul als Spinoff von Breaking Bad halten kann, wird immer beeindruckender. Die Mischung aus Anwaltsserie, Krimi, Komödie und Drama ist einfach abgerundet. Seit der dritten Staffel gehört auch Giancarlo Esposito in seiner Rolle als Drogenbaron Gus Fring wieder dem Ensemble an. Doch vor allem Michael McKean konnte heuer in seiner Rolle als Bruder von Jimmy McGill (Bob Odenkirk) seinen schauspielerischen Stempel auf die Serie aufdrücken. Im Gegensatz zu BB erfährt BCS jedoch insgesamt weniger Kritikerliebe, anders ist es nicht zu erklären, dass Bob Odenkirk bisher noch keinen Emmy oder Globe für seine Paraderolle erhalten hat. Am Sonntag hat er die nächste (kleine) Chance dazu. Doch Kritikerpreise hin oder her, BCS ist eines der besten Spinoffs aller Zeiten (ich mochte dich nie, Frasier), hat durch seine Existenz im BB-Universum eine automatische Fanbasis und wird auch für mich weiterhin ein Fixpunkt in meinem Netflix-Katalog bleiben.

08 – Fargo (S3 / 10E // FX / Netflix)

„Sie arbeiten jetzt für mich, ob Sie wollen oder nicht“ – (c) digitaltrends.com, all rights reserved

Fargo ist eine Anthologieserie. Das bedeutet, dass mehrere Staffeln unter dem gleichen Titel laufen, jedoch nichts (oder wenig) miteinander zu tun haben. Im Bezug auf das Serien-Universum bin ich der Meinung, dass sowohl S1 als auch S2 besser als S3 sind. Fargo ist allerdings schon grundsätzlich so gut, dass selbst die drittbeste Staffel (von dreien) noch immer für den achten Platz in meinem Jahresranking reicht. Dies liegt (wie bei Fargo gewohnt) einmal mehr am ausgezeichneten Schauspielerensemble. Angeführt wird dieses von Carrie Coon, sie wurde in ihrem Durchbruchsjahr für ihre Rolle auch für einen Emmy nominiert (und von den Globes übergangen). Dafür rittern Ewan McGregor (der ein ungleiches Zwilligsbrüderpaar spielt) und David Thewlis am kommenden Sonntag jeweils um diesen Preis. Letzterer spielt den unappetitlichsten Bösewicht seit Jabba The Hutt und ist damit der legitime Nachfolger des von Billy Bob Thornton in Staffel 1 gespielten Charakters Lorne Malvo.

07 – Stranger Things (S2 – 10E // Netflix)

Stealing the show – (c) nerdist.com, all rights reserved

Im Juli 2016 habe ich eine spoilerfreie Review zur ersten Staffel verfasst. Die Erwartungen nach der Brillianz von S1 waren immens und konnten eigentlich nur enttäuscht werden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Denn nach dem Platz an der Sonne im letzten Jahr konnte heuer auch die zweite Staffel einen Top10-Platz in meinem persönlichen Ranking belegen. Okay, die Story ist relativ ähnlich und stellenweise banal. Doch Stranger Things lebt erneut vom hervorragenden Schauspielerensemble und dem 80er-Jahre-Flair. Neben David Harbour als Chief Hopper (völlig zurecht für einen Golden Globe nominiert) war diesmal auch das Mitwirken von Sean Astin (The Goonies) eine liebevolle Hommage an das Abenteuerkino der 80er-Jahre. Doch im Zentrum des Geschehens sind eindeutig wieder die Kids, deren Ensemble diesmal etwas vergrößert worden ist. Stranger Things wurde aufgrund des kommerziellen Erfolgs mittlerweile auf vier Staffeln verlängert und ist (neben House of Cards) das zentrale Mosaikstein im Katalog der Eigenproduktionen von Netflix.

06 – Taboo (S1 – 8E // BBC & FX / Amazon)

Tom Hardy als James Keziah Delaney in Taboo
Henlo, i bims der James Keziah Delaney – (c) esquire.com (all rights reserved)

Diese Serie hat im April des heurigen Jahres bereits ein Einzelreview meinerseits erhalten. „Tom Hardy“ sollte für viele bereits reichen, um Interesse zu erwecken. Die im frühen 19. Jahrhundert angesetzte Serie dreht sich um Homosexualität, Inzest, Sklavenhandel, Kannibalismus, Okkult und Kinderprostitution, es ist also für jede(n) etwas dabei. Aufgrund des Erfolgs bei Kritikern und Publikum wurde Taboo bereits um eine zweite Staffel verlängert, welche für 2018 angekündigt ist und einen Schauplatzwechsel (also weg aus dem stinkenden und versifften London) mit sich bringen könnte. Für mehr Details zum Inhalt oder den Schauspielern bitte einfach einen kurzen Blick in mein Review werfen.

05 – The Marvelous Mrs. Maisel (S1 – 10E // Amazon)

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Was mache ich eigentlich hier? – (c) mic.com, all rights reserved

Diese Serie, welche seit Ende November 2017 bei Amazon Video abrufbar ist, hat aus meiner Sicht zwei Grundprobleme. Zum einen klingt der Serientitel nicht besonders verlockend (ist aber wenigstens diesmal nicht der deutschen Übersetzung geschuldet) und zum anderen war die Promotion eher bescheiden bis gar nicht vorhanden. Daher muss ich an dieser Stelle word-of-mouth-Marketing betreiben und die Serie als eine der besten Comedies des Jahres betiteln. Zum Inhalt – wir schreiben das Jahr 1958. Miriam Maisel (gespielt von Rachel Brosnahan, am besten bekannt als Rachel Posner in House of Cards) ist die perfekte Mutter und Hausfrau in der Upper West Side. Dann beginnt ihr Ehemann jedoch ein Techtelmechtel mit der naiven Sekretärin und trennt sich infolgedessen von seiner Ehefrau. Aus Zufall stolpert sie angetrunken in einen Comedy Club und findet heraus, dass ihr großes Talent nicht als Hausfrau sondern auf der Stand-Up-Showbühne liegt.

Wer auf Brachialhumor steht, wird bei TMMM enttäuscht werden. Denn diese Serie lebt von ihrem warmherzigen und intelligenten Humor, ist in den Nebenrollen ausgezeichnet besetzt (u.a. Alex Borstein, Tony Shalhoub, Kevin Pollak) und wurde heuer auch für zwei Golden Globes (Best Comedy, Best Actress in a Comedy Series) nominiert.

04 – Mindhunter (S1 – 10E // Netflix)

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Wieso hast du das gemacht? – (c) Den of Geek, all rights reserved

Wenn David Fincher (u.a. Sieben, Fight Club, The Social Network) etwas schreibt oder produziert, dann hat dieses Machwerk automatisch meine höchste Aufmerksamkeit. Mindhunter versetzt den Zuseher in die USA der 1970er Jahre, in denen forensische Psychologie bei der Aufklärung von Straftaten noch nicht erfunden bzw. in Verwendung war. Jonathan Groff spielt einen rebellischen FBI-Agenten, der aufgrund von Gesprächen mit seiner Freundin (die Psychologie studiert) und einer anerkannten Psychologin jedoch neue Wege bei der Aufklärung und Verhinderung von Straftaten beschreiten will. Zu diesem Zweck bereist er gemeinsam mit seinem zurückhaltenden Kollegen diverse Hochsicherheitsgefängnisse um bekannte Mörder nach ihren Motiven zu befragen. Die Serie beruht auf den Büchern des realen FBI-Fallanalytikers John E. Douglas und lebt von der düsteren Grundstimmung und den grausamen Bildern, die sich aufgrund der Beschreibungen der Straftaten durch die Killer im Kopf des Zusehers manifestieren. Aufgrund des kritischen Erfolges wurde die zweite Staffel bereits abgesegnet.

03 – Mr. Robot (S3 – 10E // USA / Amazon)

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Irgendetwas ist schief gegangen .. (c) GC.com, all rights reserved

War die erste Staffel noch meine Lieblingsserie des Jahres 2015, so verlor das Hacker-Drama aus der Feder von Sam Esmail letztes Jahr sechs Plätze. Heuer findet sich die dritte (und anders als erwartet nicht letzte) Staffel auf dem 3. Platz wieder. Dies liegt vor allem daran, dass die Storyline wieder nachvollziehbarer und realistischer wurde und nicht übertrieben auf einer Metaebene dahinschwimmt wie die vorherige Staffel. Einige filmschaffende Experimente (z.B. eine Folge ohne jeglichen Schnitt) wirkten nicht gekünstelt, sondern fügten sich nahtlos in den Spannungsbogen rund um den von Rami Malek (der kommendes Jahr als Freddy Mercury im Queen-Biopic Bohemian Rhapsody agieren wird) gespielten schizophrenen Hauptchrakter ein. Die Fronten sind abgesteckt, die Motive der Antagonisten sind bekannt, daher wird die vierte (und aller Voraussicht nach wirklich letzte) Staffel wohl dazu verwendet werden, die Story (zumindest für die meisten) zufriedenstellend beenden zu können.

02 – The Leftovers (S3 – 8E // HBO / sky)

Kevin und Nora – (c) esquire.com, all rights reserved

Die dritte und letzte Staffel von The Leftovers bildete einen würdigen Abschluss für eine Serie, welche mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Nach der ersten Staffel bereits von vielen Zusehern und Kritikern (und auch mir) abgeschrieben, schaffte das Mystery-Drama aus der Feder von Damon Lindelof (Lost) nach dem Buch von Tom Perrotta erst mit der zweiten Staffel den Turnaround. Die dritte Staffel konnte dies jedoch nochmal toppen. The Leftovers hat seine Zuseher ständig ratlos, unaufgeklärt und verunsichert zurückgelassen, beging aber nicht den Kardinalfehler von Lost – denn am Ende wurden die wichtigsten Mysterien aufgeklärt und es kommt zu einem ultimativen Moment zwischen den von Carrie Coon und Justin Theroux gespielten Hauptcharakteren, welche über die gesamte letzte Staffel hinweg absolut brillierten.

01 – Halt And Catch Fire (S4 – 10E // AMC / Amazon)

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How will it end? (c) amcnetworks.com, all rights reserved

Wie bereits Mitte Oktober 2017 angekündigt, ist die vierte und letzte Staffel von Halt And Catch Fire meine Serie des Jahres. Daran hat sich auch während der letzten zweieinhalb Monate nichts geändert. Dieses, dem breiten Publikum leider nahezu unbekannte Kleinod der Serienlandschaft hat es in vielen US-amerikanischen Reviews ebenfalls auf die #1 der Jahresbestenlisten geschafft. Wer mehr über den Inhalt erfahren will, kann dies in meinem Blog nachholen. Hier will ich nur mehr anmerken, dass keine Serie die ich 2017 gesehen habe, auch nur annähernd so emotional wie die letzten vier Folgen dieser Serie war. HCF hat sich im Laufe der vier Staffeln nie primär um den technologischen Fortschritt zwischen 1983 und 1995 gedreht, sondern wie die menschlichen Beziehungen der Protagonisten durch diesen Fortschritt beeinflusst und (dauerhaft) verändert werden. Auch das Ende dieser Serie war absolut perfekt und lässt keine Fragen offen.