Best of 2016 Teil 2: TV Serien

2016 war ein exzellentes Serienjahr. Durch die kreative, quasi uneingeschränkte Freiheit von HBO, Showtime, FX, Amazon und Netflix gibt es aktuell so viele epische Serien wie nie zuvor. Oscarpreisträger und (aktuelle!) Hollywoodstars lassen sich zur Beteiligung an hochwertigen TV-Projekten überreden. Das Überangebot der minderen Qualitätsware (zumeist von FOX, NBC und Co.) wird mit schlechten Quoten und Einstellungen abgestraft.

Fernsehen im klassischen Sinn ist tot – niemand will sich mehr nach Tagen, Uhrzeiten und TV-Smartcards richten. Dank Netflix, Amazon und sky kann ganze Staffeln an einem Tag schauen, man kann Episoden einen Tag nach der US-Erstausstrahlung im Originalton ansehen. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen und dem klassischen Fernsehen damit noch weiter den Rang ablaufen.

In der nachfolgenden Liste findet sich daher auch nur eine „klassische“ Serie, welche einem US-TV-Network entstammt. Alle anderen Serien haben ihren Ursprung im Pay-TV.

10. BETTER CALL SAUL (AMC, Season 2)

better-call-saul-season-2
Rhea Seehorn (Kim Wexler) und Bob Odenkirk (Jimmy McGill) mal wieder am Boden – (c) collider.com

BCS ist definitiv eines der besten Spin-Offs aller Zeiten, weil es sich zwar an der Originalstory orientiert, jedoch als Prequel (und nicht wie üblich Sequel) viel mehr Freiheiten im Bezug auf den Storyverlauf besitzt. Die zweite Staffel hat zu Beginn nur langsam Fahrt aufgenommen, steigert sich jedoch von Folge zu Folge und kulminierte in einem nägelbeißenden Finale. Wer die Anfangsbuchstaben aller Staffeltitel aneinanderreiht, bekommt zudem einen Hinweis, welche Persönlichkeit in S3 auftauchen wird. Boom.

9. BILLIONS (Showtime, Season 1)

billions_premiere_lewis_giamatti
Paul Giamatti (Oscarnominierung für Cinderella Man) und Damian Lewis (Emmy und Globe für Homeland) als Hauptprotagonisten – (c) hollywoodreporter.com

Damian Lewis als exzentrischer Wallstreet-Investmentbanker Bobby Axelrod. Paul Giamatti als Staatsanwalt Chuck Roades, der sich ständig am Rande der Legalität bewegt (und darüber hinaus). Eine der wenigen Serien, in denen es keinen dediziert „Guten“ gibt und fast alle Charaktere dazu einladen, sie unsympathisch zu finden. Aber das teilweise als Kammerspiel inszenierte Katz-und-Maus-Spiel zwischen Lewis und Giamatti hält den Spannungsbogen der Serie stets im oberen Bereich und wird durch die Leistungen von Malin Akerman, David Costabile und Maggie Siff ergänzt. Eine von drei „Original Series“ in dieser Liste.

8. GOLIATH (Amazon Video, Season 1)

DSC_1845.nef
Oscar-, Emmy- und Globepreisträger Billy Bob Thornton als Billy McBride, der seine Chance sieht, seinem Intimfeind eins auszuwischen – (c) indiewire.com

Billy Bob Thornton als ausrangierter Rechtsanwalt, der seinen bescheidenen Lebensunterhalt mit nebensächlichen und unkomplizierten Fällen verdient. Ein zunächst unscheinbarer Fall bringt ihn in die Schusslinie einer mächtigen Anwaltskanzlei – die er einst mitgründete, bevor er dort von seinem Mitgründer und Widersacher hinausgeworfen wurde. Dieser wird von William Hurt (Oscar für „The Kiss of the Spider Woman“) absolut paranoid-famos gespielt. Maria Bello (als Klägerin) und Olivia Thirlby (als Protegé von Hurt) ergänzen die Cast der Original Series von Amazon, welche in der ersten (und einzigen) Staffel aus (nur) acht spannungsgeladenen Folgen bestand.

7. MR. ROBOT (USA, Season 2)

Mr. Robot - Season 2
Kaum zu glauben, aber in diesem Bild sind mehrere Spoiler versteckt. – (c) variety.com

Meine letztjährige Serie des Jahres hat zwar sechs Plätze verloren, erreicht aber dennoch einen guten 7. Platz. Im Vergleich zur bahnbrechend-innovativen ersten Staffel war einfach kein Spielraum nach oben offen. Die zweite Staffel versucht oft zu krampfhaft, den Zuseher zu überraschen und vergisst dabei teilweise auf die Protagonisten an sich. Erfinder Sam Esmail verwirrt die Storyline zu sehr mit Nebensächlichkeiten. Zusammenfassend ist dies aber dennoch Kritik auf höchstem Niveau, denn einige WTF-Momente sind dennoch im Angebot und der Ausblick auf Season 3 nimmt einem die philosophischen Gedanken an ECORP, Whiterose und die anderen Figuren im Schachspiel um die globale Kontrolle.

6. BOJACK HORSEMAN (Netflix, Season 3)

bojack-horseman-fish-out-of-water
BoJack auf einer speziellen Mission – (c) moviepilot.de

Mit Ausnahme der Simpsons schaue ich keine andere Animationsserie (wie z.B. South Park, Bob’s Burgers, King of the Hill, Archer usw.). BJH habe ich damals aufgrund der Skurrilität des Settings begonnen (Menschen und Tiere mit menschenähnlichen Zügen leben Seite an Seite). Das Setting ist simpel: BoJack Horseman war ein Sitcom-Star der 80er Jahre und wittert nach 20 Jahren Anonymität, Suff und Drogenexzessen wieder die Chance auf ein Comeback in Hollywood. In der dritten Staffel spielt BJH sein Vorbild „Secretariat“ und wird dafür auch für den Oscar nominiert. „Fish Out Of Water“ sei noch explizit als bahnbrechende Folge genannt – BJH besucht eine Unterwasserstadt und daher fällt 22 Minuten lange kein Wort – mit einer sensationellen Pointe am Ende.

5. WESTWORLD (HBO, Season 1)

westworld-anthony-hopkins
Oscarpreisträger Anthony Hopkins als Dr. Robert Ford, den Erschaffer und „Vater“ der Androiden in Westworld – (c) theverge.com

Basierend auf einem Roman von Michael Crichton haben JJ Abrams und Jonathan Nolan hier ein All-Star-Ensemble für das neue HBO-Highlight zusammengetrommelt. Anthony Hopkins (!), Ed Harris, Thandie Newton, Evan Rachel Wood, James Marsden, Luke Hemsworth, Jimmi Simpson, Ben Barnes, Rodrigo Santoro uvm. sorgen für eine Stardichte, welche man nicht einmal in Westeros antrifft. Die Story spielt in der nicht-definierten Zukunft, Westworld ist ein Unterhaltungspark mit Western-Theme, in dem sich (superreiche) Menschen an menschennahen Androiden austoben und dabei ihre geheimen Gelüste ausleben können: Sex, Folter, Mord. Die Serie spielt mit dem philosophischen Gedanken, was den Unterschied zwischen Menschen und Fast-Menschen ausmacht und wie weit Moralität geht. Wurde bereits für eine zweite Staffel verlängert.

4. GAME OF THRONES (HBO, Season 6)

hodor-the-door
Immer im isländischen Winter drehen müssen wird mit der Zeit auch hart – (c) vox.com

Diese Staffel brachte uns epochale Folgen wie etwa „Battle of the Bastards“, „The Door“ oder auch „The Winds Of Winter“, welche den Status von GOT als das größte TV-Epos aller Zeiten weiter manifestieren konnten. Brachte die erstgenannte Folge endlich den langersehnten Showdown zwischen Jon Snow (ja, er lebt – und wer das noch immer nicht wusste, der hat entweder kein Internet oder keine Freunde) und Ramsay Bolton, so überraschte „The Door“ mit einem herzbrechenden Finale rund um einen lieb gewonnenen Charakter. Doch das Staffelfinale bleibt dank eines großen Knalls dennoch unangefochten an der Spitze der drittletzten Staffel von GOT und hat die Positionen für die 16 letzten Folgen (zwischen 2017 und 2019) nun klar abgesteckt.

3. FARGO (FX, Season 2)

fargo-season-2-finale-jesse-plemons-kirsten-dunst
Kirsten Dunst und Jesse Plemons (Todd aus Breaking Bad!) in der zweiten Staffel von Fargo – (c) tvline.com

Die zweite Staffel hat im Grunde nichts (wenig) mit der ersten Staffel zu tun. Die Handlung ist viele Jahre vor der Handlung der 1. Staffel angesiedelt und dementsprechend wurde die Schauspielerriege  komplett ausgetauscht. Dennoch (oder vielleicht sogar deswegen) knüpft die Qualität der Zweitstaffel dennoch nahtlos an die Premierenstaffel an. Spannungsbogen, Erzählqualität sowie die Komplexität und Persönlichkeit der Story & Charaktere machen aus Fargo einen funkelnden Juwel am TV-Himmel. Mit Patrick Wilson, Kirsten Dunst, Ted Danson, Jesse Plemons, Cristin Milioti uvm. ist es den Schöpfern außerdem erneut gelungen, ein illustres Ensemble zusammenzustellen. Die dritte Staffel (u.a. mit Ewan McGregor, Mary Elizabeth Winstead und Carrie Coon) steht bereits in den Startlöchern und wird uns kommendes Jahr weitere „Fargo Geschichten“ ins Haus liefern.

2. PERSON OF INTEREST (CBS, Season 5)

person-of-interest
Michael Emerson, Amy Acker und Jim Caviezel im Kampf gegen Samaritan – (c) tv.com

Die meist unterschätzte Serie der letzten Jahre (auch im Bezug auf TV-Akkoladen) hat heuer nach fünf Staffeln ihr Ende gefunden. Jonathan Nolan (der Erfinder der Serie, welche ebenso wie Westworld von JJ Abrams produziert wurde) wurde jedoch genug Zeit gegeben, um dieses Finale so lange und perfekt wie nur möglich zu planen. Die ursprüngliche Handlung (reicher Tech-Guru stellt ehemaligen Spion an, um mit einer mächtigen Computer-KI gemeinsam Verbrechen zu verhindern) klingt relativ banal. Die Stärke der Serie ist jedoch die Entwicklung der Charaktere sowie Evolution der Haupt-Geschichte, das Verschwimmen von Gut und Böse und das Aufwerfen der moralischen Frage, wie weit Überwachung gehen darf. Highlight (neben dem perfekten Finale, was sonst nur Breaking Bad in dieser Art und Weise gelang) der letzten Staffel dabei „The Day The World Went Away„.  Auch aufgrund des Soundtracks, welcher im Laufe der Jahre von Nine Inch Nails über The Kills mit vielen (passend-ironischen) Kleinoden aus dem alternativen Rock-Sektor aufwarten konnte.

1. STRANGER THINGS (Netflix, Season 1)

stranger-things
Die Kids aus Stranger Things. „Eleven“ Millie Bobbie Brown (ganz rechts) dabei als Komet am Nachwuchsschausspielerhimmel – (c) forbes.com

Ich liebe diese Serie. Eigentlich von Netflix als Pausenfüller (Sommerstart) geplant, wurde ST zur wohl besten neuen „original series“ des heurigen Jahres. Winona Ryder (einer meiner ersten Celeb-Crushes Anfang der 90er) schaffte dadurch ihr Comeback in Hollywood und wird im Jänner hoffentlich auch mit dem Golden Globe belohnt. Die Serie spielt im Jahre 1983 (meinem Geburtsjahr) und versetzt die Zuschauer mit einem Best-of-80s-Soundtrack auch musikalisch unmittelbar in diese Zeit. Die Mischung aus Nostalgie, Spannung, Mystery und Coming-of-Age-Story traf den Nerv der Zeit wie kaum eine andere Serie der letzten Jahre und findet daher kommendes Jahr auch seine Fortsetzung. Hier habe ich leider die Befürchtung, dass die Originalität zum Teil verloren gehen wird, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Denn es sind schon seltsamere Dinge passiert.

Review Fargo S01 & S02

Achtung: keine Spoiler. Ich habe die letzten (kränklichen) Tage unter anderem dafür aufgewendet, endlich die MGM/FX-Serie Fargo (basierend auf dem gleichnamigen oscarprämierten Film der Coen-Brüder aus den 90ern) zu bingen und damit endlich den Kommentaren zu entgehen, ich solle die Serie doch endlich schauen.

Zunächst ist zu sagen, dass Fargo (sowohl S01 als auch S02) als Limited Series vom Schauspielerensemble lebt. Und dieses ist wirklich beeindruckend. Bis in die kleinsten Nebenrollen agieren hochkarätige Schauspieler wie Bob Odenkirk (der Saul Goodman aus Breaking Bad und Better Call Saul), Elizabeth Marvel (wird in der nächsten Staffel von House of Cards die US Präsidentin spielen), Nick Offerman (der „King of Breakfast“, der für mich untrennbar mit Ron Swanson aus Parks & Rec verbunden ist), Adam Goldberg (den ich optisch stets mit Jason Schwartzman verwechsle), Keegan-Michael Key (als schusseliger FBI-Agent in der ersten Staffel) oder Kieran Culkin (der die Story von S02 in der ersten Folge ins Rollen bringt).

Billy Bob Thornton und Martin Freeman in Fargo
Billy Bob Thronton und Martin Freeman aus der ersten Staffel von Fargo (MGM/FX). (c) usatoday.com

(Noch) beeindruckender als die Nebendarsteller sind jedoch die Hauptcharaktere. Weil ich neben Serien auch Rankings aller Art liebe, habe ich nachfolgend versucht, die schauspielerischen Leistungen derer in Punkteform (von 10/10 bis 00/10) in eine gesammelte Liste zu bringen, was sich als äußerst schwierige Aufgabe herausstellte.

10/10 – Billy Bob Thornton (Staffel 01)
09/10 – Kirsten Dunst (Staffel 02)
09/10 – Martin Freeman (S01)
09/10 – Allison Tolman (S01)
08/10 – Colin Hanks (S01)
07/10 – Bokeem Woodbine (S02)
07/10 – Joan Smart (S02)
06/10 – Jesse Plemons (S02)
05/10 – Patrick Wilson (S02)
04/10 – Ted Danson (S02)

Der von Billy Bob Thornton (sozusagen der Ex-Ex-Mann von Angelina Jolie) dargestellte Lorne Malvo ist eindeutig der großartigste Charakter im Fargo-Universum. Selten kam (trotz der job description) ein Auftragskiller derart ruchlos, gefühlskalt und soziopathisch rüber. Als Belohnung für seine Leistung wurde er u.a. mit einem Golden Globe für den besten Darsteller in einer Mini-Serie oder TV Film ausgezeichnet. Kirsten Dunst – den meisten wohl als Mary Jane aus dem 00er-Spiderman-Reboot ein Begriff – folgt knapp dahinter. Da die zweite Staffel noch nicht jeder gesehen hat, verzichte ich hier bewusst auf eine nähere Charakterbeschreibung.

Patrick Wilson, der eigentliche Hauptdarsteller der zweiten Staffel (der auch in S01 vorkommt – auch hier wird auf einen Spoiler verzichtet), leidet etwas an seiner Rolle als State Trooper und hat keine wirklich großartigen Momente, was auch für Ted Danson als seinen Schwiegervater (und Sheriff) gilt. Dieses vorangegangene Ranking ist Kritik auf allerhöchstem Niveau, denn selbst die weiter hinten platzierten Schauspieler würden in den meisten network series (CBS, NBC, ABC, FOX) immer noch alle gnadenlos an die Wand spielen.

Eine spannende Storyline, kombiniert mit einer überragenden Cast, einem nicht alltäglichen winterlichen Serienszenario (zwischen den US-Bundesstaaten Minnesota, North Dakota und Kansas angesiedelt) kombinieren sich zu einem Pflichttipp für alle Serien-Aficionados. Alles in allem ist Fargo eine der besten Serien des letzten Jahrzehnts. Daher gibt es meine uneingeschränkte Empfehlung, welche als Gradmesser für Personen gelten soll, die die Serie bislang ebenfalls noch nicht gesehen haben.

Fargo gibt es in 1080p im Programm von Netflix (auch im Originalton). Die beiden Staffeln spielen zwar im gleichen Fargo-Universum, haben jedoch (fast) keine Verbindung miteinander, können daher auch getrennt voneinander geschaut werden. Im Jahre 2017 kommt die dritte Staffel ins TV, u.a. mit Ewan McGregor, Mary-Elizabeth Winstead und Carrie Coon.

Mr. Robot eps2.9_pyth0n-pt1.p7z

Die gestrige Folge von Mr. Robot war irgendwo zwischen Twin Peaks und Mulholland Drive angesiedelt. Ich will Lösungen, keine weiteren Rätsel.

Was ich aber noch sagen wollte:

Qvr trfgevtr Sbytr iba Ze. Ebobg jne snfmvavreraq. Qvr Fcrvfrxnegr rvarf Puvan Erfgnhenagf. Rva Ohpufgnorapbqr. Rvar Pbqvrehat vz EBG-13 Fpurzn. Rva qnenhf trarevregre Fngm. Rvar jrvgrer Pbqvrehat vz Urknqrmvznyflfgrz. Rvar Gryrsbaahzzre. Rvar Nqerffr. Haq nhs rvazny jne re jvrqre qn: Gleryy Jryyvpx.

Rami Malek Mr. Robot
Wo fährt er denn hin? (c) slashfilm.org

p.s.: jeder, der bei der gestrigen Folge auch nur etwas aufgepasst hat, sollte das problemlos verstehen können.

Review: Stranger Things (spoilerfrei)

Sommer. Sommerloch. Serienpause. Nein, nicht ganz. Dank Netflix und Amazon Video wird man mittlerweile das ganze Jahr über mit neuem Material versorgt. Bis zum vergangenen Sonntag wusste ich nichts über die Existenz einer Serie mit dem Namen Stranger Things. Durch die Empfehlung eines vertrauenswürdigen Freundes hat sich dies jedoch geändert.

Die Handlung spielt im Jahre 1983 (meinem Geburtsjahr, yay) und schafft es wie kaum eine andere Serie, einen nostalgischen 80er-Vibe zu verbreiten (Kleidungs- sowie Frisurtrends, Walkie-Talkies, Dungeons & Dragons und Atari). Die geniale Mischung aus einem Score, der an Tron oder Halloween erinnert sowie einem Soundtrack, der durchaus als Best of the Early 80s bezeichnet werden kann, ist für mich ein absolutes Highlight. Die Gebrüder Duffer (verantwortlich für Story und Regie, zuvor u.a. als Autoren bei Wayward Pines angestellt) geben John Carpenter und Steven Spielberg als persönliche Einflüsse an, was bereits nach eineinhalb Folgen deutlich erkennbar ist. Genre-mäßig würde ich Stranger Things als eine Mischung aus Cold Case, Alien und E.T. bezeichnen. Also als Mystery-Horror-Drama.

Die Cast wird angeführt von der mittlerweile 44-jährigen Winona Ryder (in die ich in den 90ern absolut verliebt war – wie wohl 80% aller Burschen), David Harbour (den ich durch seine Rolle als Elliott Hirsch in The Newsroom kannte), dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Matthew Modine (Pvt. Joker Davis aus Full Metal Jacket) als Bösewicht sowie einer Riege von unbekannten aber hochveranlagten Nachwuchsschauspielern.

winona-ryder-stranger-things
Winona Ryder, Weihnachtslichter und ein Alphabet an der Wand. (c) Netflix/IMDb

In nur acht Folgen schafft die Serie es, eine emotionale Nähe zu vielen Charakteren aufzubauen. Zur hysterischen alleinerziehenden Mutter, zum heruntergekommenen Polizeichef der seine Sorgen in Alkohol ersäuft, zur Highschool-Streberin die eigentlich Rebellin sein will, zum schüchternen Außenseiter der gerne mit seiner Pentax-Kamera durch die Gegend läuft.

Über die Logik mancher Handlungsstränge (remember: Mystery-Horror-Drama .. wenn ich genau darüber nachdenke auch noch mit Coming-of-Age-Elementen) darf man zwar nicht genauer nachdenken, dennoch spreche ich meine uneingeschränkte Empfehlung für diese Serie (aktuell 9.3 bei IMDb mit 19.233 Stimmen) aus. Wer also achtmal 55 Minuten opfern kann, wird dies ziemlich sicher nicht bereuen. Aufgrund der Tatsache, dass jede Folge mit einem Cliffhanger endet, wird man wohl auch nur wenige Tage dafür benötigen.

Grazie, Bud Spencer

zweiausserrandundband

Ich verbinde meine filmtechnische Kindheit mit exakt drei Namen: Michael J. Fox, Terence Hill und Bud Spencer. Letzterer ist bekannterweise gestern im Alter von 86 Jahren von uns gegangen. In meiner Kindheit hatten wir dank der Nähe zu Bayern den Luxus von fünf TV-Sendern (FS1, FS2, ARD, ZDF und Bayern 3). Der tägliche (und wöchentliche) Fernsehplan war zusätzlich elterlich begrenzt. Doch gerade an regnerischen und winterlichen Sonntagnachmittagen gab es nur eine Möglichkeit: Bud Spencer & Terence Hill Filme am Einser. Dank der gewaltlosen Handlungen (trotz Haudraufaction, Gangster, Mafiosi und Halunken gab es quasi überhaupt nie Tote) auch kinderaugengerecht. Egal ob „Zwei bärenstarke Typen“ (Spione wider Willen), „Zwei außer Rand und Band“ (Motorradcops wider Willen), „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ (Piloten), „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (Pferdediebe) und wie sie alle heißen – ich liebe diese Filme und haben sie dutzende Male gesehen. Bei manchen Filmen kenne ich sogar ganze Dialogpassagen auswendig (das wird nicht nur mir so gehen). Schlagwörter wie „der fliegende Lokus“, „Lalalalalala“, „Dune Buggy“, „Flying Through The Air“, die Schlägerei mit dem Indianer am Footballfeld, die fehlende Bananenverkaufslizenz, Bohnenfressereien am Lagerfeuer, der vermeintlich blinde Vater – ich könnte diese Liste nahezu ewig fortsetzen. Wenn ich an Bud Spencer denke, denke ich an meine Kindheit. Und ich denke gerne an meine Kindheit. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei einem der größten Italiener aller Zeiten ein letztes Mal für alle die schönen Gedanken und Erinnerungen bedanken: Grazie di tutto, Signore Pedersoli. Riposa in pace.

All Time Lieblingsserien: Platz 5-1

Wie bereits erwähnt beinhält die Top10-Verteilung zwei Serien aus den 1980ern, zwei Serien aus den 1990ern, gleich fünf aus den 2000ern und eine aus den 2010ern.

Ein kurzer Rückblick auf die Plätze 10-1:

10. Parks and Recreation
09. The A-Team
08. Mr. Bean
07. Arrested Development
06. House M.D.

Einige Beispiele für Serien, welche den Cut der Top10 knapp nicht geschafft haben: Knight Rider, Riptide, Married .. With Children, Sherlock, ALF, Doogie Howser M.D., 24, The Mentalist. Nun aber zu meinen fünf Lieblingsserien der letzten 25 Jahre. Die Wahl fiel mir alles andere als leicht.

5. The X Files (1993-2002; 2016-)
Das aktuelle Revival (Reboot?) der Serie ruft Kindheitserinnerungen (oder besser gesagt, Jugenderinnerungen) hervor. „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ lief in den 90ern immer an einem Montagabend auf PRO7 (und damals noch nicht ProSieben). Wenn man die neue Folge nicht sehen konnte (was auch technische Gründe haben konnte, nicht jeder hatte eine SAT-Anlage im Elternhaus), war man bei der Pausendiskussion am folgenden Schultag ein Außenseiter. Die Mischung aus einem zeitlosen Opening Theme und den ebenfalls zeitlosen Charakteren Fox Mulder (mir fiel die Rück-Umstellung von Mulder auf Moody auf Mulder komischerweise ziemlich leicht) und Dana Scully (bisher bester Satz der neuen Staffel: „I’m old school. Pre-Google“), gepaart mit der Wahrheit, die irgendwo da draußen ist, machte die Serie zu einer, wenn nicht DER Kultserie der 1990er. Die Einschaltquote der ersten beiden neuen Folgen (bis zu 21 Millionen inkl. zeitversetzten Viewings) in den USA beweist, dass nicht nur ich schon sehr gespannt auf die neuen Folgen war – und lässt auf zusätzliche Folgen hoffen.

4. Suits (2011-)
Zum ersten Mal kam ich irgendwann 2012 in Kontakt mit Suits. Die Serie war nämlich als Antwort in der Connection Round im Office Pub Quiz gesucht und keiner von uns hatte jemals von der Serie gehört (damals nach ca. eineinhalb Staffeln). Aufgrund der Empfehlung eines Freundes (natürlich Rechtsanwalt – WWHD) begann ich wenig später, die Serie zu bingen. Und halte sie seither für die mit Abstand coolste derzeit laufende Serie im TV. Und Harvey Specter für den coolsten Charakter im TV. Ein tolles Ensemble (Gabriel Macht, Patrick J. Adams, Rick Hoffman, Gina Torres, Meghan Markle, Sarah Rafferty), ein Top-Soundtrack (aus dem schon mehrere Songs in meiner Deezer-Playlist gelandet sind) und locker-flockig-witzige Dialoge. Dazu viele Pop Culture Referenzen, zudem Intrigen und Betrug an der Tagesordnung. Dies alles macht die Serie zur wohl meist unterschätztesten Serie im amerikanischen TV. Und das uSa-Network zu einem der unterschätztesten Networks, nicht zuletzt auch durch Mr. Robot und eventuell auch Colony. Bei dieser Serie zähle ich seit 2-3 Jahren die Tage, bis endlich eine neue Staffel (oder Midseason) anläuft. Und nicht nur ich, sondern auch ein relativ bekannter österreichischer Newsanchor.

3. MacGyver (1985-1992)
Angus MacGyver war das Fernseh-Idol meiner Kindheit (zusammen mit Michael J. Fox). Die Seriendrehbücher und die kreativ-unkonventionellen Methoden des Hauptcharakters werden heutzutage meistens belächelt („er macht aus dem Kaugummi eine Atombombe hahaha hihihi“), boten damals allerdings spannendes, jugendfreies (Sendetermin wochentags um 15:00 auf SAT1) und mitunter auch lehrreiches Fernsehen. Ich weiß zwar heute noch immer nicht, was die Phoenix Foundation für Recht und Verfassung (ein weiterer Name, den ich um 03:00 in der Früh problemlos aufsagen könnte) wirklich gemacht hat, aber MacGyver hat auf alle Fälle für sie gearbeitet. Auch hier wurde das Gesamtpaket der Serie durch ein zeitloses Opening Theme abgerundet. Und dann gab es natürlich den Erzschurken, den Oberbösewicht schlechthin: Murdoc. Normale Folgen von MacGyver waren spannend, aber Folgen mit Murdoc (insgesamt neunmal gespielt von Michael Des Barres) als Widersacher waren genau das, worauf man immer wartete und hoffte. Ich habe keine Ahnung, was aus Richard Dean Anderson wurde (der auch mal mit Kathi Witt liiert war), aber durch MacGyver werde ich seinen Namen sicherlich nie vergessen.

2. Breaking Bad (2008-2013)
Ich war kein Fan der ersten Stunde und behauptete dies auch nie. Ich konnte mir den Hal aus Malcolm Mittendrin einfach nicht als ernsten Charakter vorstellen. Die Handlung (Chemieprofessor wird mit Krebs diagnostiziert und beginnt Meth zu kochen) war für mich auch nicht besonders verlockend. Nach der 2. Staffel begann ich jedoch auch hier mit dem bingen der bisherigen Folgen, was danach folge, war purer Fanwahn. Dieser gipfelte in drei genommenen Urlaubstagen an Montagen im Jahre 2013, nur damit ich die letzten drei Folgen der Serie bereits am Montagvormittag spoilerfrei sehen konnte. Ozymandias (die drittletzte Folge) ist für mich die beste einzelne TV-Serienfolge aller Zeiten. Der perfekte IMDb-Score von 10.0 aus knapp 71.000 Votes untermauert dies. Ich habe mir diese Folge ca. 8-10 Mal angeschaut und bin noch immer jedes Mal begeistert, verängstigt und mitgenommen. Bryan Cranston hat sich hier seine vierte Emmy sowie seinen ersten Golden Globe abgeholt. Die Serie hat damals wohl ihren zweiten Emmy und ersten Golden Globe klar gemacht. Regie damals übrigens Rian Johnson, welcher selbige bei Star Wars VIII übernehmen wird. Zurück zu Breaking Bad: Walter White. Jesse Pinkman. Yo, bitch. Ich komme alleine schon bei den Namen der Hauptcharaktere ins Schwärmen. Vielen Dank an Vince Gilligan (der vorher auch Author für The X Files war) für die Erfindung dieser Serie. Vielen Dank an AMC für den life support für diese Serie, gerade am Anfang als die Einschaltquoten alles andere als berauschend waren. Die erste meiner Lieblingsszenen ist der wohl grandioseste Monolog überhaupt. Die zweite Szene stammt aus der bereits erwähnten Folge Ozymandias.

1. Lost (2004-2010)
Hier war ich ab der allerersten Folge mit dabei. Was die X Files in den 90ern waren, war Lost in den 00ern. Schon früh zeichnete sich das Sucht- und Kultpotential dieser Serie ab. Eine der ersten Serien mit einem eigenen Wikipedia (Lostpedia). Eine Serie, bei der ich mitunter über 50 Episode Titles auswendig kannte (wieso auch immer). Eine Serie, bei der mehr Geheimnisse aufgeworfen als gelöst wurden: die unauffindbare Insel, Eisbären, das Smokemonster, Unsterbliche, Zeitreisende. Flashbacks, Flash Forwards. Alternative Zeitlinien. Charaktere mit den Namen von Philosophen (wie etwa John Locke). Ich habe keine Ahnung, wie man auf solche Dinge kommen kann, ich bin nur froh, dass Carlton Cuse und Damon Lindelof (zusammen mit JJ Abrams) so verrückt waren. Auch hier war die Ausgeglichenheit der Cast ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Serie, denn jeder hatte seinen eigenen Lieblingscharakter aus dem riesengroßen Ensemble (bei mir waren dies Desmond und Daniel). Die Serie war ursprünglich nur für zwei bis drei Staffeln konzipiert, daher war irgendwann nach fünf Staffeln klar, dass sich alles irgendwie nicht mehr so richtig lösen lassen würde oder alles aufgeklärt werden kann. Dies tat der Spannung und meiner Begeisterung allerdings sehr lange keinen Abbruch. Nur eines möchte ich an dieser Stelle anmerken: das Serienfinale hat für mich nie stattgefunden, weil es irgendwie auch der easiest way out aus dem selbst-kredenzten Chaos war. Dennoch werde ich für immer ein Lostie bleiben. Meine absolute Lieblingsszene wird die erste bleiben, welche völlig unerwartet und unvermittelt die Flash Forwards einführte.

All Time Lieblingsserien: Platz 10-6

Ich verfüge mittlerweile über ein knappes Vierteljahrhundert an TV-Erfahrung.
Grund genug um in mich zu gehen und mir zu überlegen, wie das persönliche Ranking meiner Top 10 TV-Lieblingsserien aller Zeiten aussehen könnte. Grundbedingung dafür ist (logischerweise) jede Folge einer Serie (teilweise mehrmals) gesehen zu haben, Stunden damit verbracht zu haben, die besten Szenen auf YouTube und Konsorten immer wieder anzusehen und selbstverständlich auch diverse Passagen in- und auswendig zu kennen.

Die Verteilung meiner Liste beinhält zwei Serien aus den 1980ern, zwei Serien aus den 1990ern, gleich fünf aus den 2000ern und eine aus den 2010ern. Aber nun will ich euch nicht mehr auf die Folter spannen. Los geht’s mit dem ersten Teil dieses eigentlich unmöglichen Versuchs:

10. Parks & Recreation (2009-2015)
Eine von drei Comedy Serien auf dieser Liste hatte ich lange nicht im Blickfeld, erst aus Langeweile begann ich im Sommer vor drei Jahren die erste Staffel nachzuholen. Parks & Rec stammt aus der Feder von Michael Schur und Greg Daniels, die auch schon für The Office US sowie SNL zusammengearbeitet haben. Zudem ist Schur auch der Creator von Brooklyn Nine-Nine, einer meiner absoluten Lieblingsserien der letzten drei Jahre. Chris Pratt, Aubrey Plaza, Amy Poehler, Adam Scott, Rashida Jones, Nick Offerman, Rob Lowe und Aziz Ansari. In wenigen Jahren wird man sich fragen, wie man eine derartige All-Star-Cast über 125 Folgen bzw. sieben Staffeln hinweg zusammen halten konnte. Meine beiden Lieblingsszenen sind stellvertretend für hunderte komisch-abstruse Momente, welche man dieser Serie zu verdanken hat. Go Pawnee!

9. The A-Team (1983-1987)
Hannibal, B.A., Murdock und Faceman. Die Namen der Mitglieder des A-Teams würde ich auswendig kennen, wenn man mich um 03:00 in der Früh aufweckte. Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass die Serie Ende der 80er bzw. Anfang der 90er immer am Samstagabend im ARD lief. Durch die Nähe zu Bayern waren wir in Ried damit gesegnet, nicht nur FS1 und FS2, sondern auch ARD, ZDF und Bayern 3 über Antenne empfangen zu können (später auch RTL Television und SAT1 – von der Qualität her je nach Wetterlage). Wie die letzten Zeilen schon deutlich machen, erinnert mich das A-Team stark an meine Kindheit. Unendliche Schusswechsel, Explosionen und Schlägereien ohne Verletzte oder Tote – durch diesen Umstand erlaubte es mir meine Mama auch schlussendlich, diese Serie im Volksschulalter anzuschauen. Lieblingscharakter? Faceman. Erklärung dafür? Nicht wirklich. Lieblingsszene? Jedes mal, wenn das A-Team in ein Flugzeug musste…

8. Mr. Bean (1990-1995)
Jedes Mal (wohl bis an mein Lebensende) werde ich an diese eine Mr. Bean Folge denken, wenn ich Beef Tartare auf einer Speisekarte lese oder serviert bekomme. Jedes Mal, wenn ich Austern an einem Buffet sehe, werde ich an diese eine Mr. Bean Folge denken. Jedes Mal, wenn jemand einen Truthahn auf dem Kopf hat .. na gut, das passiert nicht wirklich. Aber Thanksgiving ist trotzdem untrennbar mit dieser einen Mr. Bean Folge verknüpft. Durch die ständige Wiederholung der Serie als Lückenfüller zwischen Schifahren und Schispringen oder als Ersatzprogramm für abgesagte Sportevents für einen Zeitrahmen von nahezu einem Jahrzehnt (oder länger) kennt jeder zumindest eine handvoll bestimmter Szenarien dieser Serie, welche in Großbritannien damals kein großer Erfolg war. Die Serie schaffte es durch die Erzählstruktur auch ständig, dass man Mitleid mit einem Ungustl hatte – beispielsweise bei der Zerstörung seines geliebten Autos. Und dann gab’s auch noch Teddy, den tollsten Teddybären der 90er Jahre. Zwei meiner Lieblingsszenen habe ich bereits erwähnt. Es geht jeweils ums Essen.

7. Arrested Development (2003-2014)
Für AD gilt ähnliches wie für Parks & Rec: Jason Bateman, Will Arnett, Jeffrey Tambor, Tony Hale, David Cross, Michael Cera, Portia de Rossi, Jessica Walter und Alia Shawkat. Hier waren viele Schauspieler vereint, die sich mittlerweile zurecht Emmy- und Golden Globe-Sieger nennen dürfen. AD hatte in der ersten Hälfte der 2000er Skurrilität und Absurdität fast neu erfunden. Die Serie war von Beginn an ein Darling aller Kritiker, konnte sich jedoch beim normalen Fernsehpublikum nicht durchsetzen und wurde nach nur drei Staffeln von FOX abgesetzt. Auch bei mir dauerte es einige Jahre, bis ich die Serie per Nonstop-Binge aufgeholt hatte. Die 2014 von Netflix ausgestrahlte vierte Staffel konnte durch die Erzählstruktur leider nicht wirklich an die Genialität von früher anknüpfen. Staffel 5 ist jedoch in Planung und laut Creator Mitch Hurwitz soll diese wieder enger an die Ursprünge anknüpfen. Meine zwei Lieblingsszenen sind zwei perfekte Beispiele für das Potpourri an Gags: einmal total absurd, einmal per Wortspiel.

6. House M.D. (2004-2012)
Es gibt/gab Arztserien und es gab House. Obwohl alle Folgen nach Schema F (keiner hat einen Plan, dann hat House eine Idee, liegt aber daneben, der Patient stirbt fast und am Ende hat House dann doch noch eine Idee und kann den/die PatientIn retten) aufgebaut waren, war es einfach erfüllend die Geschichte dieses stets schlecht gelaunten und fiesen aber genialen Charakter über Jahre hinweg verfolgen zu können. Die exzellente Supporting Cast (Robert Sean Leonard, Lisa Edelstein, Omar Epps, Jesse Spencer, Jen Morrison, Olivia Wilde uvm.) fügte sich ebenfalls perfekt in die Welt des Princeton Plainsboro Hospitals ein. Dennoch: Hugh Laurie ist House und wird es auch immer bleiben. In meiner ersten Lieblingsszene teile ich House’s Meinung („I love this part“) und auf das Ende der zweiten Szene wartete ich (okay, vermutlich nicht nur ich) jahrelang, bis es endlich Wirklichkeit wurde.

Am Wochenende folgen dann meine Plätze 5-1. Es fehlt noch eine Serie aus den 80ern, eine Serie aus den 90ern, zwei Serien aus den 00ern und eine Serie aus den 10ern.

Meine Top10 Filme des Jahres 2015

Alle Filme in der folgenden Liste wurden zwischen 1.1.2015 und 29.12.2015 gesehen. WHIPLASH (der in vielen anderen Bestenlisten vorkommt) habe ich bereits auf der Viennale 2014 sehen können und war daher schon mein unangefochtener Film des Vorjahres. Den selben Titel konnte sich im Jahr davor DRIVE holen. Nicht in die Liste schaffte es BIRDMAN, mit dem ich bis heute einfach nichts anfangen kann. FOXCATCHER wäre einer von mehreren Kandidaten für den 11. Platz, den es allerdings nicht gibt. Nachfolgend nun meine persönlichen Highlights aus dem aktuellen Kinojahr.

10. KINGSMAN: THE SECRET SERVICE
Kick-Ass meets James Bond. Kein Wunder, wenn es sich dabei um den Regisseur des erstgenannten Films handelt. Eine überdrehte Gewaltorgie auf Speed mit viel Witz und exzellenten Schauspielern wie Oscar-Preisträger Colin Firth, der sich angenehm aus seinem sicheren Dramafach herauswagt. Einer der Überraschungserfolge des Jahres, welcher naturgemäß einen Nachfolger bekommen wird.

09. ME AND EARL AND THE DYING GIRL
Es gibt ihn eigentlich jedes Jahr. Den low-budget Indie-Film, der mit größtenteils komplett unbekannten Schauspielern ausgestattet ist und dich zum lachen und weinen bringt und einfach angenehm unkonventionell ist. Heuer heißt dieser „Me And Earl and the Dying Girl“ (Ich und Earl und das Mädchen) und folgt damit der Tradition von Filmen wie „Safety Not Guaranteed“ oder „The Perks Of Being A Wallflower“.

lead_960
(c) TheAtlantic.com, all rights reserved

08. TRAINWRECK & SPY
Da ich mich nicht für eine Komödie in dieser Liste entscheiden konnte, nehme ich einfach meine beiden Lieblingskomödien aus diesem Jahr zusammen hinein. Amy Schumer und Melissa McCarthy haben gemeinsam, dass so ziemlich viele Menschen sie nervig finden. Dennoch haben beide einen Stempel auf die Comedyszene der letzten Jahre gesetzt. Beide Filme sind derb, obszön und haben einige WTF-Momente. Beide Filme zusammen wurden auch etwa für vier Golden Globes nominiert, darunter beide Hauptdarstellerinnen.

07. EX MACHINA
(Im Grunde) nur drei Schauspieler (Alicia Vikander, Oscar Isaac, Domhnall Gleeson – allesamt brilliant), ein ziemlich nah-zukunftliches Ausgangsszenario, einige Horror-Elemente und der dazu passende Soundtrack. Alex Garland, der Experte für dystopische Szenarien (28 Days Later, Sunshine) hat erneut zugeschlagen. Zusammenfassend mit einem Wort: beklemmend.

ex-machina-cast-wallpapers
(c) neodystopia.com, all rights reserved

06. SICARIO
Nach Prisoners habe ich mich schon länger auf den nächsten Film des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve gefreut. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Sicario ist spannend, realistisch und brutal. Aber ich hatte mir eigentlich erwartet, dass er noch spannender und noch brutaler ist. Auch davon abgesehen bin der Meinung, dass der Film nicht sein volles Potential ausschöpfen kann. Dies ist allerdings als Kritik auf hohem Niveau einzustufen. Starke Vorstellung von Benicio Del Toro. Des Weiteren mausert sich Emily Blunt immer mehr zu einer meiner Lieblingsschauspielerinnen.

05. STAR WARS: THE FORCE AWAKENS
Irgendwie der Feelgood-Moment des Jahres. Wenn ein Film, der eigentlich (storytechnisch, nicht kommerziell) nur ein Flop werden kann, dennoch alle (niedrigen) Erwartungen übertrifft (obwohl diese durch die positiven Reviews wieder deutlich in die Höhe gehoben wurden), dann lässt einen dies wieder an Sequels (und vielleicht sogar an Prequels) glauben. Und auf jeden Fall auf Teil VIII freuen, dessen Regiearbeit von Rian Johnson (Looper; Breaking Bad – Ozymandias) übernommen werden wird.

04. MAD MAX: FURY ROAD
Ich war nie ein Fan der Mad Max Reihe. Aber dieser Film ist derart freakig, überdreht und brutal, sodass sich dies wohl ändern wird. Charlize Theron mit ihrer besten Darbietung seit Monster (eventuell sogar besser) und Tom Hardy als wortkarger Held/Antiheld. Stars in diesem Film sind dennoch die visuellen CGI-Effekte, mit denen die dystopischen Landschaften zum Leben erweckt wurden. Nicht zu vergessen auch das Makeup und die schrägen Kostüme. Ein Bilderbuch-Reboot eines Klassikers.

FURY ROAD
(c) collider.com, all rights reserved

03. THE MARTIAN 
Kein anderes Buch habe ich 2015 so schnell verschlungen wie Andy Weirs nerdigen Sci-Fi-Roman „The Martian“. Bei keiner anderen Verfilmung in 2015 habe ich mich daher so vor einer miesen Verfilmung gefürchtet. Zudem war Ridley Scott seit Gladiator nicht gerade für überragende Filme bekannt, hat aber mit dem Marianer das Ruder herumreißen können. Selbiges gilt für Matt Damon in seiner besten Rolle seit Jahren. Wie schon bei „Gone Girl“ im Vorjahr also eine sehr gelungene Bestsellerverfilmung. Selbiges ist für „The Girl On The Train“ im kommenden Jahr zu hoffen.

02. THE REVENANT
Rutscht dank einer Vorpremiere schon in diese Liste. Kein anderer Schauspieler blutete, spuckte und frierte in diesem Jahr so schön wie Leo DiCaprio. Daher wird er sich 2016 wohl auch (endlich) seinen ersten Oscar abholen können. Sicherlich nicht für seine beste Rolle, aber nach fünf erfolglosen Versuchen wird hier auch der Inarritu- und der Gesamtwerk-Faktor einfließen. Obwohl er in diesem Film wohl so wenige Textzeilen hat wie in keinem anderen Film. Ansonsten: Tom Hardy ist der hassenswerteste Antagonist des Jahres in diesem Film, der nicht wirklich für Pferdefreunde geeignet ist.

01. INSIDE OUT
Pixar hat es schon wieder getan. Nämlich erwachsene Männer zum schluchzen zu bringen. Kein anderes Filmstudio schafft es nämlich, Storys zu erzählen welche gleichzeitig kindergerecht sind, aber auch den Nerv der Erwachsenen treffen. Muss dank Amy Poehler unbedingt auf Englisch gesehen (und gehört) werden. Sollte den Animations-Oscar im Februar eigentlich sicher in der Tasche haben. Alles andere wäre für mich eine Riesenüberraschung, trotz der erwartet harten Konkurrenz von Anomalisa. Der erste Animationsfilm, der den Spitzenplatz (oder generell einen Spitzenplatz) auf meiner Jahresbestenliste einnimmt.

insideout556500e6a2be0-2040-0
(c) Pixar via theverge.com, all rights reserved

Trivia: ein Schauspieler spielt gleich in drei meiner Top10 des Jahres mit: Domhnall Gleeson (Ex Machina, Star Wars, The Revenant). Er würde es (den Reviews nach) wohl sogar auf vier schaffen, wenn ich BROOKLYN schon gesehen hätte.

2016 freue ich mich (u.a.) am meisten auf:
The Hateful Eight, Room, Spotlight, The Big Short, Brooklyn, Anomalisa, The First Avenger: Civil War, Suicide Squad, Deadpool

Serienrückblick 2015

Top10:

  1. Mr. Robot S1 (USA)
  2. The Leftovers S2 (HBO)
  3. Better Call Saul S1 (AMC)
  4. Jessica Jones S1 (Netflix)
  5. Suits S5 (USA)
  6. Bloodline S1 (Netflix)
  7. The Affair S2 (Showtime)
  8. Homeland S5 (Showtime)
  9. Ray Donovan S3 (Showtime)
  10. Unbreakable Kimmy Schmidt S1 (Netflix)

Flop5:

  1. True Detective S2 (HBO)
  2. The Brink S1 (HBO)
  3. Aquarius S1 (NBC)
  4. The Following S3 (FOX)
  5. Two And A Half Men S45345 (CBS)

Unerwartete Serienmomente

Ich möchte diesen Eintrag sofort mit einer massiven [SPOILER] Warnung beginnen. Es geht nämlich um die unerwartetsten, schockierendsten Wendungen, Überraschungen und Ereignisse meiner Lieblings-TV-Serien der letzten 15 Jahre.

Uns passiert schon nix. (c) goldderby.com, all rights reserved
Uns passiert schon nix. (c) goldderby.com, all rights reserved

Game of Thrones – The Rains of Castamere (S03E09)
Diese Folge von GoT ist allgemein besser als „Red Wedding“ bekannt. George RR Martin ist für seine wenig zimperliche Art bekannt, Hauptcharaktere ohne mit der Wimper zu zucken umzubringen. In der neunten Folge der dritten Staffel wird dieses Konzept jedoch auf die Spitze getrieben. Zwei integrale Hauptcharaktere werden auf einer Hochzeit in einen Hinterhalt gelockt und auf brutale Art und Weise aus der Serie geworfen. Ich kann mich noch erinnern, als ich diese Folge geschaut habe, habe ich mir unmittelbar danach gedacht: wie bitte? Ein Freund hatte mir Monate davor über eine Szene aus „Song of Ice and Fire“ erzählt, bei der er zurückblättern musste, weil er nicht glauben konnte, was er da gerade lesen musste. Ladies and Gentleman: die Bluthochzeit. Tipp am Rande: auf Youtube danach suchen, es gibt hunderte von Videos von schockierten GoT-Sehern, die von ihren Buch-lesenden Freunden gefilmt wurden.

Wiesoooo? (c) personofinterestdiscussion.com, all rights reserved
Wiesoooo? (c) personofinterestdiscussion.com, all rights reserved

Person of Interest – The Crossing (S03E09)
Ein bloßer Zufall, dass diese Folge die gleiche Episodenfolge wie meine #1 in diesem Ranking trägt? Absolut. Nichtsdestotrotz kam der Tod einer der Hauptfiguren in dieser Serie fast noch überraschender. POI ist eine von Jonathan Nolan (der Bruder von Chris, der auch für viele der Drehbücher seiner Filme verantwortlich ist) konzipierte Serie, welche im deutschsprachigen Raum leider völlig unter dem Radar fliegt. Einzelne Folge haben ausgeklügeltere Drehbücher und Wendungen als manche Hollywoodfilme, dazu kommen exzellente Schauspieler (stellvertretend sei hier Emmy-Gewinner Michael Emerson erwähnt, bekannt als Benjamin Linus aus Lost) und ein roter Faden, der sich nicht nur durch die Staffeln zieht, sondern auch für so manche „Aha-Effekte“ sorgt. In besagter Folge wird Joss Carter (gespielt von der brillianten Oscar-nominierten Taraji P. Henson) kurz vor Ende einer Episode wie aus heiterem Himmel auf offener Straße erschossen. Auch hier hab ich kurz pausieren müssen, weil ich nicht glauben konnte, was da gerade passierte.

Wieso will er mich in der U-Bahn treffen? (c) popsugar.com, all rights reserved
Wieso will er mich in der U-Bahn treffen? (c) popsugar.com, all rights reserved

House of Cards – Chapter 14 (S02E01)
Die Redewendung „da fährt der Zug drüber“ kennt jeder. Genau dies passiert in Chapter 14 von HoC. Zoe Barnes, einer der drei Hauptcharaktere (von der bezaubernden Kate Mara verkörpert), wird von Frank Underwood gleich am Ende der ersten Folge der zweiten Staffel vor einen einfahrenden U-Bahn-Zug gestoßen. Die Investigativjournalistin musste mit ihrem Leben dafür bezahlen, dass sie den Whip immer mehr unter Druck setzen wollte. Der Tod an sich kam wenig überraschend, der Moment dafür umso mehr. Im Nachhinein konnte man sich allerdings leicht erklären, wieso Underwood in einem toten Winkel, mit Trenchcoat und Hut bekleidet, auf Barnes gewartet hatte.

Er weiß noch nicht, was gleich folgt. (c) Breaking Bad Wikia, all rights reserved
Er weiß noch nicht, was gleich folgt. (c) Breaking Bad Wikia, all rights reserved

Breaking Bad – Face Off (S04E13)
BB war bei der Betitelung seiner Folgen immer herrlich subtil. Denn hier passiert genau dies, was der Episodentitel aussagt. Literally. Gus Fring, der nette Herr von Los Pollos Hermanos turned Drogen-Kingpin von New Mexico, verliert nämlich sein Gesicht. Figuratively. Ausgetrickst von Tio Salamanca und Walter White, wird er in eine Falle im Altersheim gelockt und von einer im Rollstuhl von Tio versteckten Rohrbombe weggeblasen. Scheinbar unverletzt geht er aus dem Raum (übrigens: wieso verwechseln derartig viele Menschen die Wörter „anscheinend“ und „scheinbar“?), nur um durch die Kameraführung darauf hingewiesen zu werden, dass ihm das halbe Gesicht und andere Körperteile fehlen. Man hatte schon länger im Gefühl, dass entweder WW oder Gus das Zeitliche segnen würden. Weil aber eine Serie eher schlecht ohne den Hauptcharakter funktioniert, war das Geschehene im Endeffekt eigentlich logisch.

Jack will zurück auf die Insel. (c) lost-media.com, all rights reserved
Jack war damals schon ein Hipster. (c) lost-media.com, all rights reserved

Lost – Through The Looking Glass Part II (S03E22)
Lost war die erste Serie, nach der ich wirklich süchtig wurde. Die Mischung aus Thriller, Fantasy und Verschwörungstheorien traf damals genau den Zeitgeist und bediente sich verschiedenster Elemente erfolgreicher Serienunterhaltung. Aus dieser Episode, dem Staffelfinale der 3. Staffel, wird mir auf Ewigkeit folgender Satz in Erinnerung bleiben „We have to go back, Kate, we have to go back!„. In diesem Moment hatten Abrams, Lindelof und Co. gerade den so genannten Flash Forward „erfunden“. Bisher hatte die Serie den Handlungsstrang der Gegenwart erfolgreich mit Flashbacks verwirrt, ab diesem Moment wusste man im Grunde gar nicht mehr, ob eine Szene nun in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der Zukunft stattfinden würde. In dieser Folge ging man zunächst davon aus, dass Kate (gespielt von Evangeline Lilly, meinem damaligen celeb-crush) und Jack (gespielt von Matthew Fox, u.a. bekannt aus Party of Five) sich schon vor dem Flugzeugabsturz gekannt hatten, was allerdings schlagartig für null und nichtig befunden wurde. Lost wird für mich immer eine what-if Serie bleiben. Zunächst eigentlich für drei Staffeln konzipiert, wurden im Endeffekt erfolgsbedingt sieben Staffeln gedreht, die irgendwann leider nicht mehr viel Sinn ergaben. Viel zu viele Dinge wurden aufgeworfen und konnten dann aber nicht mehr aufgeklärt werden. Und zum Serienfinale werde ich bis in alle Ewigkeiten schweigen. Einer der enttäuschendsten Serienmomente der TV-Geschichte.