Website auf emprechtinger.com

Nicht nur ich selber bin letztes Jahr umgezogen – meine Website hat es mir im April 2018 nachgemacht. Diese findet ihr seither unter emprechtinger.com – irgendwann in naher Zukunft werde ich es auch hoffentlich schaffen, die Beiträge von hier zu migrieren. Dann werdet ihr diesen Beitrag auch nicht mehr lesen (können).

Freizeitbad Ried: Das teuerste Bad Oberösterreichs

Nach knapp viereinhalb Jahren hallenbadloser Zeit wird am 8. Februar 2018 (voraussichtlich) das langerwartete neue Freizeitbad in der Volksfeststraße in Ried im Innkreis öffnen. In der Gemeinderatssitzung vom 17. Oktober 2017 wurden einstimmig die Öffnungszeiten und die Tarifstaffel beschlossen.

Eine Studie des Freizeitbads Ried – (c) freizeit-ried.at via nachrichten.at

Dabei heißt es im offiziellen Protokoll dieser Sitzung:

Herr Eichhorn erläutert in der Sitzung des Stadtrates vom 5. Oktober 2017 die Tarife für das Freizeitbad. Nach eingehender Diskussion wurden nachstehend angeführte Tarife für das Freizeitbad dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgeschlagen. Eine Beschlussfassung ist bereits jetzt erforderlich, da der Vorverkauf der Geldwertkarten und Gutscheine noch vor Weihnachten anlaufen soll. Die Eröffnung ist im Februar geplant.

Viele lokale Medien wie etwa das TIPS (im Artikel von Walter Horn vom 24. Oktober 2017) wurden ob dieses Beschlusses stutzig. Grund dafür: das Freizeitbad Ried bietet keine gewöhnlichen 10er-Blöcke für Bad und Sauna an. Noch seltsamer: es gibt zudem keinerlei Monats-, Saison- oder Jahreskarten.

Das Preisniveau für Kurzzeitkarten (60-120 Minuten) und Tageskarten für Bad / oder Sauna / oder Bad und Sauna ist oberösterreichweit unangefochten an der Spitze. Allerdings im negativen Sinne. Egal ob städtischer Raum (u.a. Linz, Wels, Steyr) oder ländlicher Raum (u.a. Freistadt, Haibach, Spital am Pyhrn) – kein anderes Hallen- bzw. Freizeitbad verlangt derartig exorbitant hohe Tarife von seinen Kunden.

Eine Tabelle mit den gesammelten Preisen für Kurztarif Bad, Tageskarte Bad, Jahreskarte Bad, Tageskarte Sauna sowie Jahreskarte Sauna kann hier heruntergeladen werden. Die Preise wurden den jeweiligen Webseiten entnommen, sind auf dem Stand des 22. November 2017 und natürlich ohne Gewähr. Ich erhebe zudem keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Mit dem Tageskartenpreis von € 9,- für das Rieder Freizeitbad kann man beispielsweise zwei volle Tage in irgendein Bad in Linz oder Traun oder Vöcklamarkt oder Kirchdorf an der Krems gehen. Wenn man 60-90 Minuten schwimmen gehen will, zahlt man in Ried € 6,-. Dafür kann man in Traun, Pregarten oder Kirchdorf an zwei Tagen für diese Dauer seine Bahnen ziehen.

Richtig interessant wird es jedoch erst bei konkreten Rechenbeispielen (welche ich stets auf Erwachsene beziehe):

  • Wer einmal pro Woche für eine Stunde schwimmen gehen will, zahlt in Ried € 312,- (bei Verwendung von Bonuskarten reduziert sich der Betrag auf € 259.50,-). Mit Ausnahme von Linz (€ 392,- – dafür kann man dort allerdings in jedes Bad der Linz AG gehen) bekommt man für diese Summe in JEDEM oberösterreichischen Hallenbad eine Jahreskarte.
  • Wer 100x pro Jahr schwimmen geht, zahlt in Ried schon € 600.00,- (bzw. wiederum nach Abzug der Bonuswerte € 490,-). Dafür bekommt man in den meisten oberösterreichischen Hallenbädern bereits eine Jahreskarte für sich und seine/n PartnerIn.
  • Wer einmal pro Woche in die Sauna geht, muss in Ried für den Abendtarif stolze € 15,- berappen. Auf das Jahr hochgerechnet sind dies € 780,-. Man ziehe wieder die Bonuswerte ab: € 647.50,- .. in jedem anderen oberösterreichischen Hallenbad mit Sauna bekommt man dafür eine Jahreskarte für die Sauna. In vielen Gemeinden (wie etwa Vöcklamarkt, Losenstein oder Spital an der Pyhrn) bekommt man dafür sogar wiederum eine Jahreskarte für PartnerIn und sich selber.
  • Wer 100x pro Jahr in die Sauna will – für dieses Rechenbeispiel wird der Dreistundentarif von € 18.50,- verwendet – kommt bereits auf exorbitante € 1850,-.. Die € 1490,- abzüglich der Bonuswerte sind im Vergleich dazu schon fast ein Schnäppchen. In Linz bekommt man dafür Jahreskarten für drei Personen, in Steyr kann man sogar vier Personen mit einer Jahreskarte ausstatten.

Die Mathematik ist hier relativ klar. So lange keine Jahres- oder Saisonkarten angeboten werden, steigen die anfallenden Kosten linear, je öfter man das Angebot des Hallenbads oder der Sauna in Ried in Anspruch nehmen will. Mit Ausnahme von Braunau, Ebensee und Spital am Pyhrn bieten alle anderen betrachteten oberösterreichischen Bäder jedoch Saisonkarten an. Diese haben aus Betreibersicht eigentlich auch einen finanziellen Anreiz: sie bringen Planungssicherheit und akzeptable Preise führen auch dazu, dass sich viele Menschen eine Jahreskarte leisten obwohl sie das Angebot vielleicht gar nicht regelmäßig in Anspruch nehmen wollen. Analog zu Fitnesscentern.

Meine logische Schlussfolgerung: man setzt ganz stark auf Gelegenheitsbesucher, die sich weder mit Preisen beschäftigen noch regelmäßig in Bad oder Sauna gehen wollen. Erstaunlicherweise erwartet man sich im dritten Betriebsjahr (und nicht wie vorher fälschlicherweise behauptet im ersten Betriebsjahr) aber 115.000 Besucher (315 pro Tag). Im letzten Jahr im alten Hallenbad waren es nur knapp 43.000 Gäste (118 pro Tag). Quelle dafür ist der Artikel von Thomas Streif in den OON am 16. November 2017.

Die Hauptklientel des alten Hallenbads in Ried waren hingegen Hobby- sowie Sportschwimmer und regelmäßige Saunagänger. Es wird sich daher herausstellen, ob diese gewillt sein werden die geforderten Preise zu zahlen oder sich um Alternativen umsehen. Ich bin früher (primär im Winter) ebenfalls regelmäßig 60 bis 90 Minuten schwimmen gegangen, daher interessiert mich diese Thematik (durch meine Heimkehr nach Ried) auch persönlich. Doch bevor ich meinen Artikel abschließe, will ich noch einige Fragen in Richtung der Stadtgemeinde Ried aufwerfen:

Wer hat die Tarife entworfen und warum hat der Gemeinderat (offensichtlich ohne jeglichen landesweiten Vergleich) diesem Entwurf einstimmig (!) zugestimmt?

Wieso bietet man keinerlei Monats-, Saison- oder Jahreskarten sowie 10er-Blöcke für Bad und/oder Sauna an? 

Wen genau will man mit diesen Preisen in das Freizeitbad locken? Die Therme Geinberg (€ 35.20,- für eine Tageskarte Bad/Sauna) und das Aquapulco in Bad Schallerbach (€ 35.50,- für die Kombikarte) sind jeweils innerhalb einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar. Dort wird allerdings um einiges mehr angeboten. 

Was erhofft man sich davon, dass man sich den Ruf als das teuerste Freizeitbad Oberösterreichs (und vermutlich auch Österreichs) einhandeln wird?

Wieso wird das Bad von einem Unternehmen aus der Nähe von München (GMF) betrieben? Ist es wirklich notwendig gewesen, Know-How aus dem Ausland zu Rate zu ziehen oder hätte man hier auch eine österreichische Lösung treffen können? 

Wieso wird diese skandalöse Tarifgestaltung von den regionalen Medien nicht in aller Deutlichkeit an den Pranger gestellt? 

Dahoam is dahoam

Dahoam is dahoam,
Wannst net fort muaßt, so bleib;
Denn d’Hoamat is ehnter
Der zweit Muaderleib

So die letzte Strophe der oberösterreichischen Landeshymne von Franz Stelzhamer. Der Dichter und Novellist wuchs in Großpiesenham auf, knapp 8 km südwestlich von Ried im Innkreis gelegen. Auf einem der größeren Plätze im Stadtzentrum – dem Stelzhamerplatz – ist ihm auch ein Denkmal gewidmet – nomen est omen.

Um an diese Einleitung anzuknüpfen: nach dem Abschluss meines Studiums an der FH Salzburg mit der Spezialisierung in Marketing und Medienmanagement musste ich eben aus meinem Heimatland weg. Denn zum damaligen Zeitpunkt, vor über zehn Jahren, gab es außerhalb der Landeshauptstädte kaum attraktive Marketingjobs in der Internetbranche. Deswegen fokussierte ich mich bei meiner Jobsuche auf Salzburg, Innsbruck und Graz. Diese drei Städte waren mir nicht zu groß (Wien), nicht zu nah (Linz), nicht zu weit (Klagenfurt) oder zu klein (alles andere in Österreich).

Von Ried nach Graz

Im Endeffekt landete ich dann bei sms.at in Graz, mitten im Herzen der Murmetropole im Palais Saurau (besser bekannt als das Gebäude mit dem „Türken“). Sechs Jahre lang arbeitete ich nicht nur in der Sporgasse, sondern bewohnte auch eine 40m²-Wohnung im Gebäude mit der Hausnummer 7.  Ich nannte das Flann O’Brien in der Murgasse mein Wohnzimmer und den Schloßberg meinen Garten.

Aufgrund der Zentralität der Lage benötigte ich nicht einmal ein Auto oder Fahrrad, 95% der Wege konnte ich zu Fuß oder mit der Straßenbahn zurücklegen. 2013 zog ich dann aus der Inneren Stadt (Graz I) ins nördlich anknüpfende Geidorf (Graz III) um – keine 15 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt aber dennoch bedeutend ruhiger und grüner. Man wird ja älter.

Knapp ein Jahrzehnt (mathematisch gesehen 28% meines Lebens) habe ich als Einwohner mit Hauptsitz in der Stadt Graz verbracht. Von Dezember 2007 bis August 2017. Denn Anfang Juli dieses Jahres habe ich die Zusage für eine äußerst interessante Stelle bei der N!N pro GmbH in Ried bekommen. Dort beschäftige ich mich primär mit Suchmaschinenoptimierung und dem Projekt- bzw. Produktmanagement einer äußerst spannenden und innovativen SaaS-Lösung namens SyncSpider.

Mein Leben in der Murmetropole

Immer wieder werde ich (nach nur einem Monat) von Freunden und Bekannten jedoch gefragt, ob mir Graz fehlt. Natürlich fehlt mir Graz. In unbestimmter Reihenfolge fehlen mir die lauen Sommernächte im Parkhouse, die wunderbare Kombüse (mit den Stammgästen Stermann & Grissemann), die Nähe zur südsteirischen Weinstraße, die mögliche Auswahl aus unzähligen Pizzerien und Steakhäusern, das internationale Flair der irisch/englischen Pubs wie etwa O’Carolan’s, Flann O’Brien oder Bar28 und das Pubquiz im Office Pub.

Mir fehlen die Konzerte und Konzertmöglichkeiten in Orpheum, p.p.c., Postgarage, Kasematten, Messe und Stadthalle. Mir fehlen meine Laufstrecken entlang der Mur und durch den Hilmteich/Leechwald. In Graz habe ich für den ersten Marathon meines Lebens trainiert und diesen im Oktober 2015 auch erfolgreich absolviert. Ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Auch mehrere Länderspiele habe ich in der UPC Arena (nunmehr Merkur Arena) mitverfolgt, u.a. gegen Lettland und Schweden sowie ein U21 Länderspiel zwischen Österreich und Spanien (mit Morata, Carvajal, Saúl und Jesé).

Österreich Lettland UPC Arena
Österreich gegen Lettland. 3-1 und drei Ausschlüsse in einem Freundschaftsspiel in der UPC Arena.

Außerdem fehlt mir das politische Klima (ins Besondere) meines Heimatbezirkes Geidorf, in dem die FPÖ im Februar 2017 nur knapp 10% aller Stimmen erhalten hat. Im Jahr zuvor hat Norbert Hofer auch nur 21.7% der möglichen Stimmen erhalten, Bundespräsident Alexander Van der Bellen die restlichen 78.3%.

Ergebnis Gemeinderatswahl Graz-Geidorf 2016

Und zu guter Letzt fehlen mir natürlich viele langjährige Freunde – und Bekannte bzw. Kollegen, die über die Jahre hinweg ebenfalls zu Freunden geworden sind. Wenn ich darüber sinniere, was mir alles fehlt, dann werde ich sogar kurzzeitig eiwändi, wie man in Oberösterreich sagt und was wohl am besten mit „melancholisch“ zu übersetzen ist.

Von Graz nach Ried

Doch ich habe mich entschieden. Nun bin ich zurück in meiner Heimatstadt, der Stadt in der ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin, der Stadt in der ich meine (bis heute) besten Freunde kennen gelernt habe. Im Gegensatz zu einigen anderen Freunden habe ich Ried bis heute auch nie wirklich vollständig verlassen, war aufgrund meiner akut masochistischen Liebe zur SV Ried an jedem Heimspielwochenende daheim anzutreffen und plante sogar meine Urlaube nach dem Rahmenterminplan. Überschlagsmäßig bin ich die 245km lange Strecke Graz-Ried-Graz 250x gefahren. Das ist keine dieser bewussten Übertreibungen, sondern mit 123.000 Gesamtkilometern eine ziemlich realistische Zahl.

In der ersten Woche zurück wurde dann aber dennoch (scherzhaft) als Steirer bzw. Grazer bezeichnet, was mich sogleich an Robert Heinleins Roman „Stranger in a Strange Land“ erinnert hat. Denn in Graz wurde ich auch nach einem knappen Jahrzehnt teilweise noch immer als Innviertler oder Rieder bezeichnet. In Graz hörte der Steirer den oberösterreichischen Dialekt heraus, in Ried wurde ich vom lebenslangen Innviertler für unbewusst reingerutschte steirische Phrasen belächelt.

Größtenteils fühle ich mich aber trotzdem bereits, als ob ich niemals weg gewesen wäre. Ried mag zwar nur knapp 12.000 Einwohner haben, ist aber das Zentrum des Innviertels und eine der wichtigsten Städte in Oberösterreich. Ried ist eine Sportstadt. Die SV Ried wird kommende Saison wieder in der Bundesliga spielen (daran glaube ich ganz fest), die UVC Ried spielt nun das zweite Jahr in der Volleyball-Bundesliga, die Herren des UTC Fischer Ried waren jahrelang in der Tennis-Staatsliga aktiv, die Damen sind heuer in die Bundesliga aufgestiegen (Anm. Danke, Herr Reiter ;)) und beim Leichtathletik-Meeting im alten Stadion kann man jedes Jahr den besten Leichtathleten Österreichs auf Beine und Hände schauen. Ried ist eine Schulstadt. Bundesgymnasium, BORG, HAK, Handelsschule, HBLA, HTL und viele andere Schulen sind von September bis Juli das unliebsame Zentrum von Tausenden von Schülern aus dem Inn- und Hausruckviertel.

Ried ist eine Innovationsstadt. International bekannte und renommierte Unternehmen wie Fischer, Löffler, FACC, Wintersteiger oder TEAM7 haben von Ried aus ihren Siegeszug in ihrer jeweiligen Branche angetreten. Ried ist eine Messestadt. Übermorgen beginnt die Landwirtschaftsmesse am Rieder Messegelände und feiert dabei heuer obendrauf ihr 150. Jubiläum. Ried ist eine Kulturstadt. Die damals europaweit bekannte Bildhauerfamilie Schwanthaler ist auch sogar eine Antwort in der Trivial Pursuit Genius Edition aus den 90ern, welche zu Weihnachten immer aus dem Kasten hervorgekramt wird.

Ried Schwanthaler Altar Stadtpfarrkirche
Der Schwanthaler-Hochaltar in der Rieder Stadtpfarrkirche – (c) Thomas Ledl via Wikipedia, alle Rechte vorbehalten

Und Ried ist auch ein politisches Zentrum. Sebastian Kurz hat letzte Woche am Hauptplatz in Ried (und nicht etwa in Linz, Wels oder Steyr) seinen Wahlkampfauftakt abgehalten. Die Jahnturnhalle ist jeden Aschermittwoch dank der politischen Auftritte von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache (und zuvor Jörg Haider) in aller Munde. Die bereits erwähnte Rieder Messe wird von Bundeskanzler Christian Kern eröffnet werden, abgesehen davon werden sich Politiker aus allen Lagern ein Stelldichein bei Bier und Würstel mit den (potentiellen) Wählern geben. Zu guter Letzt kommen auch einige sehr kluge Köpfe aus der Gegend: der Quantenphysiker Anton Zeilinger und der Genetiker Josef Penninger haben beide das Bundesgymnasium in Ried besucht bevor sie später in ihren jeweiligen Fachgebieten weltbekannt wurden.

Hoamatland

Mit seinen bereits erwähnten 12.000 Einwohnern (der Ballungsraum umfasst etwa 80.000 Menschen) ist Ried natürlich eine Stadt der kurzen Wege. Mit dem Auto bin ich je nach Fahraufkommen in maximal 5-7 Minuten im Büro, zu Fuß sind es je nach Gehgeschwindigkeit 15-20 Minuten. Wenn man dadurch im Vergleich zu meinem letzten Job in Graz täglich 20-30 Minuten an Freizeit gewinnt, dann summiert sich dies nicht nur monatlich, sondern bereits wöchentlich. Ried ist ebenfalls so zentral gelegen, dass man mit dem Auto 40 Minuten nach Passau, 45 Minuten nach Linz, 65 Minuten nach Salzburg und 110 Minuten zum Flughafen nach München benötigt. Via ÖBB ist man zudem auch innerhalb von 150 Minuten am Wiener Hauptbahnhof.

Das Salzkammergut kann an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Attersee, Traunsee, Irrsee, Mondsee und Wolfgangssee sind von Ried aus in knapp einer Autostunde erreichbar. Mit der Schönheit dieser Seen und Landschaften kann es bei aller Liebe kein einziger steirischer See aufnehmen. Kulinarisch gesehen bin ich froh, dass ich wieder ein Mohnflesserl mit Salz bestellen kann. Nicht zu viel Mohn und eben mit Salz. Und bitte nicht aus einem süßlichen Teig. Am besten noch aufgeschnitten und mit einem Stück Leberkäse in der Mitte ergänzt.

Mohnflesserl mit Salz
Kaum zu glauben, aber dieses göttliche Stück Bäckereikunst ist in Graz bzw. der Steiermark fast nicht erhältlich. (c) gutekueche.at, alle Rechte vorbehalten

Das Ried, welches ich vor 15 Jahren für Salzburg verlassen habe, kann man nur mehr bedingt mit dem Ried von heute vergleichen. Denn auch hier hat der technologische Fortschritt schon längst Einzug gehalten. Ried war sogar einer der ersten österreichischen Orte mit einem nahezu flächendeckenden Glasfasernetz. Auch hier gibt es mittlerweile das lange von der Öffentlichkeit herbeigesehnte Einkaufszentrum mit Elektronik- und Textilgroßhändler. Die so genannte Weberzeile wurde im Sommer 2015 mitten in der Innenstadt eröffnet und schmiegt sich angenehm in das Stadtbild.

Und in der Zwischenzeit haben auch viele meiner Freunde und Bekannte von damals – nach ihren Studien in Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck oder sonstwo – ebenfalls wieder ihren Weg in die Heimat zurückgefunden. Deswegen fühle ich mich dann eben noch weniger wie ein stranger in a strange land.

Immer, wenn ich im Laufe der letzten Jahre gefragt worden bin, wo ich mich denn heimisch fühlte, war meine lapidare Antwort folgende: ich bin in Graz zuhause, aber in Ried dahoam. Deswegen soll dieser Eintrag nicht als Vergleich zwischen beiden Städten gesehen werden, sondern vielmehr als Liebenserklärung für jene beiden Städte, in denen ich gelebt habe, aktuell lebe und in der Zukunft leben möchte.

Best of 2016 Teil 1: Songs

Zum ersten Mal präsentiere ich an dieser Stelle neben meinen Top10-Filmen und Top10-Serien des Jahres auch meine 10 Top-Songs aus dem Jahre 2016. Generell war es für meinen Geschmack kein überragendes Musikjahr, da viele meiner Lieblingsbands und -künstler bereits im Vorjahr ein neues Album herausgebracht hatten. Außerdem habe ich leider nicht so viele neue Künstler und Alben wie gewünscht entdeckt. Dennoch ist am Ende ein recht bunter Mix aus Newcomern, etablierten Künstlern und Superstars herausgekommen.

28.12. – Top 10 Songs
29.12. – Top 10 Serien (Staffel)
30.12. – Top 10 Kinofilme

a-change-of-heart
So traurig war das Musikjahr dann auch wieder nicht – (c) stereogum.com

10. Night Drive – Rob Simonsen (Nerve OST)

Rob Simonsen ist einer der bekanntesten Composer bei Indie-Filmen (u.a. 500 Days of Summer, The Way Way Back, The Spectacular Now). Für das überraschend akzeptable Teenie-Techdrama „Nerve“ mit Emma Roberts und Dave Franco hat er mit einem elektronischen OST für die musikalische Untermalung gesorgt. Der Gute-Laune-Track „Night Drive“ steht dafür stellvertretend für die restlichen Songs. Leichte und gut verdauliche Sommerkost.

09. Me & Magdalena – The Monkees (Good Times!)

„Good Times!“ ist das erste Monkees-Studioalbum seit 20 Jahren. „Me & Magdalena“ wurde als dritte Single released. Das Besondere dabei: geschrieben wurde der Track von Ben Gibbard von Death Cab For Cutie. Im Bezug auf die Melodie wurden keine großen Experimente durchgeführt – muss meinem Geschmack nach auch nicht immer sein.

08. Lazarus – David Bowie (Blackstar)

In diesem Jahr haben wir u.a. Prince, Leonard Cohen, Glenn Frey und zuletzt auch George Michael verloren. Am betroffensten war ich aber definitiv über den Tod von David Bowie. „Look up here, I‘ im heaven“ singt er in der ersten Zeile von Lazarus, das zwei Wochen vor seinem Tod veröffentlicht wurde.

07. Good Grief – Bastille (Wild World)

Pompeii war einer meiner Lieblingssongs des Jahres 2013. In diesem Jahr brachten die Briten das Nachfolgealbum zu „Bad Blood“ heraus. Auch wenn die Gesamtqualität des Zweitwerks nicht wirklich mithalten konnte, so ist „Good Grief“ doch ein eingängiger Song in bester Bombast-Pomp-Tradition der Band.

06. Somebody Else – The 1975 (I Like It When You Sleep, for You Are So Beautiful yet So Unaware of It)

ILIWYSFYASBYSUOI (eingängige Abkürzung) ist mein Lieblingsalbum des Jahres 2016. Das Zweitwerk von The 1975 aus Manchester ist eines der wenigen Alben, welche ausnahmslos von vorne nach hinten und hinten nach vorne durchgehört werden können und dabei nicht langweilig werden. „Somebody Else“in Videoform (der Song beginnt bei 2:59) ist dabei der 3. Teil einer Fortsetzungsgeschichte aus „Robbers“ und „A Change Of Heart“.

05. Sister – Angel Olsen (My Woman)

Die Sängerin aus St. Louis war mir vor ihrem heurigen Album „My Woman“ kein Begriff. In „Sister“ überzeugt sie fast 8 Minuten lange mit ihrer überragenden Stimme und einer kräftigen Portion an Melancholie, optimal für einen regnerisch-deprimierenden Herbsttag.

04. Dead Alive – The Shins

Wie wohl viele andere auch, wurde ich mit den Shins erstmals durch den „Garden State“ OST (New Slang, Caring Is Creepy) konfrontiert. 15 Jahre später ist „Dead Alive“ die erste Single des unveröffentlichten neuen Albums, könnte auch von den Beatles sein und kann neben dem musikalischen Teil auch mit einem ausgefallenen Musikvideo überzeugen.

03. Tescoland – Jamie T (Trick)

Jamie T wurde mit „Sticks & Stones“ vom Zweitalbum „Kings & Queens“ einem breiteren Publikum bekannt. Nach einem mehrjährigen Hiatus folge auf das dritte Album 2014 dann heuer bereits das vierte Album namens „Trick“, welches sich auf alte Stärken besinnt. „Tescoland“ war die vierte Single und ist ein klassisches Beispiel für die Themen und Texte welche der 30-jährige Singer/Songwriter in sein Repertoire einbringt.

02. 22 (OVER S∞∞N) – Bon Iver (22, A Million)

Wenn ich melancholische Songs aufzählen müsste, käme „Holocene“ von Bon Iver ziemlich weit vorne. „22, A Million“ ist eines der experimentellsten Alben der letzten Jahre. Die erste Single „22 (Over SooN) überzeugt dabei mit der gewaltigen Stimme von Justin Vernon, viel Melancholie und einem melodisch-bezaubernden Ende.

01. A Change Of Heart – The 1975  (I Like It When You Sleep, for You Are So Beautiful yet So Unaware of It)

Dieser Song ist mit großem Abstand mein meistgehörtes Musikstück des Jahres 2016. Es könnte direkt aus den 80er-Jahren stammen und entspannt mich jedes Mal wieder mit den melodisch-eingängigen SynthesizerSounds. Mit Textzeilen wie „You used to have a face straight out of a magazine. Now you just look like anyone“ geht es um das nicht-mehr-verliebt-sein, was jeder von uns schon einmal durchgemacht hat. Ich habe jedoch keinen „Change of Heart“ und bedanke mich bei Matt Healy für diesen wunderbaren Song.

3 Tage in Stockholm

60 Stunden, 41.5 per pedes zurückgelegte Kilometer und das Gefühl, die absolut richtige Entscheidung getroffen zu haben. So fällt das Resümee meines Kurztrips nach Stockholm aus.

Wie es dazu gekommen ist und was mich dazu bewogen hat, habe ich in meinem nachfolgenden Reisebericht (inkl. Bilder, Video und Kartenmaterial) niedergeschrieben.

Der Gratisflug

Ich besitze seit knapp drei Jahren eine Mastercard Black. Die Besonderheit an dieser Karte (abgesehen von den leicht höheren jährlichen Kartengebühren) ist der Black Bonusflight. Jedes Mal, wenn ich innerhalb eines Jahres eine bestimmte Umsatzschwelle erreiche (7500 EUR), kann ich mir einen Gratisflug in eine von elf vorausgewählten europäischen Destinationen aussuchen. Ich bezahle quasi alles mit Kreditkarte (Supermarkt, Tankstelle, Onlineshopping, Handy, usw.), insofern stellt diese Schwelle kein all zu großes Problem dar. Im April dieses Jahres habe ich mich für Stockholm (und gegen Amsterdam und Hamburg) entschieden.

Aufgrund der günstigen Konstellation hatte ich mich in Sachen Reisetermin für das verlängerte Allerheiligen-Wochenende entschieden (bei Städtetrips spielt das Wetter oder die Jahreszeit nur eine Nebenrolle). Es würde die zweite (Urlaubs-)Reise in meinem Leben sein, welche ich alleine antreten würde – doch mehr dazu später.

AUA Flug nach Stockholm

Nur mit Handgepäck bestückt machte ich mich am Samstagvormittag per Flughafenbus vom Jakominiplatz auf den Weg nach Graz-Thalerhof. Dort genügt es gemütlicherweise, wenn man 30 Minuten vor dem Boarding am Flughafen ankommt. Nach einem 25-minütigen Verbindungsflug nach Wien-Schwechat passierte mir in der AUA-Maschine nach Stockholm ein peinlicher Fauxpas. Ich war eine der ersten Personen in der Maschine, musste allerdings relativ spät nach einer kurzen Diskussion noch meinen Platz verlassen. Der Grund? Ich hatte die Gatenummer (11F) für meinen Sitzplatz gehalten. Oops – sowas ist mir noch nie passiert. Dies sollte jedoch der einzige „Zwischenfall“ an diesem verlängerten Wochenende bleiben.

Der schwedische Wettergott (THOR!) hatte es gut mit mir gemeint. Stabiles Hochdruckwetter, 6-8C°, leichter Wind aus N/W und Sonnenschein war die Prognose für die drei Tage – welche dann glücklicherweise auch eintrat.

Unterkunft im Hotel Kungsträdgården (4*)

Hotel Kungstradgarden

Nach dem Check-in im Hotel Kungsträdgården („The King’s Garden“) in Norrmalm, welches ich durch die frühe Buchung auf booking.com ohne Stornieroption (wer nicht wagt, der nicht gewinnt) zu einem sehr günstigen Preis bekommen hatte (nur falls jemand danach googeln sollte und anschließend der Meinung ist, bei mir sei der Reichtum ausgebrochen), inspizierte ich noch meine nähere Umgebung, zu der u.a. auch der Eislaufplatz im Kungsträdgården gehörte. Das Eislaufniveau unter den aktiven Personen fiel dabei eeeeetwas höher aus als auf einem öffentlichen Eislaufplatz in Österreich.

Eislaufplatz Kungstradsgarden

Nach einem kurzen Abstecher in das Einkaufszentrum Gallerian (von der dortigen Auswahl war ich eher enttäuscht) machte ich mich auf die Suche nach einem Steak/Burgerlokal.

Fündig wurde ich in Gute Grill & Bar (Brunnsgatan 6). Für ein Menü aus Vorspeise (Spicey Crispy Chicken with Chutney), Hauptspeise (Burger made from ground chuck steak, lamb brisket & lamb shoulder. With corn bread, crispy pulled pork, onion jam, svecia cheese and truffle mayo. Served with double fried French fries and homemade ketchup), Nachspeise (Meringue with Vanilla Ice Cream, Cardamom Cream and Salt Roasted Pistacio) inkl. Gedeck (verschiedene Brotsorten und Aufstriche), Gruß aus der Küche (Suppe mit Safran-Geschmack) und zwei Carlsberg Export Lager musste ich 481 SEK, also knapp 48 EUR auf den Tisch legen.

Burger Gute Grill

Für die ausgezeichnete Qualität und das freundliche und schnelle Service nicht wirklich erschreckend; in Österreich müsste mal wohl mit einer ähnlichen Gesamtsumme rechnen. Nach der kleinen Abendwanderung zurück zum Hotel wollte ich nur mehr die Qualität der Dusche sowie die Bequemheit des Bettes testen. Beide mit Bravour bestanden.

Sightseeing durch Gamla Stan, Norrmalm, Östermalm und Djurgården

Nach knapp neun Stunden Schlaf (inkl. Zeitumstellung) und einem Streifzug durch das erstklassige Frückstücksbuffet im Hotel machte ich mich schon um knapp 9.00 Uhr auf zum extreme Sightseeing. Das Wetter? Fast schon kitschig, wie das nachfolgende Bild vom nahegelegenen Riksdagshuset (Reichtagsgebäude) beweist.

Riksdaghuset Stockholm

Beim Kungliga slottet (Königliches Schloss) auf Gamla Stan kam ich ungeplanterweise genau richtig zur Wachübergabe. Ein sehr ernster und ernst genommener Prozess. Um bei den Dutzenden fotografierenden und lachenden Touristen ernst bleiben zu können, ist Erfahrung und Routine wohl ein wichtiger Bestandteil des Soldatentums.

Kungliga slottet Stockholm

Mein weiterer Weg führte mich am Nobelmuseum zurück nach Norrmalm und anschließend über die Skeppholmsbron auf die Insel mit dem Moderna Museet und anschließend noch nach Kastellholmen. Das Wetter war derart unfassbar schön, dass ich dazwischen öfters mal inne halten musste und den sonnigen Blick auf Gamla Stan genoss. 8C°, Sonnenschein, leichter Wind aus N/W – ausgestattet mit Winterjacke, Haube und Winterschuhen – genau so stelle ich mir den Herbst vor.

Herbst Stockholm
Wenn Herbst immer so wäre, hätte ich nicht viel gegen Herbst.

Vasamuseum

Weiter ging es in den Osten nach Djurgården (Tiergarten). Vorbei am Nordiska museet (Nordisches Museum) zum Vasamuseet (Vasamuseum). Die 140 SEK für den dortigen Eintritt waren mäßig gut investiert. Wenn man kein Interesse an Schiffen, dem Schiffsbau oder chemischen Prozessen zur Erhaltung von Holz hat, sei ein Besuch eher nicht empfohlen. Das stark gedämpfte Licht (um das Schiff besser erhalten zu können) und der ganz leicht miefige Geruch machten den Gesamteindruck nicht unbedingt besser. Über die Geschichte der Vasa kann an anderer Stelle detailliert nachgelesen werden. Hier nur der Übersicht halber die Einleitung von Wikipedia:

Die Vasa war eine schwedische Galeone, die zu den größten und am stärksten bewaffneten Kriegsschiffen ihrer Zeit zählte. Bereits zu Beginn ihrer Jungfernfahrt am 10. August 1628 sank die Vasa nach nur etwa 1300 Metern Fahrtstrecke bei normalem Seegang wegen schwerwiegender konstruktiver Instabilität. Nach ihrer Auffindung 1956 und Bergung 1961 wurde sie mehrfach restauriert und ist heute im Vasa-Museum in Stockholm zu besichtigen.

Jedoch muss man dem Museum zu Gute halten, dass die gesamtheitliche Aufbereitung rund um das zentrale Schiff mit multimedialen und miniaturnachgebauten Inhalten absolut gelungen ist, wie auch u.a. dieses Modell im nachfolgenden Bild beweist.

Die Vasa sinkt - Modell

Nach einem Abstecher zum Aquaria-Wattenmuseum, zum ABBA-Museum (für einen Eintritt war/bin ich kein ausreichender Fan) und nach Gröna Lund machte ich mich langsam zurück auf den (Fuß-)Weg nach Gamla Stan. Bislang hatte meine Route (exklusive Abstecher, daher eher Symbolcharakter) folgende Ausmaße angenommen:

Per U-Bahn (T19) ging es dann von Slussen aus zur Station Globen. Um 15:00 stand nämlich in Johanneshov (Hammarbyhöjden) der Besuch einer Allsvenskan-Partie an.

Hammarby IF – IFK Norrköping

Tele2 Arena Stockholm

Hammarby IF ist als nur einmaliger (1x) schwedischer Meister eigentlich sowas wie der ewige Verlierer neben den beiden bekannteren Vereinen aus Stockholm, namentlich AIK Fotboll (16x Meister) und Djurgårdens IF (18x Meister). Da in Schweden eine Ganzjahresliga von April bis Anfang November gespielt wird, handelte es sich bei der Partie gegen den Tabellendritten aus Norrköping um das letzte Heimspiel der Saison. Das Schmuckkästchen namens Tele2 Arena ist vollüberdacht, angenehm per U-Bahnstation Globen erreichbar und bietet 32.000 Menschen Platz. Im Juli 2013 eröffnet, bietet die Arena auch hierzulande unbekannte Features wie etwa Gratis-WLAN (was von mir dankend angenommen wurde).

Die Stimmung vor 21.000 Menschen war exzellent, wie der Videomitschnitt der Hammarby-Hymne („Just idag är jag stark“) zeigt. Die Qualität des Spiels an sich war überschaubar. Besser als befürchtet aber schlechter als erwünscht. Quasi mit dem Pausenpfiff ging Hammarby durch einen Weitschuss des Isländers Arnór Smárason in Führung, bei dem der österreichische Torhüter von Norrköping, Michael Langer, keine gute Figur machte. Etwa zehn Minuten vor Spielende konnte Norrköping (verdientermaßen) ausgleichen, das Spiel endete schließlich mit einem leistungsgerechten 1-1 Unentschieden.

Ticket HIF - IFK

Nach dem Fußweg zurück zur U-Bahnstation (vorbei am blau erleuchteten Ericsson Globe, einer Veranstaltungshalle für 16.000 Menschen) ging es wieder nach Gamla Stan. In Sachen Infrastruktur für Veranstaltungen spielt Stockholm (knapp 910.000 Einwohner) mit der Tele2 Arena, der Friends Arena (= Nationalstadion, in welchem Österreich letztes Jahr in der EMQ mit 4-1 gegen Schweden reüssieren konnte) und dem Globen in einer anderen Liga als Wien mit dem altehrwürdigen (Betonung auf „alt“) Happelstadion und der abgef***ten Wiener Stadthalle.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Am Abend stand dann noch das Wiedersehen mit einer alten Freundin (nicht im Sinne des Alters) an, welche erst wenige Wochen zuvor mit ihrer Familie von London nach Stockholm gezogen war. Über den Sturegatan machte ich mich auf den Weg zur Wohnung im Vallhallavägen. Nach dem angenehmen catching-up machte ich mich dann später am Abend einigermaßen gerädert auf den Nachhauseweg zum Hotel, diesmal über Karlavägen und Nybrogatan.

Hier ist Apple Health ein nettes Programm, weil es automatisch die Schritte bzw. zurückgelegten Kilometer mittrackt. Die 23.3 an diesem Tag zurückgelegten Kilometer stellen wohl eine neue persönliche Bestleistung dar (wohl knapp vor einer Wanderung durch Manhattan, über die Brooklyn-Bridge und wieder retour im Jahre 2009) und ließen mich erschöpft in mein angenehmes Boxspring-Hotelbett fallen.

Apple Health

1-2-3-4 von Anton Corbijn im Fotografiska

Am Montag stand dann nur mehr ein Fixpunkt auf dem Programm: der Besuch der Anton-Corbijn-Ausstellung im Fotografiska museet in Katarina-Sofia. Erneut ging es per pedes quer durch Gamla Stan über den empfohlenen Katarinavägen zum Museum. Als Belohnung für den einigermaßen anstengenden Weg bergauf (von meiner Marathonform bin ich weit entfernt) wurde ich jedoch mit einem traumhaften Blick auf Stockholm belohnt.

Katarinavägen

Über die 144 Stufen der Söderbergs trappor (Söderbergsstiege) ging es anschließend direkt zum Eingangsbereich des Museums. 130 SEK kostet der Eintritt zu 1-2-3-4, so der Name der Ausstellung von Anton Corbijn, welche noch bis 4. Dezember 2016 läuft.

Wem sein Name kein Begriff ist: über die letzten 40 Jahre hinweg hat dieser Mann u.a. mit U2, Rolling Stones, David Bowie, Arcade Fire, Nirvana, Metallica, Depeche Mode, R.E.M., Pearl Jam oder The Clash zusammengearbeitet, viele seiner Bilder sind ikonisch. Nebenbei hat er auch Regie geführt, nämlich nicht nur bei Musikvideos (u.a. „Talk“ von Coldplay, „Reflektor“ von Arcade Fire) sondern auch bei Spielfilmen (Control, The American [mit George Clooney] und A Most Wanted Man [mit Philip-Seymour Hoffman]).

Musikalisch untermalt wird die Ausstellung durch ein Potpourri von ikonischen Songs der ausgestellten Künstler und Bands. Die nachfolgenden Bilder (im Uhrzeigersinn: U2, Depeche Mode, The Clash, Tom Waits) – zu 95% im für Corbijn charakteristischen S/W gehalten – sprechen dabei stellvertretend für sein Gesamt-Opus.

Am späteren Nachmittag ging es zurück zum Hotel (wo mein Koffer hinterlegt war) und von dort aus mit dem Flygbussarna zurück zum 44km entfernten Arlanda Airport. (Tipp: niemals den Arlanda-Express buchen, kostet mehr als das Doppelte und spart bei Hin- und Rückfahrt nur je 15 Minuten an Fahrtzeit). Die schwedischen (Alkohol-)Spezialitäten, welche ich als Souvenirs mitnehmen wollten, wurden mir an der Duty-Free-Kasse abgenommen. Offenbar darf man von Schweden keinen Alkohol in ein anderes EU-Land exportieren. Seltsam im Bezug auf die Grundfreiheiten der Europäischen Union.

Das letzte Highlight der Reise war dann der Flug von Schwechat nach Graz in einer kleinen Propellermaschine des Typs Bombardier Q400 (ich habe extra nachgerechnet, ich bin zuvor 45x in meinem Leben geflogen – aber immer in einer Turbinenmaschine).

Zusammenfassung

Stockholm schafft es problemlos in die Top3 meines persönlichen Städte-Rankings. Es ist definitiv die sauberste Stadt in der ich je war. Wenn man motiviert ist, sind fast alle Sehenswürdigkeiten und Hot-Spots zu Fuß erreichbar. Die Menschen sind zu 99% freundlich und hilfsbereit, der gleiche Prozentanteil spricht und versteht auch tadelloses Englisch. Das Preisniveau für feste und flüssige Kulinarik ist zwar hoch aber noch akzeptabel (gerade im direkten Vergleich mit Paris im Zuge der EM2016).

Abschließend noch zwei (stellvertretend für viele) amüsante schwedische Wörter bzw. Phrasen, welche sich bei mir besonders gut eingeprägt haben: „Beräknad ankomst“ = Berechnete Ankunft & „Handgriplingheiter“ = Handgreiflichkeiten.

Nachgedanke: alleine verreisen?!

Wie schon eingangs erwähnt, war ich bei diesem Kurztrip alleine unterwegs. „Mit wem fliegst du denn?“ .. „Wer denn noch aller?“ .. Fragen wie diese habe ich im Vorfeld der Reise mehrmals gehört. Als meine Antwort dann „mit niemandem“ oder „alleine“ war, habe ich in vielen Fällen hochgezogene Augenbrauen oder ein stumpfes „ahso/aha“ als unmittelbare Reaktion erhalten. Es scheint fast ein Tabu zu sein, wenn man nicht mit einer/m PartnerIn oder Freunden ins Ausland verreist. Natürlich ist es mit Freunden lustiger oder mit dem Partner romantischer. Aber soll ich demnach immer zu Hause bleiben, nur weil ich mich nicht in einer Beziehung befinde oder niemand aus dem Freundeskreis mitkommen will/kann? Ich denke nicht.

Ich konnte mir das Urlaubs-Programm und die Reise-Geschwindigkeit selber vorgeben, konnte stehen- und sitzenbleiben wann ich wollte und wo ich wollte. Ich hatte Zeit, um über wichtige Dinge nachzudenken oder einfach mal das Hirn auszuschalten (was im Arbeitstrott oder an den Wochenenden selten gelingt) und meine Gedanken schweifen zu lassen. Ich habe alte Bekannte getroffen, ein unterhaltsames Buch gelesen (Anm.: die Autobiographie von Bryan Cranston) und bin aktuell komplett entspannt und erholt. Nebenbei habe ich eine bezaubernde Stadt kennen gelernt, in welche es mich sicher bald wieder verschlagen wird. Dafür nehme ich die (überspitzt formuliert) gesellschaftlichen Stigmata des Alleine-Verreisenden gerne in Kauf.

Langer Schatten im Winter

Alle Fotos wurden mit einem herkömmlichen iPhone 6S geschossen.
Es wurden keine Filter angewendet und kein Blitz eingesetzt.

Der liebe Nachbar

Ausnahmsweise beginne ich einen Blogeintrag mit einem klassischen Zitat:

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
(Friedrich Schiller)

Ich wohne seit Mai 2014 in einem Mehrparteienhaus im Süden von Geidorf in Graz (ein ehemals nobler Bezirk, der jedoch im Laufe der letzten Jahre durch viele Wohnbauprojekte auch für jüngere Menschen leistbar geworden ist). Meine Wohnung im dritten Stock ist mit einem großen Balkon ausgestattet.

Bei einer kleinen Einweihungsfeier mit ca. 10 Gästen während der WM 2014 kam es zum ersten Kontakt mit dem Nachbarn, dessen Wohnung direkt über meiner gelegen ist. Als um Mitternacht noch genau drei Personen eine Unterhaltung am Balkon in einer gemäßigten Lautstärke führten (mit 30+ sind nicht mal mehr wilde Partys wild), fühlte sich der mir bis dahin unbekannte Nachbar, unvermittelt irgendein Gastronomiegesetz zu zitieren. Von der Sinnhaftigkeit folgendermaßen: „Ab 24:00 ist in der Gastronomie das Musizieren und laute Sprechen untersagt ansonsten besteht der Tatbestand der nächtlichen Ruhestörung„. Ohne Nachsatz. Ein normaler Mensch hätte das vielleicht folgendermaßen formuliert: „Hey Burschen, es ist nach Mitternacht, wir würden gerne schlafen, bitte ein bisserl leiser sein„. Wie auch immer, wir haben weitere Unterhaltungen dann in die Wohnung verlegt. Nachricht angekommen, Tonalität extrem fragwürdig bzw. sogar kurios.

Ziemlich genau zwei Jahre später waren im Mai zwei Freunde aus Ried zum Anlass des Bundesligaspiels Sturm-Ried bei mir zu Besuch. Im Laufe des Fortgehens trennten sich die Wege, zwei Freunde wussten dann zwar meine Adresse, allerdings nicht die Türnummer. In meiner Hausanlage sind die Wohnungen von H1 bis H18 beschriftet, ohne Namen. Wie man es dann nach etwas zu viel Alkohol so macht, hatten meine Freunde um halb vier in der Früh so gut wie alle Türen durchgeläutet nachdem sie mich per Handy nicht erreichen konnten. Keine gute Idee.

Gleich am Montagvormittag wurde ich von meinem Wohnungsvermieter angerufen, einige (anonyme) Parteien hätten sich über mich beschwert. Ich habe mich dann jedenfalls bei Vermieter und Hausverwaltung im Namen meiner Freunde entschuldigt – dumm gelaufen und sicher nicht lustig, wenn man irgendwann mitten in der Nacht durch die Türklingel aufgeweckt wird. Hier kann bzw. konnte ich den Aufruhr verstehen. Dass ich hier wie die Jungfrau zum Kind kam, sei dahingestellt. Bei meinen Nachbarn nebenan und unter mir habe ich mich auch jeweils persönlich entschuldigt.

Im August dieses Jahres hatten vier Hausparteien die feine Idee, eine Sitzgarnitur für den Obstgarten anzuschaffen. Kostenlos und im Sinne der Hausgemeinschaft. 98% aller Menschen würden mir wohl zustimmen, dass dies eine tolle Sache ist und für altruistische Nachbarn spricht. Eine bestimmte Person sah dies naturgemäß anders, wie sie dies am rechten unteren Rand des ausgehängten Zettels kundtun musste.

Aushang Haus
„.. und die dazugehörige Lärmbelastung?! Lg“

Die Handschrift dieses Kommentars stimmt überraschenderweise mit der Handschrift des Namens auf dem Postkasten der von mir beschriebenen Person überein. Im Laufe der nächsten Tage folgten dann noch einige positive Bekundungen auf dem Aushang, wie z.B. „Vielen Dank“ oder „Tolle Idee“ – nicht alle Menschen sehen immer gleich das Schlimmste. Diese Sitzgarnitur ist wie bereits erwähnt im Obstgarten platziert. Ich habe bis dato noch nie Lärm aus dieser Richtung gehört, eigentlich wie schon erwartet (ich meine, was soll man dort schon machen, evtl. Drogenpartys mit Death Metal Untermalung schmeißen?).

Vergangenes Wochenende waren dann zwei Freunde bei mir zu Besuch, wir spielten besäuselt von Gösser Naturradler FIFA17 auf der PS4. Als ich mich dann um ca. 03:30 von den beiden verheirateten Familienvätern im Stiegenhaus mit einigen Sätzen verabschiedete, konnte ich noch gar nicht damit rechnen, was in weiterer Folge passieren würde. Als ich heute um 11:00 aufgrund eines Heizungsablesungstermins kurz nach Hause kam, fand ich folgenden Zettel an meiner Wohnungstüre angebracht:

Anzeige Ruhestörung
Eine schöne Komposition aus fehlender Orthographie, Textmarker und Tixo. Sehr kreativ.

Im ersten Moment wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Ich bin 33 Jahre alt, lebe derzeit alleine und habe in meinem Leben noch nie irgendwelche Probleme mit Nachbarn gehabt. Ich höre weder laute Musik, noch spiele ich ein Musikinstrument. Ich habe keine Haustiere, ich habe vielleicht 3-4x pro Jahr Gäste bei mir und ich bin an vielen Wochenenden sowieso in Ried (oder auch Salzburg oder Wien). Diesen Zettel habe ich daher heute zum Anlass genommen, mich nun bei der Hausverwaltung und bei meinem Vermieter über diesen Nachbarn zu beschweren. Einfach nur um meinen angeborenen Gerechtigkeitssinn zu befriedigen, denn passieren wird sowieso nichts. Aber ein Mehrparteienhaus ist kein Friedhof. Wenn man Totenstille bevorzugt, sollte man aufs Land ziehen (oder in einen Luftschutzbunker).

Außerdem habe ich im Eingangsbereich einen Zettel mit meinen Kontaktdaten angebracht und den anonymen Nachbarn zu einem konstruktiven Gespräch eingeladen. Ich bin mir relativ sicher, dass der Zettel bald nicht mehr hängen wird und der Nachbar meiner Einladung nicht nachkommen wird. Aber in der heutigen Zeit gibt es schon viel zu viele Hasspostings und unnotwenige Konflikte, deswegen möchte ich diese aus meinen eigenen vier Wänden fern halten.

Update 18. Oktober:

Am frühen Nachmittag hat sich die Hausverwaltung auf meine E-Mail hin gemeldet:

Wesiak Rückmeldung Ruhestörung
Interessant nur der Fakt, dass sich die Hausverwaltung schon mal bei meinem Vermieter gemeldet hat, dies bei mir aber nicht möglich ist.

Als ich vor wenigen Minuten aus dem Büro heimgekommen bin, ist genau jener Fall eingetreten, welchen ich im Grunde erwartet hatte. Mein im Eingangsbereich des Hauses angebrachter Zettel mit dem Angebot zum persönlichen Gespräch war kommentarlos und vollständig abgerissen. Bei mir gemeldet (per Telefon, E-Mail oder persönlich) hat sich natürlich niemand. Das letzte Wort ist jedoch sicher noch nicht gesprochen.

2. Update 18. Oktober 2016

Jetzt überschlagen sich die Ereignisse. Fast halt. Der Nachbar (wenig überraschend genau der von mir „verdächtigte“) hat meine Notiz doch zur Kenntnis genommen und um 19:15 an meiner Wohnungstüre angeläutet. Er führt mit ziemlicher Sicherheit minutiös Buch über meine Events und Gäste, da er mir Daten bzw. Zeitpunkte von vermeintlicher Störung der Nachtruhe nennen konnte, an die ich mich nicht mal selber erinnern konnte. Ich habe mich meinerseits nochmals für die Ereignisse im Mai 2016 entschuldigt, jedoch wenig Verständnis für diesen Samstag oder die Tonalität des anonymen Zettels gezeigt.

Er hat mir anschließend erklärt, dass er vieles von den Nachbarn über sich (Penthouse) und unter sich (meine Wohnung) hört, jedoch nichts von den direkten Nachbarn – eine Einschätzung, welche ich bestätigen kann. Außerdem, dass er vom Balkon viel hinauf hört – was irgendwie klar ist, wenn sein Balkon direkt über meinem gelegen ist. Er weiß allerdings jetzt auch, dass er sich jederzeit bei mir melden kann, falls es einmal wieder zu laut ist, das anonyme Verpetzen bei der Hausverwaltung aber nicht notwendig ist. Wenn er sich wirklich daran hält, ist diese Sache für mich nach diesem 10-minütigen Gespräch im Stiegenhaus nun erledigt.

To be continued…?
(hoffentlich nicht)

Fischer Heinz, die Nummer Eins

Im Jänner 2000 war ich im Zuge der Wienaktion mit meiner Schulstufe (7. Klassen des BG/BRG Ried im Innkreis) für eine Woche in der Bundeshauptstadt. An einem Tag stand auch ein Besuch im Parlament an. Heinz Fischer war damals Nationalratspräsident. Durch einige Connections konnte ein damaliger Klassenvorstand (und Bürgermeister einer Nachbargemeinde von Ried) im Vorfeld nach dem Besuch einer Nationalratssitzung ein ca. halbstündiges Treffen in einem Plenarsaal vereinbaren – inkl. Q&A.

Heinz Fischer war nicht nur pünktlich, er beantwortete auch alle Fragen geduldig, ausführlich und freundlich. Man hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass er die 16- bzw. 17-jährigen oberösterreichischen Jugendlichen nicht ernst nahm oder eigentlich schon wieder weg wollte. Noch spezieller war der Moment, als ein Schulkollege nach dem Stand der ewig andauernden Koalitionsverhandlungen zwischen schwarz und blau nachfragte. Heinz Fischer hätte diese Frage nicht beantworten können oder ebenso gut sagen können, dass er dies nicht wisse. Dem war nicht so. Er gab seine Gedanken zum besten und sagte uns, dass er damit rechne, dass die Verhandlungen wohl im Laufe der kommenden drei Tage abgeschlossen sein würden. Zwei Tage später war die Koalition eine beschlossene Sache.

HeiFi_APA
Dr. Heinz Fischer (Quelle = APA/vienna.at)

Diese Anekdote soll meinen grenzenlosen Respekt für unseren (mittlerweile ehemaligen) Bundespräsidenten ausdrücken. Ein Mann, der seinen Prinzipien immer treu geblieben ist, immer sachlich und nie populistisch agierte und ein überragender Vertreter Österreichs in der restlichen Welt war. Ein Mann, der sich nicht nur über globale und EU-weite Themen ehrlich und kritisch äußerte sondern auch eine vorbildliche zwischenmenschliche Gesprächsbasis mit Frau und Herr Österreicher hatte.

In diesem Sinne will ich Heinz Fischer für die vergangenen zwölf Jahre danken. Ich bin nachhaltig beeindruckt und wünsche Ihnen und Ihrer Gattin eine angenehme Pension mit vielen interessanten Wanderungen und spannenden Begegnungen!

The 1975 – A Change Of Heart

Es gibt Songs die mir gefallen, es gibt Songs die mir sehr gut gefallen und manchmal gibt es Songs, welche ich vom ersten Moment an liebe. In letztere Kategorie fällt ‚A Change of Heart‘ von The 1975. Seit ich deren Album mit dem simplen Namen ‚I like it when you sleep, for you are so beautiful yet so unaware of it‚ (u.a. #1 in den USA und in UK) in meine Deezer-Playlist hinzugefügt habe, habe ich diesen Song geschätzte 150x gehört. Seit gestern auch (endlich) mit YouTube-Video. Listen. Listen again. Repeat.

Unnötiges Klugscheißwissen

Buffalo im US-Bundesstaat New York bezieht seinen Namen nicht wie man meinen könnte vom Büffel (der u.a. auch im Logo der Buffalo Bills untergebracht ist), sondern höchstwahrscheinlich von der französischen Bezeichnung der Native Americas für den Ort: beau fleuve (was auf Deutsch „schöner Fluss“ heißt).

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Ich bin kein schöner Fluss sondern ein Büffel.

Es gibt einen inhaltlichen Unterschied zwischen anscheinend und scheinbar. Ersteres drückt die Vermutung aus, dass etwas so ist, wie es zu sein scheint. Zweiteres hingegen erweckt nur den äußerlichen Eindruck, ist tatsächlich allerdings meistens nicht so. Man kann bei der Verwendung auch von der beliebten 80/20 Regel ausgehen.

2016 findet in Rio de Janeiro vieles, aber sicher keine Olympiade statt. Eine Olympiade ist lediglich der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen, also vier Jahre.

(c) rio2016.com, all rights reserved
Für diese Maskottchen wurden Millionen mal wieder gut investiert.

auserkoren ist das 2. Partizip des unregelmäßigen Verbs auserkiesen. Ich erkiese also z.B. meinen Nachfolger aus. Wenn du zu den gefühlten 0.02% der Bevölkerung gehörst, welche dies gewusst hat – Respekt.

Eine Woche auf Malta

Die vergangene Woche durfte ich aufgrund des mitteleuropäischen Wetters glücklicherweise auf Malta verbringen. Eine Insel, 90 km südlich von Sizilien, die flächenmäßig nur circa halb so groß wie mein Heimatbezirk Ried im Innkreis ist (316 km²) aber dennoch knapp 425.000 Menschen als Heimat dient. Mit einer Bevölkerungsdichte von 1346 Personen pro km² ist die Repubblika ta’ Malta (so der Staatsname auf maltesisch) übrigens der am fünft-dicht-besiedeltste souveräne Staat der Erde.

1964 erlangte das Land die Unabhängigkeit von Großbritannien und ist den meisten Menschen seither wohl eher nur von jährlichen Events wie etwa der Teilnahme am Eurovision Songcontest im Gedächtnis. Dabei hat Malta in kultureller Hinsicht eine extrem interessante Historie zu bieten. Nach den Phöniziern, Griechen und Römern herrschten die Araber ab dem 9. Jahrhundert nach Christi über die Mittelmeerinsel. Diese Historie ist auch in der maltesischen Sprache bzw. bei diversen Ortsnamen (z.B. Ta‘ Xbiex, was man als Taschbiisch ausspricht) nicht zu übersehen. Im weiteren Verlauf der Historie gaben sich Sizilien, Aragon, Spanien und später auch Napoleon die Klinke in die Hand bevor Malta dann im Jahre 1814 zur britischen Kronkolonie ernannt wurde.

Ein Steinlöwe im Großmeisterpalast von Valetta.
Ein Steinlöwe im Großmeisterpalast von Valetta.

Durch die arabische Historie, die Nähe zu Italien und die Kolonialherrschaft von Großbritannien trifft man auf der Insel einen sehr interessanten Mix der Kulturen an. Kulinarisch kommt die Pizza vom Italiener, das Pub wird vom Briten betrieben und orientalische Genüsse gibt’s direkt beim Marokkaner oder Tunesier. Durch die starke Urbanisierung der Insel (95% der Bewohner leben in Städten) muss man im Normalfall keine 50m gehen, bis man neben einem Lokal ein anderes findet, gerade im touristischen Nordteil der Insel mit den Städten Gzira (wo ich untergebracht war), Sliema und St. Juliens.

Der neueste Audi A8. Oder auch nicht.
Der neueste Audi A8. Oder auch nicht.

Die starke Urbanisierung bringt allerdings auch einen großen Nachteil mit sich. Malteser sind autoverrückt, auf knapp 425.000 Menschen kommen 320.000 Fahrzeuge und damit ein andauernder Road-Rage unter Berufsfahrern. Die Öffis sind billig (6 Euro für die Wochenkarte, gültig auf der gesamten Insel), allerdings meistens zu spät und uneffizient (in unserem Fall dauerte die Reise von Gzira ins knapp 10km entfernte Nationalstadion von Ta‘ Qali knappe 50 Minuten. Öffis retour ab 22:00? Fehlanzeige. Ein Taxi musste Abhilfe schaffen.

Ta' Qali Stadion
EM-Qualifikationsspiel zwischen Malta und Bulgarien. Endstand 0:1

Vom Klima her würde ich eher heute als morgen hinziehen wollen. Am Mittwoch, meinem Ankunftstag? 30C° am Tag, 22C° in der Nacht. Am Donnerstag? Selbiges. Am Freitag? Genau. Am Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag? Ebenfalls. Mit nur drei Regentagen im Juni ist ein Urlaub vor dem Ansturm der vielen jugendlichen Sprachreisenden in den Sommerferien ein heißer Tipp, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch im August und September kann man sich auf Malta noch über bestes Sommerwetter erfreuen – mit absoluter Sonnengarantie (>300 Sonnentage im Jahr). Ich benötigte kein einziges Mal eine lange Hose, da auch in allen Lokalen Shorts erlaubt sind bzw. auch in feineren Restaurants nicht verpönt sind. Die Republik Malta besteht aus drei Inseln: der gleichnamigen Hauptinsel, aus Gozo (beim spektakulären azure window wurden Szenen für die erste Staffel von Game of Thrones gedreht) und der Zwerginsel Comino, die aber in Sachen Schönheit alles übertrifft. In der blue lagoon kann man in türkisblauem Wasser baden, das Gesamtbild der Insel wird von tausenden lilablühenden Thymiansträuchern abgerundet. Auf Comino leben nur vier Menschen dauerhaft (die Betreiber des einzigen Hotels, alle anderen Arbeitskräfte kommen täglich per Fähre von Gozo), die Insel ist auch nur auf dem Seeweg erreichbar (etwa 1h30min per Fähre von Sliema).

Comino
Die blue lagoon von Comino

Preislich gibt sich Malta angenehm adrett. In Lokalen zahlt man zwischen 1.30€ und 2.80€ für ein großes Bier (meistens in Dosenform), auch die Essenspreise sind absolut fair und keineswegs touristischer Natur (als Beispiele seien hier die Adriaküste oder Mallorca genannt). Auch die Preise für Qualitätsbekleidung (ich hab mir zwei Hemden besorgt) sind deutlich unter dem in Österreich bekannten Niveau. Teuer ist nur Trinkwasser – mit mindestens 0.50€ für einen halben Liter muss man rechnen, das Wasser in den Wohnungen ist nicht trinkbar und aufgrund der hohen Chlorkonzentration fühlt man sich nach einer Dusche nie hundertprozentig sauber und nur partikulär erfrischt.

Der Obama Burger bei Badass Burgers.
Der Obama Burger bei Badass Burgers.

Abschließend noch fünf fun facts (bzw. unnötiges Wissen):

  • Die Hauptstadt Valetta (im 18. Jahrhundert eine der uneinnehmbarsten Städte Europas) ist mit knapp 7000 Einwohnern nur die 27. größte Stadt der Insel.
  • Es leben sehr viele Briten, Skandinavier, Deutsche und Österreicher auf der Insel. Durch die immensen steuerlichen Vorteile haben nahezu alle Unternehmen, die im Glücksspiel bzw. Wettgeschäft aktiv sind, einen Sitz auf der Insel.
  • Klimatisch bedingt findet man auf Malta fast nirgendwo grünen Rasen. Lediglich in der Festung von Valetta sowie im Hafen der Three Cities konnte ich kurz etwas anderes als sandiges/steiniges Terrain betreten.
  • 98.5% der Bewohner von Malta sind römisch-katholischer Konfession. Erst seit 2011 kann man sich dort scheiden lassen. Ich hab keine Ahnung, was unglückliche Ehepaare vorher gemacht haben. Mitgehangen, mitgefangen?
  • Auch auf Malta kann man Maltesers kaufen.

Zusammenfassend stehen die Chancen nicht schlecht, dass dies nicht mein erster und einziger Reisebericht aus Malta sein wird. Ara inti hekk! (Bis bald!)