Zweitklassig

Am 11. März habe ich darüber geschrieben, wie sich ein Abstieg anfühlt. Die bittere Realität nach dem gestrigen Tag ist allerdings noch viel schlimmer. Das Gefühl der absoluten Leere ist demoralisierend und niederschmetternd. Beim letzten Abstieg war ich 19 Jahre als. Damals gab’s kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram und auch kein WhatsApp – genau über diese Kanäle wird man seit gestern 18:25 ständig daran erinnert, dass die SV Ried nach knapp 12 Jahren nicht mehr Bestandteil der tipico Bundesliga ist.

Ich wurde während der letzten 19 Stunden unzählige Male gefragt, wie es mir geht. Es geht mir scheiße. Wie Bill Shankly einst sagte: „Some people think football is a matter of life and death. I assure you, it’s much more serious than that“. Fußball und mein Verein sind viel mehr als nur ein Hobby, sie sind ein Teil meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und somit meiner Persönlichkeit.

Ein sichtlich niedergeschlagener Thomas Reifeltshammer
Ein sichtlich niedergeschlagener Thomas Reifeltshammer – (c) skysportaustria.at

Eigentlich war gestern alles für das vielzitierte Wunder von Ried angerichtet. Ein ausverkauftes Haus, prächtiges Sommerwetter und sogar die spielerische Unterstützung von Rapid. Nur die eigene Mannschaft konnte dem Druck und den gesteckten Erwartungen in keiner Weise standhalten. Gerade in der ersten Halbzeit wirkte die Partie wie auf schiefer Ebene. Die Rieder agierten zögerlich und überhastet zugleich und hatten keine Ideen um die Mattersburger Defensive zu gefährden.

Mattersburg wiederum hatte nichts mehr zu verlieren und spielte eigentlich unösterreichisch motiviert voll auf Sieg. Weil im Frühjahr sowieso alles schief gegangen ist was schief gehen konnte, ermöglichte die frühe Verletzung von Florian Hart das Gegentor durch Perlak, der auf der zwischenzeitlich vakanten Seite viel zu viel Platz hatte. Das 0:2 muss man Thomas Gebauer anhängen, der in dieser Saison gerade im Herbst mit einigen Patzern nicht sein bestes Jahr hatte.

Nach dem 1:2 kehrte die Hoffnung wieder zurück, welche nach dem 1:3 durch Seidl bei manchen Individuen schlagartig in Aggression umgewandelt wurde. Persönliche Anmerkung: bei einem Spieler wie Stefan Maierhofer ist es nie geschickt, diesen während einer Partie auch noch mit Schmähgesängen heißer zu machen als er ohnehin schon ist. Die Spielunterbrechung durch die hirnverbrannten Bengalenwürfe nahm den letzten Wind aus dem Spiel der Rieder Mannschaft, nach der Wiederaufnahme ergab man sich dem eigenen Schicksal.

Nach Spielende trugen sich dann beschämende Szenen zu. Hooligans mit Sturmhauben (… bei denen aufgrund Körperbau und/oder Tattoos sowieso jeder aus der Fanszene und dem Vereinsumfeld weiß, wer sie sind) attackierten eigene Fans auf der West welche es wagten, der Mannschaft nach Spielende zu applaudieren. Vielen Frauen und Kindern konnte man die Angst in den Augen ansehen. Viele traten auch schlagartig die Flucht aus dem Zentrum der West an. Als Elternteil müsste ich nach dem gestrigen Tage stark überlegen, ob ich mein Kind nochmal auf die Fantribüne lassen würde.

Unterbrechung durch den Wurf von pyrotechnischen Gerät
Szenen einer Eskalation – (c) krone.at

Ich hoffe inständig, dass der Verein hier hart durchgreift und langfristige Stadionverbote erteilt. Der Ruf des Vereins wird durch diese Radaubrüder geschädigt, für die Spielunterbrechung und die mehrfachen Würfe von pyrotechnischem Gerät wird der Verein harte Strafen aufgebrummt bekommen. Ich hoffe ebenfalls stark, dass man sich hier an den Verantwortlichen schadlos halten kann. Einzelne Personen kommen und gehen und sind ersetzbar, aber der Verein bleibt bestehen. „No individual is bigger than the club“ ist hier ein weiteres Zitat, welches ich an dieser Stelle einwerfe.

Um einen Bogen zurück zum sportlichen Aspekt zu spannen: der Abstieg an sich ist hochverdient. Man hat die meisten Niederlagen am Konto, war die längste Zeit Tabellenschlusslicht, hat die wenigsten Tore erzielt, die wenigsten Auswärtspunkte geholt und in entscheidenden Momenten (0-1 in St. Pölten, 1-2 in Mattersburg, 1-1 gegen Wolfsberg, 1-1 gegen St. Pölten, 2-3 gegen Mattersburg) IMMER versagt.

Die Schuld dafür kann man vielen Personen in die Schuhe schieben: Stefan Reiter für seine Kaderplanung ohne einen bundesligatauglichen Stürmer, Christian Benbennek für die konditionellen Versäumnisse und seinen passiv-langweiligen Spielstil, Roland Daxl für seine Imperatorgebärden in der Winterpause, Franz Schiemer für sein aktives Einwirken auf den/die Trainer (welche meinen Quellen nach definitiv und massiv stattgefunden hat), Lassaad Chabbi für einige taktische Fehlgriffe (u.a. Durakovic gegen den WAC, die Einwechslung von Brandner gegen St. Pölten) und schlussendlich der Mannschaft selber.

Wenn man nur einen (oder vereinzelte) Fehler macht, steigt man nicht ab. Dieser Abstieg ist das Produkt einer Verkettung grober Fehler, Nachlässigkeiten und persönlicher Eitelkeiten. Ried hat immer davon gelebt, dass man diese Nebengeräusche den Großclubs und Lokalrivalen überlassen hat. Daher sollte man die Zweitklassigkeit nun dazu nutzen, um eine selbstreinigende Wirkung zu erzielen. Der Kader kann überholt bzw. neu aufgebaut werden, einzelne Vorstandsmitglieder können sich selbst hinterfragen und einige erlebnisorientierte Menschen können ihren Drang zum Radau zukünftig außerhalb der Keine Sorgen Arena (oder wie auch immer dieser aktuell zynische Stadionname kommende Saison lauten mag) ausleben.

Fakt ist: kommende Saison ist man kein Bestandteil der österreichischen Fußballelite. Man muss sich auf den Spieltermin am Freitagabend umgewöhnen. Es gibt keine HD-Spiele oder Einzellivespiele (abgesehen von der wöchentlichen 20:30-Partie) mehr. Man wird die besten Spieler verlieren (wie etwa Möschl an Dynamo Dresden). Die Zuschauerzahlen im Stadion werden wieder nach unten gehen. Es wird finanzielle Einbußen geben – egal ob im Bezug auf Fernsehgelder, Sponsorengelder oder Eintrittsgelder. Der LASK (mitsamt ehemaliger Rieder Vereinslegenden im Trainerstab) ist zum ersten Mal seit 1994 (!) eine Spielklasse über der SV Ried angesiedelt. Auch das wurmt (auch wenn es nicht jeder zugeben wird).

2003 ist das lähmende Gefühl der Ohnmacht erst vergangen, als die neue Saison mit einem 2:1 gegen den FC Lustenau eröffnet wurde. Heuer wird es wohl ebenso lange dauern, bis wieder eine gewisse Normalität einkehrt. Wenn ich mir unsere künftigen Gegner ansehe, dann sind die Auswärtsspiele in Kapfenberg, Hartberg und Wiener Neustadt für mich als Grazer äußerst anreisefreundlich gelegen. Wenn man beim FAC antreten muss, ist man wohl zum ersten Mal überhaupt Favorit bei einem Auswärtsspiel in Wien. Mit BW Linz bekommt man ein Derby in der Landeshauptstadt. Bei den Matches gegen Wacker und Wattens kann ich meine Schwester in Tirol besuchen. Und auch nach Grödig kann man nach einjähriger Pause wieder fahren um gegen die Wettbewerbsverzerrer aus Liefering zu spielen.

Abgesehen davon werde ich mir selbstverständlich auch wieder eine Abokarte sichern. Nächste Saison steigen dank der Ligaaufstockung zwei oder gar drei Vereine in die Bundesliga auf. Es gibt zwar aktuell noch keine Quoten, aber im Normalfall sollten Wacker Innsbruck und die SVR die beiden Topfavoriten auf den Aufstieg sein. Und wenn es wirklich so kommen sollte, dann kann ich in naher Zukunft nach Monaten von Depression und Abstiegsangst auch endlich einmal wieder über positive Dinge schreiben. In der Zwischenzeit trifft man hoffentlich die richtigen Schlüsse und auch wenn man es derzeit noch nicht so recht begreifen kann, beende ich meinen finalen Blogeintrag in dieser Saison mit einem letzten Zitat:

4378 Tage

So lange ist es her, dass am 27. Mai 2005 mit einem 3-2 Auswärtssieg in Kapfenberg der Wiederaufstieg in die Österreichische Bundesliga besiegelt wurde. Der Abstieg zwei Jahre zuvor (am letzten Spieltag, durch ein 0-3 gegen die Admira bei einem gleichzeitigen 2-0 von Bregenz in Favoriten) kam wie ein Schock und es dauerte auch ein mittelmäßiges Jahr in der zweithöchsten Spielklasse, um diesen zu verdauen.

Am kommenden Donnerstag wird die SV Ried nach 14 Jahren aller Voraussicht nach erneut als Absteiger aus der obersten Spielklasse feststehen, sollte man die Auswärtspartie in Altach nicht gewinnen. Selbst mit einem Sieg (welcher aufgrund der inferioren Auswärtsbilanz selbst wie ein kleines Wunder wäre) hätte man daraufhin am letzten Spieltag noch immer die mit Abstand schlechtesten Karten.

Gernot Trauner und Dieter Elsneg am Boden nach dem 1-1 gegen St. Pölten
Gernot Trauner und Dieter Elsneg nach dem 1-1 gegen St. Pölten – (c) nachrichten.at

Diesmal kommt der Abstieg allerdings nicht als Schock, sondern als Quittung für eine Saison mit zu vielen Versäumnissen und Eigenfehlern. Das Theater rund um Stefan Reiter und wenige Wochen später um Christian Benbennek. Die bereits angesprochene Auswärtsbilanz mit nur fünf Punkten aus 17 Spielen. Und auch die Freakshow an verlorenen Punkten im Frühjahr:

  • Die 0-1 Niederlage gegen die Admira durch einen Tausendguldenschuss in der Nachspielzeit (wobei dieser Gefallen später durch Fröschl retourniert wurde)
  • Der verschossene Elsneg-Elfer beim Stand von 0-0 in St. Pölten (Endstand 0-1)
  • Die 1-2 Niederlage nach 1-0 Führung in Mattersburg in der Schlussphase
  • Die 0-1 Niederlage in Graz in der 88. Minute (als bessere Mannschaft)
  • Der verschossene Elfer beim Stand von 1-0 und das anschließende Eigentor von Özdemir gegen den WAC zum 1-1 Endstand.
  • Das 1-1 am vergangenen Wochenende gegen einen eigentlich hilflosen Gegner aus St. Pölten mitsamt 100%iger Torchance von Elsneg beim Stand von 1-0.

Wir sprechen hier von mindestens 10, eher sogar 12 fahrlässig verschenkten Punkten, welche auch gestern bei Talk & Tore in einem grauenhaften Zusammenschnitt präsentiert wurden. Selbst wenn man „nur“ die beiden Spiele gegen Wolfsberg und St. Pölten hernimmt, wären diese vier Punkte mehr zum aktuellen Zeitpunkt ein großer Rettungsanker. Wie Alfred Tatar gestern sagte – wenn sowas einmal oder zweimal passiert, ist es Pech. Wenn es allerdings laufend passiert, mangelt es an Qualität.

Und wenn man von Qualität spricht, dann fehlte es an dieser heuer vor allem im Sturmzentrum an allen Ecken und Enden. Der Mittelfeldakteur Peter Zulj ist mit fünf Toren Toptorschütze, anschließend folgt Innenverteidiger Thomas Reifeltshammer mit vier Toren. Die vier nominellen Stürmer Orhan Ademi, Thomas Fröschl, Dieter Elsneg und Marvin Egho haben heuer zusammen in kumuliert 89 Spielen exakt sieben (7) Tore erzielt. Mit 29 Toren in 34 Spielen hat man die mit Abstand wenigsten Tore der Bundesliga erzielt. In der 20-jährigen Bundesligageschichte hat man nur in der Saison 1998/1998 weniger (25) erzielt. Damals reichten 32 Punkte (wie aktuell) jedoch für den 8. Tabellenplatz vor Austria Lustenau und Vorwärts Steyr.

Abgesehen davon hat man die meisten Spiele verloren, hält beim schlechtesten Torverhältnis, hat am öftesten zu-null verloren und auch ganz einfach gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf zu wenig gepunktet. In den vergangenen Jahre konnte man gegen die Gegner aus der hinteren Tabellenhälfte (wie etwa Wiener Neustadt, Altach, Grödig oder die Admira) immer gut anschreiben. Heuer ist dies ausgeblieben:

  • Salzburg: NNNU – 1 Punkt
  • Austria Wien: UNNN – 1 Punkt
  • Sturm Graz: SNNN – 3 Punkte
  • SCR Altach: SNS? – 6 Punkte
  • Admira Wacker: NSNS – 6 Punkte
  • Rapid Wien: NSNS – 6 Punkte
  • Mattersburg: SUN? – 4 Punkte
  • Wolfsberg: NNNU – 1 Punkt
  • SKN St. Pölten: SNNU – 4 Punkte

Man könnte sagen, man hat nur gegen das Tabellenmittelfeld ausreichend gepunktet. Neun Punkte (von möglichen 33) gegen die unmittelbaren Tabellennachbarn sind einfach zu wenig. Nur einer von zwölf möglichen Punkte gegen den WAC ist vermutlich sogar ein Hauptgrund für die aktuelle Tristesse.

All diese Statistiken sprechen gegen die SV Ried. Daher muss man festhalten, dass der Abstieg verdient und vielleicht auch überfällig wäre. Denn bereits im Laufe der beiden vergangenen Saisonen war man immer wieder (zumindest teilweise) in den Abstiegskampf verstrickt und konnte zu keinem Zeitpunkt Kontinuität in den Verein bringen (man denke alleine an die Trainerwechsel Angerschmid -> O.G. -> Kolvidsson -> Gludovatz -> Benbennek -> Chabbi).

Ein Abstieg wäre zwar eine Tragödie, jedoch keine Katastrophe. Wie bereits in meinem letzten Artikel angemerkt, hat man die allerbesten Grundvoraussetzungen für den direkten Wiederaufstieg. Trainer und Manager stehen fest, mit Marcel Ziegl wurde eine Identifikationsfigur langfristig an den Verein gebunden, mit Julian Wießmeier wurde einer der stärksten Spieler der skyGoEL verpflichtet und damit ein Statement gesetzt. Die Infrastruktur mit dem neuen Trainingszentrum, das Stadion im Eigenbesitz und vor allem die sensationellen Fans (6.600 am Samstag und damit mehr als etwa beim Meister in Salzburg) werden alles Faktoren sein, dass der Wiederaufstieg diesmal gleich im ersten Anlauf (und nicht wie damals erst im zweiten Anlauf) geschafft werden kann.

Jedes Ende kann daher als Chance für einen Neubeginn gesehen werden. Das stetig sinkende Zuschauerinteresse und die zuletzt ständige Chancenlosigkeit in Hinblick auf eine Europacupteilnahme haben die Rieder Fans zunehmend fußballmüde gemacht. Erst jetzt in der Krise konnte wieder ein Feuer entfacht werden und das berühmte Innviertler Zusammengehörigkeitsgefühl (abgewandelt vom bayrischen mia san mia) neu für sich entdeckt werden. Zuletzt haben Heimspiele auf einer gut gefüllten Westtribüne wieder Spaß gemacht – das war vorher jahrelang nicht mehr der Fall.

Kapfenberg statt Graz, Floridsdorf statt Hütteldorf und Linz statt Pasching – die Umstellung in der nächsten Saison wird definitiv nicht leicht fallen. Aber man lernt nach über einem Jahrzehnt wieder neue Fußballplätze kennen, fährt als Favorit zu Auswärtsspielen und kann um einen Titel kämpfen. Vor 14 Jahren hat die Aura des Wiederaufstiegs jahrelang nachgewirkt und im Endeffekt zu einem Vizemeistertitel, einem Cupsieg und zwei Herbstmeisterschaften geführt. Auf eine ähnliche Reset-Hoffnung kann man in der kommenden Saison hoffen. „Ob erste oder zweite Liga – wir sind alle treue Rieder“ heißt es in einem regelmäßig gesungenen Fangesang. Jahrelang schien die Botschaft dieses Lieds irrelevant und geradezu wie eine Erinnerung an längst vergessene Zeiten. Kommende Saison kann man jedoch beweisen, dass man auf Worte auch Taten folgen lässt. Auf den Rängen und auch am Platz.

Das Rieder Abstiegsszenario

Seit Anfang März wurde im Innviertel öfters von Endspielen gesprochen. Das erste definitive Endspiel findet allerdings erst kommenden Samstag in der Keine Sorgen Arena statt. Verliert die SV Ried das Heimspiel gegen St. Pölten und der WAC gewinnt zwei Stunden später das Heimspiel gegen Austria Wien, stünde man zwei Spieltage vor Saisonende bereits als Absteiger in die skyGo Erste Liga fest. Man würde ausgerechnet im 20. Jahr der Bundesligazugehörigkeit (1995-2003; 2005-2017) zum zweiten Mal den Gang in die zweithöchste Spielklasse antreten müssen.

Patrick Möschl am Boden nach der 0:3 Niederlage gegen Austria Wien
Patrick Möschl als Sinnbild für die aktuelle Lage (c) skysportaustria bzw. GEPA

Zweigleisige Kaderplanung und Transfers

Aufgrund der Tatsache, dass der Abstieg allerdings auch erst im letzten Moment (konkret gesagt am letzten Mai-Wochenende) entschieden werden könnte, gestaltet sich die Kaderplanung für Franz Schiemer derzeit wohl äußerst schwierig. Er muss zweigleisig planen, einzelne Spielerverträge gelten wohl nur für die Bundesliga. Zwei Spieler haben ihren Abschied bereits bekannt gegeben: Stefan Nutz wechselt nach Altach, Gernot Trauner muss/wird den Verein verlassen. Er wechselt aber nicht zu Sturm Graz, daher erscheint der LASK nun als wahrscheinlichste Variante.

Zudem läuft eine Vielzahl an Verträgen aus – mit Dieter Elsneg, Clemens Walch, Florian Hart, Alberto Prada, Nico Antonitsch, Thomas Bergmann, Orhan Ademi und Patrick Möschl ist die Zukunft von acht weiteren Spielern derzeit (zumindest nach außen hin) noch komplett offen. Allerdings sind hier nicht nur die Spieler am Zug. Schiemer selber muss sich folgende Fragen stellen: Wollen diese Spieler auch in der zweiten Liga spielen? Kann man sich diese Spieler in der zweiten Liga überhaupt leisten? Will der Verein diese Spieler überhaupt im Verein halten?

Die dritte Frage ganz sicher mit „ja“ kann man im Fall von Patrick Möschl beantworten. Er spielt im Frühjahr seine beste Saisonhälfte überhaupt im Dress der SVR und ist daher angeblich konkretes Thema bei der Austria aus Wien. Özgür Özdemir, Dieter Elsneg und Peter Zulj sind drei weitere Spieler, welche von der Qualität und vom Gehalt her in der zweiten Spielklasse wohl kaum zu halten sind.

Vieles spricht also für einen drastischen Kaderumbruch. Ein solcher wirkt sich erfahrungsgemäß gerade während der ersten zwei bis drei Monate einer neuen Saison negativ auf die Homogenität der Mannschaft und eine fluide Spielweise aus. Die Absteiger der letzten Jahre hatten im ersten Jahr in der Erste Liga sogar teilweise mit (erneuten) Abstiegssorgen zu kämpfen weil die Spielweise dort eine andere ist und viele Mechanismen aus der Bundesliga nicht greifen. Zudem sind die Plätze (teilweise viel) schlechter und Zweikämpfe sind ein viel größerer Faktor.

Daher müsste Schiemer bei der Kaderplanung neben Klasse/Ligatauglichkeit auch auf die Komponenten Routine/Erfahrung achten. Ein Joachim Standfest (dessen Vertrag in Wolfsberg nicht verlängert werden soll) wäre für mich ein absolut denkbarer Leithammel für eine Mission Wiederaufstieg. Grandios aber wohl nicht umsetzbar wäre eine Rückkehr von Anel Hadzic aus Ungarn zu seinem Stammverein. Dagegen sprechen aber sein relativ junges Alter von 27 sowie Gehalt – und eben auch die Liga.

Spieler gehen, Spieler kommen – in Sachen Neuverpflichtungen wurde zuletzt über den Namen Thomas Mayer gemunkelt. Der LASK-Spieler, welcher sich beim Spiel gegen die Admira im Rieder VIP-Club befand, ist bei Goodwin Sportmanagement unter Vertrag, jener Agentur welche u.a. auch Marcel Ziegl betreut. Schiemer kennt ihn aus seiner Zeit in Liefering und ist wohl von der Mischung aus Schnelligkeit und Giftigkeit überzeugt.

Laut Vorarlberger Nachrichten ist aber auch Pius Grabher ein heißer Kandidat für eine Reunion mit seinem ehemaligen Trainer. Heute wurde verlautbart, dass er den Verein zu Saisonende auf alle Fälle verlassen wird. Dagegen spricht, dass man ihm auch Interesse von fixen Bundesligamannschaften (u.a. Admira) nachsagt. Der Schweizer Gabriel Lüchinger, welcher derzeit als Spielmacher der Altach Amateure in der Regionalliga West (heuer 15 Tore und 6 Assists in 25 Spielen) agiert, soll ebenfalls ein Thema sein.

Grabher ist übrigens 170 cm, Mayer 171 cm und Lüchinger 172 cm „groß“ – ein Indiz dafür auf welche Art von Fußball Schiemer und Chabbi in der kommende Saison setzen wollen, unabhängig von der Ligazugehörigkeit.

Wiederaufstiegsfaktoren Stürmer, Vereinstreue & Trainer

Das wichtigste Kriterium in einem skyGoEL-Meisterkader ist allerdings ein Topstürmer. Ried hatte vor 12 Jahren den überragenden Sanel Kuljic, welcher mit 34 Toren in 34 Spielen bis heute den Zweitligatorrekord hält. Der LASK konnte heuer auf die Tore von René Gartler bauen, St. Pölten wurde im Vorjahr von Daniel Segovia getragen. Ein Jahr zuvor wurde Markus Pink Torschützenkönig bei Mattersburg und wiederum ein Jahr davor Hannes Aigner in Altach.

Das Toreschießen war heuer auch das Hauptproblem der SV Ried. Orhan Ademi konnte den in ihn gesteckten Erwartungen in keinem Aspekt gerecht werden, Thomas Fröschl erzielte sein erstes Saisontor im Mai und auch Dieter Elsneg (in den letzten beiden Jahren der Topscorer in Ried) erwischte heuer eine Seuchensaison. Hier müsste Schiemer also auf alle Fälle nachlegen um diese Schlüsselposition mit einem geeigneten Mann zu besetzen. Man würde wohl keinen Sanel Kuljic mehr finden, aber ein Überraschungsmann wie heuer Rafael Dwamena in Lustenau erscheint im Bereich des Möglichen.

Ein wichtiges und aus Fansicht sogar beeindruckendes Zeichen war die gestrige Vertragsverlängerung von Marcel Ziegl bis 2020. Dieser Vertrag ist sowohl in der Bundesliga als auch in der Ersten Liga gültig. Kapitän Thomas Gebauer sowie Vize-Kapitän Thomas Reifeltshammer haben beide ebenfalls bereits angedeutet, auch bei einem Abstieg die Treue halten zu wollen. Daher könnte man im Falle des schlimmsten Szenarios auf die wohl drei größten Identifikationsfiguren bauen. Sie stammen nicht nur aus der Region (bzw. gehören schon lange dort hin), sondern sind auch die drei längst dienenden Spieler im Rieder Kader. Thomas Gebauer ist seit 2006 in Ried, Thomas Reifeltshammer und Marcel Ziegl haben ihr Bundesligadebüt für Ried beide im Jahr 2009 gefeiert.

Mit Lassaad Chabbi hat man im Frühjahr einen Trainer verpflichtet, der die Erste Liga bestens kennt und mit Austria Lustenau lange im Aufstiegskampf war, bis der bereits genannte Topstürmer Rafael Dwamena in der Winterpause in die Schweiz verkauft wurde. Seine Akribie und unbändige Leidenschaft für den Fußball (welche man Augenzeugen zufolge in jedem einzelnen Training sieht) sind ein Hauptgrund dafür, dass sich die SV Ried Mitte Mai überhaupt noch im Abstiegskampf befindet. Die aktive, zweikampforientierte Spielweise scheint nicht nur den meisten Spielern besser zu liegen, sie ist auch deutlich attraktiver für die Fans. Kein Vergleich zur langweilig-passiven Spielweise unter Christian Benbennek, bei der die Stärken einiger Spieler (Paradebeispiel: Patrick Möschl) überhaupt nicht zur Geltung kamen.

Infrastruktur und Ticketpreise

In Sachen Infrastruktur wäre die SV Ried in der ersten Liga allen anderen Vereinen haushoch überlegen. Ein Stadion mit 7600 überdachten Plätzen im Eigenbesitz, eine innovative Rasenheizung, ein kürzlich eröffnetes state-of-the-art Trainingszentrum inkl. Kunstrasenplatz und ein für HD-Spiele ausreichendes Flutlicht kann in Kombination keine andere Mannschaft bieten, nicht einmal Wacker Innsbruck.

Aufgrund der Infrastrukturgegebenheiten kommen die meisten Teams, welche kommende Saison in der skyGoEL spielen werden, auch gar nicht für den Aufstieg in Frage. Im Endeffekt würde sich der Aufstiegskampf auf Wacker, Austria Lustenau sowie eventuell BW Linz und Wattens beschränken. Alle anderen Vereine haben finanzielle Probleme oder grobe infrastrukturelle Einschränkungen. Und Liefering darf sowieso seit Jahren nur den großen Wettbewerbsverzerrer mimen.

Hauptsponsor Guntamatic hat laut diverser Insider bereits signalisiert, auch in der 2. Liga auf alle Fälle an Bord bleiben zu wollen. Dennoch müsste die SVR gemäß einem Interview mit Finanzvorstand Daxl das Budget im Falle des Abstiegs um rund 30% reduzieren, was aber noch immer für eines der absoluten Topbudgets in der skyGoEL ausreichen würde. Hauptfaktor hier wohl die markant niedrigeren Bezüge aus den TV-Geldern. Als Rieder Fan müsste man sich zudem daran gewöhnen, nicht jedes Spiel live über 90 Minuten sehen zu können. Aber aufgrund der (zumindest derzeit) abgeschlossenen Infrastrukturoffensive könnte wohl ein Großteil der finanziellen Ressourcen in die dringend nötige Kaderplanung investiert werden.

Die Eintrittspreise müssten zwangsweise nach unten angepasst werden. Derzeit bezahlt man 18€ (17€ im VVK) für einen Stehplatz. Bei Gegnern wie Rapid oder Sturm Graz ist das noch absolut okay, gegen Hartberg oder Wattens wäre es dies jedoch nicht mehr. Daher sollte man alles daran setzen, so viele Abos wie möglich zu verkaufen. Je mehr Abos an den Mann (und die Frau) gebracht werden, desto größere Planungssicherheit würde der SVR beim Kampf um den Wiederaufstieg ermöglicht werden.

Der 12. Mann

Weil ich gerade die Abos angesprochen habe – last but not least könnte die SV Ried auch in der skyGoEL auf einen Fansupport bauen, welcher derzeit in der Bundesliga für den subjektiven fünften Platz hinter den „big4“ reicht. Szenen wie nach dem erkämpften 1-0 Heimsieg gegen die Admira sind mehr als nur bundesligareif. Die absolute Mehrheit der Fans würde auch in der Zweitklassigkeit zu ihrer Mannschaft stehen – gemäß dem Motto „Wir für euch – ihr für uns – wir gegen alle“.

Die Rieder Mannschaft beim Abklatschen mit den Fans nach dem 1:0 Sieg gegen die Admira.
Abklatschen nach dem 1-0 gegen die Admira (c) 90minuten.at via GEPA

Aufgrund der Spieltermine von Unterhauskickern (größtenteils Samstag und Sonntag) könnte sogar der Fall eintreten, dass man am Freitag um 18:30 (oder 20:30) wieder Zuschauer im Stadion begrüßen darf, welche aktuell während der Unterhausligasaison kaum Zeit für den Besuch von Bundesligaspielen haben. Im Gegensatz dazu ist der Freitagstermin natürlich weniger kinder- und familienfreundlich. Und auch für Menschen mit längerer Anreisezeit (Anm.: darunter befinde mich auch ich) wäre der Ankicktermin jedoch ein klarer Nachteil.

Ausblick in eine (un)sichere Zukunft

Zusammenfassend kann man konstatieren: ein Abstieg würde vieles ändern, schwieriger machen und natürlich sehr weh tun. Auch viele Fans anderer Teams sehen die SV Ried als Bereicherung für die Bundesliga und würden den Verein daher (zumindest ein bisschen) vermissen. Der gleichzeitige Aufstieg des LASK (inkl. seinem wirtschaftlichem Potential) würde den Abstiegsschmerz unter den Ried-Fans außerdem potenzieren.

Allerdings müsste man um die SV Ried sicher keine Angst und Sorge haben. Trainer und Manager stehen bereits fest und dienen der Planungssicherheit. Man hat beste infrastrukturelle Ausgangsbedingungen um talentierte Spieler auch in die 2. Liga zu locken. Außerdem würde der Zwischenstopp in der zweiten Spielklasse aufgrund der zuvor genannten Fakten hoffentlich auch nur eine Saison lang andauern, da nächste Saison durch die Aufstockung auf die 12er-Bundesliga zwei (oder aufgrund der Relegation gar drei) Teams in die Bundesliga aufsteigen werden.

Und wenn über alle Teile des Vereins (inkl. Fans) der gleiche selbstreinigende Effekt wie 2003 eintreten würde (die Langzeitfans wissen wovon ich spreche), dann wäre der Abstieg ein lehrreiches Kapitel gewesen, dass man als Dorfverein (im Sinne des Begriffes) im österreichischen Spitzenfußball nichts für gegeben oder dauerhaft beständig erachten darf. Denn auch Prototypen verlieren irgendwann einmal ihren Wettbewerbsvorteil und ihre Magie.

 


Disclaimer: ich bin kein Journalist sondern primär langjähriger Anhänger der SV Ried, der bereits einen schmerzvollen Abstieg miterlebt hat. Sollte mir also jemand Subjektivität vorwerfen wollen, dann wohl weil ich einige Dinge ziemlich subjektiv sehe ;- )

Die bitterste Niederlage seit 2003

Die samstägliche 1:2 Niederlage beim SV Mattersburg war ein tabellarischer (und auch moralischer) Genickschlag für die SV Ried. Nach dem überzeugenden 2-0 gegen Altach (dem ersten Sieg seit Anfang Dezember und dem ersten zu-null-Sieg seit dem 2. Spieltag) war die Stimmung unter der Mannschaft (und auch unter den Fans) eigentlich so positiv wie schon lange nicht mehr. Der 2-1 Testspielsieg gegen Dukla Prag in der Länderspielpause war laut Augenzeugen ein weiterer Schritt nach vorne. Dementsprechend motiviert traten wir am Samstag zu fünft den Ausflug nach Mattersburg an (von Graz aus eine ca. 90-minütige Fahrt). Bei herrlichem frühsommerlichen Wetter schmeckte nicht nur das Bier hervorragend, auch das Spielglück schien sich endlich auf unsere Seite zu schlagen.

Choreo der Riedfans vor dem Bundesligaspiel zwischen Mattersburg und Ried
Stimmung und Wetter vor der Partie sommerlich gut. Nachher war’s noch immer sommerlich, aber die Stimmung war nicht mehr gut. 

Nach einer einer Halbzeit, in der man Chancen en masse zugelassen hatte und sich mit einem 0-0 in die Pause zitterte, konnte Orhan Ademi in der 48. Minute sein erstes Tor seit 10. September (beim 3-2 Auswärtssieg in St. Pölten) bejubeln. Ein weiteres positives Zeichen, wie man zu diesem Zeitpunkt denken konnte. Doch nach zwei Aluminiumtreffern des im Abschluss glücklosen Stefan Nutz kam es am Ende so, wie es kommen musste. Dank Brachialgewalt (mit drei Mittelstürmern am Platz) knockte Patrick Bürger die panisch-ungeordnete Rieder Mannschaft mit einem Doppelschlag in der 84. und 86. Minute zurück auf den Boden der Realität.

Anstatt Platz 9 und einem kleinen aber immens wichtigen Schritt in Sachen Klassenerhalt musste man die Heimreise ins Innviertel mit der wohl bittersten Niederlage seit dem historischen 29. Mai 2003 im Gepäck antreten. Unter den über 30-jährigen Männern in unserem Auto herrschte bei der Heimreise zumeist betretenes Schweigen und auch der eine oder andere Schluchzer (auch von meiner Seite) war laut hörbar – zu bitter und brutal die Art der Niederlage und der tabellarische Status.

Vor Beginn des letzten Saisonviertels beträgt der Abstand auf den vorletzten Platz nämlich vier Punkte (aufgrund des schlechten Torverhältnisses effektiv sogar fünf Punkte). In den letzten 25 Jahren ist es keinem Schlusslicht zu diesem Zeitpunkt mehr gelungen, einen derartigen Rückstand noch aufzuholen und den Klassenerhalt zu sichern. Obwohl das Restprogramm den Umständen entsprechend akzeptabel ist, wird es ein kleines (vielzitiertes) Fußballwunder benötigen, um den zweiten Abstieg nach 2003 zu verhindern.

Die Anzeichen stehen freilich schlecht. Neben den Langzeitverletzten Clemens Walch und Matthias Honsak (der Standard-Flügelzange im Frühjahr) fällt auch der Kapitän Thomas Gebauer für weitere zwei bis drei Spiele aus. Sein Ersatz Reuf Durakovic hat am Samstag zwar eine ansprechende Leistung gezeigt, den Gegentreffer zum 1-2 muss er aufgrund seiner Parade nach vorne dennoch auf seine Kappe nehmen. Doch viel schwerer wiegt das Fehlen eines Routiniers und Ruhepols im Tor.

Wenn man davon ausgeht, dass bei den Auswärtsaufgaben in Graz (3.), Salzburg ( 1.), Favoriten (4.) und Altach (2.) nichts zu holen ist (nicht nur aufgrund der katastrophalen Auswärtsform mit neun (!) Niederlagen in Folge), dann müssen in den verbleibenden fünf Heimspielen wohl fünf Siege her, um eine realistische Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Zunächst begrüßt man kommenden Samstag den Krisenklub aus Wien-Hütteldorf, gegen den man in den bisherigen 19 Bundesligasaisonen nur einmal (2008/2009) das Heimspieldouble bejubeln konnte. Die Wiener sind ihrerseits unter riesigem Siegzwang und können sich nach einem sieglosen Frühjahr keine weitere Niederlage beim Tabellenletzten erlauben, wenn man selber nicht doch noch in den (zumindest theoretischen) Abstiegskampf rutschen will.

Anschließend geht es gegen den Wolfsberger AC, der im Tabellenmittelfeld nicht mehr viel verlieren kann und deswegen entspannt in die Partie gehen kann. Wie schwierig ein Heimspiel gegen die Admira ist, hat nicht nur die Wiener Austria am Samstag miterleben müssen – auch im Herbst gelang nur ein höchst schmeichelhafter und eigentlich unverdienter 2-1 Sieg durch ein spätes Siegtor von Patrick Möschl. Die letzten beiden Heimspiele der Saison sind dann echte Abstiegsknaller – falls es zu diesem Zeitpunkt noch um etwas geht. Nacheinander begrüßt man am 34. Spieltag die Wölfe aus St. Pölten, bevor man am 36. Spieltag zum Abschluss die Mattersburger empfängt.

Aufgrund des zunehmend schwachen Punktezuwachses im Laufe der Saison (waren es im 1. Saisonviertel noch 11 Punkte, so waren es im 2. Viertel nur mehr 9 und im 3. Viertel gar nur 3 Punkte) kann man jedoch nicht erwarten, dass man im 4. Saisonviertel nun auf einmal 15 Punkte einheimst. Mit 38 Punkte wäre man ziemlich sicher gerettet, es sei denn man wird den eigenen Rekord des besten Absteigers aller Zeiten (38 Punkte in 02/03) einstellen.

Die Spielanlage hat sich unter Lassaad Chabbi zwar zum Positiven verbessert, die Schwächen in der Defensive (vor allem bei Standards und hohen Bällen) sind jedoch weiterhin frappant und kaum zu kaschieren. Aufgrund der Tatsache, dass man gegen Mattersburg kein probates Mittel gegen deren lange Bälle hatte, könnte am kommenden Samstag ein ähnliches Schicksal gegen Rapid drohen. Eine Niederlage in diesem Spiel würde die Chance auf den Klassenerhalt logischerweise noch weiter senken.

War der erste Abstieg der Bundesligageschichte wie ein unerwarteter Schuss ins Genick, so bekommt man als Rieder Fan nun zum ersten Mal die gnadenlose und vor allem deprimierende Negativ-Aura des Abstiegskampfes mit, in der man nach dem einen oder anderen Wackler im Laufe der letzten zwei Jahre nun zum ersten Mal glasklarer Favorit ist. Noch hat man neun Spieltage Zeit, um den Abstieg zu verhindern. Ist der Klassenerhalt noch möglich? Ja. Ist er noch realistisch? Eher nein.

Wie erklärt man einen Abstieg?

Ich versuche das Gefühl dieser niederschmetternden und wirklich schwer zu verdauenden Niederlage in St. Pölten (der ich nicht selbst beiwohnen konnte) durch einige niedergeschriebene Worte zu verarbeiten. Warnung: ich hab wohl noch nie einen Text mit so vielen Konjunktiven geschrieben. Und der Grundtenor ist ebenfalls ziemlich schwarz, obwohl noch (nur mehr?) 11 Spiele zu absolvieren sind.

Elsneg wird von Ambichl am Elfernachschuss gehindert
Der zu früh in den Strafraum laufende Ambichl hindert die tragische Figur Dieter Elsneg am Elfernachschuss. (c) GEPA via Laola1

Wie kann man jemandem das Gefühl eines Abstiegs beschreiben, der dies noch nie erlebt hat (beispielsweise Rapid- und Austria-Anhänger sowie die jüngeren Salzburger und Blackies)?  Ich versuche es mit einer Annäherung: Man nehme ein verlorenes Cupfinale (hab ich schon erlebt), multipliziere es mit einer Klatsche in einem Derby und addiere noch eine Niederlage in der Nachspielzeit dazu (hat beides wohl schon jeder erlebt). Und dieses ungute, deprimierende, unsichtbar schleichende Gefühl verfolgt dich ein Jahr lang (oder noch länger, wenn der Direktaufstieg nicht sofort glückt, wie in unserem Fall damals).

Als die SV Ried in der Saison 2003 abgestiegen ist, konnte man dies bis zum letzten Spiel nicht wirklich erahnen oder damit rechnen. Durch den Punktepolster aus dem Herbst schien selbst die Negativserie aus dem Frühjahr nicht viel auszumachen. Selbst bei einer Heimniederlage am letzten Spieltag gegen die Admira hätte es ausgereicht, wenn der Tabellenletzte aus Bregenz nicht beim Meister aus Favoriten gewonnen hätte. Wie man aber weiß, kam es am Ende dann doch ganz anders.

Unmittelbar nach diesem Abstieg war das prädominante Gefühl (zumindest bei mir) ein Gefühl der Leere. Ich konnte nicht weinen, ich konnte nicht schreien, ich konnte nicht reden. Niemand wusste so wirklich, was gerade passiert war. Ein kleines Beispiel dafür, wie lange ich diesen Abstieg nicht realisieren konnte: als einen Monat nach dem Abstieg der Rahmenterminplan für die Bundesligasaison 2003/2004 veröffentlicht wurde, hab ich nach unserem ersten Spiel gesucht. Bis ich es dann endlich realisiert habe.

Ich schaue am Freitagabend gerne die Spiele aus der #skyGoEL – aber beim Gedanken daran, dass wir kommende Saison ein Bestandteil dieser Liga sein könnten – und Rapid sowie Sturm gegen Floridsdorf und Kapfenberg (nichts für ungut) austauschen müssen, wird mir schlecht. Zu sehr habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Mannschaft ein Fixbestandteil der obersten österreichischen Spielklasse ist. Während 20 meiner 33 Lebensjahre (das sind 60%) agiert die SV Ried aus dem schönen Innviertel in der Bundesliga.

Ich habe viele andere Vereine kommen und gehen gesehen (Kärnten, nochmal Kärnten, Altach, Mattersburg, Kapfenberg, Wacker, LASK, Wiener Neustadt, Grödig, und und und) und daher schon vor Jahren gesagt, ich würde eine Garantie bzw. ein Dauerabo auf den 6. Platz sofort unterschreiben, auch wenn wir dafür nie wieder international vertreten sein würden. Damals wurde ich noch belächelt, derzeit sehe ich mich leider bestätigt.

Das pikante Detail an der heurigen Gesamtsituation ist, dass der Supergau eines Abstiegs diesmal mit dem fast sicheren Aufstieg des Erzrivalen unter dem Ex-Trainer potenziert werden könnte. Mir fällt akut kein anderes Beispiel ein, ob es sowas in der Art schon mal gegeben hat und bin daher gerne für jeden Hinweis dankbar. Die Häme die aus dem Linzer Raum kommen würden, sind so sicher wie das Amen im Gebet. Ich verbringe fast den gesamten Juni in den USA und bin (aus Selbstschutz) derzeit ziemlich froh darüber, dass ich (zumindest anfänglich) spürbar weniger von den Nachwehen dieser potentiell verheerenden Situation mitbekommen würde.

Und sollte (dies ist mein liebster Konjunktiv in diesem Text) es trotz aller derzeitigen Anzeichen dafür am Ende (wie auch immer) doch nicht zum Abstieg kommen, dann sollte diese Saison einen großen Denkzettel für alle Beteiligten aus der Vereinsführung darstellen. Eben weil die derzeitige Situation im Vergleich mit 2003 nicht aus dem Nichts gekommen ist, sondern das Produkt der letzten drei Jahre darstellt.

Aber: Natürlich würde ich mir Anfang Juli ein Abo für die zweite Liga kaufen und meinen Arbeitsfreitag in Graz spätestens um 15:00 beenden, damit ich rechtzeitig um 18:30 vor dem Parkplatz der Keine Sorgen Arena (der Name dann nicht mehr zutreffend) ankommen könnte. Egal ob es gegen Floridsdorf oder Kapfenberg, Hartberg oder Ritzing geht. Und auch auswärts trifft man endlich wieder auf andere Gegner. Auf die möglichen Spiele im Franz Fekete Stadion freue ich mich aus irgendeinem perfiden Grund sogar wieder. In guten Zeiten mag jeder zu seinem Verein halten. Aber nur in schlechten Zeiten kommt es wirklich darauf an. Ich werde (aus bekannten Gründen) zwar nie bei „You’ll never walk alone“ mitsingen, aber der Grundgedanke gilt natürlich.

 

SV Ried: 7 Gründe für den sportlichen Rückfall seit 2012

Artikel am 16. August 2016 mit Punkt 7) aktualisiert.

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Erneut ist die SV Ried nicht unbedingt gut aus den Startblöcken gekommen. Nach einem inferioren 0-5 bei Rapid und dem doch etwas überraschenden 1-0 gegen den SK Sturm Graz musste man nach einem leistungsgerechten 0-1 beim Wolfsberger AC eine mutlose 0-2 Heimniederlage gegen RB Salzburg (ohne Ried-Schreck Soriano) hinnehmen. Wie schon im Vorjahr ziert man damit gleich im ersten Saisonviertel das Tabellenende und hat nach 360 Minuten noch immer nicht aus dem Spiel heraus getroffen. Das einzige Tor gegen Sturm resultierte aus einem herrlichen Freistoßtrick.

Aus diesem Anlass habe ich daher sieben Teilaspekte betrachtet, welche das ihre dazu beitragen, dass die SV Ried im Laufe der letzten Jahre von einem beständigen Kandidaten für die Europacup-Plätze zu einem legitimen Abstiegskandidaten (ähnlich wie zu Beginn des „Fußballwunders Ried“ in den 90er-Jahren) abgedriftet ist.

1) Der Trainerverschleiß

Im vergangenen August wurde bereits nach der fünften Runde reagiert und Helgi Kolvidsson nach einem desaströsen 1-3 in der Südstadt beurlaubt (5 Spiele – 0 Siege, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen bei 3:14 Toren). Altmeister Paul Gludovatz konnte die Wende herbeiführen und die Sportvereinigung in der tipico Bundesliga halten.

Doch grundsätzlich ist die SVR in den vergangenen Jahren am Trainersektor nie richtig zur Ruhe gekommen. Dies signalisiert auch der nachfolgende grafische Überblick über die Trainerhistorie der vergangenen viereinhalb Jahre:

Trainerhistorie SV Ried

Seit dem Ende der Ära Paul Gludovatz I ist Christian Benbennek aktuell der neunte Trainer binnen vier Jahren, was (fairerweise aufgrund diverser Interimstrainer) einen Schnitt von mehr als zwei Spielleitern pro Saison ergibt. Fuchsbichler war (höflich formuliert) eine Schnapsidee (und Notlösung für Peter Stöger, der stattdessen zur Austria wechselte). Die (Nicht-)Verlängerung des Vertrags mit Michael Angerschmid wurde dank einer ominösen Punktevorgabe zum medialen Politikum. Oliver G. (die Zweitlösung für Adi Hütter) verließ den Verein in einer Nacht- und Nebelaktion und wechselte zum Erzrivalen. Kolvidsson war bereits nach den Sommertestspielen (0-5 gegen Mlada Boleslav und 1-8 gegen Sparta Prag) zum Scheitern verurteilt (Anm. dazu: ich war bei beiden Spielen vorort).

Änderungen in der Spielanlage (unter Oliver G.) oder Systemumstellungen (wie unter Kolvidsson oder heuer beim Saisonauftakt unter Benbennek) haben haben stets zu gravierenden Problemen geführt. Daher wäre es aus Vereinssicht umso wichtiger, wenn man einmal wieder zwei volle Saisonen nacheinander mit dem gleichen Trainer beginnen könnte. Zuletzt war dies im Juni 2011 – also vor fünf Jahren – der Fall.


2) Die Nachwuchsspieler-Ebbe

Die SV Ried hat seit Jahren ein massives Nachwuchsproblem, welches durch die hervorragende Vergangenheit in diesem Sektor nicht so im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Konnten während der letzten 15 Jahre mit u.a. Manuel Ortlechner, Franz Schiemer, Emin Sulimani, Peter Hackmair, Anel Hadzic, Thomas Reifeltshammer, Philipp Huspek, Kevin Stöger oder Marcel Ziegl noch regelmäßig Nachwuchskräfte zu gestandenen Bundesligaprofis oder Legionären geformt werden, so herrscht seit dem Durchbruch von Patrick Möschl in der Saison 2013/2014 eine alarmierende Dürreperiode.

Die vergangenes Jahr in den Profikader hochgezogenen Niklas Kölbl, Sebastian Dirnberger und Albin Ramadani kamen zusammen auf 0 Einsatzminuten (in Bundesliga und Cup). Lag/liegt es am Talent? Das müssen und können andere beurteilen. Vielmehr kann man von einem Teufelskreislauf sprechen, wenn man von Beginn an (und dann sehr lange) gegen den Abstieg spielt. Je brenzliger die Situation, desto weniger vertraut man im Normalfall auf unerfahrene Nachwuchsspieler. Dies gilt freilich nicht nur für die SV Ried sondern für 95% aller Fußballmannschaften.

In der nachfolgenden Auflistung werden als faktische Untermalung alle Bundesligaeinsätze von Eigenbauspielern zwischen den Saisonen 2011/2012 und 2015/2016 betrachtet. Als Eigenbauspieler wird dabei zur Simplifizierung jeder Spieler deklariert, der vor seinem Bundesligadebüt Einsätze in der AKA 16, AKA 18 oder bei den Amateuren von Neuhofen/Ried vorweisen kann:

SAISON SPIELER MINUTEN TORE
2015/2016 Reifeltshammer Thomas* 2734 3
Möschl Patrick* 1027 2
Ziegl Marcel* 1004 0
Kreuzer Jakob 690 1
GESAMT 5455 6
2014/2015 Ziegl Marcel* 2217 0
Möschl Patrick* 1433 3
Reifeltshammer Thomas* 1329 1
Burghuber Thomas 267 0
Kreuzer Jakob 24 0
Baumgartner Julian 4 0
Mayr-Fälten Luca 2 0
GESAMT 5276 4
2013/2014 Reifeltshammer Thomas* 2607 0
Möschl Patrick* 1839 4
Riegler Jan-Marc 1410 0
Ziegl Marcel* 1213 0
Baumgartner Julian 1165 0
Kreuzer Jakob 297 0
Burghuber Thomas 114 0
Lucic Ivan 88 0
GESAMT 8733 4
2012/2013 Reifeltshammer Thomas* 3060 2
Zulj Robert 2842 11
Hadzic Anel 2589 6
Ziegl Marcel* 2573 1
Riegler Jan-Marc 2348 2
Hammerer Markus 497 2
Möschl Patrick* 40 0
Ibrahimovic Edin 7 0
GESAMT 13956 24
2011/2012 Reifeltshammer Thomas* 3150 3
Hadzic Anel 2908 7
Riegler Jan-Marc 2734 1
Ziegl Marcel* 1696 0
Zulj Robert 1242 6
Gabriel Lukas 270 0
Hammerer Markus 86 0
Burghuber Thomas 75 0
Baumgartner Julian 16 0
GESAMT 12177 17

n = 5 Jahre // Datenquelle = transfermarkt.at
Ein * signalisiert, dass sich ein Spieler noch im aktuellen Kader der Saison 2016/2017 befindet. 

Die Gesamtübersicht über die vergangenen fünf Saisonen ergibt folgendes Bild:

Saison Spieler Minuten Tore
2011/2012 9 12177 17
2012/2013 8 13956 24
2013/2014 8 8733 4
2014/2015 7 5276 4
2015/2016 4 5455 6

Hier ist ein eindeutiger Abwärtstrend über alle analysierten Kategorien hinweg erkennbar. So hat sich die Anzahl der eingesetzten Eigenbauspieler im Vergleich zur Saison 2012/2013 mehr als halbiert. Der Einsatzminutenwert hat sich fast gedrittelt und die erzielten Tore haben sich sogar geviertelt. In der letzten Saison gab es etwa (zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit) keinen einzigen Debütanten aus dem eigenen Nachwuchs.

Vor allem durch die Nähe zur Akademie von RB Salzburg ist es – wie immer wieder aus Interviews herauszuhören ist –  immer schwieriger geworden, große Nachwuchstalente in die eigene Akademie zu holen (oder in weiterer Folge zu halten). Sind dann einmal Riesentalente vorort – wie etwa der gebürtige Rieder Denis Omic (der letztes Jahr in die U17 der AS Roma wechselte) – dann werden diese bereits im jugendlichen Alter von global agierenden Vereinen abgeworben, welche ihr Scoutingnetz mittlerweile über fast alle Teile der erforschten Fußballwelt ausgebreitet haben.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. Die NMS Ried (welche aus Nachwuchsspielern der SVR besteht) wurde beim Bundesfinale des Schülerligaturniers 2015/2016 erst im Halbfinale gestoppt. Die AKA U18 belegte in der Saison 2015/2016 den 5. Tabellenrang in der U18 ÖFB Jugendliga, die AKA U16 beendete die Saison auf dem 6. Tabellenrang (von je 12 Teams). Somit besteht in diesem Aspekt durchaus Hoffnung auf Besserung der Situation im Laufe der kommenden Jahre.


3) Der Talente-Engpass

Vor noch wenigen Jahren galt die SVR als das Sprungbrett schlechthin für österreichische Nachwuchsspieler aus der Regionalliga / Erste Liga zu einem der Topvereine (Salzburg, Rapid, Austria, Sturm) oder ins Ausland.

Daniel Royer wurde von Pasching aus der RLM geholt und verließ den Verein 14 Monate später um eine kolportierte Million nach Hannover. Robert Zulj wurde ablösefrei von der FAL Linz verpflichtet und vier Jahre später zu RB Salzburg verkauft. Andreas Ulmer wurde ablösefrei aus Wien geholt und nur ein halbes Jahr später ebenfalls nach Salzburg verkauft. Thomas Schrammel kam ablösefrei von Rapid und wurde eine Saison später an ebendiese zurückverkauft. Marco Meilinger und Stefan Lainer konnten sich bei ihrer Zwischenstation in Ried für höhere Aufgaben empfehlen.

Zuletzt konnte man Thomas Murg nach eineinhalb Jahren im Verein an Rapid weiterverkaufen. Wie viel man letztendlich für ihn erhalten hat, ist aufgrund der nicht-bekannten Ablösedetails mit der Austria aus Wien nicht bekannt.

Anel Hadzic und Daniel Royer im Dress der SV Ried
Anel Hadzic und Daniel Royer als jubelnde tipp3 Bundesliga-Tabellenführer im Herbst 2010. – Quelle: http://www.n-tv.de

Diese Taktik blieb jedoch nicht ewig unentdeckt oder nachgeahmt. Auch die großen Vereine haben erkannt, dass man nicht nur fast-fertige Talente aus der Bundesliga kaufen kann, sondern auch halb-fertige Talente aus der Ersten Liga oder Regionalliga für wenig(er) Geld in den eigenen Verein holen und anschließend selber entwickeln kann. Die Scoutingnetzwerke der Großklubs wurden stufenweise ausgebaut.

Noch vor 5-10  Jahren wäre es meiner Meinung nach relativ undenkbar gewesen, dass sich ein Verein wie Rapid in der Regionalliga Mitte nach einem Spieler umschaut und Philipp Schobesberger von Pasching verpflichtet. Der aktuell im medialen Fokus stehende Maximilian Entrup ist ein weiteres Beispiel für diese These. Sturm Graz setzt ebenso (auch finanziell bedingt) schon seit Jahren auch auf Spieler aus unteren Ligen (z.B. Huspek, Edomwonyi, Piesinger).

Dahingehend ist es für die weniger finanzstarken Vereine der Bundesliga viel schwieriger geworden, jungen Spielern ein ein- oder zweijähriges Gastspiel im Mittelfeld der Tabelle (oder darunter) anzubieten, wenn zum gleichen Zeitpunkt bereits anderswo Einsatzminuten und ein mögliches Europacupabenteuer herausschauen können. Diesbezüglich hat man heuer bereits eine Reaktion der SVR gesehen. Vor Beginn der Saison 2016/2017 hat man größtenteils auf junge Spieler aus Deutschland (Chessa, Marcos, Özdemir) und nicht primär aus Österreich (Zulj, Egho) gesetzt.

Für Legionäre gilt übrigens das gleiche Prinzip. Wenn ein interessanter Spieler dazu bereit ist, einen Vertrag zu unterschreiben, dann meistens nur über eine Laufzeit von einem Jahr, meistens mit Option (z.B. Petar Filipovic). Um Spieler nicht ablösefrei zu verlieren (z.B. Anel Hadzic), müssen diese spätestens ein halbes Jahr vor Vertragsende verkauft werden (z.B. Oliver Kragl), weil man keine gute Verhandlungsposition gegenüber dem anfragenden Verein besitzt (ein halbes Jahr später könnte der Spieler doch kostenlos wechseln).


4) Der fehlende 15-Tore-Stürmer

Wie schon vor einem Jahr ging die SVR ohne einen klaren Einserstürmer in die Saison. Mit den völlig hinter jeglichen Erwartungen gebliebenen Manuel Gavilan und Daniel Sikorski wurden die Verträge jeweils einvernehmlich aufgelöst. Jakob Kreuzer – unter Paul Gludovatz im Frühjahr noch öfters in der Startelf aufgeboten – wurde für viele etwas überraschend ablösefrei an BW Linz abgegeben.

Thomas Fröschl ist objektiv gesehen nach wie vor jener Stürmer im Kader, bei dem das Gesamtpaket aus Torgefahr, Arbeitseinsatz und niedriger Verletzungsanfälligkeit am besten passt. Bzw. leider seit gestern gepasst hat (Achtung, Blut). Der zwischenzeitlich zum Mittelstürmer umgewandelte Clemens Walch ist im Gegensatz dazu verletzungsanfällig wie kaum ein anderer und hat zuletzt im April 2015 (!) drei Spiele nacheinander über 90 Minuten absolviert. Der neu geholte Marvin Egho kann nach seinen Leistungen bei Wiener Neustadt durchaus als Talent bezeichnet werden, wurde jedoch im ersten Saisonspiel nach zwei übermotivierten Fouls noch in der 1. Halbzeit des Feldes verwiesen.

Fabian Schubert konnte in der Vorbereitung (erneut) aufzeigen und hat unter dem Neo-Trainer schon jetzt mehr Einsatzminuten bekommen als unter Gludovatz (der augenscheinlich überhaupt nicht mit ihm klar kam). Er fällt jedoch auch in die Kategorie Talent und kann mit Sicherheit noch keine Bundesligamannschaft (an)führen. Bleibt noch Dieter Elsneg, der unter dem ehemaligen Trainer öfters als Solospitze (oder falsche Neun) eingesetzt wurde – und zum torgefährlichsten Riedstürmer der letzten Spielsaison avancierte.

Ein Stürmer mit der Qualität eines Gerald Strafner, Ronald Brunmayr, Sanel Kuljic (im Aufstiegsjahr sogar Bundesligatorschützenkönig), Hamdi Salihi, Rene Gartler, Robert Zulj oder Denis Thomalla (also der vielgepriesene 15-Tore-Mann) ist dennoch nicht in Sichtweite. Qualität wird weiterhin versucht durch Quantität wettzumachen. Dies ist schon in der vergangenen Saison nicht wirklich geglückt und wird daher auch in der Saison 2016/2017 zum Glücksspiel avancieren.

Sanel Kuljic, SV Ried-Legende trotz Inhaftierung
Sanel Kuljic – aufgrund seiner Leistungen für den Verein trotz aller Geschehnisse abseits des Feldes noch immer abgöttisch verehrt. (c) sportnet.at

5) Der Auswärts-Komplex

Das Faktum ist hinlänglich bekannt: seit 1995 ist die SV Ried 39x zu Rapid gefahren (ins Hanappi Stadion, ins Ernst Happel Stadion und in das Allianz Stadion) und hat dabei nie gewonnen. Doch wer der Meinung ist, dass man nur bei Rapid eine horrende Bilanz vorzuweisen hat, den wird folgender (Auswärts-)Überblick überraschen:

Gegner S U N Punkte
Rapid Wien 0 8 31 8 von 117
Sturm Graz 3 5 30 14 von 114
Austria Wien 3 8 27 14 von 114
Salzburg 3 10 25 19 von 114

Von 153 Auswärtsspielen gegen die „Big4“ konnte man 9 Spiele gewinnen und nur 40x nicht verlieren (ca. jede vierte Partie). Bereinigt man die Statistik von Salzburg um die Spiele der Austria Salzburg, dann ist man in der RB Arena seit 2005/2006 ebenfalls noch komplett sieglos.

Zum aktuellen Zeitpunkt (7. August 2016) ist man insgesamt gesehen 249 Tage ohne Auswärtssieg. In der gesamten vergangenen Saison konnte man auswärts nur einmal dreifach anschreiben (ein 3-1 in Altach, das lange vom Nebelabbruch bedroht war und deswegen besonders ironisch gewesen wäre). Doch wie steht dieser eine Sieg im Langzeitvergleich mit der eigenen Historie? Hier der Überblick über die Platzierungen der SV Ried in der Bundesliga-Auswärtstabelle seit 1995/1996 (2004 und 2005 fehlen aufgrund der Zugehörigkeit zur Red Zac Erste Liga):

Saison Platzierung S U N TV Punkte
2016 10. 1 7 10 19:35 10
2015 5. 5 3 10 17:29 18
2014 7. 3 8 7 22:33 17
2013 6. 5 3 10 27:36 18
2012 6. 3 9 6 19:21 18
2011 4. 6 5 7 26:21 23
2010 6. 2 5 11 11:27 11
2009 6. 3 5 10 18:29 14
2008 8. 3 2 13 12:37 11
2007 2. 4 9 5 20:24 21
2006 8. 3 6 9 18:35 15
2003 10. 2 4 12 14:38 10
2002 7. 5 3 10 19:31 18
2001 5. 4 6 8 24:28 18
2000 5. 4 5 9 20:25 17
1999 8. 2 3 13 12:32 9
1998 8. 3 4 11 12:30 13
1997 10. 1 3 14 14:40 6
1996 5. 5 5 8 24:28 20

Dieser einzelne Sieg und der letzte Platz in der Auswärtstabelle haben demnach Negativrekorde der Vereinsgeschichte egalisiert. Punktemäßig war man lediglich in den Saisonen 98/99 sowie 96/97 noch schlechter.

Wie kann man diese Auswärtsmisere erklären? Die Statistik mag teilweise täuschen, da auch vergleichbare Vereine (wie etwa Altach, Kapfenberg oder Mattersburg) eine schlechte Auswärtsbilanz (bei den Top4) vorzuweisen haben. Dennoch ist die inferiore Auswärtsbilanz der SVR (zuletzt konnte man nicht einmal mehr bei den Lieblingsgegnern in der Südstadt und in Wolfsberg anschreiben) ein weiterer Grund für den tabellarischen Rückfall, der durch eine umso bessere Heimbilanz kompensiert werden muss um hier nicht in Nöte zu geraten.


6) Das Infrastruktur-Paradoxon

Im Laufe der vergangenen Jahre wurde in der Keine Sorgen Arena eine Rasenheizung eingebaut, das Flutlicht auf 1.200 LUX erhöht und ein Familienbereich auf der Osttribüne eingerichtet. Außerdem wird derzeit das Trainingszentrum neu gebaut. Dennoch holt man sich damit komischerweise keinen markanten infrastrukturellen Vorsprung gegenüber den Bundesligakonkurrenten heraus.

Rapid hat das Allianz Stadion mit dem 5-0 gegen die SV Ried eröffnet, die Austria baut derzeit die Generali Arena aus, Altach ist ebenfalls mit der Erweiterung der Cashpoint Arena beschäftigt. Wolfsberg und die Admira haben im Sommer eine Rasenheizung eingebaut und mit St. Pölten ist sowieso ein Verein mit topmodernem Stadion in die Bundesliga aufgestiegen. RB Salzburg muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden und auch Sturm Graz hat infrastrukturell nur kleinere Probleme (Alter der Merkur-Arena) .

Die Zeiten mit mehreren Infrastruktur-Rückständlern in der Bundesliga (wie etwa Kapfenberg, Wiener Neustadt oder Grödig) sind vorbei. Lediglich Mattersburg fällt für mich noch in diese Kategorie, wenn man an deren Widerstand gegenüber dem Rasenheizungseinbau denkt (Anm.: und wie zum Teufel kann die Wiese hinter dem östlichen Tor bundesligakonform sein?). Dementsprechend wird der infrastrukturelle Wettbewerbsvorteil primär dank der strenger gewordenen Bundesliga-Lizenzkriterien immer geringer.


7) Der Zuschauerrückgang und das liebe Budget

Last but not least (und zuvor nicht Teil dieses Artikels): am vergangenen Samstag waren bei der handzahmen und völlig verdienten 0:2 Heimniederlage der SV Ried gegen RB Salzburg gerade einmal 4.600 Zuschauer in der Keine Sorgen Arena. Bei einer Partie, die in den vergangenen Jahren immer für Zuschauerzahlen über 6.000 oder gar über 7.000 garantiert hat. Grund genug für mich, den totalen Zuschauerschnitt seit dem Wiederaufstieg in der Saison 2005/2006 zu betrachten.

Zuschauerentwicklung SV Ried 2005-2016
Keine Sorgen Arena oder doch bald eher Viele Sorgen Arena? Quelle für die Daten: transfermarkt.at

Wie man gleich erkennen kann, geht der Zuschauerschnitt nur in eine Richtung: abwärts. Waren in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg (2005/2006) noch durchschnittlich 7.350 (!) Zuschauer bei den Heimpartien (davon 10 von 18 ausverkauft), so waren es vergangene Saison knapp 3.200 Zuschauer weniger. Pro Partie.

Kurze Ausschläge nach oben waren nur 2010/2011 (in der Herbstmeister- und Cupsiegersaison) und 2013/2014 (unter Michael Angerschmid, als man die ersten sieben Saisonspiele ungeschlagen bleiben konnte und zur Winterpause noch Tabellenplatz 4 belegte) erkennbar. Seit 2014 geht der Trend jedoch stark nach unten. Der Schnitt von 3.990 in der aktuellen Saison mag nach zwei Spielen noch nicht aussagekräftig oder statistisch signifikant sein, jedoch waren dies zwei Spiele gegen Sturm Graz und RB Salzburg, also zwei der vier potentiell zuschauerstärksten Spiele (nebst Rapid und Austria). Daher mag es zum derzeitigen Zeitpunkt also nicht unrealistisch sein, dass man Anfang Dezember gegen Mattersburg (in einer notorisch schwach-besuchten Jahreszeit gegen einen notorisch uninteressanten Gegner) maximal 2.500 Zuschauer im Stadion hat. Ried hat immer von der Heimstärke gelebt – bei einem Stadion, das nur zu 1/3 gefüllt ist, geht diese jedoch trotz der aktiven Fanszene relativ schnell verloren. Viel drastischer jedoch das Loch, welches diese niedrigen Zuschauerzahlen in das Budget reißt.

Daher sei an dieser Stelle eine Milchmädchenrechnung erlaubt. Ein Ticket für die West (Stehplatz) kostet EUR 18. Ein Sitzplatz auf den Längsseiten EUR 22 bzw. EUR 25 und auf der Gegenseite ebenfalls EUR 22. Würde man pro Spiel 500 Stehplatzkarten, 500 Sitzplatzkarten auf Süd/Nord und 500 Sitzplatzkarten in den Ecksektoren bzw. auf der Gegenseite mehr verkaufen, so würde dies bei einem Zuschauerschnitt von knapp 5.500 (also wie in der Saison 2011/2012) Mehreinnahmen von EUR 585.000 pro Saison bedeuten ((500*18+500*22+500*25)*18).

Mit diesem Betrag alleine würde man die Lücken im Sturm und im zentralen Mittelfeld mehr als nur schließen können. Dazu kommt auch der kolportierte Faktor, dass der neue Hauptsponsor Guntamatic weniger zahlt als ehemals Josko und auch die Oberösterreichischen Versicherungen weniger für die Namensrechte für die Keine Sorgen Arena zahlen als in den Jahren zuvor. Diese Behauptungen schreibe ich jedoch unter Vorbehalt, da die genauen Sponsorensummen nicht öffentlich bekannt sind und wohl auch nie bekannt gemacht werden.

Dennoch ergibt sich hier ein Teufelskreislauf. Fehlende Kontinuität und Erfolglosigkeit haben sinkende Zuschauerzahlen und abnehmendes Sponsoreninteresse zur Folge. Daher gibt es weniger Einnahmen aus Kartenverkäufen und Sponsorengeldern. Dies wiederum zieht Budgetcuts mit sich. In weiterer Folge bedeutet dies einen schlankeren, qualitativ nicht so hochwertigen Kader mit dem man aufgrund der Ausgeglichenheit der Liga in den Abstiegskampf gerät. Durch den Abstiegskampf kann man erneut nicht auf Kontinuität (und z.B. auch Nachwuchsspieler) setzen und alles beginnt von vorne. Für diesen Trend ist leider trotz diverser Aktionen (neue Website, Kids-Corner etc.) vonseiten des Vereins kein Ende in Sicht.


Zusammenfassung und Ausblick

Für kleine Vereine wie Ried oder auch Mattersburg wird das Überleben in der höchsten österreichischen Spielklasse zunehmend schwieriger. Eine zunehmende Fußballübersättigung (wie etwa heuer durch einen nahtlosen Übergang von Bundesliga zu Europameisterschaft und wieder retour) hält außerdem weitere Fans aus den Stadien fern.

Natürlich genieße ich (und wohl jeder andere SVR-Fan) jedes Jahr mit Bundesliga-Zugehörigkeit. In der heurigen Jubiläumssaison (#20) wäre es außerdem besonders tragisch, am Ende den schweren Gang in die skyGo Erste Liga antreten zu müssen. Ein Weltuntergang wäre es jedoch keiner, da man fast allen Teams in der zweithöchsten Spielklasse infrastrukturell überlegen ist, über eine Akademie verfügt die gerade (hoffentlich) wieder am Aufschwung ist, über Rückendeckung aus der Region verfügt und auf eine aktive, über 25 Jahre hinweg gewachsene Fanszene bauen kann.

Zudem könnte das (erneute) Intermezzo in der Ersten Liga denkbar kurz sein, steigen doch in der Saison 2017/2018 aufgrund der Ligaaufstockung gleich zweieinhalb Teams in die Bundesliga auf. Zu den zwei Fixaufsteigern wird eine Relegation zwischen dem Letzten der Bundesliga und dem Dritten der Erste Liga ausgetragen. Und mit Relegationen hat die SV Ried ziemlich gute Erfahrungen.


Über den Autor // Disclaimer

Ich wurde 1983 in Ried im Innkreis geboren und besuche die Spiele der SVR seit 1989. Seit 2003 bin ich durchgehend Dauerkartenbesitzer auf der Westtribüne obwohl mein Lebensmittelpunkt seit Ende 2007 in Graz liegt (und davor zwischen 2002 und 2006 in Salzburg lag). 

Die Inhalte dieses Blogartikels drücken einzig meine persönliche Sichtweise aus. Diese wurde versucht, mit diversen Fakten und Statistiken zu untermauern. Positives (und auch negatives) Feedback wird abgesehen von der Kommentarfunktion auch gerne unter der E-Mail-Adresse gerald@emprechtinger.com entgegengenommen.

Die SV Ried steigt (nicht) ab, weil…

svr_niederlage
(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt ab, weil

… der Frühjahresspielplan einigermaßen ungünstig beginnt. Nach einem Auswärtsspiel beim Angstgegner in Mattersburg muss man im eigenen Stadion gegen RBS antreten. Bei einer Doppelnull zu Beginn könnte man schneller als erhofft/befürchtet wieder die rote Laterne übernehmen. Auch die breite Brust der letzten erfolgreichen Spiele im Herbst würde damit gleich wieder verloren gehen.

… mit Marcel Ziegl der wohl objektiv beste Spieler der Herbstsaison (bis zu seiner schweren Verletzung) durch seinen Kreuzbandriss noch die gesamte restliche Saison ausfällt und bisher als Schaltzentrale im 3-3-3-1 in keiner Weise ersetzt werden konnte.

… mit Oliver Kragl nicht nur der offensivstärkste, schussgewaltigste und freistoßbeste Linksspieler der Bundesliga in die Serie A verkauft wurde, sondern auch ein echter Typ, Arbeiter und Leader verloren gegangen ist, wie man ihn seit den Zeiten von Drechsel und Lexa nicht mehr in der Mannschaft hatte.

… man im Vergleich mit den Konkurrenten wie etwa Grödig, Altach oder Wolfsburg diesen Abstiegskampf nicht wirklich kann. Zuletzt stand man nach dem Abgang des Trainerduos Weissenböck/Schimpl etwas unter Zugzwang, jedoch nie so knöcheltief wie in der heurigen Saison. Auch für den erfolgsverwöhnten Paul Gludovatz ist diese Erfahrung eine neue.

… weiterhin dieser Stürmer fehlt, der 10-15 Tore pro Saison macht. Durch die leichte Systemumstellung der letzten Runden konnte dies zwar kompensiert werden, jedoch werden sich die Gegner darauf einstellen können und man kann nicht immer darauf hoffen, dass die Innenverteidiger (Filipovic, Reifeltshammer) in der Not offensiv einspringen.

Gerhard Schweitzer doch wichtiger war, als die Allgemeinheit dies beziffern konnte. Nach seinem Abgang per 31.1. muss Gludovatz zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne seinen kongenialen Partner auskommen – und in seinem Alter fällt die Umstellung auf einen anderen Partner normalerweise schwer – ganz unabhängig von den Qualitäten des Mario Posch.

… die Leihspieler aus Liefering zwar über enormes Talent verfügen (ich schaue die skyGo Erste Liga regelmäßig), sich jedoch innerhalb dieser kurzen Zeit nicht mit dem Abstiegskampf akklimatisieren oder dem Verein identifizieren können. Falls es eine Klasse nach unten geht, spielt man dann eben wieder im Heimatstall weiter.

… es weiterhin Unstimmigkeiten und Machtspiele im Verein gibt, welche die Leistungsfähigkeit der Spieler zumindest beeinflusst. Außerdem gibt es immer wieder Meldungen, mit denen man vor 4-5 Jahren nicht gerechnet hätte. Als Beispiel sei hier der vor wenigen Tagen bekannt gegebene Verlust von 1,151 Millionen in der letzten Bilanz genannt, auch wenn die Situation von Finanzvorstand Daxl zuletzt bereits (verbal) entschärft wurde.

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Die SV Ried steigt nicht ab, weil

… man sich nach der Ära Kolvidsson enorm stabilisieren konnte, seit Gludovatz/Schweitzer auf einem fiktiven 5. Tabellenplatz steht und ein positives Torverhältnis (20:19) aufweisen kann. Diese Konstanz ist im weiteren Abstiegskampf unschlagbar.

… man bisher alle „big points“ holen konnte. Beim 1-0 im ersten Spiel unter Gludovatz gegen Sturm, beim 1-0 in der 16. Runde gegen Grödig, beim 3-1 in der 18. Runde gegen Altach und natürlich auch beim 1-0 in der letzten Runde vor der Winterpause gegen den WAC. Wenn man weiterhin jedes „do or die“ Spiel verliert, steigt man auch nicht ab.

… Spieler wie Elsneg oder Murg endlich die erwartete Leistung abrufen können, zu welcher sie der Ex-Trainer mangels fehlender Kompetenz nicht führten konnte. Mit 12 Scorerpunkten distanziert Didi Elsneg den zweitbesten Spieler seiner Mannschaft sogar um 6 Punkte. Thomas Murg wirkt nach der Geburt seines ersten Kindes wie befreit und konnte etwa die Austria Wien beim 4-2 nahezu im Alleingang zerlegen.

… man mit Thomas Gebauer auf einen der (wieder) besten Torhüter der Liga als sicheren Rückhalt zählen kann, der die eine oder andere unhaltbare Chance zunichte machen kann. Seit des Tormanntrainerwechsels zu Hubert Auer ist der Bayer bis auf wenige Aufnahmen wieder jener Keeper, der es in den späten 00er-Jahren auch einmal zum österreichischen Torhüter des Jahres schaffte.

… einige Spieler wie Walch, Möschl oder Gavilan aufgrund von Verletzungen (und der Ära Kolvidsson) noch nicht zeigen konnten, wozu sie wirklich fähig sind. Zudem kommen mit Honsak und Brandner (als Widerspruch zum Grund pro-Abstieg) zwei talentierte und variable Spieler in die Mannschaft, welche sich ohne viel Vorlaufzeit in die Mannschaft einfügen können und den Konkurrenzkampf steigern werden.

… es auch bei den anderen Mannschaften viele Unstimmigkeiten und Störfeuer gibt, stellvertretend sei hier der gerichtliche Abgang von Karim Onisiwo bei Mattersburg genannt, der spielerisch nur schwer zu ersetzen sein wird. Grödig spielt als einzige Mannschaft auswärts und daheim quasi ohne Fans und beim WAC ist die Insolvenz von Hauptsponsor RZ noch im Hinterkopf.

… man im Falle des Falles trotzdem wieder auf Stefan Reiter vertrauen kann. Trotz aller berechtigter/öffentlicher Kritik (auch von meiner Seite) blieb er immer ruhig und optimierte nach innen, anstatt täglich mit den Medien zu diskutieren oder in Panik zu verfallen. Dass einige verpflichtete Spieler im richtigen System doch stärker sind als geglaubt (z.B. Polverino, Filipovic), konnte man während der letzten Herbstrunden beobachten.

… man im letzten Meisterschaftsviertel auf Heimspiele gegen Mattersburg, die Admira und Grödig bauen kann. Und falls es wirklich brenzlig wird, kann die SVR (subjektiv und objektiv) viel mehr Fans und Zuschauer zu Heim- und Auswärtsspielen mobilisieren als alle Konkurrenten im Abstiegskampf. Unter anderem auch weil die (Auswärts-)Wege im Vergleich mit Wolfsberg, Mattersburg oder Altach insgesamt gesehen kürzer sind. Und weil Innviertler – trotz aller Konflikte und Unstimmigkeiten – am Ende trotzdem zusammenhalten.

Der Befreiungsschlag

Der Fußballsport ist kurzlebig. Rechnete man nach dem inferioren 1-3 bei der Admira vielerorts noch mit dem Fixabstieg der SV Ried, so denkt man seit dem gestrigen Spiel gegen Sturm Graz schon wieder an die Qualifikation für die Europa League (natürlich bloß überspitzt formuliert). Doch die Erleichterung nach diesem gestrigen Sieg war und ist noch immer immens. Für mich persönlich war es sogar der wichtigste Sieg seit dem Cupfinale im Jahre 2011 (den man durch die Favoritenstellung gegenüber Austria Lustenau einfach einfahren musste). Auch die knapp 5000 Zuschauer sind eine positive Überraschung und sollten in naher Zukunft wieder zur Norm und nicht zur Ausnahme werden.

Paul Gludovatz hat es binnen fünf Tagen geschafft, einer am Boden liegenden Mannschaft wieder Leben einzuhauchen. Die Stabilisierung der Defensive war dabei Hauptaugenmerk. Ließ man in den bisherigen Saisonspielen immer mindestens fünf Großchancen zu, so kam Sturm trotz Offensivpower durch Avdijaj, Tadic, Schick und Co. gestern nur zu insgesamt zwei gefährlichen Torabschlüssen (wenn man die Volley-Schussflanke von Schick nicht dazurechnet).

Ich bin kein Taktikfreak, diese Analyse überlasse ich daher den Kollegen von ballverliebt, die eine großartige Analyse des Comebacks des berühmt-berüchtigten 3-3-3-1 verfasst haben. An dieser Stelle möchte ich stattdessen Körpersprache und Einstellung der Spieler hervorheben. Gludovatz sprach im sky-Interview nach dem Spiel davon, dass man im Training primär versucht hat, alles mit Kinn und Nase nach oben zu agieren. Dass diese Maßnahme bereits im ersten Spiel gefruchtet hat, war dennoch nicht abzusehen. Erstaunlich ist nämlich, dass einige Spieler wie ausgewechselt spielten, egal ob Gavilan (der den Ball gut abschirmen und verteilten konnte), Janeczek (der als Wingback sogar eine Maßflanke auf Elsneg anbrachte) oder auch Trauner (der gestern endlich wieder den souveränen Abwehrchef mimte) – nur um jetzt einige Beispiele zu nennen. Positiv überrascht konnte man auch über das Comeback von Thomas Reifeltshammer sein, der ohne jegliche Matchpraxis wohl seine beste Leistung seit der Ära Gludovatz I ablieferte und zweifelsohne einer der großen Gewinner des Trainerwechsels ist.

Auch wenn es nur eine Momentaufnahme darstellt, aber mit einer kompakten und aggressiven Spielweise wie gestern sollte diese Mannschaft im Laufe der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Nicht nur fünf Gelbe Karten, sondern auch die meisten Fouls einer Mannschaft in einem Spiel dieser Saison sind Beweis dafür, dass man gestern eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft agieren sah (bei der man gerade in der 1. Halbzeit kaum glauben konnte, dass es sich um die SVR handelte). Der Funke vom Spielfeld sprang gestern auch auf die Tribüne(n) über, denn ich kann mich bei bestem Willen nicht erinnern, wann die Stimmung bei einem Heimspiel zuletzt so gut war (für mich als Rieder in Graz sind die Duelle mit Sturm natürlich auch von besonderer Bedeutung und ich kann morgen ebenso mit erhobenem Kinn durch die Stadt gehen).

Eine (weitere) richtungsweisende Partie wird es allerdings kommende Woche in Grödig geben. Gewinnt man diese Partie, so überholt man einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf und die Tabellensituation bessert sich nochmals. Grödig hat zuletzt dreimal in Folge verloren (und muss auch ohne das ehemalige SVR-Rauhbein und Abwehrstabilisator Hari Pichler antreten) und nimmt nach einem überraschenden Saisonstart so langsam die Position ein, welche ihnen die meisten Experten vor Saisonbeginn eingeräumt hatten. Doch die bisherige Bilanz der SVR am Untersberg ist schlecht, denn nur einem Sieg sowie einem torlosen Unentschieden stehen zwei Niederlagen gegenüber.

Auch ein Rückschlag wäre kein Weltuntergang, denn mit dem gestrigen Sieg hat man sich für’s Erste einiges an überraschender Luft verschafft und anschließend haben Gludovatz/Schweitzer durch die Länderspielpause auch zwei Wochen Zeit, um System und Spielweise weiter voranzutreiben und in die Köpfe der Spieler zu bekommen. Die Lernbereitschaft und den Willen spreche ich den Spielern mittlerweile zu, denn Siege machen Spaß – eine Tatsache, welche die aktuelle Mannschaft bereits größtenteils vergessen hatte. Die SV Ried ist wieder da wurde gestern während der zweiten Halbzeit intoniert. Dies verdankt man primär einem Mann, der als Sir Paul geadelt wurde und kein Messias sein will, aber in diesem Bezug einfach ignoriert wird. Denn Ried und Gludovatz, Gludovatz und Ried – das hat gepasst und passt noch immer.

Abstiegskandidat Nummer Eins

Ich bin ein Fußballfan mit realistischen Vorstellungen und Erwartungen. Ich bin mir dessen bewusst, dass die SV Ried nur über ein eng bemessenes Budget verfügt und mit den großen Teams aus den Landeshauptstädten unter Normalbedingungen nicht mithalten kann. Daher ist der Kampf um einen Europapokalplatz für mich eine Ausnahme und positive Begleiterscheinung, kein Muss oder Ziel. Dass Spieler mit Potential (zuletzt Lainer und Thomalla) nach einer guten Saison meist bei einem anderen (größeren) Verein landen, ist ebenfalls bekannt und daher verschmerzbar. Dass der schlafende Riese (der sich allerdings seit einem Vierteljahrhundert im Tiefschlaf befindet) aus Linz bei einem Aufstieg einige Sponsoren und auch Fanpotential aus zentalen Bezirken abgraben könnte und würde, ist ebenfalls eine realistische Bedrohung (auch wenn es die meisten Anhänger aus dem Innviertel nur schwer zugeben würden). Ein gesicherter Platz im Mittelfeld ist durch diese vielen Faktoren kein Beinbruch, sondern ein vernünftiges und realistisches Ziel.

Daher würde ich mich auch mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Mannschaft und Verein (inkl. Infrastruktur) und dem regelmäßigen Ärgern der großen Teams (RBS, Rapid, Austria, Sturm) vollauf zufrieden geben. Zweiteres passiert jedoch so gut wie überhaupt nicht mehr (in der letzten Saison wurde von diesen 16 Spielen gegen die big4 gerade einmal EINES gewonnen) und ersteres wird zum immer größeren verbalen Ärgernis. Denn das offizielle Saisonziel, die Spieler weiterzuentwickeln, ist zwar realistisch und pragmatisch formuliert, geht dem gemeinen Fan jedoch komplett am Hinterteil vorbei. Ich verstehe nicht, wieso man die Ziele nicht etwas spannender formuliert, z.B. mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben will oder Fußballfeste in der Keine Sorgen Arena feiern will. Mit solchen Zielen lockt man mit Sicherheit mehr Interessenten ins Stadion, unabhängig davon, wie das echte/interne Saisonziel lautet.

Dazu kommt der Umstand, dass andere Teams der gleichen Größenordnung wie Wolfsberg oder Altach seit wenigen Jahren ebenfalls verstehen, wie man einen Verein intelligent und nachhaltig führt und weiterentwickelt. Zudem betreiben die größeren Vereine seit wenigen Jahren auch ein besseres Scouting im Bezug auf junge österreichische Spieler in den unteren Klassen, als Beispiel sei hier Rapid mit Schobesberger genannt. Durch diese beiden Faktoren geht ein ehemaliger Wettbewerbsvorteil nach und nach verloren. Mittlerweile bekommt man high-potential-Spieler (wie einst Royer oder Ulmer) maximal nur mehr auf Leihbasis. Aus dem eigenen Nachwuchs kommt seit Patrick Möschl ebenfalls nur mehr sehr wenig (bis gar nichts) nach, da auch hier lokale Rivalen wie RBS die Gegend aggressiver abgrasen (pun intended) und der Kampf um echte Nachwuchstalents härter denn je scheint.

Wenn es um den langsamen aber stetigen Abwärtstrend der letzten Jahre geht, dann müssen an diesem Punkt auch einmal die Trainerentscheidungen nach der Ära Gludovatz hinterfragt werden. Mit Fuchsbichler wurde ein No-Name installiert, der sich primär damit einverstanden zeigte, mit dem dominanten Co-Trainer Gerhard Schweitzer zusammenzuarbeiten. Dass dies nicht gut gehen würde, war für alle relativ schnell erkennbar und resultierte mit der frühzeitigen Entlassung nach einer 1-6 Blamage in Favoriten. Mit Michael Angerschmid folgte ihm ein Trainer ohne jegliche Erfahrung in den drei höchsten Spielklassen nach, dessen letztes Saisonviertel durch die öffentliche Diskussion um die im Vertrag verankerten 48 Punkte völlig zur Nebensache geriet. Mit O.G. (Name wird vom Autor weder ausgeschrieben noch ausgesprochen) wurde ein Trainer installiert, der von einer Spielphilosophie des Krösus aus Salzburg träumte, infolgedessen wurde die Spielweise (Dreierkette, Offensivpressing usw.) völlig umgekrempelt und der letzte Tabellenplatz nach dem ersten Saisonviertel war die Folge. Zudem gab auch negative Schlagzeilen außerhalb des Spielfeldes, Stichwort Kamingespräch. Nach dem unrühmlichen Abgang zu Pfingsten wurde mit Kolvidsson ein Trainer verpflichtet, der gerade mit einer Mannschaft abgestiegen war und dessen Frühjahresabsturz mit Austria Lustenau vor drei Jahren geradezu spektakulär abgelaufen war.

Ebenso wurde das Spielsystem erneut umgestellt. Von einem 3-5-2, das zumindest regelmäßig defensiv funktionierte, auf ein flaches 4-4-2, mit welchem zwar vielleicht Manchester United in den 90ern Erfolg hatte, dort jedoch auf etwas anderes Spielermaterial zurückgreifen konnte. Und nebenbei wird dieses leicht zu knackende System nicht zu Unrecht schon seit über einem Jahrzehnt international nicht mehr wirklich gespielt. Die Folge? Eine inferiore Vorbereitung mit Niederlagen gegen Hajduk Split, gegen eine wirklich schwache Mannschaft aus Podbrezová sowie mit einem last-minute-Unentschieden gegen Târgu Mureș.

Das erste große Warnsignal sendete jedoch das Testspiel gegen Mlada Boleslav aus, welchem ich unglücklicherweise live in Hinterstoder beiwohnen durfte. Zur Pause stand es glücklicherweise nur 0-4, man hätte sich über ein 0-6 oder gar 0-7 jedoch auch nicht beschweren dürfen. Hätten die Tschechen nach einer Stunde nicht alle Stammspieler gewechselt und zwei Gänge zurückgeschaltet, die Niederlage wäre deutlich heftiger als mit 0-5 ausgefallen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir noch, ein (zu) starker Gegner am Ende des Konditionstrainings wäre ein logischer Ausrutscher gewesen. Das blamable 1-8 gegen Sparta Prag (ohne sechs Stammspieler) eine Woche später bewies jedoch das genaue Gegenteil. Massiv überforderte Außenverteidiger, ungenügende Unterstützung von den Mittelfeldspielern und absolut keine Abstimmung bei Standards versprachen eine Woche vor dem Saisonbeginn eine ungemütliche Zeit für Trainer und Mannschaft.

Mit dem knappen 2-3 gegen Galatasaray (welches wohl auch dem Fitnesszustand der Türken geschuldet war) und dem 15-0 gegen den SV Innsbruck wurde kurzzeitig der Eindruck geweckt, man hätte die Kurve gekratzt und Selbstvertrauen für den Saisonbeginn getankt. Dass diese beiden Ergebnisse (und auch Gegner) jedoch nur über die Schwächen hinwegtäuschen würden, konnte man im ersten Meisterschaftsspiel gegen Rapid recht schnell erkennen. Das 0-3 schmeichelte am Ende, bei einem nachdrücklicheren Ausnutzen der Chancen wäre hier schon ein Ergebnis irgendwo zwischen Mlada Boleslav und Sparta Prag möglich gewesen. Das 0-0 gegen den WAC, welches kämpferisch sehr okay war, war jedoch durch die glasklaren Chancen der Kärntner (dreimal rettete die Latte, einmal Prada auf der Linie, zweimal Gebauer in extremis) auch nur ein kurzzeitiger Moralschub für den gebeutelten Anhang, weil man den letzten Tabellenplatz verlassen konnte. Der schlechte Nachgeschmack der vielen vergebenen Chancen der Wolfsberger blieb jedoch.

Die heutige (bzw. mittlerweile gestrige) Partie gegen Mattersburg hat mir (und vielen anderen) jedoch nun endgültig den Rest gegeben. Es laufen Spieler in dieser Mannschaft herum, die einfach keinerlei Spielintelligenz besitzen. Dass man einen Ball nicht in die Mitte klärt, dass man einen Ball nicht im Fünfer aufspringen lässt, dass man den Gegner bei Standardsituationen nicht aus den Augen lassen soll, das lernt man alles in frühester Jugend. Dennoch passieren seit zwei Monaten genau diese fundamentalen Fehler. Sobald ein Gegner einen konzentrierten Angriff mit 1-2 schnellen Pässen vorträgt, implodiert die Defensive der SVR in geradezu unheimliche Dimensionen. Konkret waren heute Janeczek und Bergmann mehr als nur überfordert, die beiden hätten sich bei mir für die heutige Antileistung sogar eine kurzzeitige Nachdenkpause verdient, schlechter hätten sich Reifeltshammer und Baumgartner auch nicht anstellen können. Neben der Spielintelligenz fehlt jedoch auch jegliche Abstimmung in der Defensive. Ein Punkt, den Kolvidsson im Interview nach dem Match nicht nur anmerken sollte, sondern für den er seit nun knapp zwei Monaten eigentlich hauptverantwortlich ist.

Auch die andauernde Ausrede, dass man elf neue Spieler im Kader hat, zieht bei mir und auch den meisten anderen Fans, mit denen ich mich während der letzten Wochen unterhalten habe, überhaupt nicht. Mit Lainer und Thomalla wurden lediglich zwei Stammspieler abgegeben. Mit Bergmann, Prada, Sikorski (und heute Gavilan) befinden sich gerade einmal drei bis vier neue Spieler in der Startelf, die restlichen Spieler sind Ergänzungsspieler bzw. Backups und haben keinerlei Einfluss auf die Startelf. Mit Gebauer, Trauner, Janeczek, Filipovic, Ziegl, Kragl, Murg, Elsneg und Walch befindet das gesamte Rückgrat der letzten Saison noch im Verein. Man ziehe den direkten Vergleich mit Grödig, bei denen bis auf zwei bis drei Spieler die ganze Mannschaft ausgetauscht wurde, die nach drei Spielen aus einer gesicherten Defensive heraus jedoch mit fünf Punkten exzellent positioniert sind.  

Wenn der Trainer dann auch ernsthaft der Meinung ist, dass man defensiv wie gegen den WAC und offensiv wie gegen Mattersburg spielen müsste und dann alles besser wird, dann ist das für mich krasse Realitätsverweigerung und ein langfristiges tête-à-tête mit der roten Laterne wäre die logische Folge. Sollte sich nicht schleunigst etwas drastisch ändern (die Konsequenzen von einer Trainerentlassung, einer Änderung im Betreuer- oder Funktionärsstab bis hin zur Verpflichtung neuer Spieler oder einer Denkpause bestehender Spieler), dann wird dies vermutlich die unspannendste Saison aller Zeiten, weil dann steht meine/unsere SVR bereits vor der Winterpause als Absteiger fest. Und das behaupte ich wiederum als Realist.