SV Ried: 7 Gründe für den sportlichen Rückfall seit 2012

Artikel am 16. August 2016 mit Punkt 7) aktualisiert.

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Erneut ist die SV Ried nicht unbedingt gut aus den Startblöcken gekommen. Nach einem inferioren 0-5 bei Rapid und dem doch etwas überraschenden 1-0 gegen den SK Sturm Graz musste man nach einem leistungsgerechten 0-1 beim Wolfsberger AC eine mutlose 0-2 Heimniederlage gegen RB Salzburg (ohne Ried-Schreck Soriano) hinnehmen. Wie schon im Vorjahr ziert man damit gleich im ersten Saisonviertel das Tabellenende und hat nach 360 Minuten noch immer nicht aus dem Spiel heraus getroffen. Das einzige Tor gegen Sturm resultierte aus einem herrlichen Freistoßtrick.

Aus diesem Anlass habe ich daher sieben Teilaspekte betrachtet, welche das ihre dazu beitragen, dass die SV Ried im Laufe der letzten Jahre von einem beständigen Kandidaten für die Europacup-Plätze zu einem legitimen Abstiegskandidaten (ähnlich wie zu Beginn des „Fußballwunders Ried“ in den 90er-Jahren) abgedriftet ist.

1) Der Trainerverschleiß

Im vergangenen August wurde bereits nach der fünften Runde reagiert und Helgi Kolvidsson nach einem desaströsen 1-3 in der Südstadt beurlaubt (5 Spiele – 0 Siege, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen bei 3:14 Toren). Altmeister Paul Gludovatz konnte die Wende herbeiführen und die Sportvereinigung in der tipico Bundesliga halten.

Doch grundsätzlich ist die SVR in den vergangenen Jahren am Trainersektor nie richtig zur Ruhe gekommen. Dies signalisiert auch der nachfolgende grafische Überblick über die Trainerhistorie der vergangenen viereinhalb Jahre:

Trainerhistorie SV Ried

Seit dem Ende der Ära Paul Gludovatz I ist Christian Benbennek aktuell der neunte Trainer binnen vier Jahren, was (fairerweise aufgrund diverser Interimstrainer) einen Schnitt von mehr als zwei Spielleitern pro Saison ergibt. Fuchsbichler war (höflich formuliert) eine Schnapsidee (und Notlösung für Peter Stöger, der stattdessen zur Austria wechselte). Die (Nicht-)Verlängerung des Vertrags mit Michael Angerschmid wurde dank einer ominösen Punktevorgabe zum medialen Politikum. Oliver G. (die Zweitlösung für Adi Hütter) verließ den Verein in einer Nacht- und Nebelaktion und wechselte zum Erzrivalen. Kolvidsson war bereits nach den Sommertestspielen (0-5 gegen Mlada Boleslav und 1-8 gegen Sparta Prag) zum Scheitern verurteilt (Anm. dazu: ich war bei beiden Spielen vorort).

Änderungen in der Spielanlage (unter Oliver G.) oder Systemumstellungen (wie unter Kolvidsson oder heuer beim Saisonauftakt unter Benbennek) haben haben stets zu gravierenden Problemen geführt. Daher wäre es aus Vereinssicht umso wichtiger, wenn man einmal wieder zwei volle Saisonen nacheinander mit dem gleichen Trainer beginnen könnte. Zuletzt war dies im Juni 2011 – also vor fünf Jahren – der Fall.


2) Die Nachwuchsspieler-Ebbe

Die SV Ried hat seit Jahren ein massives Nachwuchsproblem, welches durch die hervorragende Vergangenheit in diesem Sektor nicht so im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Konnten während der letzten 15 Jahre mit u.a. Manuel Ortlechner, Franz Schiemer, Emin Sulimani, Peter Hackmair, Anel Hadzic, Thomas Reifeltshammer, Philipp Huspek, Kevin Stöger oder Marcel Ziegl noch regelmäßig Nachwuchskräfte zu gestandenen Bundesligaprofis oder Legionären geformt werden, so herrscht seit dem Durchbruch von Patrick Möschl in der Saison 2013/2014 eine alarmierende Dürreperiode.

Die vergangenes Jahr in den Profikader hochgezogenen Niklas Kölbl, Sebastian Dirnberger und Albin Ramadani kamen zusammen auf 0 Einsatzminuten (in Bundesliga und Cup). Lag/liegt es am Talent? Das müssen und können andere beurteilen. Vielmehr kann man von einem Teufelskreislauf sprechen, wenn man von Beginn an (und dann sehr lange) gegen den Abstieg spielt. Je brenzliger die Situation, desto weniger vertraut man im Normalfall auf unerfahrene Nachwuchsspieler. Dies gilt freilich nicht nur für die SV Ried sondern für 95% aller Fußballmannschaften.

In der nachfolgenden Auflistung werden als faktische Untermalung alle Bundesligaeinsätze von Eigenbauspielern zwischen den Saisonen 2011/2012 und 2015/2016 betrachtet. Als Eigenbauspieler wird dabei zur Simplifizierung jeder Spieler deklariert, der vor seinem Bundesligadebüt Einsätze in der AKA 16, AKA 18 oder bei den Amateuren von Neuhofen/Ried vorweisen kann:

SAISON SPIELER MINUTEN TORE
2015/2016 Reifeltshammer Thomas* 2734 3
Möschl Patrick* 1027 2
Ziegl Marcel* 1004 0
Kreuzer Jakob 690 1
GESAMT 5455 6
2014/2015 Ziegl Marcel* 2217 0
Möschl Patrick* 1433 3
Reifeltshammer Thomas* 1329 1
Burghuber Thomas 267 0
Kreuzer Jakob 24 0
Baumgartner Julian 4 0
Mayr-Fälten Luca 2 0
GESAMT 5276 4
2013/2014 Reifeltshammer Thomas* 2607 0
Möschl Patrick* 1839 4
Riegler Jan-Marc 1410 0
Ziegl Marcel* 1213 0
Baumgartner Julian 1165 0
Kreuzer Jakob 297 0
Burghuber Thomas 114 0
Lucic Ivan 88 0
GESAMT 8733 4
2012/2013 Reifeltshammer Thomas* 3060 2
Zulj Robert 2842 11
Hadzic Anel 2589 6
Ziegl Marcel* 2573 1
Riegler Jan-Marc 2348 2
Hammerer Markus 497 2
Möschl Patrick* 40 0
Ibrahimovic Edin 7 0
GESAMT 13956 24
2011/2012 Reifeltshammer Thomas* 3150 3
Hadzic Anel 2908 7
Riegler Jan-Marc 2734 1
Ziegl Marcel* 1696 0
Zulj Robert 1242 6
Gabriel Lukas 270 0
Hammerer Markus 86 0
Burghuber Thomas 75 0
Baumgartner Julian 16 0
GESAMT 12177 17

n = 5 Jahre // Datenquelle = transfermarkt.at
Ein * signalisiert, dass sich ein Spieler noch im aktuellen Kader der Saison 2016/2017 befindet. 

Die Gesamtübersicht über die vergangenen fünf Saisonen ergibt folgendes Bild:

Saison Spieler Minuten Tore
2011/2012 9 12177 17
2012/2013 8 13956 24
2013/2014 8 8733 4
2014/2015 7 5276 4
2015/2016 4 5455 6

Hier ist ein eindeutiger Abwärtstrend über alle analysierten Kategorien hinweg erkennbar. So hat sich die Anzahl der eingesetzten Eigenbauspieler im Vergleich zur Saison 2012/2013 mehr als halbiert. Der Einsatzminutenwert hat sich fast gedrittelt und die erzielten Tore haben sich sogar geviertelt. In der letzten Saison gab es etwa (zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit) keinen einzigen Debütanten aus dem eigenen Nachwuchs.

Vor allem durch die Nähe zur Akademie von RB Salzburg ist es – wie immer wieder aus Interviews herauszuhören ist –  immer schwieriger geworden, große Nachwuchstalente in die eigene Akademie zu holen (oder in weiterer Folge zu halten). Sind dann einmal Riesentalente vorort – wie etwa der gebürtige Rieder Denis Omic (der letztes Jahr in die U17 der AS Roma wechselte) – dann werden diese bereits im jugendlichen Alter von global agierenden Vereinen abgeworben, welche ihr Scoutingnetz mittlerweile über fast alle Teile der erforschten Fußballwelt ausgebreitet haben.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. Die NMS Ried (welche aus Nachwuchsspielern der SVR besteht) wurde beim Bundesfinale des Schülerligaturniers 2015/2016 erst im Halbfinale gestoppt. Die AKA U18 belegte in der Saison 2015/2016 den 5. Tabellenrang in der U18 ÖFB Jugendliga, die AKA U16 beendete die Saison auf dem 6. Tabellenrang (von je 12 Teams). Somit besteht in diesem Aspekt durchaus Hoffnung auf Besserung der Situation im Laufe der kommenden Jahre.


3) Der Talente-Engpass

Vor noch wenigen Jahren galt die SVR als das Sprungbrett schlechthin für österreichische Nachwuchsspieler aus der Regionalliga / Erste Liga zu einem der Topvereine (Salzburg, Rapid, Austria, Sturm) oder ins Ausland.

Daniel Royer wurde von Pasching aus der RLM geholt und verließ den Verein 14 Monate später um eine kolportierte Million nach Hannover. Robert Zulj wurde ablösefrei von der FAL Linz verpflichtet und vier Jahre später zu RB Salzburg verkauft. Andreas Ulmer wurde ablösefrei aus Wien geholt und nur ein halbes Jahr später ebenfalls nach Salzburg verkauft. Thomas Schrammel kam ablösefrei von Rapid und wurde eine Saison später an ebendiese zurückverkauft. Marco Meilinger und Stefan Lainer konnten sich bei ihrer Zwischenstation in Ried für höhere Aufgaben empfehlen.

Zuletzt konnte man Thomas Murg nach eineinhalb Jahren im Verein an Rapid weiterverkaufen. Wie viel man letztendlich für ihn erhalten hat, ist aufgrund der nicht-bekannten Ablösedetails mit der Austria aus Wien nicht bekannt.

Anel Hadzic und Daniel Royer im Dress der SV Ried
Anel Hadzic und Daniel Royer als jubelnde tipp3 Bundesliga-Tabellenführer im Herbst 2010. – Quelle: http://www.n-tv.de

Diese Taktik blieb jedoch nicht ewig unentdeckt oder nachgeahmt. Auch die großen Vereine haben erkannt, dass man nicht nur fast-fertige Talente aus der Bundesliga kaufen kann, sondern auch halb-fertige Talente aus der Ersten Liga oder Regionalliga für wenig(er) Geld in den eigenen Verein holen und anschließend selber entwickeln kann. Die Scoutingnetzwerke der Großklubs wurden stufenweise ausgebaut.

Noch vor 5-10  Jahren wäre es meiner Meinung nach relativ undenkbar gewesen, dass sich ein Verein wie Rapid in der Regionalliga Mitte nach einem Spieler umschaut und Philipp Schobesberger von Pasching verpflichtet. Der aktuell im medialen Fokus stehende Maximilian Entrup ist ein weiteres Beispiel für diese These. Sturm Graz setzt ebenso (auch finanziell bedingt) schon seit Jahren auch auf Spieler aus unteren Ligen (z.B. Huspek, Edomwonyi, Piesinger).

Dahingehend ist es für die weniger finanzstarken Vereine der Bundesliga viel schwieriger geworden, jungen Spielern ein ein- oder zweijähriges Gastspiel im Mittelfeld der Tabelle (oder darunter) anzubieten, wenn zum gleichen Zeitpunkt bereits anderswo Einsatzminuten und ein mögliches Europacupabenteuer herausschauen können. Diesbezüglich hat man heuer bereits eine Reaktion der SVR gesehen. Vor Beginn der Saison 2016/2017 hat man größtenteils auf junge Spieler aus Deutschland (Chessa, Marcos, Özdemir) und nicht primär aus Österreich (Zulj, Egho) gesetzt.

Für Legionäre gilt übrigens das gleiche Prinzip. Wenn ein interessanter Spieler dazu bereit ist, einen Vertrag zu unterschreiben, dann meistens nur über eine Laufzeit von einem Jahr, meistens mit Option (z.B. Petar Filipovic). Um Spieler nicht ablösefrei zu verlieren (z.B. Anel Hadzic), müssen diese spätestens ein halbes Jahr vor Vertragsende verkauft werden (z.B. Oliver Kragl), weil man keine gute Verhandlungsposition gegenüber dem anfragenden Verein besitzt (ein halbes Jahr später könnte der Spieler doch kostenlos wechseln).


4) Der fehlende 15-Tore-Stürmer

Wie schon vor einem Jahr ging die SVR ohne einen klaren Einserstürmer in die Saison. Mit den völlig hinter jeglichen Erwartungen gebliebenen Manuel Gavilan und Daniel Sikorski wurden die Verträge jeweils einvernehmlich aufgelöst. Jakob Kreuzer – unter Paul Gludovatz im Frühjahr noch öfters in der Startelf aufgeboten – wurde für viele etwas überraschend ablösefrei an BW Linz abgegeben.

Thomas Fröschl ist objektiv gesehen nach wie vor jener Stürmer im Kader, bei dem das Gesamtpaket aus Torgefahr, Arbeitseinsatz und niedriger Verletzungsanfälligkeit am besten passt. Bzw. leider seit gestern gepasst hat (Achtung, Blut). Der zwischenzeitlich zum Mittelstürmer umgewandelte Clemens Walch ist im Gegensatz dazu verletzungsanfällig wie kaum ein anderer und hat zuletzt im April 2015 (!) drei Spiele nacheinander über 90 Minuten absolviert. Der neu geholte Marvin Egho kann nach seinen Leistungen bei Wiener Neustadt durchaus als Talent bezeichnet werden, wurde jedoch im ersten Saisonspiel nach zwei übermotivierten Fouls noch in der 1. Halbzeit des Feldes verwiesen.

Fabian Schubert konnte in der Vorbereitung (erneut) aufzeigen und hat unter dem Neo-Trainer schon jetzt mehr Einsatzminuten bekommen als unter Gludovatz (der augenscheinlich überhaupt nicht mit ihm klar kam). Er fällt jedoch auch in die Kategorie Talent und kann mit Sicherheit noch keine Bundesligamannschaft (an)führen. Bleibt noch Dieter Elsneg, der unter dem ehemaligen Trainer öfters als Solospitze (oder falsche Neun) eingesetzt wurde – und zum torgefährlichsten Riedstürmer der letzten Spielsaison avancierte.

Ein Stürmer mit der Qualität eines Gerald Strafner, Ronald Brunmayr, Sanel Kuljic (im Aufstiegsjahr sogar Bundesligatorschützenkönig), Hamdi Salihi, Rene Gartler, Robert Zulj oder Denis Thomalla (also der vielgepriesene 15-Tore-Mann) ist dennoch nicht in Sichtweite. Qualität wird weiterhin versucht durch Quantität wettzumachen. Dies ist schon in der vergangenen Saison nicht wirklich geglückt und wird daher auch in der Saison 2016/2017 zum Glücksspiel avancieren.

Sanel Kuljic, SV Ried-Legende trotz Inhaftierung
Sanel Kuljic – aufgrund seiner Leistungen für den Verein trotz aller Geschehnisse abseits des Feldes noch immer abgöttisch verehrt. (c) sportnet.at

5) Der Auswärts-Komplex

Das Faktum ist hinlänglich bekannt: seit 1995 ist die SV Ried 39x zu Rapid gefahren (ins Hanappi Stadion, ins Ernst Happel Stadion und in das Allianz Stadion) und hat dabei nie gewonnen. Doch wer der Meinung ist, dass man nur bei Rapid eine horrende Bilanz vorzuweisen hat, den wird folgender (Auswärts-)Überblick überraschen:

Gegner S U N Punkte
Rapid Wien 0 8 31 8 von 117
Sturm Graz 3 5 30 14 von 114
Austria Wien 3 8 27 14 von 114
Salzburg 3 10 25 19 von 114

Von 153 Auswärtsspielen gegen die „Big4“ konnte man 9 Spiele gewinnen und nur 40x nicht verlieren (ca. jede vierte Partie). Bereinigt man die Statistik von Salzburg um die Spiele der Austria Salzburg, dann ist man in der RB Arena seit 2005/2006 ebenfalls noch komplett sieglos.

Zum aktuellen Zeitpunkt (7. August 2016) ist man insgesamt gesehen 249 Tage ohne Auswärtssieg. In der gesamten vergangenen Saison konnte man auswärts nur einmal dreifach anschreiben (ein 3-1 in Altach, das lange vom Nebelabbruch bedroht war und deswegen besonders ironisch gewesen wäre). Doch wie steht dieser eine Sieg im Langzeitvergleich mit der eigenen Historie? Hier der Überblick über die Platzierungen der SV Ried in der Bundesliga-Auswärtstabelle seit 1995/1996 (2004 und 2005 fehlen aufgrund der Zugehörigkeit zur Red Zac Erste Liga):

Saison Platzierung S U N TV Punkte
2016 10. 1 7 10 19:35 10
2015 5. 5 3 10 17:29 18
2014 7. 3 8 7 22:33 17
2013 6. 5 3 10 27:36 18
2012 6. 3 9 6 19:21 18
2011 4. 6 5 7 26:21 23
2010 6. 2 5 11 11:27 11
2009 6. 3 5 10 18:29 14
2008 8. 3 2 13 12:37 11
2007 2. 4 9 5 20:24 21
2006 8. 3 6 9 18:35 15
2003 10. 2 4 12 14:38 10
2002 7. 5 3 10 19:31 18
2001 5. 4 6 8 24:28 18
2000 5. 4 5 9 20:25 17
1999 8. 2 3 13 12:32 9
1998 8. 3 4 11 12:30 13
1997 10. 1 3 14 14:40 6
1996 5. 5 5 8 24:28 20

Dieser einzelne Sieg und der letzte Platz in der Auswärtstabelle haben demnach Negativrekorde der Vereinsgeschichte egalisiert. Punktemäßig war man lediglich in den Saisonen 98/99 sowie 96/97 noch schlechter.

Wie kann man diese Auswärtsmisere erklären? Die Statistik mag teilweise täuschen, da auch vergleichbare Vereine (wie etwa Altach, Kapfenberg oder Mattersburg) eine schlechte Auswärtsbilanz (bei den Top4) vorzuweisen haben. Dennoch ist die inferiore Auswärtsbilanz der SVR (zuletzt konnte man nicht einmal mehr bei den Lieblingsgegnern in der Südstadt und in Wolfsberg anschreiben) ein weiterer Grund für den tabellarischen Rückfall, der durch eine umso bessere Heimbilanz kompensiert werden muss um hier nicht in Nöte zu geraten.


6) Das Infrastruktur-Paradoxon

Im Laufe der vergangenen Jahre wurde in der Keine Sorgen Arena eine Rasenheizung eingebaut, das Flutlicht auf 1.200 LUX erhöht und ein Familienbereich auf der Osttribüne eingerichtet. Außerdem wird derzeit das Trainingszentrum neu gebaut. Dennoch holt man sich damit komischerweise keinen markanten infrastrukturellen Vorsprung gegenüber den Bundesligakonkurrenten heraus.

Rapid hat das Allianz Stadion mit dem 5-0 gegen die SV Ried eröffnet, die Austria baut derzeit die Generali Arena aus, Altach ist ebenfalls mit der Erweiterung der Cashpoint Arena beschäftigt. Wolfsberg und die Admira haben im Sommer eine Rasenheizung eingebaut und mit St. Pölten ist sowieso ein Verein mit topmodernem Stadion in die Bundesliga aufgestiegen. RB Salzburg muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden und auch Sturm Graz hat infrastrukturell nur kleinere Probleme (Alter der Merkur-Arena) .

Die Zeiten mit mehreren Infrastruktur-Rückständlern in der Bundesliga (wie etwa Kapfenberg, Wiener Neustadt oder Grödig) sind vorbei. Lediglich Mattersburg fällt für mich noch in diese Kategorie, wenn man an deren Widerstand gegenüber dem Rasenheizungseinbau denkt (Anm.: und wie zum Teufel kann die Wiese hinter dem östlichen Tor bundesligakonform sein?). Dementsprechend wird der infrastrukturelle Wettbewerbsvorteil primär dank der strenger gewordenen Bundesliga-Lizenzkriterien immer geringer.


7) Der Zuschauerrückgang und das liebe Budget

Last but not least (und zuvor nicht Teil dieses Artikels): am vergangenen Samstag waren bei der handzahmen und völlig verdienten 0:2 Heimniederlage der SV Ried gegen RB Salzburg gerade einmal 4.600 Zuschauer in der Keine Sorgen Arena. Bei einer Partie, die in den vergangenen Jahren immer für Zuschauerzahlen über 6.000 oder gar über 7.000 garantiert hat. Grund genug für mich, den totalen Zuschauerschnitt seit dem Wiederaufstieg in der Saison 2005/2006 zu betrachten.

Zuschauerentwicklung SV Ried 2005-2016
Keine Sorgen Arena oder doch bald eher Viele Sorgen Arena? Quelle für die Daten: transfermarkt.at

Wie man gleich erkennen kann, geht der Zuschauerschnitt nur in eine Richtung: abwärts. Waren in der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg (2005/2006) noch durchschnittlich 7.350 (!) Zuschauer bei den Heimpartien (davon 10 von 18 ausverkauft), so waren es vergangene Saison knapp 3.200 Zuschauer weniger. Pro Partie.

Kurze Ausschläge nach oben waren nur 2010/2011 (in der Herbstmeister- und Cupsiegersaison) und 2013/2014 (unter Michael Angerschmid, als man die ersten sieben Saisonspiele ungeschlagen bleiben konnte und zur Winterpause noch Tabellenplatz 4 belegte) erkennbar. Seit 2014 geht der Trend jedoch stark nach unten. Der Schnitt von 3.990 in der aktuellen Saison mag nach zwei Spielen noch nicht aussagekräftig oder statistisch signifikant sein, jedoch waren dies zwei Spiele gegen Sturm Graz und RB Salzburg, also zwei der vier potentiell zuschauerstärksten Spiele (nebst Rapid und Austria). Daher mag es zum derzeitigen Zeitpunkt also nicht unrealistisch sein, dass man Anfang Dezember gegen Mattersburg (in einer notorisch schwach-besuchten Jahreszeit gegen einen notorisch uninteressanten Gegner) maximal 2.500 Zuschauer im Stadion hat. Ried hat immer von der Heimstärke gelebt – bei einem Stadion, das nur zu 1/3 gefüllt ist, geht diese jedoch trotz der aktiven Fanszene relativ schnell verloren. Viel drastischer jedoch das Loch, welches diese niedrigen Zuschauerzahlen in das Budget reißt.

Daher sei an dieser Stelle eine Milchmädchenrechnung erlaubt. Ein Ticket für die West (Stehplatz) kostet EUR 18. Ein Sitzplatz auf den Längsseiten EUR 22 bzw. EUR 25 und auf der Gegenseite ebenfalls EUR 22. Würde man pro Spiel 500 Stehplatzkarten, 500 Sitzplatzkarten auf Süd/Nord und 500 Sitzplatzkarten in den Ecksektoren bzw. auf der Gegenseite mehr verkaufen, so würde dies bei einem Zuschauerschnitt von knapp 5.500 (also wie in der Saison 2011/2012) Mehreinnahmen von EUR 585.000 pro Saison bedeuten ((500*18+500*22+500*25)*18).

Mit diesem Betrag alleine würde man die Lücken im Sturm und im zentralen Mittelfeld mehr als nur schließen können. Dazu kommt auch der kolportierte Faktor, dass der neue Hauptsponsor Guntamatic weniger zahlt als ehemals Josko und auch die Oberösterreichischen Versicherungen weniger für die Namensrechte für die Keine Sorgen Arena zahlen als in den Jahren zuvor. Diese Behauptungen schreibe ich jedoch unter Vorbehalt, da die genauen Sponsorensummen nicht öffentlich bekannt sind und wohl auch nie bekannt gemacht werden.

Dennoch ergibt sich hier ein Teufelskreislauf. Fehlende Kontinuität und Erfolglosigkeit haben sinkende Zuschauerzahlen und abnehmendes Sponsoreninteresse zur Folge. Daher gibt es weniger Einnahmen aus Kartenverkäufen und Sponsorengeldern. Dies wiederum zieht Budgetcuts mit sich. In weiterer Folge bedeutet dies einen schlankeren, qualitativ nicht so hochwertigen Kader mit dem man aufgrund der Ausgeglichenheit der Liga in den Abstiegskampf gerät. Durch den Abstiegskampf kann man erneut nicht auf Kontinuität (und z.B. auch Nachwuchsspieler) setzen und alles beginnt von vorne. Für diesen Trend ist leider trotz diverser Aktionen (neue Website, Kids-Corner etc.) vonseiten des Vereins kein Ende in Sicht.


Zusammenfassung und Ausblick

Für kleine Vereine wie Ried oder auch Mattersburg wird das Überleben in der höchsten österreichischen Spielklasse zunehmend schwieriger. Eine zunehmende Fußballübersättigung (wie etwa heuer durch einen nahtlosen Übergang von Bundesliga zu Europameisterschaft und wieder retour) hält außerdem weitere Fans aus den Stadien fern.

Natürlich genieße ich (und wohl jeder andere SVR-Fan) jedes Jahr mit Bundesliga-Zugehörigkeit. In der heurigen Jubiläumssaison (#20) wäre es außerdem besonders tragisch, am Ende den schweren Gang in die skyGo Erste Liga antreten zu müssen. Ein Weltuntergang wäre es jedoch keiner, da man fast allen Teams in der zweithöchsten Spielklasse infrastrukturell überlegen ist, über eine Akademie verfügt die gerade (hoffentlich) wieder am Aufschwung ist, über Rückendeckung aus der Region verfügt und auf eine aktive, über 25 Jahre hinweg gewachsene Fanszene bauen kann.

Zudem könnte das (erneute) Intermezzo in der Ersten Liga denkbar kurz sein, steigen doch in der Saison 2017/2018 aufgrund der Ligaaufstockung gleich zweieinhalb Teams in die Bundesliga auf. Zu den zwei Fixaufsteigern wird eine Relegation zwischen dem Letzten der Bundesliga und dem Dritten der Erste Liga ausgetragen. Und mit Relegationen hat die SV Ried ziemlich gute Erfahrungen.


Über den Autor // Disclaimer

Ich wurde 1983 in Ried im Innkreis geboren und besuche die Spiele der SVR seit 1989. Seit 2003 bin ich durchgehend Dauerkartenbesitzer auf der Westtribüne obwohl mein Lebensmittelpunkt seit Ende 2007 in Graz liegt (und davor zwischen 2002 und 2006 in Salzburg lag). 

Die Inhalte dieses Blogartikels drücken einzig meine persönliche Sichtweise aus. Diese wurde versucht, mit diversen Fakten und Statistiken zu untermauern. Positives (und auch negatives) Feedback wird abgesehen von der Kommentarfunktion auch gerne unter der E-Mail-Adresse gerald@emprechtinger.com entgegengenommen.