5 Fußball-Wünsche für das Jahr 2017

Eine sorgsamere Benutzung des Wortes „Derby“.

Es gibt ein Westderby, ein Südderby, ein Abstiegsderby, ein Trainerderby, ein Mittelfeldderby uvm. – im Grunde wird in Österreich beinahe jedes Spiel als Derby hochstilisiert. Je öfters man dies macht, desto mehr reduziert man die Bedeutung eines echten Derbys. Rapid gegen Austria. Rangers gegen Celtic. Man United gegen Liverpool. Das sind Derbys. Aber Altach gegen Salzburg ist mit Sicherheit kein „Westderby“. Und auch Southampton gegen Bournemouth ist kein Derby. Die Zuschauer und Leser würden es auch überleben, wenn öfters nur von „Duellen“ oder „Auseinandersetzungen“ gesprochen wird.

Sky Sport Austria in nativem HD.

Kommt schon Leute, wir schreiben ab morgen das Jahr 2017. Wenn sich schon jemand Mattersburg gegen Wolfsberg anschaut, dann will er zumindest keine hochskalierten Pixelhaufen herumstolpern sehen. Natives HD sollte für Pay TV keine Premiumoption sondern absolut verpflichtend sein – und da fordere ich noch keine Übertragungen in Full HD oder etwa 4K (wie sie in England und Deutschland bereits angeboten werden). Hier ist auch die Bundesliga gefordert, deren Interesse es sein müsste, ihr Produkt so gut wie möglich vermarktet und dargestellt zu sehen.

Eine WM mit 48 Teams?

Wieso nicht gleich mit 92 oder 184? Eine Champions League mit 64 Mannschaften? Was ist die nächste bahnbrechende Idee von Infantino und Co? Es gibt kaum einen Tag im Jahr an dem man nicht irgendwo ein Livespiel schauen kann (auch etwa am 24.12. oder 31.12.). Diese immer mehr auftretende Fußballübersättigung wird immer schlimmer. Zum 17. Mal Real Madrid gegen Barcelona in zwei Jahren – super. Zum 4. Mal die gleichen Teams im Halbfinale der Champions League – super. Leidtragende sind alle kleinen Teams und kleinen Ligen. Die Leute sollen wieder mehr in die Stadien gehen und ihre local teams unterstützen, ansonsten gibt es irgendwann nur mehr 20 Teams in Europa.

Keine Quantität auf Kosten der Qualität.

Quasi direkt an die Fußballübersättigung knüpft mein nächster Wunsch an. Wenn ein David Crouch auf DAZN gegen Liverpool aufläuft, ein Ben Benbennek im ORF interviewt wird oder Hans Krankl auf sky zum 187. Mal einen Rapidbezug aus dem Nichts herstellt, dann greife ich mir manchmal schon auf den Kopf. Vor allem weil es eigentlich immer wieder die gleichen Kandidaten betrifft. Nobody is perfect (mit Ausnahme von Oliver Polzer und Marcel Reif) und Fehler machen Menschen erst menschlich. Als zahlender Endkunde erwarte ich mir zumindest so etwas wie gewissenhafte Vorbereitung oder ein gesundes Maß an Selbstkritik. Das sollte eigentlich nicht zuviel verlangt sein.

Weniger raunzen über die Schiedsrichter.

Das gilt auch für meine Person. Sie sind nicht nur in Österreich teilweise schlecht oder sogar überfordert – als Beispiel aus anderen Ländern sei hier stellvertretend Hoffenheim gegen Frankfurt genannt. Auch Profischiedsrichter (wie in England) machen die Sache nicht viel besser. Das Spiel wird immer schneller und trickreicher, das Schiedsrichterwesen hingegen stagniert aber seit Jahren. Kleine Hilfsmittel wie etwa das Freistoßspray haben manche Kontroversen aus der Welt geschafft. Wer aber gegen technische Hilfsmittel (im Sinne von Videobeweis, Videoschiedsrichter oder Torlinientechnologie) ist, wird auch weiterhin mit krassen Fehlentscheidungen leben müssen. Und im Endeffekt sind diese Fehlentscheidungen auch noch immer das Stammtisch-Gesprächsthema #1, egal ob man es zugeben will oder nicht.

Werden meine Wünsche erfüllt werden? Vermutlich nur teilweise oder gar nicht. Nachdem mir hier auch keine Platitüde für ein krönendes Ende des Blogeintrags einfällt, wünsche ich euch allen einfach einen guten Rutsch und ein Wiederlesen im Jahr 2017.

Der Mann, der mir die Freude am Fußball nahm

… heißt Aloysius Paulus Maria van Gaal, wurde vor 64 Jahren in Amsterdam geboren und ist seit Juli 2014 der Manager von Manchester United. Bei seinem Amtsantritt (als Nachfolger des erfolglosen David Moyes) von vielen als genau der richtige Mann für eine Übergangsphase von 2-3 Jahren angesehen, hat er in der Zwischenzeit allerdings nur eines geschafft: dass ich derzeit fast kein Interesse an Fußball besitze.

Jahrelang, besser gesagt schon jahrzehntelang hatte ich mein Leben rund um die Matches von MUFC geplant. Beispielsweise an Samstagen um 1600 konnte ich nicht auf einen Kaffee mitgehen, an CL-Dienstagen konnte ich nicht zum Pubquiz kommen, jeder wusste um meine beinahe irrwitzige Leidenschaft für United Bescheid. Doch diese Affinität zum Fußball betraf nicht nur United (und meine andere große Liebe, die SV Ried), sondern beinahe jedes x-beliebige Match. Egal ob brasilianische Liga am Sonntagabend, zweite deutsche Liga am Montagabend oder französischer Ligapokal am Dienstagabend, ich konnte mich für jedes Fußballspiel begeistern welches ich zufällig irgendwo im TV aufschnappte.

Seit einigen Wochen ist dies anders. Ich habe die letzten vier Matches von United gänzlich gemieden, und auch andere Spiele nur peripher mitverfolgt. Ich kann mich derzeit nicht mehr für Fußball im Fernsehen motivieren. Ich lege Termine und Treffen bewusst auf Matchtermine, hebe mir meine Lieblingsserien für Fußballabende auf und verfolge auch bei weitem nicht mehr so viele Fußballmedien wie früher (das ASB sei hier stellvertretend genannt).

Ich bin weiß Gott kein Schönwetter- oder Erfolgsfan. Beweis gefällig? Meine Sportteams, welche ich abseits des Fußballs unterstütze (auch die SV Ried hat mehr schwierige als lustige Zeiten durchgemacht) sind folgende: Chicago Bears (NFL), Buffalo Sabres (NHL) und die Chicago Cubs (MLB). Die letzten zwei dieser drei Teams sind statistisch gesehen die erfolglosesten ihrer Ligahistorie und auch die erstgenannten schaffen es stets, die niedrigen Erwartungen der eigenen Fans nochmals zu untertreffen.

Wenn ich also derart leidensfähig bin, wieso schafft es dann ein kurz vor der Pensionierung stehender Holländer, dass ich meinen Spaß am Fußball verloren habe? Weil die Leidenschaft und Beziehung zu United noch viel tiefer geht. Als 8-jähriger Junge (wir schreiben das Jahr 1991) habe ich wöchentlich die Ergebnisse und Torschützen von Manchester United aus dem Teletext auf einen A2-Karton abgeschrieben. Ein originalunterschriebenes Trikot von Eric Cantona (welches mir meine Freunde zum 30. Geburtstag schenkten) ist mein wohl liebstes Geschenk aller Zeiten. Ich besitze ein Dutzend an Trikots und habe insgesamt sechs Spiele von United live gesehen (da gibt es sicherlich größere Hardcorefans, aber die Anzahl ist dennoch ganz okay). Ich schaffe es, beim Sporcle-Quiz knapp 95% aller United-Spieler mit mehr als 10 Ligatoren aufzuzählen. Ich besitze die Biographien von Alex Ferguson (beide), Gary Neville, Rio Ferdinand, Roy Keane und viele weitere Bücher von United-nahen Journalisten. Ich blute sogar rot (you see what I did there).

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Mein geliebtes 30er-Geschenk  – The King.

United war immer mein Fels in der Brandung, mein Leuchtturm am Horizont. Meine eine Mannschaft, bei der ich mich regelmäßig über Siege und gute Spiele freuen konnte, welche ein schlechtes Wochenende retten konnte. Die Tradition von Busby, von Ferguson fortgesetzt. Viele der besten Offensivspieler aller Zeiten, egal ob Charlton, Busby, Law, Robson, Hughes, Cantona, Scholes, Giggs, Beckham, Cole, Yorke, Van Nistelrooy, Ronaldo, Rooney, Tevez oder Van Persie schmückten jahrzehntelang die Ränge dieser Mannschaft. Attack-attack-attack nicht nur ein Chant des legendären Stretford Ends, sondern als Philosophie des Manchester United Football Clubs. Bei United ging es nicht darum, Spiele einfach zu gewinnen, sondern den Gegner zu demontieren und demolieren, auf das Führungstor sogleich das zweite Tor nachzulegen. Kurzum: United hatte einfach Flair und im Old Trafford schlotterten jedem Gegner die Knie, egal ob Norwich City oder Real Madrid.

Seit Van Gaal im Amt ist, ist dieser Flair fast gänzlich verloren gegangen. Offensivspieler wie Di Maria (letzte Saison) oder Martial (heuer) zerstörten zu Beginn ihrer United-Karrieren die gesamte Liga, wurden jedoch immer mehr in das Korsett von Van Gaal eingezwängt und verloren ihre Spielfreude irgendwann gänzlich. Dies ging so weit, dass Di Maria im Frühjahr Bankdrücker war und ihm ein Ashley Young vorgezogen wurde. Bei PSG sieht man aktuell, wie gut dieser Argentinier mit den richtigen Mannschaftskameraden um sich herum sein kann. Fußball lebt vom Kollektiv, aber wenn man einen Weltklassespieler im Kader hat, dann sollte dieser auch seine Freiheiten bekommen (was derzeit nur bei Halbpensionist Rooney der Fall ist, dies ist aber eine andere Story) und auch manchmal das Unerwartete, Kreative, Geniale zeigen dürfen. Beim holländischen Trainer ist dies unmöglich. Pass, Pass, Pass. Nicht nach vorne, sondern seitwärts oder zurück. In fünf der letzten zehn Spiele erzielte man kein Tor, unter anderem beim genickbrechenden 0-0 im Old Trafford gegen die biedere Truppe aus Eindhoven, welche während der letzten drei Transferzeiten keine 330 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben konnte oder durfte.

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Louis Van Gaal’s Red and White (Salvation?) Army

Was die Fans von MUFC auch immer mehr auf die Palme bringt, ist die beinahe schon moyes’sche Realitätsverweigerung des Aloysius: gestern etwa bezeichnete er die heurige Qualifikation von United für die CL-Gruppenphase als Fortschritt gegenüber dem Vorjahr. Ein Mann, der den FC Barcelona und Bayern München coachte, gibt also von sich, dass eine Teilnahme (!) an der Champions League ein gutes Resultat sei. Wie Medien und/oder Fans in Barcelona oder München auf eine solche Aussage reagieren würden? Außerdem hob er den Fortschritt im League Cup hervor. Erstens interessiert den Carling Cup (falls er noch so heißt) wirklich keinen Menschen, zweitens scheiterte man heuer in der 3. Runde nachdem man letzte Saison in der 2. Runde (= erste aktive Runde) scheiterte. Noch Fragen?

Keine Frage, United befindet sich im Umbruch. Viele Legenden und alteingesessene Spieler haben den Verein verlassen oder mussten den Verein verlassen. Aber am Beispiel von Jürgen Klopp bei Liverpool sieht man, dass man keine pralle Transferschatulle und 18-36 Monate für einen Umbruch braucht, sondern dieser auch in deutlich kürzerer Zeit abgewickelt werden kann.

Bei jedem abgebrochenen Überzahl-Konter in der Nachspielzeit, bei jedem unerzwungenen Rückwärtspass eines Stürmers und bei jedem uninspirierten 1-0 gegen einen Abstiegskandidat stirbt ein Teil des Mythos Manchester United. Ich brauche United allerdings wieder als meinen Fels in der Brandung, als meinen Leuchtturm am Horizont, als meinen Wochenendretter. So lange der Holländer jedoch im Amt ist und dies vermutlich nicht der Fall sein wird, werde ich meine Freude am Fußball nicht wiederfinden. Zumindest temporär.

The Wrong One

Am 22. April 2013, also fast auf den Tag genau vor einem Jahr, fixierte Manchester United mit einem souveränen 3-0 Sieg über Aston Villa den 20. Meistertitel der Vereinsgeschichte. Am 34. Spieltag. 13 Punkte Vorsprung auf Manchester City, 21 Punkte Vorsprung auf Chelsea und Arsenal. Und nebenbei erwähnt, 33 (!) Punkte vor Liverpool.

Knappe zwei Wochen später dann der Schock für jeden Fan von Manchester United. Der Rücktritt von Sir Alex Ferguson. Ich bin 30 Jahre alt, war demnach drei Jahre alt, als er im Jahre 1986 das Ruder übernommen hatte. Ähnlich wie (bis zu seinem Tod) bei Papst Johannes Paul II kannte ich also keine andere Person in diesem bestimmten Amt. Es wusste zwar jeder, dass dieser Tag unvermeidlich sein würde, aber insgeheim hoffte jeder dann doch auf „one more year“. Diesmal nicht.

Bei der Frage des Nachfolgers wurde der Name „David Moyes“ immer wieder ins Spiel geworfen. Schotte, Langzeitmanager bei Everton. Schon damals waren viele Fans skeptisch, ob ein Mann, dessen größter Erfolg ein Aufstieg mit Preston North End (von der 3. in die 2. Liga) sowie eine Teilnahme an der Champions League Qualifikation 2005 (welche gegen Villarreal verloren ging), der richtige Mann für diesen Posten sein könne. Doch der Romantiker in Ferguson hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon längst entschieden. „Du wirst neuer Manager von Manchester United“, soll er Moyes damals bei einem Überraschungsbesuch gesagt haben. Wenn der erfolgreichste Trainer der Fußballgeschichte dir einen der wohl vier begehrtesten Jobs im Weltfußball (also neben Real Madrid, Barcelona und Bayern München) anbietet, dann kannst du auch nicht „nein“ sagen.

Und so wurde bereits einen Tag später David Moyes als neuer Manager vermeldet. Sein erster Kardinalfehler war es, dass er seinen eigenen Staff von Everton mitbringen wollte. Die eher unbekannten Steve Round (Co-Trainer), Jimmy Lumsden (First Team Coach), Chris Woods (GK) sowie Phil Neville (Co- #2) wurden installiert, das alte Staff musste geschlossen ihre Schreibtische räumen, darunter auch Rene Meulensteen, der First Team Coach und engste Vertraute von Ferguson und vielen Spielern. So sagte z.B. Robin Van Persie über ihn: „Er ist einer der größten Fußballfachmänner, mit denen ich je zusammengearbeitet habe“.  Ausbalancieren wollte man diesen argen Schnitt durch das Einsetzen der lebenden Vereinslegende Ryan Giggs als Player/Manager (Co- #3), welches aber in weiterer Folge eher reine Showzwecke haben sollte, zu weit auseinander sollen die Vorstellungen seit Anfang an gegangen sein.

Der zweite große Fehler bei MUFC war es, neben Ferguson in diesem Sommer auch den Chairman David Gill austauschen zu müssen. Dieser wurde durch den eher biederen Investmentbanker Ed Woodward ersetzt, einem Mann mit ziemlich wenig Charisma und auch mit keiner Vorerfahrung im internationalen Transfergeschäft. Wenn man bei den Transfersummen heutzutage auf jedes GBP schauen will, dann bleibt man im Kampf mit den russischen und arabischen Ölmillionen zumeist auf der Strecke, auch wenn man nun Manchester United Football Club heißt und die größte Sportmarke der Welt ist. Der Name Thiago Alcantará wurde immer wieder in den Medien genannt, letztendlich wechselte er aber zu den Bayern aus München. Wie sich später herausstellen sollte, weil Moyes der Meinung war, dass Thiago nicht in die Mannschaft passen würde. Stattdessen wurde dann eine Stunde vor Ende des Transferfensters Marouane Fellaini geholt. Um ein Deadline-Day-Premium, nachdem man eine Ausstiegsklausel verstreichen ließ, weil man mit Everton feilschen wollte. Deren Chairman Bill Kenwright war allerdings nicht beeindruckt und MUFC musste Fellaini letztendlich auch deswegen verpflichten, weil man sonst mit ganz leeren Händen da gestanden wäre. Die Außendarstellung dieses Transfers war frappant, Transfers unter Ferguson/Gill verliefen immer so, dass es keine Gerüchte gab, bis zu dem Zeitpunkt an dem ein Transfer dann quasi unter Dach und Fach war. Wie ging es mit anderen Transferzielen? Das verzweifelte Werben um Cesc Fabregas von Barcelona war vom ersten Tag an zum Scheitern verurteilt und nicht einmal den „Wunschspieler“ Leighton Baines konnte man von Everton loseisen, weil man einfach zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd die geforderte Summe bieten wollte.

Der Start von Moyes war dennoch relativ ermutigend. Ein 2-0 im Charity Shield gegen Wigan. Ein 4-1 Auswärtssieg bei Swansea (gegen die Ferguson in Wales in zwei Jahren nur zwei Unentschieden holen konnte). Ein sehr vorsichtiges 0-0 gegen Chelsea (das gleichzeitig auch das erste „große“ Match bei Mourinho nach dessen Rückkehr an die Stamford Bridge war). Eine 0-1 Niederlage bei Liverpool, bei denen man in den letzten Jahren zumeist sowieso nie gut ausgesehen hatte. Also kein Grund zur Panik.

Diesen Grund gab es dann aber am 22. September 2013, als man von Manchester City im Derby 1-4 auseinandergenommen wurde. Das Ergebnis an diesem Tag war noch relativ glimpflich, einen derart massiven Qualitätsunterschied hatten viele noch nie zuvor in einem Ligaspiel von MUFC gesehen. Es gab in den Jahren davor das eine oder andere „Freakergebnis“ (zum Beispiel das 1-6, bei dem es nach 88 Minuten nur 1-3 gestanden war und man in den letzten Minuten dann übermütig ins Verderben rannte), aber nie solche Anzeichen von Hilflosigkeit. Im darauffolgenden Heimspiel verlor man zum ersten Mal seit 1978 wieder gegen West Brom, im Dezember wurden ähnliche Serien gegen Everton und Newcastle gebrochen, am Neujahrestag gab es die erste Heimniederlage gegen Swansea überhaupt .. aber am besten, man liest sich die Liste selber durch.

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Nach der gestrigen 0-2 Niederlage bei Everton ist MUFC auch die erste North Western – Mannschaft der englischen Erstligageschichte, die in den drei Lokalduellen (gegen Liverpool, Manchester City sowie Everton) keinen einzigen Punkt geholt hat. In einer Tabelle der Top7 steht man abgeschlagen am Tabellenende. Das Old Trafford, einst eine der größten Festungen im Weltfussball, in die keine Auswärtsmannschaft gerne reisen wollte, verkam nach und nach zur Lachnummer. So gingen heuer (inkl. FA-Cup) sieben Heimspiele verloren, mehr als in den letzten vier Jahren zusammen. Dazu kam auch noch ein Out im League Cup Semifinale gegen Sunderland.

Fast noch mehr als über diese ganzen Niederlagen, gebrochenen Rekorde und gerissenen Serien musste man sich allerdings über die Aussagen von Moyes ärgern. Er sagte zu Rio Ferdinand (einem Ex-Teamkapitän, Champions League Sieger und zigfachen englischen Meister), was „Phil Jagielka in dieser Situation machen würde„. Er meinte, dass man „anstrebt, so wie Manchester City zu spielen„. Dass Newcastle gerade stark drauf ist, und „man dagegenhalten will„. (vor einem Heimspiel, das dann wie bereits erwähnt auch verloren ging). Dass man „im Sommer in iPads und andere digitale Hilfsmittel investieren wird, um das Scoutingnetzwerk weiter zu verbessern„. Moyes stapfte also zielsicher vom einen in das nächste Fettnäpfchen. Viele der größten Tageszeitungen haben in Manchester ihren Zweit- oder sogar Hauptsitz, deswegen ging hier keine derartige Meldung verloren.

Mehrmals in dieser Saison wurde berichtet, dass Moyes knapp vor einer Entlassung steht. Zum ersten Mal nach der Klatsche gegen Man City und der Heimniederlage gegen West Brom. Damals rettete allerdings ein bis dahin unbekannter 17-jähriger Teenager namens Adnan Januzaj seine Haut, indem er beim 2-1 Auswärtssieg bei Sunderland beide Tore erzielte, im ersten Einsatz von Beginn an. Fortan galt Januzaj als Symbolfigur für das „neue, spannende Manchester United unter Moyes“. Dieser Schein konnte allerdings auch nur einige Wochen gewahrt werden. Deswegen investierte man in der Winterpause massiv und schaffte es, Juan Matá von Chelsea loszueisen, deren Player of the Year 2012 und 2013, einen der besten Spielmacher (bzw. „10er“) der Welt. Wieder machte sich eine Aufbruchsstimmung breit, die diesmal jedoch nur exakt einen Tag lang anhielt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gab es eine Niederlage bei Stoke City. Matá wurde out of position am rechten Flügel eingesetzt, wo er die Mehrzahl seiner Spiele bis heute absolvieren musste. Im März kam man plötzlich auf die Idee, dass Shinji Kagawa doch kein so schlechter Fußballspieler ist (bis dahin wurde er sporadisch als Joker eingesetzt). Andere Spieler wie Ryan Giggs oder Rio Ferdinand kamen gar nicht mehr zum Einsatz. Wieder andere (z.B. Valencia, Cleverley, Young) wurden entweder jedes Spiel gebracht oder dann wieder länger gar nicht mehr. In 51 Saisonspielen hatte Moyes nicht zweimal die gleiche Startaufstellung aufgeboten.

Als Moyes das zweite Mal vor einer Entlassung stand, hat ihm das 3-0 nach der 0-2 Auswärtsniederlage bei Olympiakos (einer maximal biederen Mannschaft im europäischen Fußball) den Job gerettet. Anschließend gab es einen souveränen 2-0 Sieg bei West Ham, an einem so genannten „bogey ground“ der jüngeren Vergangenheit. Es schien nun endlich zu laufen. Aber nur weitere drei Tage später gab es dann die nächste Klatsche, ein 0-3 gegen Manchester City bei dem die Hilflosigkeit von Trainerteam und Mannschaft wieder allgegenwärtig war. Vor dem nächsten Heimspiel gegen Aston Villa gab es Gerüchte, eine Fangruppe wolle das ominöse Banner mit der Aufschrift „The Chosen One“ vom Sir Alex Ferguson Stand entfernen. Vom Stretford End (jener Seite im Old Trafford, wo die Hardcorefans beheimatet sind) gab es jedoch weiterhin Support für Moyes und nach einem 4-1 Sieg (nach Rückstand) inklusive des ersten Tors von Juan Matá schien sich die Lage erneut zu beruhigen. Aber die Wogen schwappten in immer kürzeren Abständen über, die mögliche Qualifikation für die Champions League war zu diesem Zeitpunkt bereits nahezu unmöglich und in der Champions League hatte man die Bayern gezogen. Gerade die Bayern.

Die Spiele verliefen relativ glimpflich, aber eigentlich auch nur deswegen, weil Moyes auf die Tugenden von Manchester United verzichtete (kompromissloser Offensivfußball, lieber 4-3 als 1-0 gewinnen) und zweimal eine Menschenmauer antreten ließ. Für knappe 60 Sekunden konnte man auch an ein Wunder glauben, letztendlich war der Klassenunterschied aber zu groß und man musste sich aus der Champions League verabschieden, mit dem Hintergedanken dass man diese frühestens wieder im September 2015 sehen würde.

Gestern musste Moyes an jene Stätte zurückkehren, an welcher er die letzten 11 Jahre gewirkt hatte, eine unspektakuläre Mannschaft aufgebaut hatte, welche meistens zwischen dem 5. und 10. Platz anzufinden war. Sein Nachfolger dort wurde Roberto Martinez, ein Exil-Spanier der in der Vorsaison den Absteiger aus Wigan zum sensationellen FA-Cupsieg gegen das übermächtige Manchester City geführt hatte. Spieler wie Leighton Baines und Ross Barkley, mit denen Moyes bereits bei Everton gearbeitet hatte, äußerten sich folgendermaßen über den Unterschied zwischen Martinez und Moyes. „Das Training selber ist fast gleich, aber er redet mit uns viel mehr über Taktik, über Spiel- und Laufwege“. Eigentlich Dinge, welche für mein Verständnis von Fußball völlig normal sein sollten. Innerhalb von wenigen Monaten konnte Martinez in Liverpool eine spannende Mannschaft aufbauen, welche mit modernem offensivem Kurzpassspiel in die Champions League drängt. Dieser Umbruch, welcher viele Neuzugänge (Lukaku, McCarthy, Deulofeu, McGeady) und Spieler aus dem eigenen Nachwuchs (Barkley, Stones) umfasste, wurde also scheinbar spielend leicht geschafft, während hingegen Moyes mit einer Meistermannschaft, gespickt mit Weltklassefußballern, keinen Fuß auf den Boden brachte. Letztendlich hat Moyes also wohl genau dieser Umstand den Job gekostet.

So gut wie alle Minimumziele (4. Platz in der Liga, Erreichen des Viertelfinale in der Champions League und im FA-Cup) wurden verpasst, noch frappanter ist allerdings die Rückentwicklung einer Mannschaft, die zum letzten (und einzigen) Mal vor 19 Jahren die Qualifikation für die Champions League verpasst hatte. Kein einziger Spieler entwickelte sich seit dem Amtsantritt von Moyes weiter, einige wurden sogar öffentlich abgewatscht (so sagte Moyes zu Danny Welbeck – geboren und aufgewachsen in Manchester – dass er sich beim Trainingsehrgeiz mehr an Wayne Rooney orientieren sollte) oder zu Bauernopfern für das Verpassen der Ziele in dieser gemacht (Cleverley, Young). Die ewigen Hinhalteparolen von Moyes scheinen nun nach der Gewissheit, dass man keine Chance mehr auf die CL hat, ein Umdenken im Board bewirkt zu haben. Die Glazers hatten bei den Tampa Bay Buccaneers auch keine Skrupel, deren Coach Jon Gruden (den einzigen Superbowl-Sieger in der Geschichte von Tampa) nach einer schwachen Saison vor die Türe zu setzen. Man muss zwar jetzt wohl knappe 25 Millionen ausbezahlen (nachdem man Moyes einen 6-Jahresvertrag als Vertrauensvorschuss gegeben hatte), dies scheinen aber nun Peanuts im Vergleich dazu zu sein, was man in weiterer Folge durch das erneute Verpassen der CL-Qualifikation verlieren würde.

David Moyes wurde regelrecht in den Job gedrängt, wenn man bei den Fakten bleibt,  hat er stets versagt, es gibt kein einziges Saisonspiel bei dem man sagen könnte, es wurde wegen Moyes‘ Taktik gewonnen (der Einsatz von Januzaj gegen Sunderland passierte mehr aus Verzweiflung), die Stimmung in der Kabine soll endgültig gekippt sein. Und wie heißt es so schön, wenn der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht, dann ist das Ende nah. Deswegen wird Moyes immer als „The Wrong One“ in Erinnerung bleiben und jene Vermutung sollte sich bewahrheiten, dass „man nicht der Manager nach Ferguson sein will, sondern der Manager der auf eben diesen nachfolgt“. Am 21. April 2013, also fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Fixierung des 20. Meisteritels, liegt Manchester United 23 Punkte hinter Liverpool, 18 hinter Chelsea, 14 hinter Manchester City sowie 13 hinter einem CL-Qualifikationsplatz. Wer auch immer das Amt übernehmen wird, es ist zum aktuellen Zeitpunkt wirklich gänzlich unvorstellbar, dass es unter ihm noch weiter bergab gehen könnte.