Turnaround durch Benbennek?!

Erneut handelt es sich nur um eine Momentaufnahme, aber nach einer Serie von fünf ungeschlagenen Spielen, dem ersten Auswärtssieg seit Ewigkeiten und der Premiere eines Sieges mit vier Toren gegen Rapid kann man als Ried-Anhänger zwischenzeitlich ruhig schlafen und keine Gedanken an Rote Laternen verschwenden. Manager Stefan Reiter (der mit Özdemir, Zulj, Nutz und Ademi seine beste Transferzeit seit einigen Jahren hinter sich gebracht hat) kann mit seiner Trainerbestellung ebenfalls zufrieden sein. Doch wie konnte Neo-Trainer Christian Benbennek binnen weniger Wochen diesen Turnaround schaffen? Nach nur drei Punkten (und einem Tor) nach fünf Spielen bei einigen Fans (ehrlicherweise auch bei mir) schon angezählt, haben verschiedene Faktoren dazu beigetragen, dass man sich zwischenzeitlich aus dem Abstiegskampf verabschiedet hat.

Christian Benbennek SV Ried
Trainer Christian Benbennek schwimmt derzeit mit der SV Ried auf der Erfolgswelle. (c) meinbezirk.at

Benbennek hat nach dem blamablen 0-5 in Wien sofort erkannt, dass das in der gesamten Vorbereitung praktizierte 4-4-2 in der Bundesliga mit bestehendem Kader nicht anwendbar ist und auf ein 4-2-3-1 um gestellt. Zugleich war allgemeiner Tenor, dass Ried keine Viererkette (mehr) spielen könne und Reifeltshammer nur in einer Dreierkette bundesligatauglich wäre. Der nunmehrige LASK-Trainer ist bei der Umstellung auf eine Viererkette gescheitert. Der glücklose Helgi Kolvidsson ist ebenfalls gescheitert. Christian Benbennek hat beharrlich weitergearbeitet, nachgebessert und nach einem Saisonviertel erreicht, dass das Defensivgebilde größtenteils stabil agiert. Thomas Reifeltshammer hat gegen Rapid seine beste Partie seit Jahren gespielt und bildet mit dem Topneuzugang Ögun Özdemir eine absolut bundesligataugliche Innenverteidigung. Die Außenverteidiger Dennis Chessa und Florian Hart sind zwar (gerade offensiv gesehen) keine Weltkicker, machen allerdings defensiv nur wenige Fehler und wissen genau, was sie spielen können.

Der Trainer hat keine Angst davor, Wechsel bereits in der Halbzeit durchzuführen (wie im Fall vom überforderten Ronny Marcos beim 1-1 gegen die Austria). Er hat erkannt, dass Brandner auf der 6er-Position (noch?) zu blass ist und Peter Zulj kurzum zum defensiven Mittelfeldspieler umgemodelt. Dieser spielt diese Rolle nun seit einigen Spielen so, als ob er nie etwas anderes gelernt hätte. Auch wenn sich mittlerweile eine klare Stammelf herauskristallisiert hat, so hält er die Motivation bei einzelnen Spielern hoch, indem er sie bei guten Trainingsleistungen mit einem Einsatz in der Startelf belohnt (Prada gegen Rapid) oder Spieler von der Tribüne auf die Ersatzbank rutschen (Brandner und Antonitsch gegen Altach).

Er ist der erste Trainer seit Jahren, der das Beste aus Clemens Walch herauszuholen vermag (bereits 3 Tore und 3 Assists in der Liga). In einem Interview vor wenigen Wochen sprach er davon, dass der Tiroler viel Zuneigung braucht und von sich aus sagen solle, falls sein Körper streikt oder er angeschlagen ist. Er hat zur Deadline mit Nutz und Ademi zwei – für Rieder Verhältnisse – famose Neuzugänge in die Mannschaft bekommen. Durch den verstärkten Konkurrenzkampf finden sich letztjährige Leistungsträger wie Fröschl oder Elsneg teilweise nur auf der Bank wieder, Spieler wie Egho oder Brandner sogar nur auf der Tribüne oder bei den Amateuren in der OÖ-Liga.

Er hat Ried bei Standards absolut unberechenbar und brandgefährlich gemacht und damit so etwas wie einen Roitinger-Spirit entfacht. Gegen Sturm hat ein Freistoßtrick perfekt funktioniert, gegen die Austria wurde aus einer direkten Ecke getroffen, gegen Rapid hat eine einstudierte Eckballvariante zum 3-1 geführt.

Von seiner Persönlichkeit her wirkt er absolut authentisch, spricht Fehler (auch eigene) und schlechte Leistungen glasklar an und hebt bei Topleistungen auch nicht sofort ab (wie gestern etwa durch die Aussage, dass man weiter bescheiden bleiben müsse und es trotz alledem nur drei Punkte waren). Aber ein Kritikpunkt muss doch noch sein (vor allem für die Kulinarik des Innviertels sehr wichtig): kann unserem Trainer jemand ausrichten, dass es im Stadion Würste in Hülle und Fülle gibt?