5 Fußball-Wünsche für das Jahr 2017

Eine sorgsamere Benutzung des Wortes „Derby“.

Es gibt ein Westderby, ein Südderby, ein Abstiegsderby, ein Trainerderby, ein Mittelfeldderby uvm. – im Grunde wird in Österreich beinahe jedes Spiel als Derby hochstilisiert. Je öfters man dies macht, desto mehr reduziert man die Bedeutung eines echten Derbys. Rapid gegen Austria. Rangers gegen Celtic. Man United gegen Liverpool. Das sind Derbys. Aber Altach gegen Salzburg ist mit Sicherheit kein „Westderby“. Und auch Southampton gegen Bournemouth ist kein Derby. Die Zuschauer und Leser würden es auch überleben, wenn öfters nur von „Duellen“ oder „Auseinandersetzungen“ gesprochen wird.

Sky Sport Austria in nativem HD.

Kommt schon Leute, wir schreiben ab morgen das Jahr 2017. Wenn sich schon jemand Mattersburg gegen Wolfsberg anschaut, dann will er zumindest keine hochskalierten Pixelhaufen herumstolpern sehen. Natives HD sollte für Pay TV keine Premiumoption sondern absolut verpflichtend sein – und da fordere ich noch keine Übertragungen in Full HD oder etwa 4K (wie sie in England und Deutschland bereits angeboten werden). Hier ist auch die Bundesliga gefordert, deren Interesse es sein müsste, ihr Produkt so gut wie möglich vermarktet und dargestellt zu sehen.

Eine WM mit 48 Teams?

Wieso nicht gleich mit 92 oder 184? Eine Champions League mit 64 Mannschaften? Was ist die nächste bahnbrechende Idee von Infantino und Co? Es gibt kaum einen Tag im Jahr an dem man nicht irgendwo ein Livespiel schauen kann (auch etwa am 24.12. oder 31.12.). Diese immer mehr auftretende Fußballübersättigung wird immer schlimmer. Zum 17. Mal Real Madrid gegen Barcelona in zwei Jahren – super. Zum 4. Mal die gleichen Teams im Halbfinale der Champions League – super. Leidtragende sind alle kleinen Teams und kleinen Ligen. Die Leute sollen wieder mehr in die Stadien gehen und ihre local teams unterstützen, ansonsten gibt es irgendwann nur mehr 20 Teams in Europa.

Keine Quantität auf Kosten der Qualität.

Quasi direkt an die Fußballübersättigung knüpft mein nächster Wunsch an. Wenn ein David Crouch auf DAZN gegen Liverpool aufläuft, ein Ben Benbennek im ORF interviewt wird oder Hans Krankl auf sky zum 187. Mal einen Rapidbezug aus dem Nichts herstellt, dann greife ich mir manchmal schon auf den Kopf. Vor allem weil es eigentlich immer wieder die gleichen Kandidaten betrifft. Nobody is perfect (mit Ausnahme von Oliver Polzer und Marcel Reif) und Fehler machen Menschen erst menschlich. Als zahlender Endkunde erwarte ich mir zumindest so etwas wie gewissenhafte Vorbereitung oder ein gesundes Maß an Selbstkritik. Das sollte eigentlich nicht zuviel verlangt sein.

Weniger raunzen über die Schiedsrichter.

Das gilt auch für meine Person. Sie sind nicht nur in Österreich teilweise schlecht oder sogar überfordert – als Beispiel aus anderen Ländern sei hier stellvertretend Hoffenheim gegen Frankfurt genannt. Auch Profischiedsrichter (wie in England) machen die Sache nicht viel besser. Das Spiel wird immer schneller und trickreicher, das Schiedsrichterwesen hingegen stagniert aber seit Jahren. Kleine Hilfsmittel wie etwa das Freistoßspray haben manche Kontroversen aus der Welt geschafft. Wer aber gegen technische Hilfsmittel (im Sinne von Videobeweis, Videoschiedsrichter oder Torlinientechnologie) ist, wird auch weiterhin mit krassen Fehlentscheidungen leben müssen. Und im Endeffekt sind diese Fehlentscheidungen auch noch immer das Stammtisch-Gesprächsthema #1, egal ob man es zugeben will oder nicht.

Werden meine Wünsche erfüllt werden? Vermutlich nur teilweise oder gar nicht. Nachdem mir hier auch keine Platitüde für ein krönendes Ende des Blogeintrags einfällt, wünsche ich euch allen einfach einen guten Rutsch und ein Wiederlesen im Jahr 2017.

Manchester is red. Again.

Mit noisy neighbour wird im englischen Fußball im Normalfall die Truppe von Manchester City bezeichnet, die über Jahrzehnte hinweg im Schatten des erfolgreichen Stadtnachbarn Manchester United stand. Dies änderte sich jedoch schlagartig, als Anfang dieses Jahrzehnts Mansour Bin Zayed Al Nahyan, seines Zeichens Scheich von Abu Dhabi, die Citizens übernahm. Sein Privatvermögen wird auf 23 Milliarden USD geschätzt. Eine Summe, mit der man also den einen oder anderen Fußballspieler .. oder sogar Fußballverein auf die Sprünge helfen kann.

Scheich Mansour
Scheich Mansour, (c) fussballtransfers.com, all rights reserved

Die alte Weisheit, dass Geld keine Tore schießt, wurde alsbald außer Kraft gesetzt und Manchester City konnte sich nach Neuzugängen im Wert von über 700 Millionen € in den vergangenen Jahren zwei Meistertitel und die bragging rights in Greater Manchester sichern. Vier der letzten vier Derbys konnte man gewinnen, darunter auch zwei ungefährdete Kantersiege unter der deprimierenden Regentschaft von David Moyes bei Man United.

Noch nie zuvor hatte Manchester United in der Geschichte der Premier League (die seit 1992 andauert, also knappe 23 Jahre) gegen einen Gegner fünf Mal nacheinander verloren. Die Vorzeichen, dass dies nun zum ersten Mal passieren könnte, standen aber auch diesmal schlecht. Denn United konnte in den letzten Spielen (3-0 gegen Tottenham, 2-1 in Liverpool, 3-1 gegen Aston Villa) ziemlich überzeugen, während hingegen Man City vier der letzten vier Auswärtsspiele verloren hatte, darunter ein ziemlich peinliches 0-1 im Turf Moor von Burnley.

Doch es sollte zunächst anders laufen als gedacht. Mitten in einen nervösen Start hinein konnte Sergio Agüero, der Starstürmer von Man City (und Vater des gemeinsamen Kindes mit der Tochter von Diego Armando Maradona) nach einem schnellen Spielzug bereits in der 7. Minuten zum 0-1 einnetzen. Würde Man United, wie in den letzten Derbys zuvor, wieder mental einbrechen und sich die Citizens ausgerechnet im Derby aus der Krise schießen können?

Die Antwort lautet nein. Nach dem schnellen Ausgleich durch Ashley Young konnte in weiterer Folge Marouane Fellaini mit einem wuchtigen Kopfball (nach Flanke von Young) das Spiel bereits während der ersten Halbzeit drehen. Im Mittelpunkt dabei zwei Spieler, welche unter David Moyes gerne als Sinnbild des Versagens porträtiert wurden (der eine, weil seine Qualität als „zu schwach“ eingestuft wurde; der andere, weil er als Transferflop galt), aber unter Louis Van Gaal wie zwei Phönixe aus der Asche hervorsteigen konnten.

Ashley Young und Marouane Fellaini, (c) standard.co.uk, all rights reserved
Ashley Young und Marouane Fellaini, (c) standard.co.uk, all rights reserved

In der zweiten Halbzeit übernahm Man United die totale Kontrolle über das Spiel. Nach knapp 20 Minuten konnte Juan Mata (ein weiterer Flop unter Moyes) aus Abseitsposition (welche jedoch in Realgeschwindigkeit kaum erkennbar war) auf 3-1 erhöhen, knapp darauf köpfte Chris Smalling nach einem Freistoß (von Young) zum 4-1 ein. In der Endphase des Spiels konnte Man City nur mehr Ergebniskosmetik betreiben und ein zweites Ehrentor erzielen, welches jedoch den Spielverlauf keineswegs widerspiegelt. Zu hungrig und aggressiv war Man United in diesem Spiel aufgetreten um die fünfte Derbyniederlage in Folge zu verhindern.

Mit diesem Sieg konnte United den Vorsprung auf City auf vier Punkte ausbauen, was ins Besondere hinsichtlich der CL-Qualifikation (Platz 3 ist ein Fixplatz) von besonderem Interesse ist. Viel wichtiger sind allerdings die bereits erwähnten bragging rights, welche nun nach Jahren des Leidens endgültig wieder in roter Hand liegen. Und so konnte man noch Stunden nach Spielende Gesänge wie „The City is yours? The City is yours? Are you f* sure?“ in den Straßen von Manchester hören. Der laute Nachbar hingegen verschwand ganz leise in die nasskühle Nacht.