Best of 2016 Teil 2: TV Serien

2016 war ein exzellentes Serienjahr. Durch die kreative, quasi uneingeschränkte Freiheit von HBO, Showtime, FX, Amazon und Netflix gibt es aktuell so viele epische Serien wie nie zuvor. Oscarpreisträger und (aktuelle!) Hollywoodstars lassen sich zur Beteiligung an hochwertigen TV-Projekten überreden. Das Überangebot der minderen Qualitätsware (zumeist von FOX, NBC und Co.) wird mit schlechten Quoten und Einstellungen abgestraft.

Fernsehen im klassischen Sinn ist tot – niemand will sich mehr nach Tagen, Uhrzeiten und TV-Smartcards richten. Dank Netflix, Amazon und sky kann ganze Staffeln an einem Tag schauen, man kann Episoden einen Tag nach der US-Erstausstrahlung im Originalton ansehen. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch weiter fortsetzen und dem klassischen Fernsehen damit noch weiter den Rang ablaufen.

In der nachfolgenden Liste findet sich daher auch nur eine „klassische“ Serie, welche einem US-TV-Network entstammt. Alle anderen Serien haben ihren Ursprung im Pay-TV.

10. BETTER CALL SAUL (AMC, Season 2)

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Rhea Seehorn (Kim Wexler) und Bob Odenkirk (Jimmy McGill) mal wieder am Boden – (c) collider.com

BCS ist definitiv eines der besten Spin-Offs aller Zeiten, weil es sich zwar an der Originalstory orientiert, jedoch als Prequel (und nicht wie üblich Sequel) viel mehr Freiheiten im Bezug auf den Storyverlauf besitzt. Die zweite Staffel hat zu Beginn nur langsam Fahrt aufgenommen, steigert sich jedoch von Folge zu Folge und kulminierte in einem nägelbeißenden Finale. Wer die Anfangsbuchstaben aller Staffeltitel aneinanderreiht, bekommt zudem einen Hinweis, welche Persönlichkeit in S3 auftauchen wird. Boom.

9. BILLIONS (Showtime, Season 1)

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Paul Giamatti (Oscarnominierung für Cinderella Man) und Damian Lewis (Emmy und Globe für Homeland) als Hauptprotagonisten – (c) hollywoodreporter.com

Damian Lewis als exzentrischer Wallstreet-Investmentbanker Bobby Axelrod. Paul Giamatti als Staatsanwalt Chuck Roades, der sich ständig am Rande der Legalität bewegt (und darüber hinaus). Eine der wenigen Serien, in denen es keinen dediziert „Guten“ gibt und fast alle Charaktere dazu einladen, sie unsympathisch zu finden. Aber das teilweise als Kammerspiel inszenierte Katz-und-Maus-Spiel zwischen Lewis und Giamatti hält den Spannungsbogen der Serie stets im oberen Bereich und wird durch die Leistungen von Malin Akerman, David Costabile und Maggie Siff ergänzt. Eine von drei „Original Series“ in dieser Liste.

8. GOLIATH (Amazon Video, Season 1)

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Oscar-, Emmy- und Globepreisträger Billy Bob Thornton als Billy McBride, der seine Chance sieht, seinem Intimfeind eins auszuwischen – (c) indiewire.com

Billy Bob Thornton als ausrangierter Rechtsanwalt, der seinen bescheidenen Lebensunterhalt mit nebensächlichen und unkomplizierten Fällen verdient. Ein zunächst unscheinbarer Fall bringt ihn in die Schusslinie einer mächtigen Anwaltskanzlei – die er einst mitgründete, bevor er dort von seinem Mitgründer und Widersacher hinausgeworfen wurde. Dieser wird von William Hurt (Oscar für „The Kiss of the Spider Woman“) absolut paranoid-famos gespielt. Maria Bello (als Klägerin) und Olivia Thirlby (als Protegé von Hurt) ergänzen die Cast der Original Series von Amazon, welche in der ersten (und einzigen) Staffel aus (nur) acht spannungsgeladenen Folgen bestand.

7. MR. ROBOT (USA, Season 2)

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Kaum zu glauben, aber in diesem Bild sind mehrere Spoiler versteckt. – (c) variety.com

Meine letztjährige Serie des Jahres hat zwar sechs Plätze verloren, erreicht aber dennoch einen guten 7. Platz. Im Vergleich zur bahnbrechend-innovativen ersten Staffel war einfach kein Spielraum nach oben offen. Die zweite Staffel versucht oft zu krampfhaft, den Zuseher zu überraschen und vergisst dabei teilweise auf die Protagonisten an sich. Erfinder Sam Esmail verwirrt die Storyline zu sehr mit Nebensächlichkeiten. Zusammenfassend ist dies aber dennoch Kritik auf höchstem Niveau, denn einige WTF-Momente sind dennoch im Angebot und der Ausblick auf Season 3 nimmt einem die philosophischen Gedanken an ECORP, Whiterose und die anderen Figuren im Schachspiel um die globale Kontrolle.

6. BOJACK HORSEMAN (Netflix, Season 3)

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BoJack auf einer speziellen Mission – (c) moviepilot.de

Mit Ausnahme der Simpsons schaue ich keine andere Animationsserie (wie z.B. South Park, Bob’s Burgers, King of the Hill, Archer usw.). BJH habe ich damals aufgrund der Skurrilität des Settings begonnen (Menschen und Tiere mit menschenähnlichen Zügen leben Seite an Seite). Das Setting ist simpel: BoJack Horseman war ein Sitcom-Star der 80er Jahre und wittert nach 20 Jahren Anonymität, Suff und Drogenexzessen wieder die Chance auf ein Comeback in Hollywood. In der dritten Staffel spielt BJH sein Vorbild „Secretariat“ und wird dafür auch für den Oscar nominiert. „Fish Out Of Water“ sei noch explizit als bahnbrechende Folge genannt – BJH besucht eine Unterwasserstadt und daher fällt 22 Minuten lange kein Wort – mit einer sensationellen Pointe am Ende.

5. WESTWORLD (HBO, Season 1)

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Oscarpreisträger Anthony Hopkins als Dr. Robert Ford, den Erschaffer und „Vater“ der Androiden in Westworld – (c) theverge.com

Basierend auf einem Roman von Michael Crichton haben JJ Abrams und Jonathan Nolan hier ein All-Star-Ensemble für das neue HBO-Highlight zusammengetrommelt. Anthony Hopkins (!), Ed Harris, Thandie Newton, Evan Rachel Wood, James Marsden, Luke Hemsworth, Jimmi Simpson, Ben Barnes, Rodrigo Santoro uvm. sorgen für eine Stardichte, welche man nicht einmal in Westeros antrifft. Die Story spielt in der nicht-definierten Zukunft, Westworld ist ein Unterhaltungspark mit Western-Theme, in dem sich (superreiche) Menschen an menschennahen Androiden austoben und dabei ihre geheimen Gelüste ausleben können: Sex, Folter, Mord. Die Serie spielt mit dem philosophischen Gedanken, was den Unterschied zwischen Menschen und Fast-Menschen ausmacht und wie weit Moralität geht. Wurde bereits für eine zweite Staffel verlängert.

4. GAME OF THRONES (HBO, Season 6)

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Immer im isländischen Winter drehen müssen wird mit der Zeit auch hart – (c) vox.com

Diese Staffel brachte uns epochale Folgen wie etwa „Battle of the Bastards“, „The Door“ oder auch „The Winds Of Winter“, welche den Status von GOT als das größte TV-Epos aller Zeiten weiter manifestieren konnten. Brachte die erstgenannte Folge endlich den langersehnten Showdown zwischen Jon Snow (ja, er lebt – und wer das noch immer nicht wusste, der hat entweder kein Internet oder keine Freunde) und Ramsay Bolton, so überraschte „The Door“ mit einem herzbrechenden Finale rund um einen lieb gewonnenen Charakter. Doch das Staffelfinale bleibt dank eines großen Knalls dennoch unangefochten an der Spitze der drittletzten Staffel von GOT und hat die Positionen für die 16 letzten Folgen (zwischen 2017 und 2019) nun klar abgesteckt.

3. FARGO (FX, Season 2)

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Kirsten Dunst und Jesse Plemons (Todd aus Breaking Bad!) in der zweiten Staffel von Fargo – (c) tvline.com

Die zweite Staffel hat im Grunde nichts (wenig) mit der ersten Staffel zu tun. Die Handlung ist viele Jahre vor der Handlung der 1. Staffel angesiedelt und dementsprechend wurde die Schauspielerriege  komplett ausgetauscht. Dennoch (oder vielleicht sogar deswegen) knüpft die Qualität der Zweitstaffel dennoch nahtlos an die Premierenstaffel an. Spannungsbogen, Erzählqualität sowie die Komplexität und Persönlichkeit der Story & Charaktere machen aus Fargo einen funkelnden Juwel am TV-Himmel. Mit Patrick Wilson, Kirsten Dunst, Ted Danson, Jesse Plemons, Cristin Milioti uvm. ist es den Schöpfern außerdem erneut gelungen, ein illustres Ensemble zusammenzustellen. Die dritte Staffel (u.a. mit Ewan McGregor, Mary Elizabeth Winstead und Carrie Coon) steht bereits in den Startlöchern und wird uns kommendes Jahr weitere „Fargo Geschichten“ ins Haus liefern.

2. PERSON OF INTEREST (CBS, Season 5)

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Michael Emerson, Amy Acker und Jim Caviezel im Kampf gegen Samaritan – (c) tv.com

Die meist unterschätzte Serie der letzten Jahre (auch im Bezug auf TV-Akkoladen) hat heuer nach fünf Staffeln ihr Ende gefunden. Jonathan Nolan (der Erfinder der Serie, welche ebenso wie Westworld von JJ Abrams produziert wurde) wurde jedoch genug Zeit gegeben, um dieses Finale so lange und perfekt wie nur möglich zu planen. Die ursprüngliche Handlung (reicher Tech-Guru stellt ehemaligen Spion an, um mit einer mächtigen Computer-KI gemeinsam Verbrechen zu verhindern) klingt relativ banal. Die Stärke der Serie ist jedoch die Entwicklung der Charaktere sowie Evolution der Haupt-Geschichte, das Verschwimmen von Gut und Böse und das Aufwerfen der moralischen Frage, wie weit Überwachung gehen darf. Highlight (neben dem perfekten Finale, was sonst nur Breaking Bad in dieser Art und Weise gelang) der letzten Staffel dabei „The Day The World Went Away„.  Auch aufgrund des Soundtracks, welcher im Laufe der Jahre von Nine Inch Nails über The Kills mit vielen (passend-ironischen) Kleinoden aus dem alternativen Rock-Sektor aufwarten konnte.

1. STRANGER THINGS (Netflix, Season 1)

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Die Kids aus Stranger Things. „Eleven“ Millie Bobbie Brown (ganz rechts) dabei als Komet am Nachwuchsschausspielerhimmel – (c) forbes.com

Ich liebe diese Serie. Eigentlich von Netflix als Pausenfüller (Sommerstart) geplant, wurde ST zur wohl besten neuen „original series“ des heurigen Jahres. Winona Ryder (einer meiner ersten Celeb-Crushes Anfang der 90er) schaffte dadurch ihr Comeback in Hollywood und wird im Jänner hoffentlich auch mit dem Golden Globe belohnt. Die Serie spielt im Jahre 1983 (meinem Geburtsjahr) und versetzt die Zuschauer mit einem Best-of-80s-Soundtrack auch musikalisch unmittelbar in diese Zeit. Die Mischung aus Nostalgie, Spannung, Mystery und Coming-of-Age-Story traf den Nerv der Zeit wie kaum eine andere Serie der letzten Jahre und findet daher kommendes Jahr auch seine Fortsetzung. Hier habe ich leider die Befürchtung, dass die Originalität zum Teil verloren gehen wird, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Denn es sind schon seltsamere Dinge passiert.

Review Fargo S01 & S02

Achtung: keine Spoiler. Ich habe die letzten (kränklichen) Tage unter anderem dafür aufgewendet, endlich die MGM/FX-Serie Fargo (basierend auf dem gleichnamigen oscarprämierten Film der Coen-Brüder aus den 90ern) zu bingen und damit endlich den Kommentaren zu entgehen, ich solle die Serie doch endlich schauen.

Zunächst ist zu sagen, dass Fargo (sowohl S01 als auch S02) als Limited Series vom Schauspielerensemble lebt. Und dieses ist wirklich beeindruckend. Bis in die kleinsten Nebenrollen agieren hochkarätige Schauspieler wie Bob Odenkirk (der Saul Goodman aus Breaking Bad und Better Call Saul), Elizabeth Marvel (wird in der nächsten Staffel von House of Cards die US Präsidentin spielen), Nick Offerman (der „King of Breakfast“, der für mich untrennbar mit Ron Swanson aus Parks & Rec verbunden ist), Adam Goldberg (den ich optisch stets mit Jason Schwartzman verwechsle), Keegan-Michael Key (als schusseliger FBI-Agent in der ersten Staffel) oder Kieran Culkin (der die Story von S02 in der ersten Folge ins Rollen bringt).

Billy Bob Thornton und Martin Freeman in Fargo
Billy Bob Thronton und Martin Freeman aus der ersten Staffel von Fargo (MGM/FX). (c) usatoday.com

(Noch) beeindruckender als die Nebendarsteller sind jedoch die Hauptcharaktere. Weil ich neben Serien auch Rankings aller Art liebe, habe ich nachfolgend versucht, die schauspielerischen Leistungen derer in Punkteform (von 10/10 bis 00/10) in eine gesammelte Liste zu bringen, was sich als äußerst schwierige Aufgabe herausstellte.

10/10 – Billy Bob Thornton (Staffel 01)
09/10 – Kirsten Dunst (Staffel 02)
09/10 – Martin Freeman (S01)
09/10 – Allison Tolman (S01)
08/10 – Colin Hanks (S01)
07/10 – Bokeem Woodbine (S02)
07/10 – Joan Smart (S02)
06/10 – Jesse Plemons (S02)
05/10 – Patrick Wilson (S02)
04/10 – Ted Danson (S02)

Der von Billy Bob Thornton (sozusagen der Ex-Ex-Mann von Angelina Jolie) dargestellte Lorne Malvo ist eindeutig der großartigste Charakter im Fargo-Universum. Selten kam (trotz der job description) ein Auftragskiller derart ruchlos, gefühlskalt und soziopathisch rüber. Als Belohnung für seine Leistung wurde er u.a. mit einem Golden Globe für den besten Darsteller in einer Mini-Serie oder TV Film ausgezeichnet. Kirsten Dunst – den meisten wohl als Mary Jane aus dem 00er-Spiderman-Reboot ein Begriff – folgt knapp dahinter. Da die zweite Staffel noch nicht jeder gesehen hat, verzichte ich hier bewusst auf eine nähere Charakterbeschreibung.

Patrick Wilson, der eigentliche Hauptdarsteller der zweiten Staffel (der auch in S01 vorkommt – auch hier wird auf einen Spoiler verzichtet), leidet etwas an seiner Rolle als State Trooper und hat keine wirklich großartigen Momente, was auch für Ted Danson als seinen Schwiegervater (und Sheriff) gilt. Dieses vorangegangene Ranking ist Kritik auf allerhöchstem Niveau, denn selbst die weiter hinten platzierten Schauspieler würden in den meisten network series (CBS, NBC, ABC, FOX) immer noch alle gnadenlos an die Wand spielen.

Eine spannende Storyline, kombiniert mit einer überragenden Cast, einem nicht alltäglichen winterlichen Serienszenario (zwischen den US-Bundesstaaten Minnesota, North Dakota und Kansas angesiedelt) kombinieren sich zu einem Pflichttipp für alle Serien-Aficionados. Alles in allem ist Fargo eine der besten Serien des letzten Jahrzehnts. Daher gibt es meine uneingeschränkte Empfehlung, welche als Gradmesser für Personen gelten soll, die die Serie bislang ebenfalls noch nicht gesehen haben.

Fargo gibt es in 1080p im Programm von Netflix (auch im Originalton). Die beiden Staffeln spielen zwar im gleichen Fargo-Universum, haben jedoch (fast) keine Verbindung miteinander, können daher auch getrennt voneinander geschaut werden. Im Jahre 2017 kommt die dritte Staffel ins TV, u.a. mit Ewan McGregor, Mary-Elizabeth Winstead und Carrie Coon.