All Time Lieblingsserien: Platz 5-1

Wie bereits erwähnt beinhält die Top10-Verteilung zwei Serien aus den 1980ern, zwei Serien aus den 1990ern, gleich fünf aus den 2000ern und eine aus den 2010ern.

Ein kurzer Rückblick auf die Plätze 10-1:

10. Parks and Recreation
09. The A-Team
08. Mr. Bean
07. Arrested Development
06. House M.D.

Einige Beispiele für Serien, welche den Cut der Top10 knapp nicht geschafft haben: Knight Rider, Riptide, Married .. With Children, Sherlock, ALF, Doogie Howser M.D., 24, The Mentalist. Nun aber zu meinen fünf Lieblingsserien der letzten 25 Jahre. Die Wahl fiel mir alles andere als leicht.

5. The X Files (1993-2002; 2016-)
Das aktuelle Revival (Reboot?) der Serie ruft Kindheitserinnerungen (oder besser gesagt, Jugenderinnerungen) hervor. „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ lief in den 90ern immer an einem Montagabend auf PRO7 (und damals noch nicht ProSieben). Wenn man die neue Folge nicht sehen konnte (was auch technische Gründe haben konnte, nicht jeder hatte eine SAT-Anlage im Elternhaus), war man bei der Pausendiskussion am folgenden Schultag ein Außenseiter. Die Mischung aus einem zeitlosen Opening Theme und den ebenfalls zeitlosen Charakteren Fox Mulder (mir fiel die Rück-Umstellung von Mulder auf Moody auf Mulder komischerweise ziemlich leicht) und Dana Scully (bisher bester Satz der neuen Staffel: „I’m old school. Pre-Google“), gepaart mit der Wahrheit, die irgendwo da draußen ist, machte die Serie zu einer, wenn nicht DER Kultserie der 1990er. Die Einschaltquote der ersten beiden neuen Folgen (bis zu 21 Millionen inkl. zeitversetzten Viewings) in den USA beweist, dass nicht nur ich schon sehr gespannt auf die neuen Folgen war – und lässt auf zusätzliche Folgen hoffen.

4. Suits (2011-)
Zum ersten Mal kam ich irgendwann 2012 in Kontakt mit Suits. Die Serie war nämlich als Antwort in der Connection Round im Office Pub Quiz gesucht und keiner von uns hatte jemals von der Serie gehört (damals nach ca. eineinhalb Staffeln). Aufgrund der Empfehlung eines Freundes (natürlich Rechtsanwalt – WWHD) begann ich wenig später, die Serie zu bingen. Und halte sie seither für die mit Abstand coolste derzeit laufende Serie im TV. Und Harvey Specter für den coolsten Charakter im TV. Ein tolles Ensemble (Gabriel Macht, Patrick J. Adams, Rick Hoffman, Gina Torres, Meghan Markle, Sarah Rafferty), ein Top-Soundtrack (aus dem schon mehrere Songs in meiner Deezer-Playlist gelandet sind) und locker-flockig-witzige Dialoge. Dazu viele Pop Culture Referenzen, zudem Intrigen und Betrug an der Tagesordnung. Dies alles macht die Serie zur wohl meist unterschätztesten Serie im amerikanischen TV. Und das uSa-Network zu einem der unterschätztesten Networks, nicht zuletzt auch durch Mr. Robot und eventuell auch Colony. Bei dieser Serie zähle ich seit 2-3 Jahren die Tage, bis endlich eine neue Staffel (oder Midseason) anläuft. Und nicht nur ich, sondern auch ein relativ bekannter österreichischer Newsanchor.

3. MacGyver (1985-1992)
Angus MacGyver war das Fernseh-Idol meiner Kindheit (zusammen mit Michael J. Fox). Die Seriendrehbücher und die kreativ-unkonventionellen Methoden des Hauptcharakters werden heutzutage meistens belächelt („er macht aus dem Kaugummi eine Atombombe hahaha hihihi“), boten damals allerdings spannendes, jugendfreies (Sendetermin wochentags um 15:00 auf SAT1) und mitunter auch lehrreiches Fernsehen. Ich weiß zwar heute noch immer nicht, was die Phoenix Foundation für Recht und Verfassung (ein weiterer Name, den ich um 03:00 in der Früh problemlos aufsagen könnte) wirklich gemacht hat, aber MacGyver hat auf alle Fälle für sie gearbeitet. Auch hier wurde das Gesamtpaket der Serie durch ein zeitloses Opening Theme abgerundet. Und dann gab es natürlich den Erzschurken, den Oberbösewicht schlechthin: Murdoc. Normale Folgen von MacGyver waren spannend, aber Folgen mit Murdoc (insgesamt neunmal gespielt von Michael Des Barres) als Widersacher waren genau das, worauf man immer wartete und hoffte. Ich habe keine Ahnung, was aus Richard Dean Anderson wurde (der auch mal mit Kathi Witt liiert war), aber durch MacGyver werde ich seinen Namen sicherlich nie vergessen.

2. Breaking Bad (2008-2013)
Ich war kein Fan der ersten Stunde und behauptete dies auch nie. Ich konnte mir den Hal aus Malcolm Mittendrin einfach nicht als ernsten Charakter vorstellen. Die Handlung (Chemieprofessor wird mit Krebs diagnostiziert und beginnt Meth zu kochen) war für mich auch nicht besonders verlockend. Nach der 2. Staffel begann ich jedoch auch hier mit dem bingen der bisherigen Folgen, was danach folge, war purer Fanwahn. Dieser gipfelte in drei genommenen Urlaubstagen an Montagen im Jahre 2013, nur damit ich die letzten drei Folgen der Serie bereits am Montagvormittag spoilerfrei sehen konnte. Ozymandias (die drittletzte Folge) ist für mich die beste einzelne TV-Serienfolge aller Zeiten. Der perfekte IMDb-Score von 10.0 aus knapp 71.000 Votes untermauert dies. Ich habe mir diese Folge ca. 8-10 Mal angeschaut und bin noch immer jedes Mal begeistert, verängstigt und mitgenommen. Bryan Cranston hat sich hier seine vierte Emmy sowie seinen ersten Golden Globe abgeholt. Die Serie hat damals wohl ihren zweiten Emmy und ersten Golden Globe klar gemacht. Regie damals übrigens Rian Johnson, welcher selbige bei Star Wars VIII übernehmen wird. Zurück zu Breaking Bad: Walter White. Jesse Pinkman. Yo, bitch. Ich komme alleine schon bei den Namen der Hauptcharaktere ins Schwärmen. Vielen Dank an Vince Gilligan (der vorher auch Author für The X Files war) für die Erfindung dieser Serie. Vielen Dank an AMC für den life support für diese Serie, gerade am Anfang als die Einschaltquoten alles andere als berauschend waren. Die erste meiner Lieblingsszenen ist der wohl grandioseste Monolog überhaupt. Die zweite Szene stammt aus der bereits erwähnten Folge Ozymandias.

1. Lost (2004-2010)
Hier war ich ab der allerersten Folge mit dabei. Was die X Files in den 90ern waren, war Lost in den 00ern. Schon früh zeichnete sich das Sucht- und Kultpotential dieser Serie ab. Eine der ersten Serien mit einem eigenen Wikipedia (Lostpedia). Eine Serie, bei der ich mitunter über 50 Episode Titles auswendig kannte (wieso auch immer). Eine Serie, bei der mehr Geheimnisse aufgeworfen als gelöst wurden: die unauffindbare Insel, Eisbären, das Smokemonster, Unsterbliche, Zeitreisende. Flashbacks, Flash Forwards. Alternative Zeitlinien. Charaktere mit den Namen von Philosophen (wie etwa John Locke). Ich habe keine Ahnung, wie man auf solche Dinge kommen kann, ich bin nur froh, dass Carlton Cuse und Damon Lindelof (zusammen mit JJ Abrams) so verrückt waren. Auch hier war die Ausgeglichenheit der Cast ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Serie, denn jeder hatte seinen eigenen Lieblingscharakter aus dem riesengroßen Ensemble (bei mir waren dies Desmond und Daniel). Die Serie war ursprünglich nur für zwei bis drei Staffeln konzipiert, daher war irgendwann nach fünf Staffeln klar, dass sich alles irgendwie nicht mehr so richtig lösen lassen würde oder alles aufgeklärt werden kann. Dies tat der Spannung und meiner Begeisterung allerdings sehr lange keinen Abbruch. Nur eines möchte ich an dieser Stelle anmerken: das Serienfinale hat für mich nie stattgefunden, weil es irgendwie auch der easiest way out aus dem selbst-kredenzten Chaos war. Dennoch werde ich für immer ein Lostie bleiben. Meine absolute Lieblingsszene wird die erste bleiben, welche völlig unerwartet und unvermittelt die Flash Forwards einführte.

Eine dramatische Komödie mit Schlupfloch

In gewisser Hinsicht sind die Regeln der amerikanischen Television Academy – besser bekannt durch ihren jährlichen Preis, den Primetime Emmy Award – wie das österreichische Raucherschutzgesetz aus dem Jahre 2008. Wieso dies in meinen Augen der Fall ist, werde ich mit den folgenden Zeilen zu erklären versuchen.

Früher (noch Mitte der 2000er) war es ziemlich klar, ob eine TV-Serie ein Drama oder eine Komödie ist. Die vier großen US-amerikanischen Networks (ABC, NBC, CBS, FOX) mussten nach strikten Regeln handeln: Nacktheit, schockierende Bilder oder Schimpfworttiraden waren auch nach 23:00 nicht erlaubt. Dank Pay-TV wie HBO (Game of Thrones, The Wire) oder Showtime (Homeland, Showtime), Cable-TV wie AMC (Breaking Bad, The Walking Dead) und Streaming-Plattformen wie Netflix (House of Cards, Orange Is The New Black) oder Amazon Instant Video (Transparent, Bosch) wurde der Horizont der Fernsehkonsumenten in den letzten zehn Jahren jedoch laufend um verschiedenste neue Aspekte erweitert und ergänzt.

Primetime Emmy Awards
Aaron Paul, Anna Gunn & Bryan Cranston (c) emmys.com

Dank der künstlerischen Freiheit (im Nicht-Network-TV sind Nacktheit, Fluchen und härtere Gewalt nicht nur erlaubt, sondern gleichsam ein Mittel zum Zweck) entstanden in den letzten Jahren auch immer mehr mutigere Genremixes, welche teilweise weder von den Erfindern, Produzenten oder Auftraggebern (in diesem Falle z.B. HBO / AMC / Netflix / Amazon) selber klar eingeordnet werden konnten.

So geschah es, dass bei den heurigen Golden Globes die von Amazon produzierte Serie Transparent den Preis für die beste Komödie gewann. Wer die erste Staffel dieser Serie gesehen hat, wird mir beipflichten, dass Transparent wohl nur zu maximal 10% amüsant ist, die restlichen 90% eher schwer zu verdauen sind und Melancholie vorherrscht.

Wieso aber kann eine offensichtlich „unlustige“ Serie nun einen Preis für eine Komödie gewinnen? Ganz einfach, weil bis vor kurzem der jeweilige Auftraggeber bestimmt hat, in welches der beiden Rennen eine Serie geschickt wird. Deswegen kämpfte auch Orange Is The New Black zuletzt zweimal um den Emmy für die beste Komödie – eine Serie die ähnlich wie Transparent nur mitunter amüsant ist, vom Charakter her jedoch eindeutig Dramaform besitzt.

Transparent
Jeffrey Tambor (c) abcnews.com, all rights reserved

Zuletzt konnte übrigens im Jahre 2006 eine Serie aus dem Network-TV („24“; FOX) den Emmy für das beste Drama gewinnen. Gerade für das Prestige der Networks ist dies alles andere als angenehm, weil immer mehr Zuseher wegbrechen, die Quoten in den Keller gehen und gleichermaßen weniger Werbeeinnahmen generiert werden können. Aus diesem Grund wurde vor wenigen Monaten (unter dem Einfluss der Network-Mitglieder in der Television Academy) miterwirkt, dass ab 2015 nur mehr Serien mit einer Länge von unter 30 Minuten als Komödie eingereicht werden können.

Diese Änderung hat ins Besondere vier kommerziell und kritisch erfolgreiche Serien betroffen: Glee (FOX), Shameless (Showtime), Jane the Virgin (CW) und O.I.T.N.B. (Netflix). Nun spanne ich den Bogen zurück zu meinem Eingangssatz. Den Verantwortlichen dieser Serien wurde gleichzeitig die Möglichkeit gegeben, Petitionen einzureichen, um eine Ausnahmeregelung zu erhalten und trotz der Länge von über 30 Minuten dennoch als Komödie antreten zu können.

Glee, Shameless und Jane the Virgin haben dies gemacht. Und wie man sich schon denken kann, haben auch alle drei Serien diese Genehmigung erhalten. Regeln wurden also geschaffen, um ebendiese relativ leicht umgehen zu können, ähnlich wie bei den Ausnahmegenehmigungen für Raucherbereiche in kleineren Lokalen. Aber im Gegensatz zu Zigarettenrauch sind Serien nicht gesundheitsschädigend, man kann sie einfach ausschalten, wenn man sie nicht (mehr) ausstehen kann.