Das Debakel von Liefering

Ich hatte vorher knapp 70 Minuten lange Zeit um mir zu überlegen, was ich zu diesem niederschmetternden 0:4 gegen Liefering schreiben würde. Angesichts des heute Erlebten hatte bei der Autofahrt von Grödig nach Ried niemand in unserem Auto große Lust auf Smalltalk. Kollektive Fassungslosigkeit und betretenes Schweigen waren nach einer Götterdämmerung in Sachen zweitklassigem österreichischen Fußball vorherrschend. Einige emotionale Passagen habe ich durch den Abstand von nunmehr zweieinhalb Stunden seit Spielende noch zusätzlich entschärfen oder weglassen können.

Zerknülltes Eintrittsticket von Liefering gegen Ried aus dem August 2017
Das Corpus Delicti, ein Zeitzeugengegenstand direkt aus der Fußballhölle.

Gestern abends habe ich bei einer Twitter-Diskussion noch die bisherigen Leistungen verteidigt und erneut behauptet, dass man aufgrund von Kaderzusammenstellung und Infrastruktur der Favorit auf den Aufstieg bzw. den Meistertitel sei. Diese Meinung revidiere ich nun, viel mehr drehe ich mich um 180° und glaube nun, dass diese Mannschaft nur recht wenig mit den vorderen Plätzen zu tun haben wird.

Das heutige Spiel hat nämlich alle bisherigen Leistungen völlig neu eingeordnet. Die Leistung im Saisonauftakt gegen eine biedere Mannschaft aus Wiener Neustadt war schlecht. Die Leistung in der ersten Halbzeit gegen den FAC, die vermeintlich noch immer schwächte Mannschaft der Liga, war peinlich. Die Leistung bei der heutigen 0:4 Niederlage gegen Liefering war jedoch geradewegs unfassbar. Eine 0:3 Niederlage gegen ein ersatzgeschwächtes Grödig im Dezember 2013 (bei der sogar der Platzwart Pfeilstöcker eingewechselt wurde) hatte ich bis heute für absolut ununterbietbar gehalten. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Die erste Halbzeit war nicht gut, aber das war man heuer bereits gewohnt. Wie kann man jedoch nach der Halbzeitpause aus der Kabine kommen, den eigenen Anstoß fatal zum Gegner spielen, eine große Torchance zulassen, kollektiv weiterschlafen und wenige Sekunden später dann doch noch das Gegentor erhalten? Wie kann man als gestandender Bundesligakicker mit CL-Erfahrung einen Ball nicht einfach wegdreschen, wenn der eigene Tormann nicht im eigenen Tor steht? Wie ist so etwas im Profifußball möglich? In keinster Weise war man dem Gegner RB3 heute ebenbürtig. Weder spielerisch, noch läuferisch, noch kämpferisch und sowieso nicht taktisch.

Denn so langsam ist es an der Zeit sich die Frage zu stellen, ob der größte Feind hinsichtlich der eigenen Aufstiegsambitionen nicht auf der eigenen Trainerbank sitzt. Sein Name ist Lassaad Chabbi und er wurde am Freitag von einem Kollegen relativ treffend als die österreichisch-tunesische Variante von Frenkie Schinkels bezeichnet. Absolut nichtssagenden Interviews vor und nach den Spielen („wenn man gewinnt ist man Favorit, wir haben verloren also sind wir nicht mehr Favorit„) und großen Töne (u.a. „kein Heimspiel mehr verlieren„, „den Code des Gegners geknackt„) steht ein verpatzter Saisonauftakt zu Buche, bei der eine Vielzahl an Spielern völlig ahnungslos über das Feld trabt (u.a. Wießmeier, Chabbi Jun., Kerhe, Marcos) und augenscheinlich keine Ahnung hat, welche Rolle man im Spiel einnehmen soll und wie das allgemeine taktische Konzept aussieht. Daher will ich an diesem Punkt folgende konkreten Fragen aufwerfen:

  • Warum wird gegen die schnellste/dynamischste Truppe der Liga mit einer völlig rigiden (hölzernen) Dreierkette agiert, welche weder im Testspiel gegen Academia Puskas noch in der zweiten Halbzeit gegen Wiener Neustadt auch nur ansatzweise funktioniert hat und dementsprechend heute nach Belieben überlaufen und -spielt wurde?
  • Warum wurde bei der Kaderplanung auf einen natürlichen linken Innenverteidiger  „vergessen“? Haring hat heute als linker Innenverteidiger in der Dreierkette agiert, ein natürlicher Rechtsfuß der nahezu überhaupt keinen präzisen Ball mit seinem linken Fuß hinausspielen kann (oder will) und dem Gegner daher mehr als nur einmal den Ballbesitz zurückgeschenkt hat, die Quittung mit der schnellen Auswechslung nach dem 0:2 kassiert hat.
  • Warum werden Eckbälle gewöhnlich halbhoch, halbscharf an den ersten Pfosten getreten um dort vom ersten Defensivspieler des Gegners aus der Gefahrenzone geköpft oder geschossen zu werden? Generell waren viele eigene Ecken heute der Ausgangspunkt für gefährliche Konterchancen für Liefering. Im Allgemeinen ist die völlig ideenlose Ausführung von Standardaktionen – egal ob jetzt Freistöße oder Ecken – schon länger ein markanter Schwachpunkt im Spiel der Mannschaft. In einer Mannschaft, in der früher klingende Namen wie Lasnik, Drechsel, Lexa, Brenner, R.Zulj, Kragl oder Thomalla an Standards herangelassen wurde, liegt das letzte Tor aus einem direkten Freistoß mittlerweile schon lange zurück, genau gesagt sprechen wir vom Herbst 2015 (Anmerkung 8.8.: Fehler meinerseits, konnte Stankovic doch gegen den FAC einen Freistoß direkt verwandeln, was aber nur wenig am generellen Sachverhalt ändert). Wie viel man mit einstudierten und überraschenden Standardsituationen erreichen kann, sieht man derzeit ausgerechnet beim Aufsteiger in der Bundesliga.

Wir sind der Absteiger aus der Bundesliga und auch wenn es bei einem der schlechtesten Spiele der SVR-Geschichte komisch klingt, so muss ich die Einzelleistung von Seifedin Chabbi heute trotzdem noch gesondert herausheben. Fremdkörper ist nämlich eine Übertreibung für dessen heutige Leistung während der zweiten 45 Minuten. Ein Spieler, der derart verunsichert (?) ist, dass er sich keinen Ball stoppen kann, keinen Pass auf eine Distanz von zwei Metern spielen kann, pausenlos schwarz-grüne Trikots mit rot-weißen Trikots verwechselt und eine Körpersprache und Laufbereitschaft wie auf einer Beerdigung vorzeigt, gehört zumindest temporär aus dem Mannschaftskader genommen. Leider hat man sich mit den beiden Chabbis in der gleichen Mannschaft selbst ein Problem geschaffen, welches mit jedem torlosen Spiel des Filius (derzeit sind es sechs) größer werden wird.

Taktiktafel Seifedin Chabbi beim Spiel Liefering gegen Ried
Die Taktiktafel der Bundesliga (via bundesliga.at) beweist das Gefühlte rot auf grün, dass bei Seifedin Chabbi quasi alles in Tornähe schiefgegangen ist.

Pech für ihn natürlich auch, dass er in der zweiten Halbzeit primär vor den eigenen Fans agieren musste. Der Großteil des mitreisenden Supports ist bei Niederlagen der SVR im Normalfall gnädig. Heute bekam die Truppe jedoch nicht einmal von den Dauerjublern vom FCSG tröstenden Applaus gespendet. Die wenigen Mitreisenden welche noch auf den Rängen waren, schickten die Mannschaft beim Ansatz des Gangs nach Canossa verbal und wild gestikulierend sofort wieder in Richtung Kabine.

Bei einer Niederlage am Freitag im Derby gegen Blau Weiß Linz ist die eine oder andere Eskalation zu befürchten. Der harte Kern hat sich im Laufe der letzten Monate nämlich vieles gefallen lassen und ist bis zum Abstieg und darüber hinaus trotzdem voll mitgegangen. Aber eine zweite Klatsche, noch dazu in einem Derby, würde wohl auch alte Wunden aufreißen. Und dann sehe ich hinsichtlich Stimmungslage schwarz für das Projekt Wiederaufstieg.

Auswärtssektor in Grödig beim Spiel Liefering gegen Ried
Das Highlight an diesem Spiel war das laue Sommerwetter vor Spielbeginn in Grödig, am Fuße des Untersbergs im schönen Salzburgerland.

Die SV Ried steigt (nicht) ab, weil…

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(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt ab, weil

… der Frühjahresspielplan einigermaßen ungünstig beginnt. Nach einem Auswärtsspiel beim Angstgegner in Mattersburg muss man im eigenen Stadion gegen RBS antreten. Bei einer Doppelnull zu Beginn könnte man schneller als erhofft/befürchtet wieder die rote Laterne übernehmen. Auch die breite Brust der letzten erfolgreichen Spiele im Herbst würde damit gleich wieder verloren gehen.

… mit Marcel Ziegl der wohl objektiv beste Spieler der Herbstsaison (bis zu seiner schweren Verletzung) durch seinen Kreuzbandriss noch die gesamte restliche Saison ausfällt und bisher als Schaltzentrale im 3-3-3-1 in keiner Weise ersetzt werden konnte.

… mit Oliver Kragl nicht nur der offensivstärkste, schussgewaltigste und freistoßbeste Linksspieler der Bundesliga in die Serie A verkauft wurde, sondern auch ein echter Typ, Arbeiter und Leader verloren gegangen ist, wie man ihn seit den Zeiten von Drechsel und Lexa nicht mehr in der Mannschaft hatte.

… man im Vergleich mit den Konkurrenten wie etwa Grödig, Altach oder Wolfsburg diesen Abstiegskampf nicht wirklich kann. Zuletzt stand man nach dem Abgang des Trainerduos Weissenböck/Schimpl etwas unter Zugzwang, jedoch nie so knöcheltief wie in der heurigen Saison. Auch für den erfolgsverwöhnten Paul Gludovatz ist diese Erfahrung eine neue.

… weiterhin dieser Stürmer fehlt, der 10-15 Tore pro Saison macht. Durch die leichte Systemumstellung der letzten Runden konnte dies zwar kompensiert werden, jedoch werden sich die Gegner darauf einstellen können und man kann nicht immer darauf hoffen, dass die Innenverteidiger (Filipovic, Reifeltshammer) in der Not offensiv einspringen.

Gerhard Schweitzer doch wichtiger war, als die Allgemeinheit dies beziffern konnte. Nach seinem Abgang per 31.1. muss Gludovatz zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne seinen kongenialen Partner auskommen – und in seinem Alter fällt die Umstellung auf einen anderen Partner normalerweise schwer – ganz unabhängig von den Qualitäten des Mario Posch.

… die Leihspieler aus Liefering zwar über enormes Talent verfügen (ich schaue die skyGo Erste Liga regelmäßig), sich jedoch innerhalb dieser kurzen Zeit nicht mit dem Abstiegskampf akklimatisieren oder dem Verein identifizieren können. Falls es eine Klasse nach unten geht, spielt man dann eben wieder im Heimatstall weiter.

… es weiterhin Unstimmigkeiten und Machtspiele im Verein gibt, welche die Leistungsfähigkeit der Spieler zumindest beeinflusst. Außerdem gibt es immer wieder Meldungen, mit denen man vor 4-5 Jahren nicht gerechnet hätte. Als Beispiel sei hier der vor wenigen Tagen bekannt gegebene Verlust von 1,151 Millionen in der letzten Bilanz genannt, auch wenn die Situation von Finanzvorstand Daxl zuletzt bereits (verbal) entschärft wurde.

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(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt nicht ab, weil

… man sich nach der Ära Kolvidsson enorm stabilisieren konnte, seit Gludovatz/Schweitzer auf einem fiktiven 5. Tabellenplatz steht und ein positives Torverhältnis (20:19) aufweisen kann. Diese Konstanz ist im weiteren Abstiegskampf unschlagbar.

… man bisher alle „big points“ holen konnte. Beim 1-0 im ersten Spiel unter Gludovatz gegen Sturm, beim 1-0 in der 16. Runde gegen Grödig, beim 3-1 in der 18. Runde gegen Altach und natürlich auch beim 1-0 in der letzten Runde vor der Winterpause gegen den WAC. Wenn man weiterhin jedes „do or die“ Spiel verliert, steigt man auch nicht ab.

… Spieler wie Elsneg oder Murg endlich die erwartete Leistung abrufen können, zu welcher sie der Ex-Trainer mangels fehlender Kompetenz nicht führten konnte. Mit 12 Scorerpunkten distanziert Didi Elsneg den zweitbesten Spieler seiner Mannschaft sogar um 6 Punkte. Thomas Murg wirkt nach der Geburt seines ersten Kindes wie befreit und konnte etwa die Austria Wien beim 4-2 nahezu im Alleingang zerlegen.

… man mit Thomas Gebauer auf einen der (wieder) besten Torhüter der Liga als sicheren Rückhalt zählen kann, der die eine oder andere unhaltbare Chance zunichte machen kann. Seit des Tormanntrainerwechsels zu Hubert Auer ist der Bayer bis auf wenige Aufnahmen wieder jener Keeper, der es in den späten 00er-Jahren auch einmal zum österreichischen Torhüter des Jahres schaffte.

… einige Spieler wie Walch, Möschl oder Gavilan aufgrund von Verletzungen (und der Ära Kolvidsson) noch nicht zeigen konnten, wozu sie wirklich fähig sind. Zudem kommen mit Honsak und Brandner (als Widerspruch zum Grund pro-Abstieg) zwei talentierte und variable Spieler in die Mannschaft, welche sich ohne viel Vorlaufzeit in die Mannschaft einfügen können und den Konkurrenzkampf steigern werden.

… es auch bei den anderen Mannschaften viele Unstimmigkeiten und Störfeuer gibt, stellvertretend sei hier der gerichtliche Abgang von Karim Onisiwo bei Mattersburg genannt, der spielerisch nur schwer zu ersetzen sein wird. Grödig spielt als einzige Mannschaft auswärts und daheim quasi ohne Fans und beim WAC ist die Insolvenz von Hauptsponsor RZ noch im Hinterkopf.

… man im Falle des Falles trotzdem wieder auf Stefan Reiter vertrauen kann. Trotz aller berechtigter/öffentlicher Kritik (auch von meiner Seite) blieb er immer ruhig und optimierte nach innen, anstatt täglich mit den Medien zu diskutieren oder in Panik zu verfallen. Dass einige verpflichtete Spieler im richtigen System doch stärker sind als geglaubt (z.B. Polverino, Filipovic), konnte man während der letzten Herbstrunden beobachten.

… man im letzten Meisterschaftsviertel auf Heimspiele gegen Mattersburg, die Admira und Grödig bauen kann. Und falls es wirklich brenzlig wird, kann die SVR (subjektiv und objektiv) viel mehr Fans und Zuschauer zu Heim- und Auswärtsspielen mobilisieren als alle Konkurrenten im Abstiegskampf. Unter anderem auch weil die (Auswärts-)Wege im Vergleich mit Wolfsberg, Mattersburg oder Altach insgesamt gesehen kürzer sind. Und weil Innviertler – trotz aller Konflikte und Unstimmigkeiten – am Ende trotzdem zusammenhalten.

Der Befreiungsschlag

Der Fußballsport ist kurzlebig. Rechnete man nach dem inferioren 1-3 bei der Admira vielerorts noch mit dem Fixabstieg der SV Ried, so denkt man seit dem gestrigen Spiel gegen Sturm Graz schon wieder an die Qualifikation für die Europa League (natürlich bloß überspitzt formuliert). Doch die Erleichterung nach diesem gestrigen Sieg war und ist noch immer immens. Für mich persönlich war es sogar der wichtigste Sieg seit dem Cupfinale im Jahre 2011 (den man durch die Favoritenstellung gegenüber Austria Lustenau einfach einfahren musste). Auch die knapp 5000 Zuschauer sind eine positive Überraschung und sollten in naher Zukunft wieder zur Norm und nicht zur Ausnahme werden.

Paul Gludovatz hat es binnen fünf Tagen geschafft, einer am Boden liegenden Mannschaft wieder Leben einzuhauchen. Die Stabilisierung der Defensive war dabei Hauptaugenmerk. Ließ man in den bisherigen Saisonspielen immer mindestens fünf Großchancen zu, so kam Sturm trotz Offensivpower durch Avdijaj, Tadic, Schick und Co. gestern nur zu insgesamt zwei gefährlichen Torabschlüssen (wenn man die Volley-Schussflanke von Schick nicht dazurechnet).

Ich bin kein Taktikfreak, diese Analyse überlasse ich daher den Kollegen von ballverliebt, die eine großartige Analyse des Comebacks des berühmt-berüchtigten 3-3-3-1 verfasst haben. An dieser Stelle möchte ich stattdessen Körpersprache und Einstellung der Spieler hervorheben. Gludovatz sprach im sky-Interview nach dem Spiel davon, dass man im Training primär versucht hat, alles mit Kinn und Nase nach oben zu agieren. Dass diese Maßnahme bereits im ersten Spiel gefruchtet hat, war dennoch nicht abzusehen. Erstaunlich ist nämlich, dass einige Spieler wie ausgewechselt spielten, egal ob Gavilan (der den Ball gut abschirmen und verteilten konnte), Janeczek (der als Wingback sogar eine Maßflanke auf Elsneg anbrachte) oder auch Trauner (der gestern endlich wieder den souveränen Abwehrchef mimte) – nur um jetzt einige Beispiele zu nennen. Positiv überrascht konnte man auch über das Comeback von Thomas Reifeltshammer sein, der ohne jegliche Matchpraxis wohl seine beste Leistung seit der Ära Gludovatz I ablieferte und zweifelsohne einer der großen Gewinner des Trainerwechsels ist.

Auch wenn es nur eine Momentaufnahme darstellt, aber mit einer kompakten und aggressiven Spielweise wie gestern sollte diese Mannschaft im Laufe der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Nicht nur fünf Gelbe Karten, sondern auch die meisten Fouls einer Mannschaft in einem Spiel dieser Saison sind Beweis dafür, dass man gestern eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft agieren sah (bei der man gerade in der 1. Halbzeit kaum glauben konnte, dass es sich um die SVR handelte). Der Funke vom Spielfeld sprang gestern auch auf die Tribüne(n) über, denn ich kann mich bei bestem Willen nicht erinnern, wann die Stimmung bei einem Heimspiel zuletzt so gut war (für mich als Rieder in Graz sind die Duelle mit Sturm natürlich auch von besonderer Bedeutung und ich kann morgen ebenso mit erhobenem Kinn durch die Stadt gehen).

Eine (weitere) richtungsweisende Partie wird es allerdings kommende Woche in Grödig geben. Gewinnt man diese Partie, so überholt man einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf und die Tabellensituation bessert sich nochmals. Grödig hat zuletzt dreimal in Folge verloren (und muss auch ohne das ehemalige SVR-Rauhbein und Abwehrstabilisator Hari Pichler antreten) und nimmt nach einem überraschenden Saisonstart so langsam die Position ein, welche ihnen die meisten Experten vor Saisonbeginn eingeräumt hatten. Doch die bisherige Bilanz der SVR am Untersberg ist schlecht, denn nur einem Sieg sowie einem torlosen Unentschieden stehen zwei Niederlagen gegenüber.

Auch ein Rückschlag wäre kein Weltuntergang, denn mit dem gestrigen Sieg hat man sich für’s Erste einiges an überraschender Luft verschafft und anschließend haben Gludovatz/Schweitzer durch die Länderspielpause auch zwei Wochen Zeit, um System und Spielweise weiter voranzutreiben und in die Köpfe der Spieler zu bekommen. Die Lernbereitschaft und den Willen spreche ich den Spielern mittlerweile zu, denn Siege machen Spaß – eine Tatsache, welche die aktuelle Mannschaft bereits größtenteils vergessen hatte. Die SV Ried ist wieder da wurde gestern während der zweiten Halbzeit intoniert. Dies verdankt man primär einem Mann, der als Sir Paul geadelt wurde und kein Messias sein will, aber in diesem Bezug einfach ignoriert wird. Denn Ried und Gludovatz, Gludovatz und Ried – das hat gepasst und passt noch immer.