Zeugnisvergabe bei der SV Ried

Wie bereits in den vergangenen beiden Jahren wurden die User im Austrian Soccer Board dazu aufgerufen, die Kicker ihrer Lieblingsmannschaft für die Leistungen in der Herbstrunde 2014/2015 zu benoten (* das 6-0 gegen Wiener Neustadt ereignete sich erst nachdem ein Großteil der Notenvergabe durchgeführt wurde). Die Notenskala dehnt dabei sich von 1 (nicht genügend) bis 10 (sensationell). Nach insgesamt 28 abgegebenen Bewertungen zeigt sich nun folgendes Endergebnis:

noten_herbst

10 – kein Spieler wurde mit der Höchstnote ausgezeichnet.
09 – nur ein Spieler (Patrick Möschl) wurde einmal mit dieser Note bewertet
05 – so durchschnittlich wie die Herbstsaison verlief, so wurde auch Oliver Glasner bewertet
05 – an Thomas Fröschl schieden sich die Geister, er wurde zwischen 2 und 7 bewertet
02 – dies war die am häufigsten an Toni Vastic und Thomas Reifeltshammer vergebene Note
01 – die ASB-User vergaben kein einziges Mal die schlechteste Note

DIE BESTEN

Wenig erstaunlich findet sich Bernhard Janeczek als souveräner Spitzenreiter auf dem ersten Platz. War er vergangene Saison unter Michael Angerschmid noch ein Ergänzungsspieler auf der Position des IV oder RV, so zeigte er sich in der Herbstsaison als meistverbesserter Spieler und souveränster Innenverteidiger des aktuellen Kaders. Kopfballstark, zweikampfstark und mit einer guten Spieleröffnung hat er sich im Herbst in die Herzen der Fans gespielt. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, man sollte die Verlängerung also zu einer Priorität in der Winterpause machen, um ihn nicht ablösefrei an einen Konkurrenten zu verlieren (z.B. Schiemer, Hadzic, Gartler).

Ebenfalls eine starke Herbstsaison spielte Marcel Ziegl, zuletzt leider verletzt out. Mit ihm macht die SVR pro Spiel 1,50 Punkte, ohne ihn sind es nur 0,71 (vielen Dank an @axlsem für diese Statistik). Taktgeber im Mittelfeld, steht meistens richtiger als die anderen und kann auch den tödlichen Pass spielen. Er wird übermorgen erst 22 Jahre alt, spielt aber dennoch bereits in seiner siebten (!) Bundesligasaison (am 29.11.2008 gab er sein Debüt mit 15 Jahren im OÖ-Derby gegen den LASK). Sein auslaufender Vertrag wurde im Frühjahr bis 2016 verlängert, trotzdem ist er bei gleichbleibenden Leistungen wohl einer der nächsten Kandidaten für einen Wechsel zu einer österreichischen Topmannschaft.

In der vergangenen Saison war Patrick Möschl noch so etwas wie der Shootingstar in der SVR-Mannschaft. Heuer hatte er jedoch mit gröberen Anlaufschwierigkeiten (auch aufgrund einer in der Vorbereitung zugezogenen Verletzung) zu kämpfen. Erst zur Herbstsaisonmitte etablierte er sich (wieder) als Stammspieler im linken offensiven Mittelfeld. Mit zwei Toren und zwei Assists hinkt er seinem letztjährigen Saisonoutput nach, bei den Fans wird aber besonders seine dynamische und kämpferische Art geschätzt. Er zeichnete sich auch für den vermutlich wichtigsten Assist der bisherigen Saison verantwortlich, den Lochpass auf Denis Thomalla beim 1-0 Sieg in Wiener Neustadt (beim Duell 9. vs. 10.).

Der Kapitän Thomas Gebauer wurde letzte Saison stark kritisiert, dies vermutlich zu einem Großteil auch zurecht. Heuer waren seine Leistungen mit einer großen Ausnahme (dem 2-2 gegen Grödig, als er den Ball bei einem sinnlosen Ausflug an Philipp Huspek verlor, was direkt in ein Tor von Yordy Reyna resultierte) jedoch konstant. Vor allem in den 1:1 Situationen (jeder kann sich noch an den Alleinlauf von Omer Damari beim 1-1 gegen die Austria erinnern) bärenstark. Ein großes Problem in seinem Spiel sind jedoch Abstöße und Ausschüsse, ein Großteil davon landet nämlich im Seitenout. Er befindet sich in seinem Vertragsjahr und ist jetzt 32 Jahre alt, was für einen Torhüter jedoch noch kein drastisches Alter ist. Aufgrund der Tatsache, dass seine vermeintlichen Thronfolger Samuel Radlinger (Hannover, ausgeliehen an Nürnberg) und Milan Lucic (Bayern II) teuer verkauft werden konnten, kann man davon ausgehen, dass der Vertrag des Kapitäns demnächst verlängert werden wird, auch weil Lorenz Höbarth und Reuf Durakovic nicht an das Niveau des Deutschen herankommen.

DIE WENIGER GUTEN

Der gerade-erst-20-jährige Thomas Murg wurde mit einem Vertrag bis 2018 ausgestattet. Es ist relativ einzigartig, dass ein Neuzugang bei der SV Ried mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet wird. Eine solche Maßnahme erzeugt eine bestimmte Erwartungshaltung unter den Fans. Diese wird umso mehr geschürt, wenn sich dieser Spieler dann auch das Trikot mit der Nummer 10 auswählt (welcher sicher nicht mehr diese mythische Bedeutung früherer Zeiten hat, jedoch immer noch speziell ist). Zwei Tore und ein Assist in 16 Einsätzen ist für einen zentralen offensiven Mittelfeldspieler keine gute Quote, er ist bis dato also einiges schuldig geblieben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass er im Frühjahr zu keinen Bundesligaeinsätzen kam und eben gerade erst 20 Jahre alt geworden ist. Positiv ist jedenfalls, dass er mittlerweile weniger aussichtslose Dribblings probiert und sich auch für weniger Ballverluste verantwortlich zeichnet. Zuletzt sah man jedoch einen deutlichen Anstieg seines Selbstbewusstseins und durch sein Kopftor (bei 1.74m Körpergröße) gegen Wiener Neustadt konnte er sich auch anständig in die Winterpause verabschieden.

Ziemlich begeistert war man im Sommer nach der Verpflichtung von Dieter Elsneg. Letzte Saison mit 8 Toren und 6 Assists im Salzburgerland noch einer der Hauptverantwortlichen für den Höhenflug der Grödiger, so sind 1 Tor und 3 Assists in 18 Spielen im Herbst bei seinem neuen Club kein guter Output für einen offensiven Mittelfeldspieler. Mit seinem Kopftor (nebst einem Assist) gegen seinen Ex-Verein sicherte er der Mannschaft immerhin einen Punkt beim 2-2 gegen Grödig. Primär wurde an ihm kritisiert, dass man noch immer nicht genau weiß, auf welcher Position er eigentlich am besten aufgehoben ist. Bedenklich ist jedoch das Faktum, dass er seit dem 30. August an keinem Tor mehr beteiligt war. Genau so unauffällig agiert er auch in der Kartenstatistik, mit 0 Gelben Karten in 1454 Spielminuten ist er der fairste Feldspieler der Bundesliga – was ihm jedoch auch wieder Kritik einbringt, denn als zentraler Mittelfeldspieler kann man in der österreichischen Bundesliga eigentlich nur ohne Karte bleiben, wenn man den Zweikämpfen aus dem Weg geht…

Einen enorm schweren Stand hat Toni Vastic in Ried. Neben seinem Präsenzdienst, den er gerade im Panzergrenadierbattailon 13 in Ried ableistet, hat er auch sehr stark unter seinem Namen zu leiden. Es ist alles andere als leicht, wenn der Vater eine (österreichische) Fußballlegende ist (zudem beim hier so ungeliebten LASK), dazu kommt jedoch auch, dass es während seiner Zeit in Ried mehrfach zu kleineren (verbalen) Scharmützeln zwischen den Hardcorefans und ihm kam. Des Öfteren warf man ihm eine mangelnde Einstellung vor, viele Fans haben auch das Gefühl, dass er Ried vom ersten Tag an als „Durchlaufposten“ gesehen hat, kam er doch immerhin von den großen Bayern. Außerdem waren die von Rene Gartler (ein Spieler, der nicht nur sehr erfolgreich sondern unter den Fans auch sehr beliebt war) hinterlassenen Fußstapfen auch viel zu groß. Deswegen reagierte man zum Ende der Transferfrist auch nochmals durch die Verpflichtung von Denis Thomalla. Aus neutraler Sicht wäre es für alle beteiligten Parteien wohl am besten, wenn sich der kolportierte Winter-Transfer (zur Admira) bewahrheiten sollte.

Vom Paulus zum Saulus. So könnte man den katastrophalen Mittelwert von 2.43 für Thomas Reifeltshammer kommentieren. Von Janeczek und Trauner im 3-4-3 aus der Startelf gedrängt, zeigte das 1:3 im Auswärtsspiel bei Sturm Graz deutlich auf, wieso der mittlerweile 26-jährige Neuhofener schlechthin der Verlierer im Herbst ist. Nur 6 Startelfeinsätze (1 Sieg, 5 Niederlagen, kein Tor oder Assist) können einen Spieler, der im September 2013 noch auf Abruf im Nationalteam stand, einfach nicht zufriedenstellen. Kam er in seinen ersten beiden vollen Saisonen noch auf 35 Einsätze (3 Tore, 1 Assist) bzw. 34 Einsätze (2 Tore, 2 Assists), so waren es im Vorjahr nur mehr 28. Durch eine langwierige Verletzung gehandicappt, hatte man bei ihm das Gefühl, dass er im Kalenderjahr 2014 nicht mehr auf dem Leistungslevel spielen konnte, welches er während seiner ersten zweieinhalb Jahre in Ried wöchentlich unter Beweis stellte. Dass es sich bei Reifeltshammer um einen hochsympathischen Burschen aus einer Nachbargemeinde handelt, macht den letzten Platz im Spielerranking umso schmerzhafter für die Allgemeinheit, es gibt wohl kaum jemanden, der ihm nicht den Karriereturnaround wünscht. Bevorzugt in Ried.

(c) @gemprech Dezember 2014