Review Fargo S01 & S02

Achtung: keine Spoiler. Ich habe die letzten (kränklichen) Tage unter anderem dafür aufgewendet, endlich die MGM/FX-Serie Fargo (basierend auf dem gleichnamigen oscarprämierten Film der Coen-Brüder aus den 90ern) zu bingen und damit endlich den Kommentaren zu entgehen, ich solle die Serie doch endlich schauen.

Zunächst ist zu sagen, dass Fargo (sowohl S01 als auch S02) als Limited Series vom Schauspielerensemble lebt. Und dieses ist wirklich beeindruckend. Bis in die kleinsten Nebenrollen agieren hochkarätige Schauspieler wie Bob Odenkirk (der Saul Goodman aus Breaking Bad und Better Call Saul), Elizabeth Marvel (wird in der nächsten Staffel von House of Cards die US Präsidentin spielen), Nick Offerman (der „King of Breakfast“, der für mich untrennbar mit Ron Swanson aus Parks & Rec verbunden ist), Adam Goldberg (den ich optisch stets mit Jason Schwartzman verwechsle), Keegan-Michael Key (als schusseliger FBI-Agent in der ersten Staffel) oder Kieran Culkin (der die Story von S02 in der ersten Folge ins Rollen bringt).

Billy Bob Thornton und Martin Freeman in Fargo
Billy Bob Thronton und Martin Freeman aus der ersten Staffel von Fargo (MGM/FX). (c) usatoday.com

(Noch) beeindruckender als die Nebendarsteller sind jedoch die Hauptcharaktere. Weil ich neben Serien auch Rankings aller Art liebe, habe ich nachfolgend versucht, die schauspielerischen Leistungen derer in Punkteform (von 10/10 bis 00/10) in eine gesammelte Liste zu bringen, was sich als äußerst schwierige Aufgabe herausstellte.

10/10 – Billy Bob Thornton (Staffel 01)
09/10 – Kirsten Dunst (Staffel 02)
09/10 – Martin Freeman (S01)
09/10 – Allison Tolman (S01)
08/10 – Colin Hanks (S01)
07/10 – Bokeem Woodbine (S02)
07/10 – Joan Smart (S02)
06/10 – Jesse Plemons (S02)
05/10 – Patrick Wilson (S02)
04/10 – Ted Danson (S02)

Der von Billy Bob Thornton (sozusagen der Ex-Ex-Mann von Angelina Jolie) dargestellte Lorne Malvo ist eindeutig der großartigste Charakter im Fargo-Universum. Selten kam (trotz der job description) ein Auftragskiller derart ruchlos, gefühlskalt und soziopathisch rüber. Als Belohnung für seine Leistung wurde er u.a. mit einem Golden Globe für den besten Darsteller in einer Mini-Serie oder TV Film ausgezeichnet. Kirsten Dunst – den meisten wohl als Mary Jane aus dem 00er-Spiderman-Reboot ein Begriff – folgt knapp dahinter. Da die zweite Staffel noch nicht jeder gesehen hat, verzichte ich hier bewusst auf eine nähere Charakterbeschreibung.

Patrick Wilson, der eigentliche Hauptdarsteller der zweiten Staffel (der auch in S01 vorkommt – auch hier wird auf einen Spoiler verzichtet), leidet etwas an seiner Rolle als State Trooper und hat keine wirklich großartigen Momente, was auch für Ted Danson als seinen Schwiegervater (und Sheriff) gilt. Dieses vorangegangene Ranking ist Kritik auf allerhöchstem Niveau, denn selbst die weiter hinten platzierten Schauspieler würden in den meisten network series (CBS, NBC, ABC, FOX) immer noch alle gnadenlos an die Wand spielen.

Eine spannende Storyline, kombiniert mit einer überragenden Cast, einem nicht alltäglichen winterlichen Serienszenario (zwischen den US-Bundesstaaten Minnesota, North Dakota und Kansas angesiedelt) kombinieren sich zu einem Pflichttipp für alle Serien-Aficionados. Alles in allem ist Fargo eine der besten Serien des letzten Jahrzehnts. Daher gibt es meine uneingeschränkte Empfehlung, welche als Gradmesser für Personen gelten soll, die die Serie bislang ebenfalls noch nicht gesehen haben.

Fargo gibt es in 1080p im Programm von Netflix (auch im Originalton). Die beiden Staffeln spielen zwar im gleichen Fargo-Universum, haben jedoch (fast) keine Verbindung miteinander, können daher auch getrennt voneinander geschaut werden. Im Jahre 2017 kommt die dritte Staffel ins TV, u.a. mit Ewan McGregor, Mary-Elizabeth Winstead und Carrie Coon.

Review: Stranger Things (spoilerfrei)

Sommer. Sommerloch. Serienpause. Nein, nicht ganz. Dank Netflix und Amazon Video wird man mittlerweile das ganze Jahr über mit neuem Material versorgt. Bis zum vergangenen Sonntag wusste ich nichts über die Existenz einer Serie mit dem Namen Stranger Things. Durch die Empfehlung eines vertrauenswürdigen Freundes hat sich dies jedoch geändert.

Die Handlung spielt im Jahre 1983 (meinem Geburtsjahr, yay) und schafft es wie kaum eine andere Serie, einen nostalgischen 80er-Vibe zu verbreiten (Kleidungs- sowie Frisurtrends, Walkie-Talkies, Dungeons & Dragons und Atari). Die geniale Mischung aus einem Score, der an Tron oder Halloween erinnert sowie einem Soundtrack, der durchaus als Best of the Early 80s bezeichnet werden kann, ist für mich ein absolutes Highlight. Die Gebrüder Duffer (verantwortlich für Story und Regie, zuvor u.a. als Autoren bei Wayward Pines angestellt) geben John Carpenter und Steven Spielberg als persönliche Einflüsse an, was bereits nach eineinhalb Folgen deutlich erkennbar ist. Genre-mäßig würde ich Stranger Things als eine Mischung aus Cold Case, Alien und E.T. bezeichnen. Also als Mystery-Horror-Drama.

Die Cast wird angeführt von der mittlerweile 44-jährigen Winona Ryder (in die ich in den 90ern absolut verliebt war – wie wohl 80% aller Burschen), David Harbour (den ich durch seine Rolle als Elliott Hirsch in The Newsroom kannte), dem mittlerweile in die Jahre gekommenen Matthew Modine (Pvt. Joker Davis aus Full Metal Jacket) als Bösewicht sowie einer Riege von unbekannten aber hochveranlagten Nachwuchsschauspielern.

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Winona Ryder, Weihnachtslichter und ein Alphabet an der Wand. (c) Netflix/IMDb

In nur acht Folgen schafft die Serie es, eine emotionale Nähe zu vielen Charakteren aufzubauen. Zur hysterischen alleinerziehenden Mutter, zum heruntergekommenen Polizeichef der seine Sorgen in Alkohol ersäuft, zur Highschool-Streberin die eigentlich Rebellin sein will, zum schüchternen Außenseiter der gerne mit seiner Pentax-Kamera durch die Gegend läuft.

Über die Logik mancher Handlungsstränge (remember: Mystery-Horror-Drama .. wenn ich genau darüber nachdenke auch noch mit Coming-of-Age-Elementen) darf man zwar nicht genauer nachdenken, dennoch spreche ich meine uneingeschränkte Empfehlung für diese Serie (aktuell 9.3 bei IMDb mit 19.233 Stimmen) aus. Wer also achtmal 55 Minuten opfern kann, wird dies ziemlich sicher nicht bereuen. Aufgrund der Tatsache, dass jede Folge mit einem Cliffhanger endet, wird man wohl auch nur wenige Tage dafür benötigen.

Serienrückblick 2015

Top10:

  1. Mr. Robot S1 (USA)
  2. The Leftovers S2 (HBO)
  3. Better Call Saul S1 (AMC)
  4. Jessica Jones S1 (Netflix)
  5. Suits S5 (USA)
  6. Bloodline S1 (Netflix)
  7. The Affair S2 (Showtime)
  8. Homeland S5 (Showtime)
  9. Ray Donovan S3 (Showtime)
  10. Unbreakable Kimmy Schmidt S1 (Netflix)

Flop5:

  1. True Detective S2 (HBO)
  2. The Brink S1 (HBO)
  3. Aquarius S1 (NBC)
  4. The Following S3 (FOX)
  5. Two And A Half Men S45345 (CBS)

Eine dramatische Komödie mit Schlupfloch

In gewisser Hinsicht sind die Regeln der amerikanischen Television Academy – besser bekannt durch ihren jährlichen Preis, den Primetime Emmy Award – wie das österreichische Raucherschutzgesetz aus dem Jahre 2008. Wieso dies in meinen Augen der Fall ist, werde ich mit den folgenden Zeilen zu erklären versuchen.

Früher (noch Mitte der 2000er) war es ziemlich klar, ob eine TV-Serie ein Drama oder eine Komödie ist. Die vier großen US-amerikanischen Networks (ABC, NBC, CBS, FOX) mussten nach strikten Regeln handeln: Nacktheit, schockierende Bilder oder Schimpfworttiraden waren auch nach 23:00 nicht erlaubt. Dank Pay-TV wie HBO (Game of Thrones, The Wire) oder Showtime (Homeland, Showtime), Cable-TV wie AMC (Breaking Bad, The Walking Dead) und Streaming-Plattformen wie Netflix (House of Cards, Orange Is The New Black) oder Amazon Instant Video (Transparent, Bosch) wurde der Horizont der Fernsehkonsumenten in den letzten zehn Jahren jedoch laufend um verschiedenste neue Aspekte erweitert und ergänzt.

Primetime Emmy Awards
Aaron Paul, Anna Gunn & Bryan Cranston (c) emmys.com

Dank der künstlerischen Freiheit (im Nicht-Network-TV sind Nacktheit, Fluchen und härtere Gewalt nicht nur erlaubt, sondern gleichsam ein Mittel zum Zweck) entstanden in den letzten Jahren auch immer mehr mutigere Genremixes, welche teilweise weder von den Erfindern, Produzenten oder Auftraggebern (in diesem Falle z.B. HBO / AMC / Netflix / Amazon) selber klar eingeordnet werden konnten.

So geschah es, dass bei den heurigen Golden Globes die von Amazon produzierte Serie Transparent den Preis für die beste Komödie gewann. Wer die erste Staffel dieser Serie gesehen hat, wird mir beipflichten, dass Transparent wohl nur zu maximal 10% amüsant ist, die restlichen 90% eher schwer zu verdauen sind und Melancholie vorherrscht.

Wieso aber kann eine offensichtlich „unlustige“ Serie nun einen Preis für eine Komödie gewinnen? Ganz einfach, weil bis vor kurzem der jeweilige Auftraggeber bestimmt hat, in welches der beiden Rennen eine Serie geschickt wird. Deswegen kämpfte auch Orange Is The New Black zuletzt zweimal um den Emmy für die beste Komödie – eine Serie die ähnlich wie Transparent nur mitunter amüsant ist, vom Charakter her jedoch eindeutig Dramaform besitzt.

Transparent
Jeffrey Tambor (c) abcnews.com, all rights reserved

Zuletzt konnte übrigens im Jahre 2006 eine Serie aus dem Network-TV („24“; FOX) den Emmy für das beste Drama gewinnen. Gerade für das Prestige der Networks ist dies alles andere als angenehm, weil immer mehr Zuseher wegbrechen, die Quoten in den Keller gehen und gleichermaßen weniger Werbeeinnahmen generiert werden können. Aus diesem Grund wurde vor wenigen Monaten (unter dem Einfluss der Network-Mitglieder in der Television Academy) miterwirkt, dass ab 2015 nur mehr Serien mit einer Länge von unter 30 Minuten als Komödie eingereicht werden können.

Diese Änderung hat ins Besondere vier kommerziell und kritisch erfolgreiche Serien betroffen: Glee (FOX), Shameless (Showtime), Jane the Virgin (CW) und O.I.T.N.B. (Netflix). Nun spanne ich den Bogen zurück zu meinem Eingangssatz. Den Verantwortlichen dieser Serien wurde gleichzeitig die Möglichkeit gegeben, Petitionen einzureichen, um eine Ausnahmeregelung zu erhalten und trotz der Länge von über 30 Minuten dennoch als Komödie antreten zu können.

Glee, Shameless und Jane the Virgin haben dies gemacht. Und wie man sich schon denken kann, haben auch alle drei Serien diese Genehmigung erhalten. Regeln wurden also geschaffen, um ebendiese relativ leicht umgehen zu können, ähnlich wie bei den Ausnahmegenehmigungen für Raucherbereiche in kleineren Lokalen. Aber im Gegensatz zu Zigarettenrauch sind Serien nicht gesundheitsschädigend, man kann sie einfach ausschalten, wenn man sie nicht (mehr) ausstehen kann.