Die Welt des Andreas Herzog

Für mich als Kind der 80er-Jahre war Andreas Herzog (Jahrgang 1968) in den 90ern ein Fußballgott. Seine Meisterschaft mit Werder Bremen, sein Transfer zum FC Bayern (bzw. damals eher FC Hollywood) in die bayrische Landeshauptstadt. Es gab kein Internet, es gab kein PayTV und so musste man jedes Mal auf ran (oder ranissimo) warten um ihn bei Bremen und Bayern in Aktion zu sehen. Was sich auch meistens rentierte.

Aber vor allem sein Tor gegen die Schweden. DIESES Tor gegen die Schweden (die Schweeeden). Eines der wichtigsten und spektakulärsten Tore der österreichischen Länderspielgeschichte. Herzog ist mit 103 Länderspielen österreichischer Rekordnationalspieler und neben Sindelar, Prohaska und Krankl et al. mit Sicherheit auch einer der besten österreichischen Fußballer aller Zeiten.

So aufregend und bemerkenswert seine aktive Karriere verlief, so seltsam verläuft seine Trainerkarriere. Nach einem Co-Trainerjob unter seinem alten Mentor Josef Hickersberger (27 Spiele) und seinem Nachfolger Karel Brückner (7 Spiele) übernahm er im März 2009 die österreichische U21-Nationalmannschaft. 13 Siege stehen 6 Unentschieden und 9 Niederlagen gegenüber. Dabei qualifizierte man sich für kein größeres Turnier.

Im Jänner 2012 kam er dank seines Bayern- bzw. LA Galaxy-Spezis Jürgen Klinsmann als Co-Trainer und U23-Trainer bei der US-amerikanischen Nationalmannschaft unter. Als Verantwortlicher der U23 setzte es insgesamt mehr Niederlagen (6) als Siege (5). Seit er im Jänner 2005 seine aktive Karriere beendet hat (was immerhin bereits mehr als 12 Jahre zurückliegt), hat man das Gefühl, dass er quasi im Monatstakt auf einen Trainerjob bei Rapid, der österreichischen Nationalmannschaft (und wohl auch bei Werder Bremen) hofft und wartet.

Herzog als Co-Trainer der USA vor dem Testspiel zwischen Österreich und den USA im Jahre 2013. (c) weltfussball.at

Vorgestern wurde Franco Foda als neuer Teamchef bestätigt. Herzog gab sich als schlechter Verlierer. Die APA zitierte ihn wie folgt:

Herzog ärgere sich, wenn er liest, er habe als Trainer nicht genügend Erfahrung. „Diese Trottelaussagen kann ich ehrlich gesagt nicht mehr hören. Ich habe über hundert internationale Spiele als Cheftrainer gemacht. So viele Spiele haben viele Trainer nicht mal in der Bundesliga hinter sich. Ich habe so viel erlebt, ich könnte sofort eine Mannschaft übernehmen“

Quick fact: er hat keine 100 internationale Spiele als Cheftrainer gemacht. 28 Spiele mit der österreichischen U21, 11 Spiele mit der U23 der USA und 1 Spiel als interimistischer Trainer der USA ergeben 40 Spiele als Cheftrainer, davon 39 im Nachwuchsbereich. Als Quelle hierfür dient transfermarkt.at. Dies ist von 100 so weit entfernt wie Österreich heuer von einer WM-Qualifikation war.

Gegenüber sky gab er heute auch noch folgendes Interview:

„Der Herr Windtner braucht sich bei mir nicht mehr melden, wenn irgendwas ist“, erteilte Herzog bei Sky einem zukünftigen Engagement eine Absage. „Verarschen kann ich mich selbst. Immer nur in der Verlosung dabei zu sein, aber nie wirklich ein ernsthafter Kandidat – das wird schön langsam fad.“ Herzog stößt sich vor allem daran, dass ihm ohne wirkliche Begründung abgesagt wurde.

Folgender Denkanstoß: die aktuell erfolgreichsten österreichischen Trainer sind wohl Ralph Hasenhüttl, Peter Stöger und Adi Hütter. Das Trainerranking von Laola1 sieht dies genau so.

Ralph Hasenhüttl (Jahrgang 1967) hat nach dem Ende seiner aktiven Karriere als Co-Trainer unter Werner Lorant bei Unterhaching begonnen und wurde anschließend bei selbigem Verein Cheftrainer in der Regionalliga Bayern. Mit Aalen stieg er in die 2. Bundesliga auf und konnte dort entgegen sämtlicher Expertenmeinungen die Klasse halten. Anschließend führte er Ingolstadt in die Bundesliga und hielt dort ebenfalls (souverän) die Klasse, bevor er zu RB Leipzig wechselte und sich seit heuer Champions League Trainer nennen darf.

Peter Stöger (Jahrgang 1966) mühte sich nach seiner Anstellung als Sportdirektor bei der Wiener Austria mit der Vienna und dem GAK in diversen Regionalliga umher, bevor er über den Umweg Wiener Neustadt zur Austria zurückkehren konnte. Dort wurde er Meister, wechselte aber trotz der Chance in der Champions League spielen zu können trotzdem zum FC Köln in die zweite deutsche Bundesliga, weil er dem Effzeh ein großes (größeres) Potential attestierte. Nach einem souveränen Aufstieg darf sich der kölsche Wenger heuer auch Europa League Trainer nennen. Die dramatischen Misserfolge der aktuellen Saison lassen wir an dieser Stelle mal außen vor, nachdem es die letzten Jahre eigentlich nur steil bergauf ging.

Ösis unter sich beim Spiel zwischen Köln und RB Leipzig – (c) krone.at

Adi Hütter (Jahrgang 1970) startete nach dem Ende seiner aktiven Karriere als Co-Trainer von Michael Streiter bzw. Lars Söndergaard bei den RB Juniors, bevor er ebendiese als Cheftrainer übernehmen konnte. Nach einer Zwischenstation in Altach stieg er mit Grödig in die Bundesliga auf und spielte anschließend eine überragende Saison in der höchsten Spielklasse, aufgrund derer er von RB Salzburg als neuer Cheftrainer auserkoren wurde. Nach einem ungefährdeten Meistertitel trennte er sich aufgrund seiner Prinzipien jedoch von den Salzburger Bullen und wechselte zu YB Bern, mit denen er derzeit die Schweizer Liga anführt und auch in der Europa League aktiv ist, zu Saisonbeginn nur knapp an der Qualifikation zur Champions League scheiterte.

Alle drei Trainer haben in der Regionalliga angefangen, sind konsequent ihren Weg gegangen, haben manchmal auch einen Schritt zurück gemacht um dann später zwei Schritte nach vorne machen zu können. Die drei genannten Beispiele und Herzog wurden innerhalb von vier Jahren geboren und dennoch klafft eine massive Erfahrungslücke zwischen Herzog und dem Rest.

Ich habe selber nie eine (Fußball-)Mannschaft trainiert, wage trotzdem zu behaupten: als Co-Trainer hat man nicht annähernd die gleiche Verantwortung wie ein Cheftrainer. Den Erfolg im Gold Cup kann er sich im Grunde nur in seine Vita schreiben, weil Jürgen Klinsmann für dieses Spiel gesperrt war. Es ist aus meiner Sicht auch stark zu bezweifeln, dass Herzog die Mannschaft für das Finale gegen die Fußballmacht aus Panama (1:0) auf- oder eingestellt hat. Als Cheftrainer der U23-Nationalmannschaft hat Herzog die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro verpasst.

Wieso um alles in der Welt hat Herzog nun also die Chuzpe, beleidigt zu sein dass er den Job des Nationaltrainers (wieder!) nicht bekommen hat? Wohl nur weil er nach der Bestellung seines langjährigen Vereins- und Nationalteamkollegen Peter Schöttel zum Sportdirektor des ÖFB wohl ziemlich sicher mit der finalen Krönung als Teamchef gerechnet hatte. Der enorme mediale Backlash nach der Trennung von Ruttensteiner hat in den Gremien des ÖFB wohl jedoch dafür gesorgt, dass man sich in weiterer Folge um Schadensbegrenzung gegenüber sämtlichen Gerüchten der Verhaberung bemüht hat und deswegen die Kompromisslösung Franco Foda präsentiert hat.

Foda-ÖFB
Teamchef Franco Foda – (c) vienna.at

Eben dieser Franco Foda (Jahrgang 1966) mühte sich viele Jahre als Co-Trainer und Cheftrainer der Sturm Amateure herum, bevor er 2006 den Cheftrainerposten in sehr schwierigen Zeiten übernehmen durfte und die Mannschaft fünf Jahre später zur österreichischen Meisterschaft führte. Nach einem knapp einjährigen Gastspiel in Kaiserslautern (er scheiterte in der Relegation an Hoffenheim) wechselte Foda nach Graz zurück und führt derzeit mit seiner Mannschaft verdient die tipico Bundesliga an. Verglichen mit seinen drei vorher genannten Kollegen verfügt er objektiv gesehen über die wenigste internationale Erfahrung, dennoch kennt er unsere Bundesliga in- und auswendig und war nun seit 2006 (mit einer Pause von wenigen Monaten) quasi durchgehend als Cheftrainer im Erwachsenenfußball aktiv.

Auch wenn die unglückliche Pressekonferenz des ÖFB deutlich verraten hat, dass Foda nicht die erste (oder zweite, oder dritte) Wahl war (das waren wohl Stöger, Hütter, Kovac und Weinzierl), so ist der Deutsche aus dem Pool der drei „Endkandidaten“ (nebst Fink und Herzog) allerdings doch ein verdienter „Sieger“.

Für Andreas Herzog wäre die beste Vorgehensweise, wenn er jetzt nicht weiter durch kindisch-beleidigte Interviews auffallen würde sondern sich selber bei der Nase nimmt und einen bodenständigen Trainerjob in der skyGo Erste Liga oder tipico Bundesliga antritt. Dort kann er seinen Kritikern durch Erfolge beweisen, dass er auch den Cheftrainer bei einer Nicht-Nachwuchsauswahl kann. Wenn er dazu fähig ist, sollte nach wenigen Jahren auch ein Posten als Cheftrainer bei Rapid im Bereich des Möglichen liegen. Und in nicht allzu ferner Zukunft ist Leo Windtner auch nicht mehr ÖFB-Präsident. Und dann werden auch die Karten um den österreichischen Nationaltrainer wieder neu gemischt.

Toni Polster: From Hero to Zero

Als Anton Polster im Jahre 1993 von Rayo Vallecano zum 1. FC Köln in die Deutsche Bundesliga wechselte, war ich knapp 10 Jahre alt. Damals gab es drei Möglichkeiten, etwas über diese Liga mitzubekommen: über die Radiokonferenz auf Antenne Bayern, über den Teletextticker des ORF (throwback monday: Tore von österreichischen Legionären wurden bläulich und nicht weiß angezeigt) und über die SAT1-Sendungen ran (am Samstag) bzw. ranissimo (am Sonntag).

Ich hatte mir damals eine Art Fußballtagebuch angelegt, in welchem ich minutiös die Leistungen von Polster (und auch von Andi Herzog bei Bremen) und die Ergebnisse vom Effzeh mitdokumentierte. Bei jedem [über Radio oder Teletext mitverfolgten] Treffer wurde die Vorfreude auf die abendliche Fußballsendung noch größer. Selbsterklärend, dass Social Media, YouTube oder gar Internet damals noch in weiter Ferne waren.

Toni Polster
Toni Polster als Kapitän der Österreichischen Nationalmannschaft. (c) FIFA.com

Spätestens als Polster dann 1997 mit seinen zwei Toren beim 4-0 gegen Weißrussland die Qualifikation für die WM in Frankreich 1998 fixierte und dort mit seinem Gewaltschuss aus nächster Nähe ein 1-1 gegen Kamerun in der Nachspielzeit sicherte, genoss er (bei mir persönlich) so etwas wie Heldenstatus. Ein österreichischer Stürmer von internationalem Format, bei Fans und Medien gleichermaßen beliebt, sogar mit einem Hit in den Charts („Toni, lass es polstern“ – mit den Fabulösen Thekenschlampen) und stets gut gelaunt mit einem lockeren Spruch auf den Lippen.

Nach fünf Jahren in Köln folgte ein überraschender und kontroversiell diskutierter Wechsel zum rheinischen Rivalen nach Mönchengladbach, bei denen er jedoch ebenfalls noch (zumindest kurzzeitig) reüssieren konnte, bevor ihn Hans Meyer dann eineinhalb Jahre später (im Alter von 36 Jahren) altersbedingt abmontierte. An dieser Stelle sei noch folgendes Zitat von Meyer erwähnt:

„In Köln haben sie vier Tage lang die Geschäftsstelle abgeschlossen und jede halbe Stunde eine Flasche Sekt entkorkt, als sie den Toni Polster für 1,8 Millionen Mark (= 0,9 Millionen Euro, Anm.) nach Gladbach verkauft hatten.“

Polster ließ seine aktive Karriere dann noch ein halbes Jahr lang per Leihe bei Austria Salzburg ausklingen, wo er jedoch in 12 Spielen nur zwei Tore erzielen konnte. Seine Nationalteamkarriere unter der Ägide von Otto Baric endete im gleichen Jahr, nach insgesamt 95 Spielen und 44 Toren, was ihn nach wie vor zum österreichischen Rekordteamtorschützen macht (Anm.: Marc Janko liegt mit 28 Toren auf Platz vier, seine Torquote ist sogar leicht besser als jene von Polster).

Zwischen 2000 und 2004 wurde es dann ruhig um Polster, er war im Marketingbereich von Mönchengladbach tätig und daher in den heimischen Medien weniger präsent als in den 15-20 Jahren zuvor. Anschließend wurde er Teammanager bei seinem Stammclub, der Austria aus Wien. Dort kam es zum ersten dunklen Kapitel seiner Karriere im Fußballbusiness. Nach nicht einmal einem halben Jahr wurde er nach Differenzen mit Big Spender Frank Stronach fristlos enlassen. Er selber sprach im Nachhinein davon, dass das Dienstverhältnis aufgelöst wurde.

„Von einer fristlosen Entlassung kann keine Rede sein, ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, gute Arbeit geleistet […] Ich hätte weitergemacht. Ich gehe erhobenen Hauptes, habe alles versucht. Unter dem Strich war ich zu wenig biegsam. Wir haben nicht zusammengepasst, aber ich möchte keine Schmutzwäsche waschen.“ 

Während der nachfolgenden vier Jahre wurde es (bis auf regelmäßigen Auftritten als Adabei in den Seitenblicken) erneut ruhig um Polster, bis er 2010 (medienwirksamer) Berater beim LASK aus Linz wurde. Zudem trainierte er die Amateurmannschaft und schaffte mit dieser auch umgehend den Aufstieg von der OÖ Liga (4. Spielklasse) in die Regionalliga Mitte. Um jedoch die Lizenz erhalten zu können, trennten sich die finanziell schwer angeschlagenen Linzer nach dem Aufstieg von (dem wohl nicht so schlecht verdienenden) Polster.

Ein halbes Jahr später übernahm Polster das Traineramt bei der Wiener Viktoria in der Oberliga A (5. Spielklasse). Nur wenige Wochen nach seiner dortigen Bestellung folgte er einen Einladung zu einer Sondersendung (sic) von Sport am Sonntag. Die Creme de la Creme der österreichischen Hawarapartie (u.a. Prohaska, Gregoritsch) diskutierte über die Bestellung von Nobody Marcel Koller zum ÖFB-Teamchef, bei der Polster (augenscheinlich unter der Einwirkung der Nachbesprechung einer Ligapartie der Wiener Viktoria) folgendes Statement von sich gab:

„Ja die Leute halten das für eine total unglückliche Entscheidung, sie sind total enttäuscht und frustriert .. zum Teil .. und ich kann das auch nachvollziehen, denn .. ich glaube nicht, dass es [die Bestellung von Marcel Koller zum Teamchef] eine glückliche Entscheidung war.“ 

Ohne über die Taktik, die Spielanlage oder das langfristige Konzept des Schweizer Trainers Bescheid zu wissen, wurde also ein spontaner hatchet job durchgeführt.

Beinahe fünf Jahre (die Ernennung folge am 1. November 2011), einen Punkteschnitt von 1.67/Partie (zum Vergleich: bei Prohaska lag dieser bei 1.65) und die erstmalige sportliche Qualifikation für eine Europameisterschaft 2016 in Frankreich später wirken diese Worte (und generell diese Sendung) komischer denn je. Marcel Koller hat eine Nationalmannschaft aufgebaut, auf die man wieder stolz sein konnte, die von 35.000 Menschen zum Spiel gegen Island nach Saint Denis begleitet wurde und Ausnahmeleistungen wie etwa beim 4-1 in Stockholm abgeliefert hat. Doch nach diesem kurzen Exkurs nun wieder zurück zu Anton Polster.

Zur Saison 2013/2014 wurde er bei der Admira zum neuen Cheftrainer bestellt. Dort wurde er bereits nach rekordverdächtigen drei Spielen (drei Niederlagen) und einem Torverhältnis von 2:11 entlassen. Das damalige Statement der Admira im Wortlaut:

„Aufgrund des unglücklichen Saisonstarts mit null Punkten in den ersten drei Runden, einer negativen Tordifferenz von 2:11 sowie diverser Auffassungsunterschiede hat der FC Admira Wacker Mödling den Entschluss gefasst Trainer Toni Polster mit sofortiger Wirkung zu beurlauben“

Wenn man als Verein von der Statur der Admira einen Trainer nach nur drei Partien entlässt, muss man zwangsweise das Gefühl haben, einen schweren Fehler gemacht zu haben. Polster seinerseits kommentierte seine Entlassung wie folgt:

„Es wäre schön, wenn ich ein bisschen mehr Zeit gehabt hätte. Hätte ich ein bisschen mehr Zeit gehabt, hätte ich die Admira gerettet [… ] Dass meine Tätigkeit schon nach sieben Wochen wieder zu Ende ist, macht mich traurig. Aber das muss ich akzeptieren. Es bringt nichts, wenn man Schmutzwäsche wäscht, das hilft niemandem weiter“

Detail am Rande – auch hier (wie schon bei der Entlassung bei der Austria) sprach Polster wieder davon, dass er „keine Schmutzwäsche waschen wolle“, als ob dies sonst Usus wäre. Warum er im Bezug auf die Admira schon nach drei von 36 Spieltagen von „Rettung“ sprach, sei an dieser Stelle ebenfalls fragend erwähnt. Seine Karriere als professioneller Trainer in Österreich (und wohl auch sonst wo) ist seit dieser Entlassung gescheitert.

Daraufhin folge eine Rückkehr zur Wiener Viktoria und eine Fokussierung auf seine „Expertenkolumne“ bei einer ÖSTERREICHischen Gratiszeitung. In dieser Rolle zeichnete er sich im Juli 2016 für den nächsten hatchet job verantwortlich. Die Bestellung von Christian Benbennek als Chefcoach bei der SV Ried kommentierte er wie folgt:

„Auf die Idee zu kommen, in der österreichischen Bundesliga einen Trainer zu holen, der in Deutschland in der 4. Liga gefeuert wurde und vorher nicht aufgefallen ist, muss man erst kommen. Was Sportdirektor Stefan Reiter da geritten hat, ist mir ein Rätsel.

Auf alle Fälle ist die Installierung von Christian Benbennek ein Schlag ins Gesicht der heimischen Trainer. Und für Ried ein Rückschritt. In Aachen, wo Benbennek zuletzt gearbeitet hatte, meuterten die Spieler, bis er die Papiere bekam. Und dieser Coach soll Ried auf Vordermann bringen? Ich sage: Reiter wird bald einen Canossa-Gang ins Burgenland antreten müssen, um Paul Gludovatz noch einmal zu überreden, Ried als Trainer zu übernehmen. „

In diesem Fall hatte Polster – wohl im Gegensatz zu Koller, den er aus seiner Zeit in Deutschland zumindest namentlich kannte – wohl nicht mal eine nackte Idee darüber, wer Christian Benbennek denn überhaupt sei. Die Info über Aachen wurde unreflektiert aus dem Internet (oder von einem Redakteur) übernommen – irgendeine ansatzweise Ahnung von Spielkonzept, Taktik oder Kaderplanung müssen an dieser Stelle nicht einmal erwähnt werden.

Benbennek & Reiter
Christian Benbennek (Trainer) und Stefan Reiter (Sportdirektor) im Gespräch. (c) OON/Daniel Scharinger

Die Retourkutsche von Stefan Reiter folgte postwendend, nur einen Tag später kommentierte er Polsters Kolumne in den Oberösterreichischen Nachrichten und sprach damit vielen Fußballfans aus der Seele bzw. brachte auf den Punkt, was die eigentliche Grundaussage dieses Blogartikels ist:

„Polster war ein großer Fußballer, der tolle Leistungen für Österreich erbracht hat, aber auf diesem Niveau macht er sich nur noch lächerlich […] Polster ist fachlich überhaupt nicht auf Augenhöhe, es ist eigentlich schade, dass er das nötig hat. Seine eher bescheidenen Erfolge als Trainer sprechen für sich.“

Nach 10 Spielen hält Ried bei 14 Punkten, einem gesicherten Platz im Mittelfeld, erzielte zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte vier Tore in einem Spiel gegen Rapid und schaffte sogar, die Viererkette im Innviertel wieder salonfähig zu machen. Es ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber der Canossa-Gang ins Burgenland wird wohl bis auf Weiteres nicht stattfinden.

Doch zu guter Letzt noch ein Exkurs in Richtung Marcel Koller. Nach dem gestrigen 2-3 des Nationalteams in Serbien war Polster sogleich mit einem Statement zur Stelle, welche ich nachfolgend aus dem Video bei SkySportAustria transskribiert habe:

„Es wäre auf alle Fälle mehr drinnen gewesen, wenn wir .. diese .. äh .. Laufwege zurück gemacht hätten .. das haben sich einige Spieler erspart .. äh, die Mannschaft hat viel zu äh äh offensiv gespielt, viel zu offensiv, auch ihre jeweilige Position interpretiert .. unterm Strich haben wir dann in drei Spielen sechs Gegentore bekommen und das ist einfach zu viel wenn man zur WM fahren möchte.“

Somit wurde also gleich die erste Gelegenheit genutzt, um dem unbeliebten Trainer verbal eins auszuwischen. Toni Polster – der Spieler – wird für mich für immer ein Held bleiben. Vor Toni Polster –  dem Trainer und Menschen – habe ich jedoch schon längst keinen Respekt (mehr).

An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich ihn natürlich nicht persönlich kenne, daher muss ich anhand seiner Medienergüsse urteilen. Aber seine Kolumnen und Kommentare sind primär polemisch und untergriffig. Das macht ihn unsympathisch. Das hätte er nach einer verdienten Karriere als Spieler auch nicht notwendig. Kann man aber wohl nicht mehr ändern. Schade darum.