Wie erklärt man einen Abstieg?

Ich versuche das Gefühl dieser niederschmetternden und wirklich schwer zu verdauenden Niederlage in St. Pölten (der ich nicht selbst beiwohnen konnte) durch einige niedergeschriebene Worte zu verarbeiten. Warnung: ich hab wohl noch nie einen Text mit so vielen Konjunktiven geschrieben. Und der Grundtenor ist ebenfalls ziemlich schwarz, obwohl noch (nur mehr?) 11 Spiele zu absolvieren sind.

Elsneg wird von Ambichl am Elfernachschuss gehindert
Der zu früh in den Strafraum laufende Ambichl hindert die tragische Figur Dieter Elsneg am Elfernachschuss. (c) GEPA via Laola1

Wie kann man jemandem das Gefühl eines Abstiegs beschreiben, der dies noch nie erlebt hat (beispielsweise Rapid- und Austria-Anhänger sowie die jüngeren Salzburger und Blackies)?  Ich versuche es mit einer Annäherung: Man nehme ein verlorenes Cupfinale (hab ich schon erlebt), multipliziere es mit einer Klatsche in einem Derby und addiere noch eine Niederlage in der Nachspielzeit dazu (hat beides wohl schon jeder erlebt). Und dieses ungute, deprimierende, unsichtbar schleichende Gefühl verfolgt dich ein Jahr lang (oder noch länger, wenn der Direktaufstieg nicht sofort glückt, wie in unserem Fall damals).

Als die SV Ried in der Saison 2003 abgestiegen ist, konnte man dies bis zum letzten Spiel nicht wirklich erahnen oder damit rechnen. Durch den Punktepolster aus dem Herbst schien selbst die Negativserie aus dem Frühjahr nicht viel auszumachen. Selbst bei einer Heimniederlage am letzten Spieltag gegen die Admira hätte es ausgereicht, wenn der Tabellenletzte aus Bregenz nicht beim Meister aus Favoriten gewonnen hätte. Wie man aber weiß, kam es am Ende dann doch ganz anders.

Unmittelbar nach diesem Abstieg war das prädominante Gefühl (zumindest bei mir) ein Gefühl der Leere. Ich konnte nicht weinen, ich konnte nicht schreien, ich konnte nicht reden. Niemand wusste so wirklich, was gerade passiert war. Ein kleines Beispiel dafür, wie lange ich diesen Abstieg nicht realisieren konnte: als einen Monat nach dem Abstieg der Rahmenterminplan für die Bundesligasaison 2003/2004 veröffentlicht wurde, hab ich nach unserem ersten Spiel gesucht. Bis ich es dann endlich realisiert habe.

Ich schaue am Freitagabend gerne die Spiele aus der #skyGoEL – aber beim Gedanken daran, dass wir kommende Saison ein Bestandteil dieser Liga sein könnten – und Rapid sowie Sturm gegen Floridsdorf und Kapfenberg (nichts für ungut) austauschen müssen, wird mir schlecht. Zu sehr habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Mannschaft ein Fixbestandteil der obersten österreichischen Spielklasse ist. Während 20 meiner 33 Lebensjahre (das sind 60%) agiert die SV Ried aus dem schönen Innviertel in der Bundesliga.

Ich habe viele andere Vereine kommen und gehen gesehen (Kärnten, nochmal Kärnten, Altach, Mattersburg, Kapfenberg, Wacker, LASK, Wiener Neustadt, Grödig, und und und) und daher schon vor Jahren gesagt, ich würde eine Garantie bzw. ein Dauerabo auf den 6. Platz sofort unterschreiben, auch wenn wir dafür nie wieder international vertreten sein würden. Damals wurde ich noch belächelt, derzeit sehe ich mich leider bestätigt.

Das pikante Detail an der heurigen Gesamtsituation ist, dass der Supergau eines Abstiegs diesmal mit dem fast sicheren Aufstieg des Erzrivalen unter dem Ex-Trainer potenziert werden könnte. Mir fällt akut kein anderes Beispiel ein, ob es sowas in der Art schon mal gegeben hat und bin daher gerne für jeden Hinweis dankbar. Die Häme die aus dem Linzer Raum kommen würden, sind so sicher wie das Amen im Gebet. Ich verbringe fast den gesamten Juni in den USA und bin (aus Selbstschutz) derzeit ziemlich froh darüber, dass ich (zumindest anfänglich) spürbar weniger von den Nachwehen dieser potentiell verheerenden Situation mitbekommen würde.

Und sollte (dies ist mein liebster Konjunktiv in diesem Text) es trotz aller derzeitigen Anzeichen dafür am Ende (wie auch immer) doch nicht zum Abstieg kommen, dann sollte diese Saison einen großen Denkzettel für alle Beteiligten aus der Vereinsführung darstellen. Eben weil die derzeitige Situation im Vergleich mit 2003 nicht aus dem Nichts gekommen ist, sondern das Produkt der letzten drei Jahre darstellt.

Aber: Natürlich würde ich mir Anfang Juli ein Abo für die zweite Liga kaufen und meinen Arbeitsfreitag in Graz spätestens um 15:00 beenden, damit ich rechtzeitig um 18:30 vor dem Parkplatz der Keine Sorgen Arena (der Name dann nicht mehr zutreffend) ankommen könnte. Egal ob es gegen Floridsdorf oder Kapfenberg, Hartberg oder Ritzing geht. Und auch auswärts trifft man endlich wieder auf andere Gegner. Auf die möglichen Spiele im Franz Fekete Stadion freue ich mich aus irgendeinem perfiden Grund sogar wieder. In guten Zeiten mag jeder zu seinem Verein halten. Aber nur in schlechten Zeiten kommt es wirklich darauf an. Ich werde (aus bekannten Gründen) zwar nie bei „You’ll never walk alone“ mitsingen, aber der Grundgedanke gilt natürlich.

 

Kampf um die SEO-Meisterschaft

Im Laufe der letzten Monate wurde besonderes Augenmerk auf die Arbeit der Vereine tipico Bundesliga in den sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram usw.) gelegt.

Etwas weniger oft wird mittlerweile über die Websites der Bundesligisten gesprochen. In meinem Job als Online Marketing Manager analysiere und optimiere ich laufend Websites aus den verschiedensten Branchen auf ihre Suchmaschinentauglichkeit hin. Aus reinem Eigeninteresse (und aufgrund des heutigen Launches der neuen Website der SV Ried) habe ich nun im Zuge dessen die Websites der aktuellen zehn Bundesligisten auf ihre Suchmaschinenoptimierung überprüft.

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SEO-Faktoren 2016 – (c) searchengineland.com

Dieser ganz persönliche SEO-Test (.. SEO steht übrigens für Search Engine Optimization) besteht aus drei Teilen:

    1. Analyse der Website mit dem Onlinetool SEOlyser, welches gratis zur Verfügung steht. Dieses bewertet eine Website auf technische Faktoren (Technik, Usability, Datenschutz, Mobiltauglichkeit, Webhosting). Es gibt viele andere Tools welche größtenteils kostenpflichtig sind, aufgrund der einfachen Nachvollziehbarkeit habe ich mich jedoch zum Einsatz dieses Tools entschieden.
    2. Analyse der Website mit SISTRIX. Dieses Tool bewertet eine Website auf inhaltliche Faktoren und die Relevanz dieser Inhalte bei Google. Bei Vereinen mit mehr Anhängern (bzw. auch bei Vereinen, welche von internationalem Interesse sind) sollte dieser Wert im Normalfall verhältnismäßig höher sein.
    3. Das Endergebnis entsteht durch eine Gewichtung der beiden Analyse-Ränge mit dem Faktor 70:30 (also z.B. X = (2*0,7)+(5*0,3)).

1 – Technische Analyse

Das in seinen Basisfunktionen kostenfreie Tool SEOlyze analysiert eine Website auf eine bestimmte Anzahl von Faktoren und gewichtet diese am Ende zu einem Endergebnis, wobei 100 den Bestwert und 0 den Tiefstwert darstellt. Die verschiedenen Faktoren (und wichtige beispielhafte Bestandteile dessen) sind:

1) Content SEO 2) Technische Faktoren 3) Usability
Linkpopularität Code & Quellcode Frames
Social Media Sitemap Popups
Titel Tags Robots.txt Flash-Elemente
Meta Descriptions WC3-Konformität Lesbarkeit
H-Tags Text-HTML-Ratio Favicon
Keywordhäufigkeit Bild-Volumen 404-Seite
Suchvolumen Javascript ALT-Tags
4) Datenschutz 5) Mobile Optimierung 6) Webhosting
HTTPS Meta-Viewport Serversystem
Facebook Mobile Subdomain Nachbarschaft
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Hier der Zwischenstand vor dem Beginn der Saison 2016/2017:

bundesliga-seolyse-aufstellung
Technisches Ranking nach SEOlyser.de – (c) Gerald Emprechtinger

Vielleicht etwas überraschend platziert sich hier Altach an der Tabellenspitze. Dicht gefolgt von der SV Ried. Der Wert der alten Website der Innviertler lag bei katastrophalen 33, hier konnte man sich also schlagartig um 30 Punkte verbessern und damit vom letzten Platz an die zweite Stelle katapultieren. Der WAC, die Austria und Sturm bilden das breite Mittelfeld. Das Tabellenende ist eine rein niederösterreichische Sache, wobei St. Pölten einen dünnen Vorsprung gegenüber der Admira vorweisen kann. Die Übersicht über alle Einzelwerte findet man nachfolgend.

SEO-Gesamtübersicht-Einzelwerte-tipicoBL
Übersicht über die Einzelwerte der technischen SEO Analyse. – (c) Gerald Emprechtinger

*Anmerkung: der Gesamtwert der SV Ried hat sich zwischen 18:00 und 20:00 wohl aufgrund diverser Optimierungsarbeiten von 63 auf 64 verbessert, ändert jedoch nichts am Endergebnis.


2 –  Inhaltliche Analyse

Dazu dient mir der SISTRIX Sichtbarkeitsindex als Hauptkennzahl. Dieser ist eine (abstrakte) Kennzahl für die Sichtbarkeit einer Domain (z.B. skrapid.at) auf den Suchergebnisseiten von Google. Je höher der Wert ist, umso mehr Besucher gewinnt die Domain erwartungsgemäß über die Suche bei Google. Der Sichtbarkeitsindex eignet sich hervorragend, um den Erfolg von durchgeführten SEO-Maßnahmen zu messen und zu bewerten. Ebenfalls lassen sich aussagekräftige Wettbewerbsanalysen durchführen. So können z.B. die erfolgreichsten Websites in einem Bereich identifiziert werden, die dann als Best-Practice-Beispiele zur Steigerung des eigenen Erfolgs herangezogen werden. Auf diese Weise lassen sich vorbildliche SEO-Methoden erkennen und adaptieren.

Hier der Zwischenstand vor dem Beginn der Saison 2016/2017:

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Die SISTRIX-Tabelle (Stand 20. Juli 2016) – (c) Gerald Emprechtinger

Die Austria liegt hier unangefochten an der Tabellenspitze. Der Lokalkonkurrent folgt mit deutlichem Abstand dahinter, erst an dritter Stelle rangiert der Meister aus Salzburg. Sturm Graz hat quasi den Europacupplatz abgesichert, der Aufsteiger aus St. Pölten, Altach, die Admira sowie Ried bilden das abgesicherte Tabellenmittelfeld. Der Abstieg wird zwischen Mattersburg und überraschenderweise dem WAC ermittelt, der vor allem durch seine ausgezeichete Social-Media-Arbeit bekannt ist, dessen Domain jedoch die geringste Sichtbarkeit aller untersuchten Domains aufweist.


3 – Gesamtanalyse und Endstand

SEO-Analyse-tipico-Bundesliga-Endstand
Gewichteter Endstand (Technik 70%, Inhalt 30%) – (c) Gerald Emprechtinger

Gratulationen nach Vorarlberg! Die Altacher können den Big-4 ein Schnippchen schlagen und holen sich die SEO-Meisterschaft. Die SV Ried springt dank des Website-Relaunchs vom letzten auf den vierten Rang und sichert sich damit ein Ticket nach Europa. Der Abstiegskampf zwischen Mattersburg und der Admira ist beinhart, aber letztendlich darf man zweitere mit einem Augenzwinkern nun auch getrost als graue Maus des SEO bezeichnen. Aber wie heißt es so schön? Die Wahrheit liegt immer noch am Platz (und dort konnte man heute mit dem 2-0 in Kapaz erneut reüssieren).


Disclaimer:
Eine nachhaltige Wissenschaftlichkeit dieser Ergebnisse ist absolut nicht gegeben. Viel mehr sollen die vorliegenden Ergebnisse nur als Richtwerte bzw. zu einem Branchenvergleich für die einzelnen Bundesligisten dienen. Diese Analyse wurde nicht in Auftrag gegeben und von mir als Privatperson erstellt. Als Quelle bei einem Zitat bitte meinen Namen „Gerald Emprechtinger“ oder die Website https://gemprech.wordpress.com angeben.