Zweitklassig

Am 11. März habe ich darüber geschrieben, wie sich ein Abstieg anfühlt. Die bittere Realität nach dem gestrigen Tag ist allerdings noch viel schlimmer. Das Gefühl der absoluten Leere ist demoralisierend und niederschmetternd. Beim letzten Abstieg war ich 19 Jahre als. Damals gab’s kein Facebook, kein Twitter, kein Instagram und auch kein WhatsApp – genau über diese Kanäle wird man seit gestern 18:25 ständig daran erinnert, dass die SV Ried nach knapp 12 Jahren nicht mehr Bestandteil der tipico Bundesliga ist.

Ich wurde während der letzten 19 Stunden unzählige Male gefragt, wie es mir geht. Es geht mir scheiße. Wie Bill Shankly einst sagte: „Some people think football is a matter of life and death. I assure you, it’s much more serious than that“. Fußball und mein Verein sind viel mehr als nur ein Hobby, sie sind ein Teil meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und somit meiner Persönlichkeit.

Ein sichtlich niedergeschlagener Thomas Reifeltshammer
Ein sichtlich niedergeschlagener Thomas Reifeltshammer – (c) skysportaustria.at

Eigentlich war gestern alles für das vielzitierte Wunder von Ried angerichtet. Ein ausverkauftes Haus, prächtiges Sommerwetter und sogar die spielerische Unterstützung von Rapid. Nur die eigene Mannschaft konnte dem Druck und den gesteckten Erwartungen in keiner Weise standhalten. Gerade in der ersten Halbzeit wirkte die Partie wie auf schiefer Ebene. Die Rieder agierten zögerlich und überhastet zugleich und hatten keine Ideen um die Mattersburger Defensive zu gefährden.

Mattersburg wiederum hatte nichts mehr zu verlieren und spielte eigentlich unösterreichisch motiviert voll auf Sieg. Weil im Frühjahr sowieso alles schief gegangen ist was schief gehen konnte, ermöglichte die frühe Verletzung von Florian Hart das Gegentor durch Perlak, der auf der zwischenzeitlich vakanten Seite viel zu viel Platz hatte. Das 0:2 muss man Thomas Gebauer anhängen, der in dieser Saison gerade im Herbst mit einigen Patzern nicht sein bestes Jahr hatte.

Nach dem 1:2 kehrte die Hoffnung wieder zurück, welche nach dem 1:3 durch Seidl bei manchen Individuen schlagartig in Aggression umgewandelt wurde. Persönliche Anmerkung: bei einem Spieler wie Stefan Maierhofer ist es nie geschickt, diesen während einer Partie auch noch mit Schmähgesängen heißer zu machen als er ohnehin schon ist. Die Spielunterbrechung durch die hirnverbrannten Bengalenwürfe nahm den letzten Wind aus dem Spiel der Rieder Mannschaft, nach der Wiederaufnahme ergab man sich dem eigenen Schicksal.

Nach Spielende trugen sich dann beschämende Szenen zu. Hooligans mit Sturmhauben (… bei denen aufgrund Körperbau und/oder Tattoos sowieso jeder aus der Fanszene und dem Vereinsumfeld weiß, wer sie sind) attackierten eigene Fans auf der West welche es wagten, der Mannschaft nach Spielende zu applaudieren. Vielen Frauen und Kindern konnte man die Angst in den Augen ansehen. Viele traten auch schlagartig die Flucht aus dem Zentrum der West an. Als Elternteil müsste ich nach dem gestrigen Tage stark überlegen, ob ich mein Kind nochmal auf die Fantribüne lassen würde.

Unterbrechung durch den Wurf von pyrotechnischen Gerät
Szenen einer Eskalation – (c) krone.at

Ich hoffe inständig, dass der Verein hier hart durchgreift und langfristige Stadionverbote erteilt. Der Ruf des Vereins wird durch diese Radaubrüder geschädigt, für die Spielunterbrechung und die mehrfachen Würfe von pyrotechnischem Gerät wird der Verein harte Strafen aufgebrummt bekommen. Ich hoffe ebenfalls stark, dass man sich hier an den Verantwortlichen schadlos halten kann. Einzelne Personen kommen und gehen und sind ersetzbar, aber der Verein bleibt bestehen. „No individual is bigger than the club“ ist hier ein weiteres Zitat, welches ich an dieser Stelle einwerfe.

Um einen Bogen zurück zum sportlichen Aspekt zu spannen: der Abstieg an sich ist hochverdient. Man hat die meisten Niederlagen am Konto, war die längste Zeit Tabellenschlusslicht, hat die wenigsten Tore erzielt, die wenigsten Auswärtspunkte geholt und in entscheidenden Momenten (0-1 in St. Pölten, 1-2 in Mattersburg, 1-1 gegen Wolfsberg, 1-1 gegen St. Pölten, 2-3 gegen Mattersburg) IMMER versagt.

Die Schuld dafür kann man vielen Personen in die Schuhe schieben: Stefan Reiter für seine Kaderplanung ohne einen bundesligatauglichen Stürmer, Christian Benbennek für die konditionellen Versäumnisse und seinen passiv-langweiligen Spielstil, Roland Daxl für seine Imperatorgebärden in der Winterpause, Franz Schiemer für sein aktives Einwirken auf den/die Trainer (welche meinen Quellen nach definitiv und massiv stattgefunden hat), Lassaad Chabbi für einige taktische Fehlgriffe (u.a. Durakovic gegen den WAC, die Einwechslung von Brandner gegen St. Pölten) und schlussendlich der Mannschaft selber.

Wenn man nur einen (oder vereinzelte) Fehler macht, steigt man nicht ab. Dieser Abstieg ist das Produkt einer Verkettung grober Fehler, Nachlässigkeiten und persönlicher Eitelkeiten. Ried hat immer davon gelebt, dass man diese Nebengeräusche den Großclubs und Lokalrivalen überlassen hat. Daher sollte man die Zweitklassigkeit nun dazu nutzen, um eine selbstreinigende Wirkung zu erzielen. Der Kader kann überholt bzw. neu aufgebaut werden, einzelne Vorstandsmitglieder können sich selbst hinterfragen und einige erlebnisorientierte Menschen können ihren Drang zum Radau zukünftig außerhalb der Keine Sorgen Arena (oder wie auch immer dieser aktuell zynische Stadionname kommende Saison lauten mag) ausleben.

Fakt ist: kommende Saison ist man kein Bestandteil der österreichischen Fußballelite. Man muss sich auf den Spieltermin am Freitagabend umgewöhnen. Es gibt keine HD-Spiele oder Einzellivespiele (abgesehen von der wöchentlichen 20:30-Partie) mehr. Man wird die besten Spieler verlieren (wie etwa Möschl an Dynamo Dresden). Die Zuschauerzahlen im Stadion werden wieder nach unten gehen. Es wird finanzielle Einbußen geben – egal ob im Bezug auf Fernsehgelder, Sponsorengelder oder Eintrittsgelder. Der LASK (mitsamt ehemaliger Rieder Vereinslegenden im Trainerstab) ist zum ersten Mal seit 1994 (!) eine Spielklasse über der SV Ried angesiedelt. Auch das wurmt (auch wenn es nicht jeder zugeben wird).

2003 ist das lähmende Gefühl der Ohnmacht erst vergangen, als die neue Saison mit einem 2:1 gegen den FC Lustenau eröffnet wurde. Heuer wird es wohl ebenso lange dauern, bis wieder eine gewisse Normalität einkehrt. Wenn ich mir unsere künftigen Gegner ansehe, dann sind die Auswärtsspiele in Kapfenberg, Hartberg und Wiener Neustadt für mich als Grazer äußerst anreisefreundlich gelegen. Wenn man beim FAC antreten muss, ist man wohl zum ersten Mal überhaupt Favorit bei einem Auswärtsspiel in Wien. Mit BW Linz bekommt man ein Derby in der Landeshauptstadt. Bei den Matches gegen Wacker und Wattens kann ich meine Schwester in Tirol besuchen. Und auch nach Grödig kann man nach einjähriger Pause wieder fahren um gegen die Wettbewerbsverzerrer aus Liefering zu spielen.

Abgesehen davon werde ich mir selbstverständlich auch wieder eine Abokarte sichern. Nächste Saison steigen dank der Ligaaufstockung zwei oder gar drei Vereine in die Bundesliga auf. Es gibt zwar aktuell noch keine Quoten, aber im Normalfall sollten Wacker Innsbruck und die SVR die beiden Topfavoriten auf den Aufstieg sein. Und wenn es wirklich so kommen sollte, dann kann ich in naher Zukunft nach Monaten von Depression und Abstiegsangst auch endlich einmal wieder über positive Dinge schreiben. In der Zwischenzeit trifft man hoffentlich die richtigen Schlüsse und auch wenn man es derzeit noch nicht so recht begreifen kann, beende ich meinen finalen Blogeintrag in dieser Saison mit einem letzten Zitat:

4378 Tage

So lange ist es her, dass am 27. Mai 2005 mit einem 3-2 Auswärtssieg in Kapfenberg der Wiederaufstieg in die Österreichische Bundesliga besiegelt wurde. Der Abstieg zwei Jahre zuvor (am letzten Spieltag, durch ein 0-3 gegen die Admira bei einem gleichzeitigen 2-0 von Bregenz in Favoriten) kam wie ein Schock und es dauerte auch ein mittelmäßiges Jahr in der zweithöchsten Spielklasse, um diesen zu verdauen.

Am kommenden Donnerstag wird die SV Ried nach 14 Jahren aller Voraussicht nach erneut als Absteiger aus der obersten Spielklasse feststehen, sollte man die Auswärtspartie in Altach nicht gewinnen. Selbst mit einem Sieg (welcher aufgrund der inferioren Auswärtsbilanz selbst wie ein kleines Wunder wäre) hätte man daraufhin am letzten Spieltag noch immer die mit Abstand schlechtesten Karten.

Gernot Trauner und Dieter Elsneg am Boden nach dem 1-1 gegen St. Pölten
Gernot Trauner und Dieter Elsneg nach dem 1-1 gegen St. Pölten – (c) nachrichten.at

Diesmal kommt der Abstieg allerdings nicht als Schock, sondern als Quittung für eine Saison mit zu vielen Versäumnissen und Eigenfehlern. Das Theater rund um Stefan Reiter und wenige Wochen später um Christian Benbennek. Die bereits angesprochene Auswärtsbilanz mit nur fünf Punkten aus 17 Spielen. Und auch die Freakshow an verlorenen Punkten im Frühjahr:

  • Die 0-1 Niederlage gegen die Admira durch einen Tausendguldenschuss in der Nachspielzeit (wobei dieser Gefallen später durch Fröschl retourniert wurde)
  • Der verschossene Elsneg-Elfer beim Stand von 0-0 in St. Pölten (Endstand 0-1)
  • Die 1-2 Niederlage nach 1-0 Führung in Mattersburg in der Schlussphase
  • Die 0-1 Niederlage in Graz in der 88. Minute (als bessere Mannschaft)
  • Der verschossene Elfer beim Stand von 1-0 und das anschließende Eigentor von Özdemir gegen den WAC zum 1-1 Endstand.
  • Das 1-1 am vergangenen Wochenende gegen einen eigentlich hilflosen Gegner aus St. Pölten mitsamt 100%iger Torchance von Elsneg beim Stand von 1-0.

Wir sprechen hier von mindestens 10, eher sogar 12 fahrlässig verschenkten Punkten, welche auch gestern bei Talk & Tore in einem grauenhaften Zusammenschnitt präsentiert wurden. Selbst wenn man „nur“ die beiden Spiele gegen Wolfsberg und St. Pölten hernimmt, wären diese vier Punkte mehr zum aktuellen Zeitpunkt ein großer Rettungsanker. Wie Alfred Tatar gestern sagte – wenn sowas einmal oder zweimal passiert, ist es Pech. Wenn es allerdings laufend passiert, mangelt es an Qualität.

Und wenn man von Qualität spricht, dann fehlte es an dieser heuer vor allem im Sturmzentrum an allen Ecken und Enden. Der Mittelfeldakteur Peter Zulj ist mit fünf Toren Toptorschütze, anschließend folgt Innenverteidiger Thomas Reifeltshammer mit vier Toren. Die vier nominellen Stürmer Orhan Ademi, Thomas Fröschl, Dieter Elsneg und Marvin Egho haben heuer zusammen in kumuliert 89 Spielen exakt sieben (7) Tore erzielt. Mit 29 Toren in 34 Spielen hat man die mit Abstand wenigsten Tore der Bundesliga erzielt. In der 20-jährigen Bundesligageschichte hat man nur in der Saison 1998/1998 weniger (25) erzielt. Damals reichten 32 Punkte (wie aktuell) jedoch für den 8. Tabellenplatz vor Austria Lustenau und Vorwärts Steyr.

Abgesehen davon hat man die meisten Spiele verloren, hält beim schlechtesten Torverhältnis, hat am öftesten zu-null verloren und auch ganz einfach gegen die direkten Konkurrenten im Abstiegskampf zu wenig gepunktet. In den vergangenen Jahre konnte man gegen die Gegner aus der hinteren Tabellenhälfte (wie etwa Wiener Neustadt, Altach, Grödig oder die Admira) immer gut anschreiben. Heuer ist dies ausgeblieben:

  • Salzburg: NNNU – 1 Punkt
  • Austria Wien: UNNN – 1 Punkt
  • Sturm Graz: SNNN – 3 Punkte
  • SCR Altach: SNS? – 6 Punkte
  • Admira Wacker: NSNS – 6 Punkte
  • Rapid Wien: NSNS – 6 Punkte
  • Mattersburg: SUN? – 4 Punkte
  • Wolfsberg: NNNU – 1 Punkt
  • SKN St. Pölten: SNNU – 4 Punkte

Man könnte sagen, man hat nur gegen das Tabellenmittelfeld ausreichend gepunktet. Neun Punkte (von möglichen 33) gegen die unmittelbaren Tabellennachbarn sind einfach zu wenig. Nur einer von zwölf möglichen Punkte gegen den WAC ist vermutlich sogar ein Hauptgrund für die aktuelle Tristesse.

All diese Statistiken sprechen gegen die SV Ried. Daher muss man festhalten, dass der Abstieg verdient und vielleicht auch überfällig wäre. Denn bereits im Laufe der beiden vergangenen Saisonen war man immer wieder (zumindest teilweise) in den Abstiegskampf verstrickt und konnte zu keinem Zeitpunkt Kontinuität in den Verein bringen (man denke alleine an die Trainerwechsel Angerschmid -> O.G. -> Kolvidsson -> Gludovatz -> Benbennek -> Chabbi).

Ein Abstieg wäre zwar eine Tragödie, jedoch keine Katastrophe. Wie bereits in meinem letzten Artikel angemerkt, hat man die allerbesten Grundvoraussetzungen für den direkten Wiederaufstieg. Trainer und Manager stehen fest, mit Marcel Ziegl wurde eine Identifikationsfigur langfristig an den Verein gebunden, mit Julian Wießmeier wurde einer der stärksten Spieler der skyGoEL verpflichtet und damit ein Statement gesetzt. Die Infrastruktur mit dem neuen Trainingszentrum, das Stadion im Eigenbesitz und vor allem die sensationellen Fans (6.600 am Samstag und damit mehr als etwa beim Meister in Salzburg) werden alles Faktoren sein, dass der Wiederaufstieg diesmal gleich im ersten Anlauf (und nicht wie damals erst im zweiten Anlauf) geschafft werden kann.

Jedes Ende kann daher als Chance für einen Neubeginn gesehen werden. Das stetig sinkende Zuschauerinteresse und die zuletzt ständige Chancenlosigkeit in Hinblick auf eine Europacupteilnahme haben die Rieder Fans zunehmend fußballmüde gemacht. Erst jetzt in der Krise konnte wieder ein Feuer entfacht werden und das berühmte Innviertler Zusammengehörigkeitsgefühl (abgewandelt vom bayrischen mia san mia) neu für sich entdeckt werden. Zuletzt haben Heimspiele auf einer gut gefüllten Westtribüne wieder Spaß gemacht – das war vorher jahrelang nicht mehr der Fall.

Kapfenberg statt Graz, Floridsdorf statt Hütteldorf und Linz statt Pasching – die Umstellung in der nächsten Saison wird definitiv nicht leicht fallen. Aber man lernt nach über einem Jahrzehnt wieder neue Fußballplätze kennen, fährt als Favorit zu Auswärtsspielen und kann um einen Titel kämpfen. Vor 14 Jahren hat die Aura des Wiederaufstiegs jahrelang nachgewirkt und im Endeffekt zu einem Vizemeistertitel, einem Cupsieg und zwei Herbstmeisterschaften geführt. Auf eine ähnliche Reset-Hoffnung kann man in der kommenden Saison hoffen. „Ob erste oder zweite Liga – wir sind alle treue Rieder“ heißt es in einem regelmäßig gesungenen Fangesang. Jahrelang schien die Botschaft dieses Lieds irrelevant und geradezu wie eine Erinnerung an längst vergessene Zeiten. Kommende Saison kann man jedoch beweisen, dass man auf Worte auch Taten folgen lässt. Auf den Rängen und auch am Platz.

Franz Schiemer: Konsequenz hat einen Namen

März 1986. Frühlingsbeginn. Binnen weniger Tage werden Manuel Neuer, Sergio Ramos, Mirna Jukic und Lady Gaga geboren. So unterschiedlich diese Persönlichkeiten und Karrieren auch sind, so sehr werden ihre Lebensläufe von gemeinsamen Eigenschaften maßgeblich geprägt: Konsequenz und unbedingter Wille. Und wie es der Zufall so will, kommt am 21. März in Haag am Hausruck auch Franz Schiemer auf die Welt, der heute als neuer Sportmanager der SV Ried vorgestellt wurde und damit der Nachfolger von Langzeitmanager Stefan Reiter ist.

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Die Symbolik dieses Fotos kann man wie folgt deuten: a) Die Zeit des Franz Schiemer hat geschlagen. b) Licht am Ende des Tunnels. – (c) GEPA

Der Beginn einer erfolgreichen Karriere

Im Sommer 1996 wechselt er aus seinem Heimatort Taufkirchen an der Trattnach in den Rieder Nachwuchs, damals im ersten Jahr nach dem Bundesligaaufstieg noch ein weitestgehend unstrukturiertes Konstrukt. Als er im Sommer 2002 mit nur 16 Jahren bereits in die U19 des BNZ Ried aufrückt, wird er vielerorts bereits als das „beste Rieder Nachwuchstalent aller Zeiten“ bezeichnet. Bei einem Lokalgespräch mit einem Freund, der zum damaligen Zeitpunkt seine Fußballschuhe bei den Ried Amateuren zerriss und auf dessen Meinung ich daher vertraute, stelle ich ihm die Frage, „ob dieser Schiemer denn wirklich so gut sei, wie alle sagen“. Ohne viel Überlegung fiel seine Antwort in etwa folgendermaßen aus: „Schiemer ist der beste Spieler, den wir je im Nachwuchs hatten. Er wird der erste Spieler aus Ried sein, der im Nationalteam spielen wird“.

Am 5. August 2003 gibt er im Alter von 17 Jahren sein Debüt in der Red Zac Erste Liga. Bei einer 0-2 Niederlage bei der Austria aus Lustenau wechselt ihn Petar Segrt 29 Minuten vor Spielende für Johannes Lamprecht ein. Am 12. September erzielt er sein erstes Profitor bei einer 2-3 Heimniederlage gegen den Kapfenberger SV. An sein Kopftor zum frühen 1-0 (damals noch im alten Stadion) kann ich mich erstaunlicherweise noch genau erinnern. Er festigt seinen Stammplatz im Frühjahr unter Andrzej Lesiak, in der Nachfolgesaison kommt er unter Heinz Hochhauser standardmäßig als rechter Verteidiger zum Einsatz.

Von Favoriten nach Salzburg

Unmittelbar nach dem Aufstieg in die Bundesliga wechselt er nach Favoriten – zu groß sein Talent für einen Bundesligaaufsteiger, zu nachhaltig die Argumente von Frank Stronach (der mit seinem Investment im Innviertler Tigerteam in weiterer Folge nicht nur die Dienste von Schiemer, sondern auch von Andreas Lasnik und Emin Sulimani sichern konnte). Am 13. Oktober 2007 debütiert er unter Josef Hickersberger bei einem 1-3 gegen die Schweiz im ÖFB-Team, er kommt nach 40 Minuten für den verletzten Sebastian Prödl aufs Feld. Und macht damit im Alter von 21 Jahren die Prophezeiung wahr, dass er der erste Rieder Nationalspieler werden würde.

Nach vier Jahren (und einem Double) bei der Austria wechselt er im Sommer 2009 zu Red Bull Salzburg, wo er vier weitere Meistertitel und Cupsiege einfahren kann. Seinen Weg von Ried über Favoriten nach Salzburg geht er konsequent. Jeder Vereinswechsel hat eine klare sportliche Verbesserung zur Folge und über kurz oder lang etabliert er sich in jeder Mannschaft. Im Nationalteam absolviert er 25 Spiele und hält sich dabei unter Marcel Koller oft als einziger Nicht-Legionär in der Stammformation.

Ein atypischer Charakter

Seine kompromisslose und sehr oft schmerzvolle (Kopfball-)Zweikampfbereitschaft verhilft ihm zum Spitznamen „Turban-Fränky“ und hat unzählige Verletzungen zur Folge. Dennoch gibt es in seinem Spiel nach jedem Comeback sofort wieder nur hundertprozentigen Einsatz, was ihn bei Fans zum Publikumsliebling macht.

Im Alter von nur 28 Jahren beendet er im Dezember 2014 für viele dennoch überraschend seine aktive Karriere. Mit seiner Aussage in einem Interview, dass sein schönster Meistertitel nicht etwa einer seiner fünf Bundesligatitel, sondern jener Zweitligatitel mit der SV Ried sei, trifft er vielen Riedfans mitten ins (Fußball-)Herz.

So unkonventionell wie diese Aussage ist auch seine akademische Laufbahn. Anders als ein Großteil der Spieler der österreichischen Bundesliga hat Franz Schiemer eine AHS-Matura am BG/BRG Ried im Innkreis vorzuweisen. Dort lernt er auch seine heutige Ehefrau kennen. Durch eine gemeinsame Freundin wurde mir oftmals versichert, dass Schiemer zu keinem Zeitpunkt seiner erfolgreichen Karriere in der großen Welt von Red Bull seine Wurzeln vergessen hat. Schon während seiner aktiven Karriere beginnt er mit einem berufsbegleitenden Studium für Sport- und Projektmanagement auf der KMU Akademie, welches er mit einem Mastertitel abschließt.

Während Schiemers aktiver Karriere gibt es zu keinem Zeitpunkt negativen Schlagzeilen. Bis auf einen (eher selten gewarteten) Facebook-Auftritt hält er sein Privatleben weitestgehend privat. Instagram-Storys würden auch nicht zum Image des Vaters eines 3-jährigen Sohns passen. Das Leben nach der aktiven Karriere beginnt er nach einer Auszeit im Jahre 2016 als Co-Trainer bei Liefering, wo er tagtäglich mit hochtalentierten Nachwuchsakteuren arbeiten und die Prozessabläufe einer Profimannschaft näher kennen lernen kann. Bereits am Tag der Trennung von Stefan Reiter geistert der Name Schiemer durch die Rieder Fußball-Insiderkreise. Nur einen Tag später wird er vom Präsidium bestätigt und mit einem 3-Jahresvertrag ausgestattet.

Unerfahrenheit und andere Bedenken

Stefan Reiter hat die SV Ried in den 90er-Jahren im Alter von 32 Jahren übernommen. Dennoch ist dieser alterstechnische Vergleich nur teilweise zulässig. Reiter konnte nämlich zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine langjährige Karriere als Vereinsfunktionär bei der TSV Utzenaich zurückgreifen und wusste daher schon gut, welche mannigfaltigen Aufgabenbewältigung diese Position erfordert.

Und hier setzt auch der Hauptkritikpunkt der meisten Fans an: Schiemer wisse nicht, worauf er sich einlasse. Die Kampfmannschaft, die Amateure, der Nachwuchs, die Sponsoren, die Medien, das Präsidium, die Journalisten. Ja-Sager auf der einen Seite, Einflüsterer auf der anderen Seite. Er hat überhaupt keine Zeit zur Eingewöhnung, er wird ins februarkalte Wasser geworfen und muss sofort wissen, auf wen er wirklich vertrauen kann.

Schiemer wurde nahezu während seiner gesamten aktiven Karriere von Stars & Friends betreut, welche ihm in Person von Jürgen Werner auch (beim Wechsel zu Salzburg) den besten Vertrag seiner Karriere bescheren konnten. Dieser Jürgen Werner ist gleichzeitig auch einflussreicher LASK-Präsident. Es gibt mancherorts Befürchtungen, dass Werner mit der Bestellung von Schiemer zum Sportdirektor in Ried nun beträchtlich hohen Einfluss bei beiden oberösterreichischen Topclubs erlangen könnte.

Eine andere Befürchtung ist die Fortsetzung einer unrühmlichen Legendenzerstörung im Verein. Nach der Trainerposse rund um Michael Angerschmid und dem unrühmlichen Abgang von Oliver G. zum Erzrivalen nach Linz könnte Schiemer bei einem Totalflop der nächste Rieder sein, der mit seiner Funktionärskarriere einen Schatten über seine Spielerkarriere legen könnte.

Bereits unmittelbar nach seiner Bestellung hat Schiemer auch eine verbale Breitseite vom Fußballjournalisten der oberösterreichischen Krone kassiert (der seinen Zugang zur Mannschaft aufgrund seiner vielen Freiheiten unter dem Vorgänger wohl stark gefährdet sieht – zum großen Gefallen der Fans). Hier muss er mit Sicherheit mit weiteren untergriffigen Kommentaren umgehen lernen und der völlig jenseitige Vergleich mit Melania Trump war wohl erst der Anfang. Je besser es jedoch im Frühjahr bei der SV Ried laufen sollte, desto substanzloser würden diese ausfallen.

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„Sieht attraktiv aus, kann aber nix.“ – nur 50% davon treffen auf den Autor dieses Kommentars zu. (c) Printausgabe Krone

Ein kalkuliertes Risiko

Bedenken hin oder her. Die Bestellung eines gänzlich unerfahrenen Mannes auf dieser Position bezeichne ich als kalkuliertes Risiko. Schiemer hat sich meinen Informationen zufolge bereits in jungen Jahren ein eigenes Netzwerk aufgebaut. Dieses ist zwar mit großer Wahrscheinlich nicht annähernd so groß wie jenes von Reiter, aber mit etwas Glück kann man das Paretoprinzip auch hier anwenden. Und eine unbeeinflusste Herangehensweise an den Job (welche bei einer dreimonatigen Einschulung durch Stefan Reiter nicht garantiert gewesen wäre) kann manchmal viel frischen Wind in ein Aufgabengebiet bringen (Anm.: hier spreche ich auch aus eigener wenn auch nicht vergleichbarer Berufserfahrung).

Seine Person genießt in sämtlichen Teilen des Vereins (und auch bei den Fans) großen Kredit. In der aktuellen Lage wäre die Bestellung eines innviertelfremden Mannes (wie beispielsweise Peter Schöttel) kritisch aufgenommen wurden – egal ob dieser grundsätzlich kompetent gewesen wäre oder nicht. Diesbezüglich gelten im Innviertel einfach andere Gesetze. Die Vorgehensweise kann mit der Bestellung von Paul Gludovatz nach der Ära Kolvidsson verglichen werden, als nur ein Mann mit absolutem Vertrauen bei den Fans auch bei initialen Misserfolgen hätte ruhig arbeiten können. Und selbst wenn es im Mai zum Abstieg kommen sollte, würde die Hauptschuld wohl Daxl, Wagner und Konsorten zugesprochen werden. Zudem Schiemer auch durch keine Transferperiode auf die Mannschaft hätte Einfluss ausüben können.

Lasst ihn arbeiten!

Die Aussicht auf brutalen Abstiegskampf mit einer maximal durchschnittlichen Rieder Bundesligamannschaft haben Franz Schiemer nicht daran gehindert, dieses Jobangebot abzulehnen. Er hätte genau so gerne seinen gemütlichen Job als Co-Trainer in Liefering behalten können, der quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Er weiß mit Sicherheit genau, welche Größe die Fußstapfen von Stefan Reiter haben.

Er weiß jedoch auch, dass die Fanclubs der SVR wie bereits erwähnt zu 100% hinter ihm stehen, wie das nachfolgende Statement von West Stand Ried im Innkreis besagt.

weststand-statement
Quelle = https://www.facebook.com/weststandried/posts/1840196869583549

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es alles andere als einfach wird. Aber aufgrund seiner Arbeitsmoral, seiner Persönlichkeit und seiner eingangs erwähnten Konsequenz bin ich davon überzeugt, dass er einen guten Job machen wird. Es wäre doch schön, wenn man in knapp 20 Jahren von den Managerlegenden Reiter und Schiemer sprechen könnte.

Danke, Mr. SVR

Seit kurzer Zeit ist es nun Gewissheit: SV Ried Manager Stefan Reiter wurde im Zuge einer Präsidiumssitzung am 6. Februar 2017 dienstfrei gestellt und wird per 31. Mai 2017 aus seinem Dienstverhältnis ausscheiden.

In den letzten Jahren geriet Reiter zunehmend in Kritik. An dieser Stelle seien der mitternächtliche Abgang von Oliver G. zum LASK oder die unglückliche Bestellung von Helgi Kolvidsson zum Chefcoach erwähnt. Aber auch vermehrte (sowie ungewohnte) Transferfehlgriffe zehrten stark an seiner Aura. Auch von meiner Seite gab es regelmäßig Kritik, wie etwa in meinen früheren Artikeln Quo Vadis SV Ried? oder im quasi-Manifest SV Ried: 7 Gründe für den sportlichen Rückfall seit 2011. Doch in meiner Stadionrunde gab es seit Jahren ein Sprichwort, welches trotz dieses stetig wachsenden Gegenwinds auch bis zuletzt noch allgegenwärtig war: „In Reiter we trust„.

In der knapp 25-jährigen Profigeschichte der SV Ried gibt es nämlich viele verdiente Personen aber nur eine Handvoll echter Legenden: auf dem Trainerposten sind dies „Jahrhunderttrainer“ Klaus Roitinger sowie „Sir“ Paul Gludovatz. Unter den Spielern freilich „Jahrhundertspieler“ Herwig Drechsel, der 98er-Cupheld Goran Stanisavljevic, der 05er-Aufstiegsheld Sanel Kuljic oder der langjährige Kapitän Thomas Gebauer.

Es gibt jedoch nur eine Person, welche all diese zuvor genannten Persönlichkeiten verbindet – und diese trägt den Namen Stefan Reiter. Mit seiner proaktiven Art, seinem oft zitierten Fußball-Netzwerk und seinem out-of-the-box Denken und Handeln hat er es im Laufe von drei verschiedenen Jahrzehnten (90er, 00er, 10er) geschafft, aus einem kleinen Dorfverein aus dem 12.000-Einwohnerstädtchen Ried im Innkreis einen langjährigen Bundesligisten zu formen, der heuer seine 20. Saison in der Bundesliga spielt, bundesweit anerkannt ist und die Blaupause für Vereine wie Altach oder Wolfsberg geliefert hat.

Stefan Reiter SVR Logo
Stefan Reiter und das Vereinswappen – im Herzen und im Geist untrennbar miteinander verbunden. (c) meinbezirk.at

Die Verpflichtung von vielversprechenden Nachwuchstalenten aus der zweiten Liga und Regionalliga, die Förderung von jungen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs, die Initiierung der „spanischen Welle“ in Österreich, das systematische Investment in die Infrastruktur des Vereins (u.a. Stadion, Nachwuchszentrum, VIP-Club, Trainingszentrum) – dies alles hat man (mal weniger, aber meistens eher mehr) Stefan Reiter zu verdanken. Nebenbei sei auch seine langjährige Arbeit als Obmann bei der PRO SV Ried (welche der Förderung des Nachwuchses dient) erwähnt.

Als die SVR zuletzt im Mai 2003 den bitteren Gang in die zweite Spielklasse antreten musste, war Stefan Reiter nicht mit beteiligt. Stattdessen war er zeitgleich als erfolgreicher Manager in Pasching unterwegs. Erst seine Rückholung (verbunden mit der Verpflichtung von Heinz Hochhauser) ermöglichten den zweiten (und sogar erfolgreicheren) Teil der Bundesliga-Erfolgsgeschichte made im Innviertel.

Der Ausblick in eine ungewohnt ungewisse Zukunft gepaart mit dem Abstiegskampf in der Bundesliga nagt an den Gemütern vieler treuer SVR-Anhänger. Der Vorstand hat sich mit der Beurlaubung unmittelbar vor dem Frühjahresauftakt eine zentnerschwere Hypothek auferlegt. Denn sollte es zum nicht ganz unrealistischen Abstieg im Mai kommen, dann wird man sich diesen an das eigene Revers heften lassen müssen. Auf Worte und Taten müssen nun rasch ein kluges Konzept und ein geeigneter Nachfolger folgen.

Ein persönlicher Seitenhieb sei an dieser Stelle noch angebracht: wenn behauptet wird, dass die Trennung „freundschaftlich“ erfolgt ist, dann ist dies für ein Gros der SVR-Familie nur schwer glaubwürdig. Denn immer wieder wurden im Laufe der letzten Monate und Jahre durch SVR-Insider von schweren Spannungen zwischen Präsidiumsmitglied Roland Daxl und Stefan Reiter berichtet.

Das am Samstag in Oberösterreich Heute ausgestrahlte Interview mit ersterem lässt vor allem eines vermissen: Klasse. Denn ich will an dieser Stelle stark bezweifeln, dass ein privates Detail wie ein Kuraufenthalt im Sommer etwas darstellt, was man in einer landesweiten Nachrichtensendung zur Primetime ausposaunen sollte. Auch die öffentlichen Aussagen, dass Reiter „die Vitalität und Kraft fehle“ und „Ablöseerscheinungen erkennbar seien“, sind unangebracht und sogar stillos für den Verantwortlichen eines Vereins, der sich selber immer wieder als „familiär“ und „bodenständig“ bezeichnet.

Was man seit Freitag u.a. auf Facebook, im Austrian Soccer Board oder in diversen WhatsApp-Gruppen mitbekommt, sind die Fronten unter den treuen SVR-Fans der Westtribüne klar abgesteckt. Roland Daxl wird aufgrund seiner Kommentare und seiner aktiven Handschrift im Ablöseprozess von Reiter im Frühjahr genauer denn je beobachtet werden. Denn selbst wenn er noch 20 Jahre im Verein aktiv ist, wird es für ihn äußerst schwierig werden, an die Erfolge von Stefan Reiter bei der SVR auch nur ansatzweise anzuknüpfen.

Eigentlich hätte sich Stefan Reiter zu seinem Abschied nicht 789 sondern 1912 Wörter von meiner Seite verdient. Denn eine in Österreich nahezu unvergleichliche Ära ist zu Ende. Mit meinen 33 Jahren weiß ich, woher wir als Verein gekommen sind und wo wir jetzt stehen – und niemand in der Vereinshistorie hat einen größeren Anteil daran. Wenn man an die SVR denkt, denkt man an Stefan Reiter. Wenn man an Stefan Reiter denkt, denkt man an die SVR. Das Dankeschön, welches ich daher an dieser Stelle in seine Richtung schicken will, könnte nicht größer und herzlicher sein.

Mach’s gut, lieber Stefan. Danke für alles.

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Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. (c) nachrichten.at

 

Toni Polster: From Hero to Zero

Als Anton Polster im Jahre 1993 von Rayo Vallecano zum 1. FC Köln in die Deutsche Bundesliga wechselte, war ich knapp 10 Jahre alt. Damals gab es drei Möglichkeiten, etwas über diese Liga mitzubekommen: über die Radiokonferenz auf Antenne Bayern, über den Teletextticker des ORF (throwback monday: Tore von österreichischen Legionären wurden bläulich und nicht weiß angezeigt) und über die SAT1-Sendungen ran (am Samstag) bzw. ranissimo (am Sonntag).

Ich hatte mir damals eine Art Fußballtagebuch angelegt, in welchem ich minutiös die Leistungen von Polster (und auch von Andi Herzog bei Bremen) und die Ergebnisse vom Effzeh mitdokumentierte. Bei jedem [über Radio oder Teletext mitverfolgten] Treffer wurde die Vorfreude auf die abendliche Fußballsendung noch größer. Selbsterklärend, dass Social Media, YouTube oder gar Internet damals noch in weiter Ferne waren.

Toni Polster
Toni Polster als Kapitän der Österreichischen Nationalmannschaft. (c) FIFA.com

Spätestens als Polster dann 1997 mit seinen zwei Toren beim 4-0 gegen Weißrussland die Qualifikation für die WM in Frankreich 1998 fixierte und dort mit seinem Gewaltschuss aus nächster Nähe ein 1-1 gegen Kamerun in der Nachspielzeit sicherte, genoss er (bei mir persönlich) so etwas wie Heldenstatus. Ein österreichischer Stürmer von internationalem Format, bei Fans und Medien gleichermaßen beliebt, sogar mit einem Hit in den Charts („Toni, lass es polstern“ – mit den Fabulösen Thekenschlampen) und stets gut gelaunt mit einem lockeren Spruch auf den Lippen.

Nach fünf Jahren in Köln folgte ein überraschender und kontroversiell diskutierter Wechsel zum rheinischen Rivalen nach Mönchengladbach, bei denen er jedoch ebenfalls noch (zumindest kurzzeitig) reüssieren konnte, bevor ihn Hans Meyer dann eineinhalb Jahre später (im Alter von 36 Jahren) altersbedingt abmontierte. An dieser Stelle sei noch folgendes Zitat von Meyer erwähnt:

„In Köln haben sie vier Tage lang die Geschäftsstelle abgeschlossen und jede halbe Stunde eine Flasche Sekt entkorkt, als sie den Toni Polster für 1,8 Millionen Mark (= 0,9 Millionen Euro, Anm.) nach Gladbach verkauft hatten.“

Polster ließ seine aktive Karriere dann noch ein halbes Jahr lang per Leihe bei Austria Salzburg ausklingen, wo er jedoch in 12 Spielen nur zwei Tore erzielen konnte. Seine Nationalteamkarriere unter der Ägide von Otto Baric endete im gleichen Jahr, nach insgesamt 95 Spielen und 44 Toren, was ihn nach wie vor zum österreichischen Rekordteamtorschützen macht (Anm.: Marc Janko liegt mit 28 Toren auf Platz vier, seine Torquote ist sogar leicht besser als jene von Polster).

Zwischen 2000 und 2004 wurde es dann ruhig um Polster, er war im Marketingbereich von Mönchengladbach tätig und daher in den heimischen Medien weniger präsent als in den 15-20 Jahren zuvor. Anschließend wurde er Teammanager bei seinem Stammclub, der Austria aus Wien. Dort kam es zum ersten dunklen Kapitel seiner Karriere im Fußballbusiness. Nach nicht einmal einem halben Jahr wurde er nach Differenzen mit Big Spender Frank Stronach fristlos enlassen. Er selber sprach im Nachhinein davon, dass das Dienstverhältnis aufgelöst wurde.

„Von einer fristlosen Entlassung kann keine Rede sein, ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, gute Arbeit geleistet […] Ich hätte weitergemacht. Ich gehe erhobenen Hauptes, habe alles versucht. Unter dem Strich war ich zu wenig biegsam. Wir haben nicht zusammengepasst, aber ich möchte keine Schmutzwäsche waschen.“ 

Während der nachfolgenden vier Jahre wurde es (bis auf regelmäßigen Auftritten als Adabei in den Seitenblicken) erneut ruhig um Polster, bis er 2010 (medienwirksamer) Berater beim LASK aus Linz wurde. Zudem trainierte er die Amateurmannschaft und schaffte mit dieser auch umgehend den Aufstieg von der OÖ Liga (4. Spielklasse) in die Regionalliga Mitte. Um jedoch die Lizenz erhalten zu können, trennten sich die finanziell schwer angeschlagenen Linzer nach dem Aufstieg von (dem wohl nicht so schlecht verdienenden) Polster.

Ein halbes Jahr später übernahm Polster das Traineramt bei der Wiener Viktoria in der Oberliga A (5. Spielklasse). Nur wenige Wochen nach seiner dortigen Bestellung folgte er einen Einladung zu einer Sondersendung (sic) von Sport am Sonntag. Die Creme de la Creme der österreichischen Hawarapartie (u.a. Prohaska, Gregoritsch) diskutierte über die Bestellung von Nobody Marcel Koller zum ÖFB-Teamchef, bei der Polster (augenscheinlich unter der Einwirkung der Nachbesprechung einer Ligapartie der Wiener Viktoria) folgendes Statement von sich gab:

„Ja die Leute halten das für eine total unglückliche Entscheidung, sie sind total enttäuscht und frustriert .. zum Teil .. und ich kann das auch nachvollziehen, denn .. ich glaube nicht, dass es [die Bestellung von Marcel Koller zum Teamchef] eine glückliche Entscheidung war.“ 

Ohne über die Taktik, die Spielanlage oder das langfristige Konzept des Schweizer Trainers Bescheid zu wissen, wurde also ein spontaner hatchet job durchgeführt.

Beinahe fünf Jahre (die Ernennung folge am 1. November 2011), einen Punkteschnitt von 1.67/Partie (zum Vergleich: bei Prohaska lag dieser bei 1.65) und die erstmalige sportliche Qualifikation für eine Europameisterschaft 2016 in Frankreich später wirken diese Worte (und generell diese Sendung) komischer denn je. Marcel Koller hat eine Nationalmannschaft aufgebaut, auf die man wieder stolz sein konnte, die von 35.000 Menschen zum Spiel gegen Island nach Saint Denis begleitet wurde und Ausnahmeleistungen wie etwa beim 4-1 in Stockholm abgeliefert hat. Doch nach diesem kurzen Exkurs nun wieder zurück zu Anton Polster.

Zur Saison 2013/2014 wurde er bei der Admira zum neuen Cheftrainer bestellt. Dort wurde er bereits nach rekordverdächtigen drei Spielen (drei Niederlagen) und einem Torverhältnis von 2:11 entlassen. Das damalige Statement der Admira im Wortlaut:

„Aufgrund des unglücklichen Saisonstarts mit null Punkten in den ersten drei Runden, einer negativen Tordifferenz von 2:11 sowie diverser Auffassungsunterschiede hat der FC Admira Wacker Mödling den Entschluss gefasst Trainer Toni Polster mit sofortiger Wirkung zu beurlauben“

Wenn man als Verein von der Statur der Admira einen Trainer nach nur drei Partien entlässt, muss man zwangsweise das Gefühl haben, einen schweren Fehler gemacht zu haben. Polster seinerseits kommentierte seine Entlassung wie folgt:

„Es wäre schön, wenn ich ein bisschen mehr Zeit gehabt hätte. Hätte ich ein bisschen mehr Zeit gehabt, hätte ich die Admira gerettet [… ] Dass meine Tätigkeit schon nach sieben Wochen wieder zu Ende ist, macht mich traurig. Aber das muss ich akzeptieren. Es bringt nichts, wenn man Schmutzwäsche wäscht, das hilft niemandem weiter“

Detail am Rande – auch hier (wie schon bei der Entlassung bei der Austria) sprach Polster wieder davon, dass er „keine Schmutzwäsche waschen wolle“, als ob dies sonst Usus wäre. Warum er im Bezug auf die Admira schon nach drei von 36 Spieltagen von „Rettung“ sprach, sei an dieser Stelle ebenfalls fragend erwähnt. Seine Karriere als professioneller Trainer in Österreich (und wohl auch sonst wo) ist seit dieser Entlassung gescheitert.

Daraufhin folge eine Rückkehr zur Wiener Viktoria und eine Fokussierung auf seine „Expertenkolumne“ bei einer ÖSTERREICHischen Gratiszeitung. In dieser Rolle zeichnete er sich im Juli 2016 für den nächsten hatchet job verantwortlich. Die Bestellung von Christian Benbennek als Chefcoach bei der SV Ried kommentierte er wie folgt:

„Auf die Idee zu kommen, in der österreichischen Bundesliga einen Trainer zu holen, der in Deutschland in der 4. Liga gefeuert wurde und vorher nicht aufgefallen ist, muss man erst kommen. Was Sportdirektor Stefan Reiter da geritten hat, ist mir ein Rätsel.

Auf alle Fälle ist die Installierung von Christian Benbennek ein Schlag ins Gesicht der heimischen Trainer. Und für Ried ein Rückschritt. In Aachen, wo Benbennek zuletzt gearbeitet hatte, meuterten die Spieler, bis er die Papiere bekam. Und dieser Coach soll Ried auf Vordermann bringen? Ich sage: Reiter wird bald einen Canossa-Gang ins Burgenland antreten müssen, um Paul Gludovatz noch einmal zu überreden, Ried als Trainer zu übernehmen. „

In diesem Fall hatte Polster – wohl im Gegensatz zu Koller, den er aus seiner Zeit in Deutschland zumindest namentlich kannte – wohl nicht mal eine nackte Idee darüber, wer Christian Benbennek denn überhaupt sei. Die Info über Aachen wurde unreflektiert aus dem Internet (oder von einem Redakteur) übernommen – irgendeine ansatzweise Ahnung von Spielkonzept, Taktik oder Kaderplanung müssen an dieser Stelle nicht einmal erwähnt werden.

Benbennek & Reiter
Christian Benbennek (Trainer) und Stefan Reiter (Sportdirektor) im Gespräch. (c) OON/Daniel Scharinger

Die Retourkutsche von Stefan Reiter folgte postwendend, nur einen Tag später kommentierte er Polsters Kolumne in den Oberösterreichischen Nachrichten und sprach damit vielen Fußballfans aus der Seele bzw. brachte auf den Punkt, was die eigentliche Grundaussage dieses Blogartikels ist:

„Polster war ein großer Fußballer, der tolle Leistungen für Österreich erbracht hat, aber auf diesem Niveau macht er sich nur noch lächerlich […] Polster ist fachlich überhaupt nicht auf Augenhöhe, es ist eigentlich schade, dass er das nötig hat. Seine eher bescheidenen Erfolge als Trainer sprechen für sich.“

Nach 10 Spielen hält Ried bei 14 Punkten, einem gesicherten Platz im Mittelfeld, erzielte zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte vier Tore in einem Spiel gegen Rapid und schaffte sogar, die Viererkette im Innviertel wieder salonfähig zu machen. Es ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber der Canossa-Gang ins Burgenland wird wohl bis auf Weiteres nicht stattfinden.

Doch zu guter Letzt noch ein Exkurs in Richtung Marcel Koller. Nach dem gestrigen 2-3 des Nationalteams in Serbien war Polster sogleich mit einem Statement zur Stelle, welche ich nachfolgend aus dem Video bei SkySportAustria transskribiert habe:

„Es wäre auf alle Fälle mehr drinnen gewesen, wenn wir .. diese .. äh .. Laufwege zurück gemacht hätten .. das haben sich einige Spieler erspart .. äh, die Mannschaft hat viel zu äh äh offensiv gespielt, viel zu offensiv, auch ihre jeweilige Position interpretiert .. unterm Strich haben wir dann in drei Spielen sechs Gegentore bekommen und das ist einfach zu viel wenn man zur WM fahren möchte.“

Somit wurde also gleich die erste Gelegenheit genutzt, um dem unbeliebten Trainer verbal eins auszuwischen. Toni Polster – der Spieler – wird für mich für immer ein Held bleiben. Vor Toni Polster –  dem Trainer und Menschen – habe ich jedoch schon längst keinen Respekt (mehr).

An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich ihn natürlich nicht persönlich kenne, daher muss ich anhand seiner Medienergüsse urteilen. Aber seine Kolumnen und Kommentare sind primär polemisch und untergriffig. Das macht ihn unsympathisch. Das hätte er nach einer verdienten Karriere als Spieler auch nicht notwendig. Kann man aber wohl nicht mehr ändern. Schade darum.

 

Turnaround durch Benbennek?!

Erneut handelt es sich nur um eine Momentaufnahme, aber nach einer Serie von fünf ungeschlagenen Spielen, dem ersten Auswärtssieg seit Ewigkeiten und der Premiere eines Sieges mit vier Toren gegen Rapid kann man als Ried-Anhänger zwischenzeitlich ruhig schlafen und keine Gedanken an Rote Laternen verschwenden. Manager Stefan Reiter (der mit Özdemir, Zulj, Nutz und Ademi seine beste Transferzeit seit einigen Jahren hinter sich gebracht hat) kann mit seiner Trainerbestellung ebenfalls zufrieden sein. Doch wie konnte Neo-Trainer Christian Benbennek binnen weniger Wochen diesen Turnaround schaffen? Nach nur drei Punkten (und einem Tor) nach fünf Spielen bei einigen Fans (ehrlicherweise auch bei mir) schon angezählt, haben verschiedene Faktoren dazu beigetragen, dass man sich zwischenzeitlich aus dem Abstiegskampf verabschiedet hat.

Christian Benbennek SV Ried
Trainer Christian Benbennek schwimmt derzeit mit der SV Ried auf der Erfolgswelle. (c) meinbezirk.at

Benbennek hat nach dem blamablen 0-5 in Wien sofort erkannt, dass das in der gesamten Vorbereitung praktizierte 4-4-2 in der Bundesliga mit bestehendem Kader nicht anwendbar ist und auf ein 4-2-3-1 um gestellt. Zugleich war allgemeiner Tenor, dass Ried keine Viererkette (mehr) spielen könne und Reifeltshammer nur in einer Dreierkette bundesligatauglich wäre. Der nunmehrige LASK-Trainer ist bei der Umstellung auf eine Viererkette gescheitert. Der glücklose Helgi Kolvidsson ist ebenfalls gescheitert. Christian Benbennek hat beharrlich weitergearbeitet, nachgebessert und nach einem Saisonviertel erreicht, dass das Defensivgebilde größtenteils stabil agiert. Thomas Reifeltshammer hat gegen Rapid seine beste Partie seit Jahren gespielt und bildet mit dem Topneuzugang Ögun Özdemir eine absolut bundesligataugliche Innenverteidigung. Die Außenverteidiger Dennis Chessa und Florian Hart sind zwar (gerade offensiv gesehen) keine Weltkicker, machen allerdings defensiv nur wenige Fehler und wissen genau, was sie spielen können.

Der Trainer hat keine Angst davor, Wechsel bereits in der Halbzeit durchzuführen (wie im Fall vom überforderten Ronny Marcos beim 1-1 gegen die Austria). Er hat erkannt, dass Brandner auf der 6er-Position (noch?) zu blass ist und Peter Zulj kurzum zum defensiven Mittelfeldspieler umgemodelt. Dieser spielt diese Rolle nun seit einigen Spielen so, als ob er nie etwas anderes gelernt hätte. Auch wenn sich mittlerweile eine klare Stammelf herauskristallisiert hat, so hält er die Motivation bei einzelnen Spielern hoch, indem er sie bei guten Trainingsleistungen mit einem Einsatz in der Startelf belohnt (Prada gegen Rapid) oder Spieler von der Tribüne auf die Ersatzbank rutschen (Brandner und Antonitsch gegen Altach).

Er ist der erste Trainer seit Jahren, der das Beste aus Clemens Walch herauszuholen vermag (bereits 3 Tore und 3 Assists in der Liga). In einem Interview vor wenigen Wochen sprach er davon, dass der Tiroler viel Zuneigung braucht und von sich aus sagen solle, falls sein Körper streikt oder er angeschlagen ist. Er hat zur Deadline mit Nutz und Ademi zwei – für Rieder Verhältnisse – famose Neuzugänge in die Mannschaft bekommen. Durch den verstärkten Konkurrenzkampf finden sich letztjährige Leistungsträger wie Fröschl oder Elsneg teilweise nur auf der Bank wieder, Spieler wie Egho oder Brandner sogar nur auf der Tribüne oder bei den Amateuren in der OÖ-Liga.

Er hat Ried bei Standards absolut unberechenbar und brandgefährlich gemacht und damit so etwas wie einen Roitinger-Spirit entfacht. Gegen Sturm hat ein Freistoßtrick perfekt funktioniert, gegen die Austria wurde aus einer direkten Ecke getroffen, gegen Rapid hat eine einstudierte Eckballvariante zum 3-1 geführt.

Von seiner Persönlichkeit her wirkt er absolut authentisch, spricht Fehler (auch eigene) und schlechte Leistungen glasklar an und hebt bei Topleistungen auch nicht sofort ab (wie gestern etwa durch die Aussage, dass man weiter bescheiden bleiben müsse und es trotz alledem nur drei Punkte waren). Aber ein Kritikpunkt muss doch noch sein (vor allem für die Kulinarik des Innviertels sehr wichtig): kann unserem Trainer jemand ausrichten, dass es im Stadion Würste in Hülle und Fülle gibt?

Die SV Ried steigt (nicht) ab, weil…

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(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt ab, weil

… der Frühjahresspielplan einigermaßen ungünstig beginnt. Nach einem Auswärtsspiel beim Angstgegner in Mattersburg muss man im eigenen Stadion gegen RBS antreten. Bei einer Doppelnull zu Beginn könnte man schneller als erhofft/befürchtet wieder die rote Laterne übernehmen. Auch die breite Brust der letzten erfolgreichen Spiele im Herbst würde damit gleich wieder verloren gehen.

… mit Marcel Ziegl der wohl objektiv beste Spieler der Herbstsaison (bis zu seiner schweren Verletzung) durch seinen Kreuzbandriss noch die gesamte restliche Saison ausfällt und bisher als Schaltzentrale im 3-3-3-1 in keiner Weise ersetzt werden konnte.

… mit Oliver Kragl nicht nur der offensivstärkste, schussgewaltigste und freistoßbeste Linksspieler der Bundesliga in die Serie A verkauft wurde, sondern auch ein echter Typ, Arbeiter und Leader verloren gegangen ist, wie man ihn seit den Zeiten von Drechsel und Lexa nicht mehr in der Mannschaft hatte.

… man im Vergleich mit den Konkurrenten wie etwa Grödig, Altach oder Wolfsburg diesen Abstiegskampf nicht wirklich kann. Zuletzt stand man nach dem Abgang des Trainerduos Weissenböck/Schimpl etwas unter Zugzwang, jedoch nie so knöcheltief wie in der heurigen Saison. Auch für den erfolgsverwöhnten Paul Gludovatz ist diese Erfahrung eine neue.

… weiterhin dieser Stürmer fehlt, der 10-15 Tore pro Saison macht. Durch die leichte Systemumstellung der letzten Runden konnte dies zwar kompensiert werden, jedoch werden sich die Gegner darauf einstellen können und man kann nicht immer darauf hoffen, dass die Innenverteidiger (Filipovic, Reifeltshammer) in der Not offensiv einspringen.

Gerhard Schweitzer doch wichtiger war, als die Allgemeinheit dies beziffern konnte. Nach seinem Abgang per 31.1. muss Gludovatz zum ersten Mal seit vielen Jahren ohne seinen kongenialen Partner auskommen – und in seinem Alter fällt die Umstellung auf einen anderen Partner normalerweise schwer – ganz unabhängig von den Qualitäten des Mario Posch.

… die Leihspieler aus Liefering zwar über enormes Talent verfügen (ich schaue die skyGo Erste Liga regelmäßig), sich jedoch innerhalb dieser kurzen Zeit nicht mit dem Abstiegskampf akklimatisieren oder dem Verein identifizieren können. Falls es eine Klasse nach unten geht, spielt man dann eben wieder im Heimatstall weiter.

… es weiterhin Unstimmigkeiten und Machtspiele im Verein gibt, welche die Leistungsfähigkeit der Spieler zumindest beeinflusst. Außerdem gibt es immer wieder Meldungen, mit denen man vor 4-5 Jahren nicht gerechnet hätte. Als Beispiel sei hier der vor wenigen Tagen bekannt gegebene Verlust von 1,151 Millionen in der letzten Bilanz genannt, auch wenn die Situation von Finanzvorstand Daxl zuletzt bereits (verbal) entschärft wurde.

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(c) nachrichten.at

Die SV Ried steigt nicht ab, weil

… man sich nach der Ära Kolvidsson enorm stabilisieren konnte, seit Gludovatz/Schweitzer auf einem fiktiven 5. Tabellenplatz steht und ein positives Torverhältnis (20:19) aufweisen kann. Diese Konstanz ist im weiteren Abstiegskampf unschlagbar.

… man bisher alle „big points“ holen konnte. Beim 1-0 im ersten Spiel unter Gludovatz gegen Sturm, beim 1-0 in der 16. Runde gegen Grödig, beim 3-1 in der 18. Runde gegen Altach und natürlich auch beim 1-0 in der letzten Runde vor der Winterpause gegen den WAC. Wenn man weiterhin jedes „do or die“ Spiel verliert, steigt man auch nicht ab.

… Spieler wie Elsneg oder Murg endlich die erwartete Leistung abrufen können, zu welcher sie der Ex-Trainer mangels fehlender Kompetenz nicht führten konnte. Mit 12 Scorerpunkten distanziert Didi Elsneg den zweitbesten Spieler seiner Mannschaft sogar um 6 Punkte. Thomas Murg wirkt nach der Geburt seines ersten Kindes wie befreit und konnte etwa die Austria Wien beim 4-2 nahezu im Alleingang zerlegen.

… man mit Thomas Gebauer auf einen der (wieder) besten Torhüter der Liga als sicheren Rückhalt zählen kann, der die eine oder andere unhaltbare Chance zunichte machen kann. Seit des Tormanntrainerwechsels zu Hubert Auer ist der Bayer bis auf wenige Aufnahmen wieder jener Keeper, der es in den späten 00er-Jahren auch einmal zum österreichischen Torhüter des Jahres schaffte.

… einige Spieler wie Walch, Möschl oder Gavilan aufgrund von Verletzungen (und der Ära Kolvidsson) noch nicht zeigen konnten, wozu sie wirklich fähig sind. Zudem kommen mit Honsak und Brandner (als Widerspruch zum Grund pro-Abstieg) zwei talentierte und variable Spieler in die Mannschaft, welche sich ohne viel Vorlaufzeit in die Mannschaft einfügen können und den Konkurrenzkampf steigern werden.

… es auch bei den anderen Mannschaften viele Unstimmigkeiten und Störfeuer gibt, stellvertretend sei hier der gerichtliche Abgang von Karim Onisiwo bei Mattersburg genannt, der spielerisch nur schwer zu ersetzen sein wird. Grödig spielt als einzige Mannschaft auswärts und daheim quasi ohne Fans und beim WAC ist die Insolvenz von Hauptsponsor RZ noch im Hinterkopf.

… man im Falle des Falles trotzdem wieder auf Stefan Reiter vertrauen kann. Trotz aller berechtigter/öffentlicher Kritik (auch von meiner Seite) blieb er immer ruhig und optimierte nach innen, anstatt täglich mit den Medien zu diskutieren oder in Panik zu verfallen. Dass einige verpflichtete Spieler im richtigen System doch stärker sind als geglaubt (z.B. Polverino, Filipovic), konnte man während der letzten Herbstrunden beobachten.

… man im letzten Meisterschaftsviertel auf Heimspiele gegen Mattersburg, die Admira und Grödig bauen kann. Und falls es wirklich brenzlig wird, kann die SVR (subjektiv und objektiv) viel mehr Fans und Zuschauer zu Heim- und Auswärtsspielen mobilisieren als alle Konkurrenten im Abstiegskampf. Unter anderem auch weil die (Auswärts-)Wege im Vergleich mit Wolfsberg, Mattersburg oder Altach insgesamt gesehen kürzer sind. Und weil Innviertler – trotz aller Konflikte und Unstimmigkeiten – am Ende trotzdem zusammenhalten.