Kampf um die SEO-Meisterschaft

Im Laufe der letzten Monate wurde besonderes Augenmerk auf die Arbeit der Vereine tipico Bundesliga in den sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram usw.) gelegt.

Etwas weniger oft wird mittlerweile über die Websites der Bundesligisten gesprochen. In meinem Job als Online Marketing Manager analysiere und optimiere ich laufend Websites aus den verschiedensten Branchen auf ihre Suchmaschinentauglichkeit hin. Aus reinem Eigeninteresse (und aufgrund des heutigen Launches der neuen Website der SV Ried) habe ich nun im Zuge dessen die Websites der aktuellen zehn Bundesligisten auf ihre Suchmaschinenoptimierung überprüft.

seo-in-2016
SEO-Faktoren 2016 – (c) searchengineland.com

Dieser ganz persönliche SEO-Test (.. SEO steht übrigens für Search Engine Optimization) besteht aus drei Teilen:

    1. Analyse der Website mit dem Onlinetool SEOlyser, welches gratis zur Verfügung steht. Dieses bewertet eine Website auf technische Faktoren (Technik, Usability, Datenschutz, Mobiltauglichkeit, Webhosting). Es gibt viele andere Tools welche größtenteils kostenpflichtig sind, aufgrund der einfachen Nachvollziehbarkeit habe ich mich jedoch zum Einsatz dieses Tools entschieden.
    2. Analyse der Website mit SISTRIX. Dieses Tool bewertet eine Website auf inhaltliche Faktoren und die Relevanz dieser Inhalte bei Google. Bei Vereinen mit mehr Anhängern (bzw. auch bei Vereinen, welche von internationalem Interesse sind) sollte dieser Wert im Normalfall verhältnismäßig höher sein.
    3. Das Endergebnis entsteht durch eine Gewichtung der beiden Analyse-Ränge mit dem Faktor 70:30 (also z.B. X = (2*0,7)+(5*0,3)).

1 – Technische Analyse

Das in seinen Basisfunktionen kostenfreie Tool SEOlyze analysiert eine Website auf eine bestimmte Anzahl von Faktoren und gewichtet diese am Ende zu einem Endergebnis, wobei 100 den Bestwert und 0 den Tiefstwert darstellt. Die verschiedenen Faktoren (und wichtige beispielhafte Bestandteile dessen) sind:

1) Content SEO 2) Technische Faktoren 3) Usability
Linkpopularität Code & Quellcode Frames
Social Media Sitemap Popups
Titel Tags Robots.txt Flash-Elemente
Meta Descriptions WC3-Konformität Lesbarkeit
H-Tags Text-HTML-Ratio Favicon
Keywordhäufigkeit Bild-Volumen 404-Seite
Suchvolumen Javascript ALT-Tags
4) Datenschutz 5) Mobile Optimierung 6) Webhosting
HTTPS Meta-Viewport Serversystem
Facebook Mobile Subdomain Nachbarschaft
Cookie-Hinweis Ladezeit
Analytics

Hier der Zwischenstand vor dem Beginn der Saison 2016/2017:

bundesliga-seolyse-aufstellung
Technisches Ranking nach SEOlyser.de – (c) Gerald Emprechtinger

Vielleicht etwas überraschend platziert sich hier Altach an der Tabellenspitze. Dicht gefolgt von der SV Ried. Der Wert der alten Website der Innviertler lag bei katastrophalen 33, hier konnte man sich also schlagartig um 30 Punkte verbessern und damit vom letzten Platz an die zweite Stelle katapultieren. Der WAC, die Austria und Sturm bilden das breite Mittelfeld. Das Tabellenende ist eine rein niederösterreichische Sache, wobei St. Pölten einen dünnen Vorsprung gegenüber der Admira vorweisen kann. Die Übersicht über alle Einzelwerte findet man nachfolgend.

SEO-Gesamtübersicht-Einzelwerte-tipicoBL
Übersicht über die Einzelwerte der technischen SEO Analyse. – (c) Gerald Emprechtinger

*Anmerkung: der Gesamtwert der SV Ried hat sich zwischen 18:00 und 20:00 wohl aufgrund diverser Optimierungsarbeiten von 63 auf 64 verbessert, ändert jedoch nichts am Endergebnis.


2 –  Inhaltliche Analyse

Dazu dient mir der SISTRIX Sichtbarkeitsindex als Hauptkennzahl. Dieser ist eine (abstrakte) Kennzahl für die Sichtbarkeit einer Domain (z.B. skrapid.at) auf den Suchergebnisseiten von Google. Je höher der Wert ist, umso mehr Besucher gewinnt die Domain erwartungsgemäß über die Suche bei Google. Der Sichtbarkeitsindex eignet sich hervorragend, um den Erfolg von durchgeführten SEO-Maßnahmen zu messen und zu bewerten. Ebenfalls lassen sich aussagekräftige Wettbewerbsanalysen durchführen. So können z.B. die erfolgreichsten Websites in einem Bereich identifiziert werden, die dann als Best-Practice-Beispiele zur Steigerung des eigenen Erfolgs herangezogen werden. Auf diese Weise lassen sich vorbildliche SEO-Methoden erkennen und adaptieren.

Hier der Zwischenstand vor dem Beginn der Saison 2016/2017:

SEO-Tabelle-Österreich-Bundesliga
Die SISTRIX-Tabelle (Stand 20. Juli 2016) – (c) Gerald Emprechtinger

Die Austria liegt hier unangefochten an der Tabellenspitze. Der Lokalkonkurrent folgt mit deutlichem Abstand dahinter, erst an dritter Stelle rangiert der Meister aus Salzburg. Sturm Graz hat quasi den Europacupplatz abgesichert, der Aufsteiger aus St. Pölten, Altach, die Admira sowie Ried bilden das abgesicherte Tabellenmittelfeld. Der Abstieg wird zwischen Mattersburg und überraschenderweise dem WAC ermittelt, der vor allem durch seine ausgezeichete Social-Media-Arbeit bekannt ist, dessen Domain jedoch die geringste Sichtbarkeit aller untersuchten Domains aufweist.


3 – Gesamtanalyse und Endstand

SEO-Analyse-tipico-Bundesliga-Endstand
Gewichteter Endstand (Technik 70%, Inhalt 30%) – (c) Gerald Emprechtinger

Gratulationen nach Vorarlberg! Die Altacher können den Big-4 ein Schnippchen schlagen und holen sich die SEO-Meisterschaft. Die SV Ried springt dank des Website-Relaunchs vom letzten auf den vierten Rang und sichert sich damit ein Ticket nach Europa. Der Abstiegskampf zwischen Mattersburg und der Admira ist beinhart, aber letztendlich darf man zweitere mit einem Augenzwinkern nun auch getrost als graue Maus des SEO bezeichnen. Aber wie heißt es so schön? Die Wahrheit liegt immer noch am Platz (und dort konnte man heute mit dem 2-0 in Kapaz erneut reüssieren).


Disclaimer:
Eine nachhaltige Wissenschaftlichkeit dieser Ergebnisse ist absolut nicht gegeben. Viel mehr sollen die vorliegenden Ergebnisse nur als Richtwerte bzw. zu einem Branchenvergleich für die einzelnen Bundesligisten dienen. Diese Analyse wurde nicht in Auftrag gegeben und von mir als Privatperson erstellt. Als Quelle bei einem Zitat bitte meinen Namen „Gerald Emprechtinger“ oder die Website https://gemprech.wordpress.com angeben.

Der Befreiungsschlag

Der Fußballsport ist kurzlebig. Rechnete man nach dem inferioren 1-3 bei der Admira vielerorts noch mit dem Fixabstieg der SV Ried, so denkt man seit dem gestrigen Spiel gegen Sturm Graz schon wieder an die Qualifikation für die Europa League (natürlich bloß überspitzt formuliert). Doch die Erleichterung nach diesem gestrigen Sieg war und ist noch immer immens. Für mich persönlich war es sogar der wichtigste Sieg seit dem Cupfinale im Jahre 2011 (den man durch die Favoritenstellung gegenüber Austria Lustenau einfach einfahren musste). Auch die knapp 5000 Zuschauer sind eine positive Überraschung und sollten in naher Zukunft wieder zur Norm und nicht zur Ausnahme werden.

Paul Gludovatz hat es binnen fünf Tagen geschafft, einer am Boden liegenden Mannschaft wieder Leben einzuhauchen. Die Stabilisierung der Defensive war dabei Hauptaugenmerk. Ließ man in den bisherigen Saisonspielen immer mindestens fünf Großchancen zu, so kam Sturm trotz Offensivpower durch Avdijaj, Tadic, Schick und Co. gestern nur zu insgesamt zwei gefährlichen Torabschlüssen (wenn man die Volley-Schussflanke von Schick nicht dazurechnet).

Ich bin kein Taktikfreak, diese Analyse überlasse ich daher den Kollegen von ballverliebt, die eine großartige Analyse des Comebacks des berühmt-berüchtigten 3-3-3-1 verfasst haben. An dieser Stelle möchte ich stattdessen Körpersprache und Einstellung der Spieler hervorheben. Gludovatz sprach im sky-Interview nach dem Spiel davon, dass man im Training primär versucht hat, alles mit Kinn und Nase nach oben zu agieren. Dass diese Maßnahme bereits im ersten Spiel gefruchtet hat, war dennoch nicht abzusehen. Erstaunlich ist nämlich, dass einige Spieler wie ausgewechselt spielten, egal ob Gavilan (der den Ball gut abschirmen und verteilten konnte), Janeczek (der als Wingback sogar eine Maßflanke auf Elsneg anbrachte) oder auch Trauner (der gestern endlich wieder den souveränen Abwehrchef mimte) – nur um jetzt einige Beispiele zu nennen. Positiv überrascht konnte man auch über das Comeback von Thomas Reifeltshammer sein, der ohne jegliche Matchpraxis wohl seine beste Leistung seit der Ära Gludovatz I ablieferte und zweifelsohne einer der großen Gewinner des Trainerwechsels ist.

Auch wenn es nur eine Momentaufnahme darstellt, aber mit einer kompakten und aggressiven Spielweise wie gestern sollte diese Mannschaft im Laufe der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Nicht nur fünf Gelbe Karten, sondern auch die meisten Fouls einer Mannschaft in einem Spiel dieser Saison sind Beweis dafür, dass man gestern eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft agieren sah (bei der man gerade in der 1. Halbzeit kaum glauben konnte, dass es sich um die SVR handelte). Der Funke vom Spielfeld sprang gestern auch auf die Tribüne(n) über, denn ich kann mich bei bestem Willen nicht erinnern, wann die Stimmung bei einem Heimspiel zuletzt so gut war (für mich als Rieder in Graz sind die Duelle mit Sturm natürlich auch von besonderer Bedeutung und ich kann morgen ebenso mit erhobenem Kinn durch die Stadt gehen).

Eine (weitere) richtungsweisende Partie wird es allerdings kommende Woche in Grödig geben. Gewinnt man diese Partie, so überholt man einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf und die Tabellensituation bessert sich nochmals. Grödig hat zuletzt dreimal in Folge verloren (und muss auch ohne das ehemalige SVR-Rauhbein und Abwehrstabilisator Hari Pichler antreten) und nimmt nach einem überraschenden Saisonstart so langsam die Position ein, welche ihnen die meisten Experten vor Saisonbeginn eingeräumt hatten. Doch die bisherige Bilanz der SVR am Untersberg ist schlecht, denn nur einem Sieg sowie einem torlosen Unentschieden stehen zwei Niederlagen gegenüber.

Auch ein Rückschlag wäre kein Weltuntergang, denn mit dem gestrigen Sieg hat man sich für’s Erste einiges an überraschender Luft verschafft und anschließend haben Gludovatz/Schweitzer durch die Länderspielpause auch zwei Wochen Zeit, um System und Spielweise weiter voranzutreiben und in die Köpfe der Spieler zu bekommen. Die Lernbereitschaft und den Willen spreche ich den Spielern mittlerweile zu, denn Siege machen Spaß – eine Tatsache, welche die aktuelle Mannschaft bereits größtenteils vergessen hatte. Die SV Ried ist wieder da wurde gestern während der zweiten Halbzeit intoniert. Dies verdankt man primär einem Mann, der als Sir Paul geadelt wurde und kein Messias sein will, aber in diesem Bezug einfach ignoriert wird. Denn Ried und Gludovatz, Gludovatz und Ried – das hat gepasst und passt noch immer.