Eine Woche auf Malta

Die vergangene Woche durfte ich aufgrund des mitteleuropäischen Wetters glücklicherweise auf Malta verbringen. Eine Insel, 90 km südlich von Sizilien, die flächenmäßig nur circa halb so groß wie mein Heimatbezirk Ried im Innkreis ist (316 km²) aber dennoch knapp 425.000 Menschen als Heimat dient. Mit einer Bevölkerungsdichte von 1346 Personen pro km² ist die Repubblika ta’ Malta (so der Staatsname auf maltesisch) übrigens der am fünft-dicht-besiedeltste souveräne Staat der Erde.

1964 erlangte das Land die Unabhängigkeit von Großbritannien und ist den meisten Menschen seither wohl eher nur von jährlichen Events wie etwa der Teilnahme am Eurovision Songcontest im Gedächtnis. Dabei hat Malta in kultureller Hinsicht eine extrem interessante Historie zu bieten. Nach den Phöniziern, Griechen und Römern herrschten die Araber ab dem 9. Jahrhundert nach Christi über die Mittelmeerinsel. Diese Historie ist auch in der maltesischen Sprache bzw. bei diversen Ortsnamen (z.B. Ta‘ Xbiex, was man als Taschbiisch ausspricht) nicht zu übersehen. Im weiteren Verlauf der Historie gaben sich Sizilien, Aragon, Spanien und später auch Napoleon die Klinke in die Hand bevor Malta dann im Jahre 1814 zur britischen Kronkolonie ernannt wurde.

Ein Steinlöwe im Großmeisterpalast von Valetta.
Ein Steinlöwe im Großmeisterpalast von Valetta.

Durch die arabische Historie, die Nähe zu Italien und die Kolonialherrschaft von Großbritannien trifft man auf der Insel einen sehr interessanten Mix der Kulturen an. Kulinarisch kommt die Pizza vom Italiener, das Pub wird vom Briten betrieben und orientalische Genüsse gibt’s direkt beim Marokkaner oder Tunesier. Durch die starke Urbanisierung der Insel (95% der Bewohner leben in Städten) muss man im Normalfall keine 50m gehen, bis man neben einem Lokal ein anderes findet, gerade im touristischen Nordteil der Insel mit den Städten Gzira (wo ich untergebracht war), Sliema und St. Juliens.

Der neueste Audi A8. Oder auch nicht.
Der neueste Audi A8. Oder auch nicht.

Die starke Urbanisierung bringt allerdings auch einen großen Nachteil mit sich. Malteser sind autoverrückt, auf knapp 425.000 Menschen kommen 320.000 Fahrzeuge und damit ein andauernder Road-Rage unter Berufsfahrern. Die Öffis sind billig (6 Euro für die Wochenkarte, gültig auf der gesamten Insel), allerdings meistens zu spät und uneffizient (in unserem Fall dauerte die Reise von Gzira ins knapp 10km entfernte Nationalstadion von Ta‘ Qali knappe 50 Minuten. Öffis retour ab 22:00? Fehlanzeige. Ein Taxi musste Abhilfe schaffen.

Ta' Qali Stadion
EM-Qualifikationsspiel zwischen Malta und Bulgarien. Endstand 0:1

Vom Klima her würde ich eher heute als morgen hinziehen wollen. Am Mittwoch, meinem Ankunftstag? 30C° am Tag, 22C° in der Nacht. Am Donnerstag? Selbiges. Am Freitag? Genau. Am Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag? Ebenfalls. Mit nur drei Regentagen im Juni ist ein Urlaub vor dem Ansturm der vielen jugendlichen Sprachreisenden in den Sommerferien ein heißer Tipp, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch im August und September kann man sich auf Malta noch über bestes Sommerwetter erfreuen – mit absoluter Sonnengarantie (>300 Sonnentage im Jahr). Ich benötigte kein einziges Mal eine lange Hose, da auch in allen Lokalen Shorts erlaubt sind bzw. auch in feineren Restaurants nicht verpönt sind. Die Republik Malta besteht aus drei Inseln: der gleichnamigen Hauptinsel, aus Gozo (beim spektakulären azure window wurden Szenen für die erste Staffel von Game of Thrones gedreht) und der Zwerginsel Comino, die aber in Sachen Schönheit alles übertrifft. In der blue lagoon kann man in türkisblauem Wasser baden, das Gesamtbild der Insel wird von tausenden lilablühenden Thymiansträuchern abgerundet. Auf Comino leben nur vier Menschen dauerhaft (die Betreiber des einzigen Hotels, alle anderen Arbeitskräfte kommen täglich per Fähre von Gozo), die Insel ist auch nur auf dem Seeweg erreichbar (etwa 1h30min per Fähre von Sliema).

Comino
Die blue lagoon von Comino

Preislich gibt sich Malta angenehm adrett. In Lokalen zahlt man zwischen 1.30€ und 2.80€ für ein großes Bier (meistens in Dosenform), auch die Essenspreise sind absolut fair und keineswegs touristischer Natur (als Beispiele seien hier die Adriaküste oder Mallorca genannt). Auch die Preise für Qualitätsbekleidung (ich hab mir zwei Hemden besorgt) sind deutlich unter dem in Österreich bekannten Niveau. Teuer ist nur Trinkwasser – mit mindestens 0.50€ für einen halben Liter muss man rechnen, das Wasser in den Wohnungen ist nicht trinkbar und aufgrund der hohen Chlorkonzentration fühlt man sich nach einer Dusche nie hundertprozentig sauber und nur partikulär erfrischt.

Der Obama Burger bei Badass Burgers.
Der Obama Burger bei Badass Burgers.

Abschließend noch fünf fun facts (bzw. unnötiges Wissen):

  • Die Hauptstadt Valetta (im 18. Jahrhundert eine der uneinnehmbarsten Städte Europas) ist mit knapp 7000 Einwohnern nur die 27. größte Stadt der Insel.
  • Es leben sehr viele Briten, Skandinavier, Deutsche und Österreicher auf der Insel. Durch die immensen steuerlichen Vorteile haben nahezu alle Unternehmen, die im Glücksspiel bzw. Wettgeschäft aktiv sind, einen Sitz auf der Insel.
  • Klimatisch bedingt findet man auf Malta fast nirgendwo grünen Rasen. Lediglich in der Festung von Valetta sowie im Hafen der Three Cities konnte ich kurz etwas anderes als sandiges/steiniges Terrain betreten.
  • 98.5% der Bewohner von Malta sind römisch-katholischer Konfession. Erst seit 2011 kann man sich dort scheiden lassen. Ich hab keine Ahnung, was unglückliche Ehepaare vorher gemacht haben. Mitgehangen, mitgefangen?
  • Auch auf Malta kann man Maltesers kaufen.

Zusammenfassend stehen die Chancen nicht schlecht, dass dies nicht mein erster und einziger Reisebericht aus Malta sein wird. Ara inti hekk! (Bis bald!)