Best of 2017: Filme


Ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Jahre: nach Arrival (2016), Inside Out (2015), Whiplash (2014) und Drive (2013) küre ich zum bereits fünften Mal in meinem Blog meine persönlichen zehn Lieblingsfilme des Jahres. Dabei inkludiere ich wie immer alle Filme, welche ich zwischen 1.1. und 27.12. gesehen habe, egal ob diese schon 2016 in den Kinos angelaufen sind. Vier der zehn nachfolgenden Filme stammen aus der Awards Season 2016, die restlichen sechs Filme kämpfen in der heurigen Awards Season (mal mehr, mal weniger) um die begehrten Globes, SAGs und Oscars.

Noch eine kurze Erklärung bevor ich in medias res gehe: ein Klick auf den Filmtitel führt zur jeweiligen IMDb-Seite, der Name in Klammer ist der Regisseur des Films, der erste Zahlenwert die aktuelle IMDb-Bewertung (von 0.0 bis 10.0) und der zweite Zahlenwert der aktuelle Metascore (Kritikerwert der sich von 0-100 erstreckt).

10. Wind River (Taylor Sheridan | 7.8 – 73)

Wie schon „Sicario“ und „Hell Or High Water“ lebt auch Wind River vom starken Drehbuch von Taylor Sheridan, der diesmal auch selber Regie führte. Jeremy Renner spielt einen orts- und vor allem schneekundigen Angestellten des Amts für Jagd & Fischerei im tiefwinterlichen Wyoming,  der zusammen mit einer jungen FBI-Agentin (Elizabeth Olsen, die jüngere Schwester der Olsen-Zwillinge) einen mysteriösen Mord an einer jungen Frau aufklären soll. Die Kälte die sich durch den gesamten Film zieht, wird durch viele atmosphärische Einstellungen quasi spürbar und wirkt unangenehm. Wind River ist ein geradliniger, harter Thriller im Stile von Sam Peckinpah. Der Film läuft in unseren Kinos erst im Februar 2018 (über ein Jahr nach dem US-Debüt) an und war im deutschsprachigen Raum bisher nur in Previews zu sehen, ist aber für mich ein absoluter Geheimtipp für einen kurzweiligen Kinoabend im heurigen Winter.

Elizabeth Olsen und Jeremy Renner – kalt is‘. (c) youtube.com, all rights reserved

9. Nocturnal Animals (Tom Ford | 7.5 – 67)

Nocturnal Animals ist Film der von seiner düsteren Atmosphäre lebt. Ein Film mit einem fiktiven und einem realen Handlungsstrang, welche scheinbar immer stärker ineinander verfließen. Ein Film der uns lehrt, dass Amy Adams und Isla Fisher nicht die gleiche Person sind, obwohl sie die hier gleiche Person spielen. Ein Film der wieder einmal beweist, dass Jake Gyllenhaal einer der besten Schauspieler unserer Generation ist. Die Schau wird ihm jedoch diesmal von den Nebendarstellern gestohlen, zum einen von Aaron Taylor Johnson, der für seine Rolle also psychopathischer Bösewicht auch den Golden Globe gewinnen konnte, und zum anderen von Michael Shannon, der sowieso in jedem Film großartig ist. Die Anfangsszene ist verstörend und daher gibt es von meiner Seite auch einen Hinweis: die gehört wirklich zum Film, obwohl man es kaum glauben kann. Nach seinem Debüt „A Single Man“ ist auch der zweite Film von Modeikone Tom Ford absolut sehenswert und lässt auf viele weitere Nachfolgefilme hoffen.

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Amy Adams und Isla Fisher (oder umgekehrt?) – (c) vulture.com, all rights reserved

8. Logan (James Mangold | 8.2 – 77)

Vermutlich der mit Abstand brutalste und gleichzeitig nachhaltigste Film aus dem X-Men-Universum. Der Soundtrack von Cliff Martinez (u.a. „Drive“) ist düster und untermalt die endnahe Stimmung des Filmes, der sich auch leichte Chancen auf die Awards-Season ausrechnen durfte, jedoch durch den frühen Kinostart und eines No-Shows bei SAGs und Globes nun chancenlos ist. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass sowohl Patrick Stewart als auch Hugh Jackman in ihren jeweiligen Abschiedsvorstellungen aus der X-Men-Reihe ihre jeweils besten schauspielerischen Leistungen abliefern, welche von James Mangold (u.a. Walk The Line, Identity) atmosphärisch und choreographisch beeindruckend auf die Leinwand gebracht wurde.

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Du hast schon mal besser ausgesehen, Wolverine – (c) vulture.com, all rights reserved

7. The Big Sick (Michael Showalter | 7.7 – 86)

Der Film, der sich als letzter in meine heurige Top10 einreihen konnte. Ein weiterer Überraschungshit, basierend auf der (wahren) Lebensgeschichte des pakistanisch-amerkanischen Schauspielers und Stand-Up-Comedians Kumail Nanjiani, der den meisten aus seiner Rolle in der HBO-Serie Silicon Valley bekannt sein wird. The Big Sick ist mit Holly Hunter und Ray Romano sowie Bollywood-Superstar Anupam Kher in den Nebenrollen schauspielerisch exzellent besetzt, Zoe Kazan (die Enkelin von Hollywood-Regie-Legende Elia Kazan) mimt die heutige Ehefrau von Nanjiani namens Emily Gordon, welche auch das Drehbuch zusammen mit ihrem Mann schrieb. Ein zeitgenössischer Film über Culture Clashes (North Carolina vs. Pakistan am Schauplatz Chicago) und die sonderbaren Wege der Liebe. The Big Sick trifft immer den richtigen Ton, ist niemals schmalzig oder übertrieben und überzeugt durch das bereits erwähnte homogene Schauspielerensemble.

Wenn man die Quasi-Ex-Schwiegereltern im Krankenhaus kennen lernt. – (c) thr.com, all rights reserved

6. Hidden Figures (Theodore Melfi | 7.8 – 74)

Diesen Film sah ich zum ersten Mal im Flugzeug von Amsterdam nach San Francisco und es waren die wohl kurzweiligsten zwei Stunden des elfstündigen Flugs. Der Film nach einer wahren Begebenheit erzählt die Geschichte von dunkelhäutigen Mathematikerinnen bei der NASA in den 60er-Jahren. Also in einer Zeit in der es noch rassengetrennte Toiletten gab und die professionelle Meinung von Frauen größtenteils ignoriert wurde. Die Schauspielerriege (angeführt von Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Kevin Costner in seiner besten Rolle seit Jahren) in Hidden Figures agiert überragend und erzeugt dadurch einen hoch emotionalen und motivierenden Film im Bezug auf Gleichberechtigung, der bis in die Nebenrollen prominent besetzt ist (u.a. Jim Parsons oder Mahershala Ali). Bei den SAG-Awards 2017 konnte er sogar überraschenderweise den Actor für das beste Ensemble gewinnen und sich gegen die favorisierten Moonlight und La La Land durchsetzen.

Wer ist hier deplatziert? – (c) thr.com, all rights reserved

5. La La Land (Damien Chazelle | 8.1 – 93)

Ich bin kein Freund von Musicals. Um nur einige Beispiele zu nennen – ich habe Chicago nie gesehen, ich habe Nine nie gesehen, ich habe Dreamgirls nie gesehen. Doch La La Land hat es mir heuer absolut angetan. Dies mag am meisterhaften Soundtrack liegen (Oscars für beste Filmmusik & besten Filmsong) aber auch an der (Leinwand-)Chemie zwischen Emma Stone (ebenfalls mit dem Oscar ausgezeichnet) und Ryan Gosling. Oder dem Fakt, dass ich viele der Originalschauplätze im Zuge meiner Kalifornien-Reise im Juni auch selber besuchen konnte, wie etwa das Griffith-Observatorium, welches seit La La Land Rekordbesuche verzeichnen kann. In die Geschichte wird der Film dennoch wegen des Fauxpas von Warren Beatty und Faye Dunaway bei den Oscars eingehen, als der Film für wenige Minuten (fälschlicherweise) als bester Film verkündet wurde. Für mich die bemerkenswerteste Szene ist übrigens das Kennenlernen der beiden in den Hollywood Hills, welches ganz ohne Schnitt auskommt und daher eine perfekte vierminütige Choreographie beider Schauspieler (inkl. Gesang und Tanz) verlangte.

4. Baby Driver (Edgar Wright | 7.7 – 86)

Was wohl vor einem Jahr noch niemand geahnt hätte – Baby Driver könnte als letzter Film mit Kevin Spacey in den Credits in die Filmgeschichte eingehen. Aus marketingtechnischer Sicht kam der Film jedoch glücklicherweise bereits vor den diversen Anschuldigungen gegen den zweifachen Oscarpreisträger in unsere Kinos. Aber zurück zum Film: dank eines exzellenten Soundtracks (von Regisseur Edgar Wright mit ausgewählt) und der Nonstop-Action konnte sich Baby Driver im heurigen Sommer als einer der großen Hits des Jahres positionieren, der gleichermaßen gut bei Publikum und Kritikern ankam. Anders als in vergleichbaren Heist-Filmen wie „Gone in 60 Seconds“ oder im Remake von „The Italian Job“ sind nämlich auch die Charaktere klar gezeichnet und müssen daher nicht dem Auto (bzw. den Autos) die Show überlassen. Unnützes Wissen: den Subaru WXR aus dem Film besitzt mittlerweile Ansel Elgort, der die Produzenten monatelang anbettelte, bis sie ihm das Auto letztendlich zum Geburtstag überließen.

3. Get Out (Jordan Peele | 7.7 – 84)

Get Out ist DER Überraschungshit des heurigen Jahres. Und dies völlig zurecht. Jordan Peeles Debüt als Regisseur konnte bei einem für Hollywoodverhältnisse wirklich winzigen Budget von 5 Millionen bis dato mehr als 250 Millionen weltweit einspielen und ist damit gemessen an diesem Verhältnis der kommerziell erfolgreichste Film des Jahres. Ein Horrorthriller mit absolut irren Wendungen und mit Spannung bis zum Schluss, der in Österreich leider brutal schlecht vermarktet wurde und daher kaum Zuschauer in die Kinos locken konnte. Daniel Kaluuya wurde ebenso wie der Film für einen Golden Globe nominiert. Bei den Oscars bestehen die besten Chancen allerdings für das beste Originaldrehbuch (ebenfalls von Jordan Peele, den man bei uns wenig bis gar nicht kennt, in den USA als Teil von Key & Peele jedoch breite Bekanntheit genießt).

Schön, endlich die neue Familie zu treffen. Oder doch nicht? (c) collider.com, all rights reserved

2. Dunkirk (Christopher Nolan | 8.2 – 94)

Zum ersten Mal seit Insomnia im Jahre 2002 wandte sich Christopher Nolan wieder von Sci-Fi-Epen ab und brachte im Sommer mit Dunkirk den wohl besten Kriegsfilm seit Saving Private Ryan in die Kinos. Obwohl die Schauspielerriege sehr homogen ausgewählt wurde (und im Vergleich zu Nolans letzten Filmen mit quasi keinen Weltstars besetzt wurde), erhielt der Film dennoch keine Nominierung für das Beste Ensemble bei den SAG-Awards. Daher dürften die Chancen auf den besten Film den Oscars nahezu Geschichte sein, der letzte Film der diese spezielle Nominierung nicht erhielt aber dennoch den Oscar abräumen konnte, war Braveheart vor über 20 Jahren. Bei Dunkirk ist vor allem die Kameraführung von Hoyte Van Hoytesma explizit zu erwähnen, die allerdings durch Roger Deakins‘ Arbeit bei Blade Runner 2049 leer ausgehen dürfte. Ich behaupte, dass Dunkirk in jedem anderen Jahr diesen Oscar für die Beste Kamera mühelos abgeräumt hätte. Abgesehen davon wird der Film in den technischen Kategorien wie Schnitt, Tonschnitt oder Toneffekte punkten und auch der Score von Hans Zimmer hat gute Chancen, wenn man den Experten von Gold Derby bzw. den Wettbüros vertraut.

Attacke von oben – (c) imdb.com

1. Manchester By The Sea (Kenneth Lonergan | 7.9 – 96)

Bei der heurigen Oscarverleihung mit zwei Statuetten ausgezeichnet (für das beste Drehbuch von Kenneth Lonergan und die Performance von Casey Affleck als bester Schauspieler), ist Manchester By The Sea wohl einer der deprimierendsten Filme aller Zeiten. Ein Film, der dir unbarmherzig in den Magen tritt wenn du gefühlsmäßig ohnehin schon am Boden liegst. Neben der preisgekrönten Darstellung von Casey Affleck ist auch die schauspielerische Leistung von Lucas Hedges hervorzuheben, der heuer gleich mit zwei Filmen (Lady Bird bzw. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) im Rennen um den Oscar für den besten Film beteiligt ist. Mich hat dieser Film vor allem aufgrund des Drehbuchs und der Story beeindruckt, dennoch habe ich es bis heute nicht über das Herz gebracht, ihn mir ein zweites Mal anzusehen (ähnlich die Situation auch wie bei Pan’s Labyrinth).

Nein, in diesem Film wird nicht gelacht. – (c) nybooks.com, all rights reserved

 

 

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Autor: themanwho83

Zwischen Graz und Ried

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